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Sonntag, 3. Dezember 2023

Radikal fürs Klima – Helden oder Kriminelle?

Am 26.06.2023 veröffentlichte der SWR eine Reportage mit dem Titel “Radikal fürs Klima – Helden oder Kriminelle?“. Hauptaugenmerk der Doku ist die im Titel benannte Kontroverse. Die Argumentatioenn von Personen aus unterschiedlichen Bereichen werden in diesem Blogbeitrag zusammengefasst.

Marco Buschmann (Bundesjustizminister FDP): Buschmann erachtet es für sinnvoll, wenn Bürger sich an der politischen Debatte, was die besten Wege zum Klimaschutz sind, beteiligen – auch durch Demonstrationen. Jedoch sollen sie dabei stets das geltende Recht beachten. Die Entscheidung, ob die Letzte Generation eine kriminelle Vereinigung sei, obliege der Justiz bzw. der Entscheidung der Gerichte, so Buschmann. Hinsichtlich der Diskussion über ein angemessenes Strafmaß für Brüche des Strafrechtes seitens Klimaaktivisten vertritt Buschmann die Auffassung, dass es harte Strafen brauche, um eine Wirkung der Sanktionen zu erreichen. Die Eskalationsspirale nehme nicht weiter zu, wenn Politik, Justiz und Gesellschaft diesen Formen des Protests entschieden entgegentreten.

Katrin Höffler (Professorin für Strafrecht und Kriminologie): Sie ist der Auffassung, dass der politische Protest Teil dessen sei, was unsere Demokratie aushalten müsse. Anders als Marco Buschmann vertritt sie die Auffassung, dass das Strafrecht nicht in dem Maße instrumentalisiert werden darf, dass sich politischer Protest nicht lohnen würde. Dem Vorwurf, die Letzte Generation sei im Sinne des § 119 StGB eine kriminelle Vereinigung, kann sie nicht zustimmen. Dies begründet sie damit, dass der § 119 StGB eng auszulegen sei für bspw. Mafia, organisierte Kriminalität oder rechtsextremistische Gruppierungen. Der § 119 StGB sei ausgelegt für Ermittlungsmaßnahmen in einem ganz anderen Ausmaß und dürfe daher nicht leichtfertig angewendet werden. Hinsichtlich der Diskussion über ein angemessenes Strafmaß vertritt sie die Auffassung, dass härtere Strafen bei Menschen keine Sanktionswirkung haben, die sich aus tiefster Überzeug für den Klimaschutz einsetzen. Stattdessen solle man mit ihnen in den Diskurs gehen. Die Eskalationsspirale nehme immer weiter zu, da sich die Protestler von der Politik nicht verstanden fühlen.

Amelie Meyer (Extinction Rebellion): Schon seit längerer Zeit, so Amelie Meyer, sehe man, dass die Politik nicht ausreichend agiert, um die Klimaziele zu erreichen. Ebenso unzulänglich seien die Reaktionen der Politik auf bisherige konventionelle Formen des Protestes. Daher sei es neben einem generellen Engagement der Bürger in Sachen Klimaschutz auch notwendig, neue Formen des Protests anzuwenden. Dafür ist sie auch bereit, die Konsequenzen zu tragen, mit Protestaktionen eventuell gegen das Gesetz zu verstoßen und dafür strafrechtlich verfolgt zu werden.

Florian Zander (Extinction Rebellion): Es sei lediglich ein Bruchteil von Aktivisten, so Zander, die aktiv gegen Gesetze verstoßen. Jedoch brauche es auch zivilen Ungehorsam seitens Umweltaktivisten. Dies begründet er damit, dass man bereits in der Vergangenheit mehrfach gesehen habe, dass es durch Gesetzesbrüche zu gerechteren Gesetzen gekommen sei. Hierfür nennt er jedoch keine Beispiele.

Luisa Neubauer (Fridays For Future): Die Klimaproteste in den letzten Jahren haben, so Neubauer, die Welt verändert. Sie sorgten u.a. dafür, dass das Thema Klimaschutz zu einem der Wahlkampfthemen wurde und Parteien zum Wahlerfolg verholfen hat. Auch wurde diese Thematik dadurch stärker in den Medien und Unternehmen präsent, so Neubauer. Die Radikalisierung von Klimaprotestformen hat dazu geführt, dass sich einige Politiker von Themen wie Klimaschutz abgewendet haben, da sie sich dadurch profilieren konnten.

Alexander Dobrindt (Fraktionsvorsitzender der CSU im Bundestag): Er betrachtet die Letzte Generation als kriminelle Vereinigung. Dies begründet er damit, dass Anhänger dieser Gruppe sich wiederholt zusammenfänden, um gemeinschaftlich Straftaten zu begehen.

