Dienstag, 27. September 2022

Emissionshandel – Wie der Markt unser Klimaproblem regeln soll

Unser heutiger Wohlstand basiert auf unserem Wirtschaftssystem, das bekanntlich durch steigende Emissionen zu unserer heutigen Klimaproblematik maßgeblich beigetragen hat. Daher versuchen die politischen Akteur:innen seit einigen Jahren, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Klimakrise mithilfe von marktbasierten Instrumenten in den Griff zu bekommen ist. Dazu ist auch im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung aus SPD, Bündnis 90 / Die Grünen und FDP (2021) im Kapitel Wirtschaft zu lesen:

„Wir wollen mehr Innovation, mehr Wettbewerbsfähigkeit, mehr Effizienz, gute Arbeit und klimaneutralen Wohlstand. Dafür brauchen wir ein Jahrzehnt der Zukunftsinvestitionen und mehr Tempo. Unser Ziel ist eine sozial-ökologische Marktwirtschaft“ (S. 20).

Der Wohlstand soll durch eine Transformation der Wirtschaft hin zu einer Marktwirtschaft, die neben sozialen nun auch ökologische Kriterien stärker berücksichtigt, erhalten bleiben. Doch was sind die Ideen unserer Bundesregierung konkret? Liest man hier im Koalitionsvertrag weiter, fallen verschiedene Bezeichnungen: Durch den Green Deal der EU soll ein Carbon Leakage verhindert werden, sogenannte Carbon Contracts for Difference möchte die Ampel-Regierung einführen, um Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. Wichtig ist außerdem ein wirksamer CO2-Grenzausgleichsmechanismus und weitere wirksame Instrumente. Diese sollen zusammen mit europäischen und internationalen Partner:innen in einem Klimaclub mit einheitlichem CO2-Mindestpreis umgesetzt werden (SPD, Bündnis 90 / Die Grünen, FDP 2021, S. 21).

Spätestens an dieser Stelle hat die Ampel den Großteil der Leser:innen, die sich für die Verbindung von Wirtschaft und Klimaschutz interessieren, verloren. Denn diese komplizierten Begriffe und die dahinterliegenden Konzepte sind den wenigsten Bürger:innen geläufig. Dabei sind diese Ideen Teil eines übergeordneten Konzeptes, dem Emissionshandel mit Emissionszertifikaten, der EU-weit bereits 2005 etabliert und seither mehrmals weiterentwickelt wurde (European Commission 2015, S. 4).

Der vorliegende Beitrag möchte Licht in den Begriffs-Dschungel rund um den Emissionshandel bringen. Dazu wird das Konzept und seine geschichtlichen Hintergründe erläutert und seine Möglichkeiten zur Weiterentwicklung in der EU und auf globaler Ebene skizziert, um das Konzept anschließend kritisch einzuordnen. Zum Schluss werden die Positionen der Ampelparteien zum Thema beleuchtet und weitere Mechanismen und Konzepte aufgegriffen, die den Emissionshandel ergänzen können.

Samstag, 24. September 2022

Kapitalismus und Klimaschutz - Podcast mit Ulrike Herrmann

Gestern war die Wirtschaftsjournalistin (taz) Ulrike Herrmann zu Gast bei der SWR1-Sendung "Leute". Es lohnt sich, das Gespräch nachzuhören. Herrmann macht deutlich, dass grünes Wachstum eine Illusion ist und dass sich der Kapitalismus deshalb grundlegend in eine "Überlebenswirtschaft" weiterentwickeln muss. Für diese Transformation im Rahmen einer demokratischen Ordnung gibt es - wenn überhaupt - nur ein einziges historisches Vorbild, nämlich die britische Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg. Den Podcast gibt es hier: "Was bedeutet "Überlebenswirtschaft" für uns?" Er kann als Anregung dienen, sich anhand des neuen Buches von Herrmann ("Das Ende des Kapitalismus: Warum Wachstum und Klimaschutz nicht vereinbar sind – und wie wir in Zukunft leben werden", Kiepenheuer & Witsch 2022) genauer mit den Inhalten zu beschäftigen:


Donnerstag, 8. September 2022

Nachhaltigkeit und Philosophie

In zwei Zeitschriften für Philosophie sind Ausgaben zum Thema "Nachhaltigkeit" erschienen, die eine sehr anregende Lektüre bilden:

  • der blaue reiter - Journal für Philosophie: Nachhaltigkeit. Eine Frage der Verantwortung, Heft 48, 2021.
  • Philosophie Magazin: Sonderausgabe Klimakrise: Was können wir wissen – Was sollen wir tun – Was dürfen wir hoffen, 2020.