Carla Hinrichs (Letzte Generation): Die Gerichtsprozesse sind für Carla Hinrichs Teil des Prozesses des Klimaaktivismus. Zum einen werde dadurch medial erneut auf die Thematik Umweltschutz aufmerksam gemacht. Zum anderen können die Aktivisten im Gericht für ihre Überzeugungen in der Klimaschutzthematik werben. Insgesamt sei ihre Angst vor der Verschärfung der Klimakrise größer, als die Angst, im Gefängnis zu landen. Viele Demokratien seien, so Hinrichs, erst durch zivilen Widerstand entstanden und Protestaktionen somit ein gutes Mittel, um Positives zu bewirken.

Frank Bräutigam (ARD-Rechtsexperte): Sitzstreiks habe es schon lange vor der Letzten Generation gegeben. In der Vergangenheit kamen viele Gerichte zu dem Entschluss, dass dies strafbare Nötigung sei. Auch wenn wie im Falle der Letzten Generation ein guter Zweck dahinter stehe, nämlich auf Klimaschutz aufmerksam zu machen, ändere dies nichts an der strafrechtlichen Einordnung.

Sonntag, 26. November 2023

Klima retten durch Verbote? Pro und Contra

In dem YouTube-Format "13 Fragen" geht es darum, unterschiedliche Fragen zu diskutieren. Hierbei stehen sich jeweils 2 Gruppen à 3 Personen gegenüber, von denen eine Gruppe die Pro- und eine Gruppe die Contra-Seite vertritt. In jeder Folge werden zu einer übergeordneten Fragestellung 13 Fragen diskutiert, in welchen sich die Pro- und Contra-Gruppen jeweils gegenübertreten und debattieren. Ziel ist es, am Ende einen möglichen Kompromiss der beiden Standpunkte zu finden.

Am 23.06.2021 wurde die Folge mit dem Thema “Brauchen wir mehr politische Verbote, um das Klima zu retten?“ veröffentlicht, deren wichtigste Erkenntnisse ich in diesem Blogbeitrag zusammenfassen möchte. Ich fokussiere mich dabei auf die genannten Argumente im Hinblick auf die genannte Frage. Bei der Auflistung werde ich ebenfalls erwähnen, welchen Background die Person hat, da dies für die jeweilige Argumentation nicht unerheblich ist. Anschließend möchte ich einen Anreiz dazu geben, wie man dieses Format in abgewandelter Form auch im Unterricht einsetzen könnte.

Argumente, die dafür sprechen, dass durch Verbote das Klima gerettet werden könnte: 

  • Carla Reemtsma (Fridays for Future-Aktivistin): Es sei keine Zeit vorhanden, lediglich auf das Erreichen langfristiger Klimaziele zu setzen Es brauche weniger Verbote für die einzelne Privatperson, sondern für Unternehmen, da diese die Hauptverursacher der Emissionen seien. Verbote seien nicht per se negativ. Als Beispiel nennt sie die Anschnallpflicht im Auto. Aufgrund des Ausmaßes der Klimakrise könne man sich nicht darauf verlassen, dass in den nächsten Jahren möglicherweise Innovationen kommen könnten, sondern man müsse jetzt handeln. 
  • Pia Schulze (Aktivistin und YouTuberin): Verbote hätten einen aufklärenden Charakter, da Menschen sich durch die Verbote Gedanken machen würden, warum dieses Verbot ausgesprochen wurde, und ihnen dadurch der schädliche Charakter des verbotenen Gutes bewusst werden würde. Pauschale Verbote seien deshalb nicht ungerecht, da alle gleichermaßen davon betroffen wären.
  • Yasemin Kiracti-Kücük (Sensibilisiert Migrant*innen für Klimaschutz): Verbote seien notwendig, da man sehe, dass Menschen nicht freiwillig klimafreundlich handeln. Verbote, auch wenn sie zunächst nur in Deutschland bestünden, hätten eine Vorbildwirkung auf andere Länder und könnten somit auf lange Sicht das Klima retten.