         

Dienstag, 30. August 2022

Glück und Glücksindustrie - Doku von arte

Fragt man nach Möglichkeiten der nachhaltigen Umgestaltung, wie wir das in den Seminaren Nachhaltigkeit I und II tun, landet man eher früher als später bei der Frage nach dem guten Leben und damit auch beim Thema Glück. Ein aktueller Dokumentarfilm auf arte nimmt sich des Themas an: "Glücklichsein um jeden Preis"


Dienstag, 16. August 2022

Wasserkrise - Rolle der Privatisierung der Wasserwirtschaft

Wasser ist Leben. Dieser Satz verdeutlicht die enorme Wichtigkeit der Ressource Wasser. Unsere Gesellschaft benötigt Wasser in den unterschiedlichsten Lebensbereichen, sei es für den täglichen Konsum, Hygiene, die Landwirtschaft oder die wirtschaftliche Produktion. Ohne Wasser wäre jegliches Leben auf der Erde unmöglich, weshalb der Zugang zu ausreichendem und sauberem Trinkwasser als grundlegendes Menschenrecht angesehen werden sollte (vgl. Rejak, 2018, S. 6ff.).

Die gegenwärtige Wasserkrise stellt uns auf globaler Ebene vor eine große Herausforderung. Viele Länder, vor allem in den südlichen Regionen der Erde, leiden unter chronischem Wassermangel, woraus gesundheitliche Probleme und Krankheiten angesichts der mangelnden Hygiene hervorgehen. Die vor allem regional und klimatisch bedingte Ungleichverteilung des Wassers und die damit einhergehende Wasserknappheit machen sich vor allem große Wasserkonzerne, wie beispielsweise der Schweizer Konzern Nestlé, zunutze. Eine Privatisierung der Wasserversorgung kann zwar Vorteile mit sich bringen, geht aber letztendlich immer zulasten der ansässigen Bevölkerung, welche die Folgen erdulden muss (vgl. Müller/Henne, 2007, S. 14f.).

In diesem Beitrag erfolgt zu Beginn eine Hinführung zur Thematik Wasser, wobei auf den allgemeinen Ressourcenverbrauch und die Wasserkrise auf nationaler und globaler Ebene eingegangen wird. Im Anschluss wird der Begriff der Wasserprivatisierung genauer erläutert sowie dessen Vor- und Nachteile diskutiert. Der genaue Vorgang und die Folgen der Wasserprivatisierung werden am Beispiel des Nestlé Konzerns verdeutlicht. Zum Schluss werden die globalen Maßnahmen hin zu einer nachhaltigen Wasserwirtschaft aufgezeigt.

Dienstag, 19. Juli 2022

Die Bundesregierung, die Klimakatastrophe und das Bundesverfassungsgericht

Dieser Beitrag befasst sich mit der Frage, was die Bundesregierung tut, um der Klimakatastrophe Herr zu werden - oder eben auch, was Sie nicht tut oder getan hat. Laut einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist nämlich das Klimaschutzgesetz (KSG) der Bundesregierung vom 12.12.2019 verfassungswidrig. Mit dem von der Bundesregierung verabschiedeten Gesetz gibt es erstmals einen verbindlichen Rechtsrahmen zum Erreichen der Klimaschutzziele bis 2030. Die WELT schreibt hierzu:

„Mit dem Vorhaben werden nach langem Streit in der Koalition konkrete Treibhausgaseinsparziele für einzelne Sektoren wie Energiewirtschaft, Verkehr oder Wohnen festgelegt. Jedes Ministerium ist beispielsweise dafür verantwortlich, die gesetzten Vorgaben über die nächsten Jahre zu erreichen. Damit soll sicher gestellt werden, dass Deutschland bis 2030 sein Klimaziel erreicht und 55 Prozent Treibhausgase im Vergleich zu 1990 einspart.“ (WELT ONLINE, 2019).

Konkret bedeutete dies, dass die CO2-Preise für fossile Brennstoffe und die Luftverkehrssteuern steigen sollen und Pendler entlastet, Gebäudesanierung staatlich unterstützt und Windkraft ausgebaut und durch finanzielle Anreize attraktiver gestaltet werden soll (WELT ONLINE, 2019).

Montag, 18. Juli 2022

Time matters! Das Verhältnis von Klimaschutz und bedingungslosem Grundeinkommen

Was kann das bedingungslose Grundeinkommen zum Klimaschutz beitragen? Auch wenn das Verhältnis von Nachhaltigkeit und bedingungslosem Grundeinkommen in der Wissenschaft noch nicht ausreichend aufgegriffen wurde, bietet das Konzept, das allen Menschen ein gleiches Einkommen unabhängig von der individuellen wirtschaftlichen Lage sichern soll, die Chance, aus dem Hamsterrad des modernen Wirtschaftssystems zu entkommen.