Argumente, die dagegen sprechen, dass durch Verbote das Klima gerettet werden könnte: 

  • Phillip Gerhardt (Dipl. Forstwirt und Agrarforst-Experte): Kurzfristige Verbote seien anfällig für Populismus. Daher sei es besser, eine Kultur schaffen, welche Anreize dazu bietet, langfristige Klimaschutzziele zu verfolgen. Manche Verbote hätten sogar auf lange Sicht gesehen negative Folgen für das Klima, welche jedoch beim Aussprechen des Verbotes nicht mitbedacht werden würden. Anstelle von Verboten sei es sinnvoller, in Bürgerversammlungen gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, deren Ergebnisse dann auch von allen mitgetragen werden würden.Verbote könnten bei einigen Menschen in der jeweils betroffenen Branche zu Arbeitslosigkeit führen. Anstelle von Verboten sei es sinnvoller, auf Nature Based Solutions zu setzen.
  • Daniel Mack (Leiter Verkehr, Umwelt und Digitalpolitik bei der Daimler AG): Besser wäre es, auf Innovationen anstelle von Verboten zu setzen. Dann würden Menschen, wenn sie die Innovationen als sinnvolle Alternative erachten, freiwillig, auch ohne Verbote, umsteigen. 
  • Melanie Jaeger-Erben (Professorin und Doktorin für Psychologie und Soziologie): Das Problem sei, dass das Wort “Verbot“ negativ besetzt sei und bei vielen Menschen deshalb auf Abwehr stoßen könnte. Menschen würden sich dadurch ungerecht behandelt fühlen, da sie vermutlich mehr von den Verboten betroffen wären als diejenigen, welche die Probleme verursacht haben. Pauschale Verbote bekämpfen oftmals nur die Symptome und nicht die Ursachen des Problems. Anstelle des Verhängens von Verboten müsse man an den Ursachen ansetzen (Bsp.: Anstelle Verbote für das Autofahren zu verhängen, solle man den ÖPNV besser ausbauen).

Das Video in voller Länge kann man hier ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=P7qnvCxlhIs 


Auch bietet das Format “13 Fragen“ noch weitere Videos, in denen Fragestellungen diskutiert wurden wie etwa:

Dieses Format lässt sich in abgewandelter Form auch im eigenen Unterricht umsetzen. So durfte ich in meinem Schulpraktikum eine Unterrichtsstunde erleben, in der es um die Frage ging, ob die Fußnall-Weltmeisterschaft in Katar abgesagt werden sollte. Die SuS haben hierfür unterschiedliche Rollen zugeteilt bekommen, wie die des FIFA-Vorstandes, eines Fußballfans, eines Arbeiters, welcher am Bau der Stadien mitwirkte, eines Menschenrechtsaktivisten, eines Werbepartners etc. Aufgabe der SuS war es, entsprechend ihrer Rolle Argumente auszuarbeiten und diese anschließend zu debattieren.

Dies trägt unter anderem zur Förderung der Handlungskompetenz Bildungsplan BW Sek I Gemeinschaftskunde, vor allen Dingen Punkt 2.3.3 (,,sich im Sinne ei­nes Perspektivwechsels in die Situation, Interessen und Denkweisen anderer Menschen versetzen, diese Interessen und Denkweisen simulativ für eine begrenzte Zeit vertreten und das eigene Verhalten in der Rolle reflektieren“) bei und hat erfahrungsgemäß einen motivierenden Charakter.

Quellen 

Samstag, 4. November 2023

Nachschlag zur Harvard Studie

Der TED Talk von Robert Waldinger (siehe Seite "Videos") über die Harvard Studie und die Bedeutung sozialer Beziehungen für das gute Leben, den wir in der vergangenen Seminarsitzung besprochen haben, war ein (überraschend großer) Erfolg und wurde millionenfach angeschaut. Seit ein paar Monaten gibt es einen Nachschlag in Form eines Interviews mit dem sympathischen Studienleiter:

Außerdem ist vor kurzem ein Buch zu den Ergebnissen der Harvard Studie erschienen, das seit August 2023 auch in deutscher Übersetzung vorliegt:


Freitag, 17. März 2023

Jung & Naiv: Gemeinwohl-Ökonomie

Christian Felber scheint unermüdlich zu sein, wenn es darum geht, das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie zu erklären und bekannt zu machen. Im März 2020 war er bei "Jung & naiv" zu Gast (https://www.youtube.com/watch?v=7mRe1ntgbj8):


Freitag, 16. Juli 2021

Wirtschaftswissenschaften vom Kopf auf die Füße stellen

Der Vortrag des Initiators der Gemeinwohl-Ökonomie, Christian Felber, mit dem Titel "Aufruf zur Revolution der Wirtschaftswissenschaft!", der vor wenigen Tagen in Konstanz stattfand, passt sehr gut zum Thema der Donut-Ökonomie, denn auch Kate Raworth argumentiert, dass wir zuallererst die Wirtschaftswissenschaften vom Kopf auf die Füße stellen müssen. Der Vortrag beginnt bei 12:06 min und dauert eine (kurzweilige) Stunde. Es lohnt sich in diesem Fall auch, bei der Fragerunde nach dem Vortrag dabeizubleiben, um u.a. das "Systemische Konsensieren" kennenzulernen:

 

Sonntag, 16. Mai 2021

Samstag, 17. April 2021

Google Earth Timelapse Videos

Über einen Zeitraum von 36 Jahren (1984-2020) kann man sich dank Google die Entwicklung aus der Luft in Timelapse Videos anschauen. Das ist faszinierend und erschreckend zugleich. Eine von Google kuratierte Auswahl (von Gletschern über Regenwälder bis zum Hambacher Forst) bietet diese Seite: https://developers.google.com/earth-engine/timelapse/videos (mit rund 800 fertigen Videos). Eigene Ansichten kann man mit dem Google Earth Engine erstellen: https://developers.google.com/earth-engine.


Samstag, 21. November 2020

Das gute Leben: Harvard-Studie

 

Der folgende, kollaborativ im Rahmen des coronabedingten Online-Semesters verfasste Text fasst die zentralen Aspekte des TED-Talks von Robert Waldinger zur Harvard-Studie zusammen.

I. Besonderheiten der Studie

  • Seit über 75 (!) Jahren verfolgt die Studie die Lebensläufe von 724 Männern und sammelt Informationen zu deren Arbeit, Familienleben und Gesundheit. Es werden Interviews und Tests durchgeführt. Heute noch nehmen über 60 Männer, die zwischenzeitlich über 90 Jahre alt sind, an dieser Studie teil.
  • Es gibt zwei Gruppen: Die eine Gruppe startete ihr Studium in Harvard. Sie beendeten das Studium während des Zweiten Weltkrieges und dann zogen die meisten in den Krieg. Die andere Gruppe bestand aus Jungen aus einem der ärmsten Viertel Bostons.
  • Zu Beginn waren alle Probanden Teenager. Später wurden aus ihnen Fabrikarbeiter, Anwälte, Maurer und Ärzte. Manche wurden alkoholabhängig, andere stiegen gesellschaftlich auf, von ganz unten nach ganz oben, und bei anderen war es umgekehrt.

II. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie

  • Die zentrale Erkenntnis lautet: Gute Beziehungen machen uns glücklicher und gesünder.
  • “Einsamkeit tötet.”
  • Sozial vernetzte Menschen (Freunde, Familie, Gemeinde) sind glücklicher, körperlich gesünder und leben länger als Menschen, die weniger gut vernetzt sind.
  • Es geht nicht um die Anzahl der Freunde, die man hat, oder wie lange man schon eine Beziehung führt. Es geht um die Qualität dieser Beziehungen.
  • Die Menschen die in ihren 50ern am glücklichsten in der Beziehung waren, sind am gesündesten in ihren 80ern.
  • Gute Beziehungen schützen nicht nur unseren Körper, sondern auch unser Gehirn.
  • Menschen, die sich in Notzeiten wirklich auf die andere Person verlassen können, behalten länger ein gutes Gedächtnis.
  • Den Probanden, die sich am intensivsten um ihre Beziehungen (Freunde, Familie, “Community”) gekümmert haben, geht es am besten.
  • All dies sind keine neuen Erkenntnisse. Doch wir ignorieren sie oft. Das liegt schlichtweg daran, dass wir Menschen und eben menschlich sind. Wir hätten gerne eine schnelle und einfache Lösung, um ein gutes Leben zu führen. Daher sind wir auch so anfällig für Leistungsgedanken. Dass wir zurückbekommen, was wir hineinstecken - eine einfache Gleichung. Doch wie im Vortrag sehr schön gesagt wird, sind Beziehungen das nicht. Sie sind durcheinander und anstrengend und umständlich. Doch nur sie sind das, was uns wirklich nachhaltig gut tut, gesund hält und glücklich macht.
  • “Niemand sagt an seinem Sterbebett, dass er sich gewünscht hätte, mehr im Büro gewesen zu sein.”
  • Isolation führt zu einer toxischen Verhaltensentwicklung.
  • Menschen, die aus ihren Arbeitskollegen Freunde gemacht haben, sind im Ruhestand glücklicher.