Wenn es um die individuelle nachhaltige Lebensweise und den Konsum geht, werden die Faktoren Zeit und Geld häufig als Hindernisse gesehen. „Weder habe ich genug Geld, um mir teuere, ökologische und nachhaltige Konsumgüter zu kaufen, noch habe ich die Zeit, mich mit Fragen der Nachhaltigkeit zu beschäftigen.“ Das bedingungslose Grundeinkommen bietet die Möglichkeit, diesen zwei Hindernissen entgegenzuwirken.

Green New Deal

Der Green New Deal ist das wohl größte Projekt, das sich die EU bislang vorgenommen hat. Europa soll als erstes Kontinent klimaneutral werden und somit die wirtschaftliche Entwicklung in eine andere Richtung lenken. Durch Maßnahmen in allen Politikfeldern soll dies ermöglicht werden. Wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Ziele sollen miteinander verwoben werden (vgl. Dröge).

Die 27 EU-Mitgliedstaaten wollen bis 2050 klimaneutral werden. Zu Beginn sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55% gegenüber dem Stand von 1990 sinken. Um das gemeinsam schaffen zu können, müssen Wirtschaft und Gesellschaft in vielen Bereichen neu ausgerichtet werden.

Direct Air Capture – CO2-Filter als (Teil-)Lösung der Klimakrise?

Unter anderem durch den 2019 erstmals vorgestellten „European Green Deal“ und dem damit verbundenen Ziel, die Netto-Emissionen auf Null zu reduzieren, kamen wieder vermehrt sogenannte „Direct Air Carbon Capture and Storage“-Systeme in den Fokus der Debatte rund um politische Maßnahmen zur Abschwächung bzw. Lösung der Klimakatastrophe (Europäische Kommission 2019, S. 1). Der Weltklimarat IPCC geht in seinen neuesten Modellen sogar von einer Notwendigkeit von Maßnahmen zur CO2-Entnahme aus, um das Netto-Null-Ziel überhaupt erreichen zu können (IPCC 2022, S. 1).

Dementsprechend wird innerhalb der europäischen Institutionen sowie der nationalen Regierungen auch an potenziellen Maßnahmen zur gezielten Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre und dessen dauerhaften Lagerung gearbeitet, da die natürlichen Entnahmekapazitäten, zum Beispiel durch (Wieder-)Aufforstung, nicht ausreichen, um die vereinbarten Ziele zu erreichen (Schenuit et al. 2022, S. 1). So geht die Europäische Kommission davon aus, dass „im Jahr 2050 [immer noch] etwa 500 Megatonnen (Mt) CO2-Äquivalente (CO2eq) ausgeglichen werden […], um Netto-Null-Emissionen zu erreichen“ (ebd., S. 2).

Ökosystembasierte Methoden, unter anderem (Wieder-)Aufforstung, werden allein nicht ausreichen, um die Emissionen auszugleichen, weswegen künstliche Carbon Dioxide Removal-Maßnahmen (CDR) vermehrt in den Fokus rücken bzw. politisch, insbesondere hinsichtlich der potenziellen Entnahmemethoden, diskutiert werden (ebd.). Zu den bislang meistdiskutierten Maßnahmen gehören sogenannte „Direct Air Carbon Capture and Storage“-Systeme (DACCS), welche CO2 aus der Umgebungsluft herausfiltern und speichern bzw. anderweitig verwendbar machen (z.B. synthetische Kraftstoffe).

Freitag, 15. Juli 2022

Anpassen an den Klimawandel: schwimmende Städte


Kennt heute noch jemand den von Kritikern eher negativ aufgenommen Spielfilm „Waterworld“ von 1995 mit Kevin Costner in der Hauptrolle? Die Polkappen sind geschmolzen, festen Boden gibt es nicht mehr aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels, alle leben auf improvisierten, aus Müll zusammengebastelten Plattformen, die im Meer schwimmen. Trinkwasser und Erde werden zu den teuersten Ressourcen, für die gemordet und geplündert wird, die einzige Hoffnung ist der Mythos Dryland, das letzte Stück fester Boden, den alle finden wollen. Auch wenn der Film in vielen Punkten versagt, so muss man doch anerkennen, dass die Idee von schwimmenden Plattformen als Lebensraum durchaus seinen Reiz hat. Und heute, 2022, ist das nicht mehr nur eine verrückte Vorstellung, auch nicht nur ein grobes Konzept, es ist bereits Realität dank eines Prototyps in der südkoreanischen Metropole Busan.

Idee der schwimmenden Stadt

In erstaunlich kurzer Zeit hat sich die Idee zum Prototyp weiterentwickeln können: 2019 fand die erste Round Table Sitzung des UN-Programms UN-Habitat, ein Wohn- und Siedlungsprogramm der Vereinten Nationen, statt. Das Problem ist offensichtlich: mehr und mehr Menschen, Städte, sogar ganze Nationen sind vom Anstieg des Meeresspiegels sowie zunehmenden Naturkatastrophen in Küstengebieten gefährdet. 9 der 10 größten Städte weltweit sind einem starken Risiko ausgesetzt und mehr als eine halbe Milliarde Menschen sehen sich heute schon den zunehmenden Problemen ausgesetzt. Der Gedanke stand stets im Raum, die Flucht in die Höhe zu suchen, also höher gelegene Regionen als Zuflucht zu wählen vor Überschwemmungen und anderen lebensbedrohlichen Katastrophen. Doch nun wird auch der Idee nachgegangen, das Wasser als Wohnraum zu erschließen.

Das Projekt der blue technology Firma Oceanix soll genau das ermöglichen. In Zusammenarbeit mit einer Vielzahl an Menschen und Organisationen aus aller Welt und mithilfe der UN wird das Ziel verfolgt, schwimmende Plattformen als eigenständige, sich selbst komplett versorgende und vor allem klimaneutrale Städte zu errichten. Damit soll nicht nur auf Klimakatastrophen reagiert werden, man erhofft sich auch, soziale Ungleichheit reduzieren zu können, indem man mehr Wohnraum zur Verfügung stellen kann, um die ständig steigenden Kosten in Großstädten aufhalten zu können.

Dienstag, 12. Juli 2022

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)

Heute gilt der Ausbau erneuerbarer Energien als eine zentrale Säule der Energiewende. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist Teil nachhaltig gestalteter Energiepolitik und gehört laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klima (BMWK 2022) zu den wirkungsvollsten und effizientesten Klimaschutzinstrumenten in Deutschland.

Klimaschutz ist zu einer der größten politischen und gesellschaftlichen Herausforderung geworden. In Deutschland wird seit dem Stromeinspeisungsgesetz von 1991 die Erzeugung von erneuerbaren Energien gefördert. Am 1. April 2000 trat das EEG in Kraft, um kurzfristig Investitionen in erneuerbare Energien zu steigern, und löste somit das Stromeinspeisungsgesetz ab, welches von 1991 bis 2000 gültig war.

Anhand des Gesetzes erfolgte erstmalig die Einspeisung von Strom aller erneuerbaren Energiequellen in das deutsche Verteilernetz und zugleich ermöglichte es eine schrittweise Veränderung von umweltschädigenden Atom- und Kohlekraftwerken hin zu ökologischer Elektrizität (vgl. Stadermann, 2021, S. 616f.). Das EEG wurde mehrfach evaluiert, wobei Rahmenbedingungen und Fördersätze verändert wurden. Die derzeit letzte Novellierung des EEG erfolgte 2021. Zweck des Gesetzes ist es,

„eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermöglichen, die volkswirtschaftlichen Kosten [...] auch durch die Einbeziehung langfristiger externer Effekte zu verringern, fossile Energieressourcen zu schonen und die Weiterentwicklung von Technologien zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien zu fördern“ (Umweltbundesamt 2021).

Tempolimit auf Autobahnen

Als im November 2021 die Parteien SPD, Grüne und FDP den Koalitionsvertrag ausgehandelt haben, existierte bei manchen die Hoffnung, dass ein generelles Tempolimit aufgrund der Mitwirkung der Grünen kommen wird. Allerdings war dem nicht so und manche Stimmen sahen darin ein Zugeständnis an die FDP.

Kein halbes Jahr später überfiel Russland die Ukraine und seither herrscht Krieg. Deutschland ist von Russlands Rohstoffimporten abhängig. Die damit einhergehenden Zahlungen Deutschlands an Russland können als Finanzierung des Krieges angesehen werden. Dies führte unter anderem dazu, dass sich die Umweltministerkonferenz der Länder für ein Autobahn-Tempolimit einsetzte, mit der Begründung, dass dies eine kostengünstige, schnell umsetzbare und sofort wirksame Maßnahme sei, um den nationalen Kraftstoffverbrauch zu reduzieren. Dies würde wiederum die Abhängigkeit von russischen Rohstoffimporten verringern. Die Umweltminister stellen sich somit gegen die Bundesregierung, die ein Tempolimit zum jetzigen Zeitpunkt ablehnt.

Doch neben dem Aspekt der Reduzierung von Rohstoffimporten existieren weitere Argumente, fossile Kraftstoffe einzusparen – eines davon ist die Klimakrise. Doch bevor das klimafreundliche Potenzial eines Tempolimits thematisiert wird, soll eine kurze Bestandsaufnahme vorgenommen werden. In Deutschland sind 70% der Autobahnstrecken ohne Tempolimit. Dies sind rund 18115 Kilometer. Auf diesen Abschnitten beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit 125 km/h, ermittelte die Bundesanstalt für Straßenwesen.

Montag, 11. Juli 2022

Aquaponik: Wenn Fische und Gemüse im Kreislauf stehen

Die Meere sind überfischt, die Felder überdüngt und der Klimawandel sorgt dafür, dass sich die Biodiversität drastisch reduziert hat. Hinzu kommt, dass die Wasserqualität von Seen und das Grundwasser unter der konventionellen Fischzucht leidet. Eine mögliche Lösung könnte sein, diese Probleme zu kombinieren und hieraus ein neues Konzept zu entwickeln. Erste Forschungsergebnisse des Aquaponik-Konzepts sind vielversprechend und der erste Schritt in die richtige Richtung.

Dieser Blogeintrag beschreibt das Konzept Aquaponik in Kürze und fragt, inwieweit es zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen kann. Darüber hinaus wird auf die politische Umsetzung bzw. Förderung eingegangen.

Freitag, 10. Juni 2022

Photovoltaik: mit der PV-Pflicht hin zur Klimaneutralität?

‚In erneuerbaren Energien liegt unsere Zukunft‘: so lauten seit einigen Jahren die Schlagzeilen verschiedenster Tageszeitungen, die immer wieder über die Möglichkeiten von Sonnen- und Windenergie berichten. Im Bereich der erneuerbaren Energien nimmt Photovoltaik inzwischen eine führende Rolle ein. So kann dieser Prozess folgendermaßen beschrieben werden:

„Als Photovoltaik wird der Zweig der Energietechnik bezeichnet, der sich mit der Umwandlung von solarer Strahlungsenergie (Photonen) in elektrische Energie beschäftigt. Mit der Nutzung der Photovoltaik als erneuerbare Energiequelle werden viele positive Aspekte assoziiert. So stellt die Sonne eine für den Menschen unerschöpfliche Energiequelle dar. Die Strahlungsenergie der Sonne ist ein sogenanntes freies Gut, das heißt, sie steht jedem jederzeit kostenfrei zur Verfügung.“ (Dengler 2012, S.14)

Auch hinsichtlich der Reduzierung der CO2-Emissionen ist Photovoltaik als alternative, erneuerbare Energie von besonders großer Bedeutung. Die Nutzung von eigens auf dem Dach produziertem Solarstrom statt herkömmlich erzeugtem Strom trägt zudem zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen und damit zur Minderung der Folgen des Klimawandels bei. Somit hat die Nutzung der Photovoltaik also auch direkte Auswirkungen auf die Bekämpfung der Klimakatastrophe (vgl. Dengler 2012, S.13).

Montag, 30. Mai 2022

Der European Green Deal

Der European Green Deal ist ein Konzept der Europäischen Union, das 2019 von Ursula von der Leyen vorgestellt wurde. Ziel des Green Deals ist es, dass Europa als erster Kontinent bis zum Jahr 2050 klimaneutral wird. Dabei sollen verschiedene Maßnahmen in unterschiedlichen Politikfeldern ergriffen werden, um eine möglichst breite Abdeckung zu erzielen. Es ist ein ganzheitlicher und sektorenübergreifender Ansatz erforderlich, bei dem alle relevanten Politikbereiche zum übergeordneten Klimaziel beitragen (Generalsekretariat des Rates 2022). Wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Ziele werden miteinander verwoben, um die EU durch den Green Deal zukunftsfest zu machen (vgl. Dröge 2022).

„Der Green Deal ist die ehrgeizigste Agenda, die sich die EU je gegeben hat. Die Kommission verfolgt nicht bloß den Klimaschutz als Ziel, sondern will durch den Deal auch wirtschaftlich und geopolitisch zu den USA und China aufschließen“ (ebd.).

Mittwoch, 11. Mai 2022

Nachhaltiges Bauen

Energieeffizient und ressourcenschonend

Der besonders sparsame Umgang mit Energie und auch Rohstoffen ist angesichts der weltweiten Ressourcenknappheit eine der drängendsten Herausforderungen in unserer heutigen Zeit. Auf dem Weg zu einer gerechteren und umweltverträglicheren globalen Entwicklung steht Deutschland vor großen Aufgaben und hat sich daher ambitionierte Ziele gesetzt. Diese sind in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie festgehalten. Angestrebt wird unter anderem ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand bis zur Mitte des Jahrhunderts. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn Gebäude schon heute nachhaltig, also energieeffizient und klimagerecht, geplant und gebaut werden.

Die Bauwirtschaft stellt einen besonders ressourcenintensiven Wirtschaftszweig dar. Etwa 14 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland stammen aus dem Gebäudesektor (Quelle: Bundesregierung, Stand 2018). Grund hierfür sind beispielsweise Emissionen, welche bei der Herstellung von Strom, Fernwärme oder von Baustoffen entstehen. Eigentlich müsste dieser Wert das Doppelte betragen, also 28 Prozent, denn obwohl man die Produkte hauptsächlich im Gebäudesektor benötigt, werden die Emissionen dennoch der Energiewirtschaft und der Industrie zugerechnet. Auch trägt der Baubereich über die Hälfte zum deutschen Abfallaufkommen bei (Quelle: Schlaglichter der Wirtschaftspolitik, 09/2018). Ein sparsamerer Ressourceneinsatz, Recycling und Wiederverwertung von Baustoffen können daher einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Mittwoch, 4. Mai 2022

Grenzenloser Genuss ohne Reue? Die Konsumgesellschaft

Die Konsumgesellschaft als Resultat der Wachstumsgesellschaft zeichnet sich durch ihren hohen Verbrauch an Ressourcen aus. Das gute Leben wird in dieser Gesellschaft im grenzenlosen Konsum gesehen und somit im Leben im Hier und Jetzt. Menschen, die unter den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen der Konsumgesellschaft leben, befinden sich in einem Kreislauf des Konsums, der aus Kaufen, Wegwerfen und Neukaufen besteht.

Auch wenn die Bedürfnisse in der Konsumgesellschaft längst gestillt sind, wird der Verbraucher unter anderem durch Werbung immer weiter zum Kaufen und Verbrauchen verleitet. Ein Unterschied zu anderen Gesellschaften ist, dass der Konsum in alle Lebensbereiche dringt. Hierbei dienen Produkte als Statussymbole und bestimmen die gesellschaftliche Rangordnung. Auch Anerkennung und Liebe werden durch Konsum geäußert.

Während die Schere zwischen Arm und Reich durch diesen Kreislauf immer größer wird, verschärfen sich die daraus resultierenden Probleme, vor allem die Klimakrise. Die Gefahr für die Ozeane, menschenverachtende Arbeitsbedingungen, Ressourcenausbeutung uvm. sind die Folgen. Lösungsansätze werden in der Verbraucherverantwortung und in Konzepten wie zum Beispiel der Sharing Economy gesehen.

Dienstag, 26. April 2022

Beschleunigung des Ausbaus der Windenergie an Land

Angesichts zunehmender Wetterextreme und Naturkatastrophen wird die voranschreitende Klimakrise sowie die damit einhergehende Dringlichkeit, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergrefen, immer offensichtlicher. Der Ausbau erneuerbarer Energien, wie beispielsweise der Windenergie, erscheint dabei als eine Maßnahme, die als Hoffnungsträger gesehen wird (vgl. hierzu bspw. BMWK; BMUV 2022b, S. 1). Dennoch stagnierte der Windenergie-Ausbau im Jahr 2021 (vgl. Schader 2021).

Einer der Gründe für diese Stagnation besteht in den politischen und rechtlichen Hürden, die in Bezug auf den Aufbau von Windrädern eine Rolle spielen. So verweist das Umweltministerium auf Rückfrage des SWR in erster Linie auf „die langwierigen Genehmigungsverfahren und Artenschutzgründe, die den Ausbau bremsten“ (ebd.). Im Schnitt dauert die Zulassung von Windenergieanlagen an Land in etwa vier (vgl. Quentin 2015, S. 25), die gesamte Umsetzung des Projektes circa fünf Jahre (vgl. ebd., S. 29).

Donnerstag, 21. April 2022

Wie Kapitalismus, Wachstum und Klimawandel zusammenhängen

Der Klimawandel ist eines der größten und komplexesten Probleme unserer heutigen Zeit. In allen größeren Parteien Deutschlands findet man in den Programmpunkten einige Ansätze und Vorschläge, wie die schlimmsten Auswirkungen verhindert werden können. Und dennoch bekommen wir bereits heute die ersten Konsequenzen des Klimawandels zu spüren: Immer häufiger erreichen uns Nachrichten von riesigen Waldbränden, ausgelöst durch lange Hitzewellen, oder von Fluten, welche ganze Ortschaften zerstören. Und so steigt auch die Angst vieler Bürgerinnen und Bürger, die sich zunehmend direkt bedroht fühlen (vgl. Heeke 2021).

Diese zunehmend erlebte Gefährdung drückt sich auch in globalen Organisationen wie „Fridays for Future“ aus. Diese organisieren regelmäßig globale Streiks gegen den Klimawandel und fordern dabei immer wieder die Politik auf, Maßnahmen zu ergreifen, um das Klima zu schützen (vgl. Fridays for Future 2022).

Doch obwohl das Problem des Klimawandels eine hohe mediale und politische Aufmerksamkeit genießt, reichen die Beschlüsse und Maßnahmen nicht aus, um das Problem zu lösen (vgl. Sadik 2020). Es scheint, als fehle der Wille oder die Kompetenz, um den Klimawandel wirklich wirksam zu bekämpfen. Doch warum ist dies so?

Was, wenn unsere gesamte Art zu leben, unser Wirtschaftssystem und unsere Werte gegen eine Bekämpfung des Klimawandels sprechen? Wie wirkt sich der Kapitalismus auf die Bekämpfung des Klimawandels aus? Als Antwort lautet die These dieser Arbeit: Der Kapitalismus teilt unsere Gesellschaft in zwei Gruppen auf: Personen mit und ohne Kapital. Dabei existiert ein Wachstumsgedanke in beiden Gruppen, welcher sich unterschiedlich bemerkbar macht, im Effekt jedoch die Lösung des Klimaproblems verhindert.

Public Climate School

Die interaktive Aktionswoche Public Climate School findet vom 16.-20. Mai 2022 statt und wird von Studierenden der Fridays for Future-Bewegung organisiert. Im Lauf dieser Woche veranstalten Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus verschiedenen Fachbereichen digitale Vorträge, Diskussionen und Workshops rund um die Themen Klimakrise und Nachhaltigkeit.

Mit dem Programm verbindet sich die Möglichkeit, Klimabildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Lehrveranstaltungen zu integrieren. In der Aktionswoche werden von 14:15 - 17:45 Uhr die Veranstaltungsformate "Lectures for Future" und "Frisch aus der Forschung" im Livestream angeboten. Genauere Infos zum Ablauf der Veranstaltungen findet man auf der Webseite https://publicclimateschool.de/ und in folgender Präsentation: https://plattform-n.org/project/public-climate-school/file/basic-praesi-pcs-60pdf/download/Basic-Pr%25C3%25A4si-PCS-6.0.pdf.

Einweg- und Mehrwegpfand in Deutschland

Die Idee hinter einem Flaschen- und Dosenpfand ist so einfach wie genial. Ein Pfand auf Getränkeverpackungen soll Abfall reduzieren, Rohstoffe schonen, für eine sauberere Umwelt sorgen und das Konsumverhalten verändern. Seit der Einführung des Flaschen- und Dosenpfands 2003 hat sich in Deutschland vieles verändert. Sowohl zum Guten als auch zum Schlechten.

Der Beweggrund für diese Seminararbeit ist der Satz: Geld wirft man nicht weg! Diesen Satz kennen wir alle. Meine Großeltern predigten das, dann meine Eltern und heutzutage reproduziere ich es. Schon als kleiner Junge, wenn ich nachmittags mit dem Fahrrad durch den Ort fuhr, konnte ich nicht verstehen, warum Pfandflaschen einfach so in der Gegend rumlagen. Also packte ich sie ein, brachte sie zur Tankstelle oder zum Getränkehändler. Von dem Pfandgeld kaufte ich mir Süßigkeiten beim Bäcker. Aus Müll Geld gemacht. Schwäbisch sparsam, wie ich aufgewachsen bin, konnte ich so mein Taschengeld für etwas anderes sparen. Auch deshalb ist es mir ein Anliegen, mehr Menschen die Initiative "Pfand gehört daneben" vorzustellen und im Zuge dessen die Hintergründe des deutschen Pfandsystems zu erläutern.

Mittwoch, 6. April 2022

Können nur Veganer und Vegetarier nachhaltig leben?

"What if the key actors in climate change are … cows, pigs and chickens?" Dieser Satz ist die Überschrift des Worldwatch Reports von November/Dezember 2009 (https://awellfedworld.org/livestock-climate-advanced/). Er berichtet über die Rolle der Viehzucht und des Verzehrs von Fleisch im Kontext des Klimawandels.

Der Klimawandel ist die größte Herausforderung der modernen Menschheitsgeschichte. Diese Krise ist vom Menschen selbst verursacht worden. Viele Menschen denken, dass man mit dem Ausstieg aus fossilen Energien der Lösung auf der Spur sei. Die Energiegewinnung beziehungsweise die Wirtschaft auf erneuerbare Energien umzustellen, ist aber nur ein Teil der großen Problematik „Klimawandel“. Ein weiterer, nicht zu verachtender Teil ist die Ernährung der Menschen, besonders der Fleischkonsum.

Dieses Thema wird gerne totgeschwiegen, da es jeden Einzelnen persönlich betrifft. Menschen sind Gewohnheitstiere und bei tiefgreifenden Veränderungen sehr oft misstrauisch. Dieses Misstrauen wird in der Thematik Ernährung nochmals verstärkt. Die meisten Menschen wollen ihr Essen einfach genießen, für manche ist es gar heilig. Aus diesem Grund wollen sie sich auch nicht vorschreiben lassen, wie sie sich zu ernähren haben.

Vor allem in den Industrienationen des globalen Nordens ist der Fleischkonsum pro Kopf geradezu explodiert. Damit dieser Fleischkonsum gewährleistet werden kann, müssen Wälder gerodet werden, um Weidefläche und Ackerland zu erhalten. Jedoch findet eine Kehrtwende im Ernährungsdenken der Menschen statt. Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch oder sogar vegan.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich, aber die Auswirkungen sind bei allen dieselben. Die vegetarische und vegane Ernährung verspricht, eine nachhaltige und gesunde Alternative zu sein, die außerdem auch gut für das Klima ist. Die daraus resultierenden Fragen werden in diesem Beitrag aufgegriffen. Ist ein nachhaltiger Fleischkonsum möglich?

Donnerstag, 31. März 2022

Pflanzen selbst züchten

Gerade in der Pandemie ist der Trend aufgekommen, selbst Pflanzen, Obst und Gemüse zu züchten, anstatt diese immer wieder im Supermarkt zu kaufen. Besonders beliebt war dabei, von bereits gekauftem Obst und Gemüse die Kerne zu entnehmen und Pflanzen daraus zu züchten. Überall in den Sozialen Medien gab es Videos, wie man beispielsweise Avocado selbst züchtet. Abgesehen davon, dass die Avocadopflanze sehr lange braucht, um Früchte zu tragen, ist dieser Trend etwas sehr Wünschenswertes.

Jeder hat ein bisschen Platz zuhause, um selbst Kräuter anzubauen, anstatt sie im Laden zu kaufen und aufgrund der Überzüchtung viel zu schnell wegzuwerfen. Beispielsweise könnte man in ein Gartencenter gehen, dort einen Blumentopf kaufen, ebenso die Samen, die man möchte, z.B. Basilikum und Kresse, dazu noch Erde kaufen, dann zuhause einpflanzen, den Topf auf das Fensterbrett stellen und regelmäßig gießen.

Bei Steinobst kann man oftmals den Kern selbst in ein feuchtes Tuch wickeln und dann in eine Plastiktüte packen, nach ein paar Wochen keimt der Kern und man kann ihn in die Erde einpflanzen. Diese einfache Methode kostet zwar ein wenig Zeit, aber sie verschafft einem die Freude, selbst etwas angebaut zu haben. Ein weiterer Vorteil ist dabei, dass die unnötigen Plastikverpackungen nicht mitgekauft werden, wenn man selbst sein Obst und Gemüse anpflanzt. Auch wird einem bewusst, welche Lebensmittel zu welcher Jahreszeit angemessen sind und welche mit Unmengen an CO2-Ausstoß nach Deutschland transportiert werden müssen.

Internetquellen:

Wie fair ist Fairtrade?

Seit einigen Jahren kann man immer mehr Fairtrade-Produkte in unseren Supermärkten finden. Die Produkte kann der Konsument an dem Fairtrade-Siegel erkennen und kauft sie auch deswegen. Wir assoziieren mit Fairtrade faire Arbeitsbedingungen, gerechte Bezahlung und auch einen nachhaltigen Anbau. In diesem Beitrag möchte ich folgende Fragen ansprechen: Was steckt hinter der Fairtrade-Bewegung? Inwieweit sind die Produkte nachhaltig? Wie fair ist Fairtrade wirklich?