III. Kommentare, Anmerkungen, Fragen

  • Wichtige Erkenntnisse die uns nochmal vor Augen halten, wie wichtig es ist, sich Zeit für Menschen zu nehmen, die einem gut tun! Durch die Studie wird zudem deutlich, dass materielle Güter Menschen auf Dauer nicht glücklich machen können.
  • Lebensziele der Generation Y (Millennials): 80% der Millennials haben das Ziel in ihrem Leben reich zu werden. Weitere 50% wollen berühmt werden. Das ist nicht nur statistisch unrealistisch, sondern, wie die Studie zeigt, auch nicht zielführend für ein glückliches Leben.
  • Frage: Sind Menschen glücklich, weil sie in guten Beziehungen sind, oder sind sie in guten Beziehungen, weil sie glücklich sind?
  • Das eine schließt das andere nicht aus. Oft sieht man glückliche alte Paare draußen herumspazieren. Viele Menschen stellen sich dann solche Situationen auch mit ihrem Partner vor, doch an so ein Ziel zu kommen, ist oft schwer. Beziehungen laufen nicht von selber, es ist ein kontinuierliches Arbeiten, wie beim Job. Tagtägliche Kleinigkeiten wie ein “Ich liebe dich” oder kleine Komplimente führen schon zu einer festeren Beziehung. Arbeitet an eurer Beziehung so, als würdet ihr eine Gehaltserhöhung in der Arbeit anstreben.

Montag, 16. November 2020

Offene Klima-Uni für alle

Students for Future Deutschland“ veranstaltet vom 23.11.- 27.11.2020 die dritte Public Climate School. Bundesweit wird es verschiedene Lehrveranstaltungen geben, die in einem Livestream und nachträglich auf YouTube verfolgt werden können. Das folgende Video bezieht sich auf das neu ausgearbeitete Schulprogramm #SchuleNeuDenken (https://www.youtube.com/watch?v=g4Q2baX2SJw):


Freitag, 24. Juli 2020

Weekday Vegetarian


Hier ist ein kurzes Video über Fleischkonsum und seine Auswirkungen auf die Umwelt. Der sinkende Fleischkonsum in unserem Alltag trägt dazu bei, eine nachhaltige Ernährungsweise aufzubauen. Vielleicht können Sie auch Wochentagvegetarier werden?

Montag, 11. Mai 2020

Das gute Leben (II): Vortrag von Hartmut Rosa zu Resonanz



Der folgende, kollaborativ im Rahmen des coronabedingten Online-Semesters verfasste Text fasst wichtige Aspekte des Vortrags "Resonanz. Über die Soziologie des guten Lebens" von Hartmut Rosa zusammen. Seiner Kernthese nach befinden wir uns auf dem Weg in die Beschleunigungsfalle. Um diesen Weg zu stoppen, sei es notwendig, über “das gute Leben” zu sprechen. Der folgende Text orientiert sich an den Gliederungspunkten des Vortrags vom 27.02.2017.

I. Das Weltverhältnis der Moderne

a) strukturell: Dynamische Stabilisierung

Die moderne Gesellschaft kann sich nur dynamisch stabilisieren, was bedeutet, dass sie strukturell auf Wachstum (= Steigerungsversprechen), Beschleunigung und Innovation angewiesen ist, um sich zu erhalten und zu reproduzieren. Das bedeutet: “Wir brauchen Wachstum, um den status quo zu erhalten.” Klassisches Beispiel ist der Kapitalismus: Geld wird nur investiert, wenn man sich einen Mehrwert verspricht (= Wachstumstreiber). Das gilt mittlerweile aber in allen Bereichen (Wissenschaft, Kunst, Politik ...)

b) kulturell: Reichweitenvergrößerung

Es gilt das Prinzip der Weltreichweitenvergrößerung: “Handle jederzeit so, dass Deine Weltreichweite größer wird!” (= "kategorischer Imperativ der Moderne"). Ziel und Antrieb ist also immer die Steigerung der “Weltreichweite”, die Ausdehnung des Erreichbaren. Die Aussicht auf “mehr Welt” motiviert uns bei fast allen Entscheidungen (Triple-A Formel von Rosa: make more world available, attainable, achievable). Das “Zaubermittel” schlechthin dafür ist Geld: Geld kann die Welt verfügbar und erreichbar machen. Weitere Beispiele, die Rosa im Vortrag nennt, betreffen Mobilität (Fahrrad > Moped > Auto) oder das Smartphone (Musik, Freunde, Weltwissen in der Hosentasche).

II. Die Nebenfolgen: Der Fehler im System

a) strukturell: Desynchronisation

“Viel mehr, viel schneller” ist das, was uns antreibt. Dieses System erhält sich nur durch Steigerung (permanentes Wachsen, Beschleunigen, Innovieren …). ABER: Nicht alles lässt sich im selben Maß beschleunigen! Wer oder was zu langsam ist, wird abgehängt. Folglich kommt es zu Krisen:
Öko-Krise: Die Natur ist zu langsam, kommt nicht hinterher, regeneriert sich nicht schnell genug angesichts unseren Verbrauchs; Zerstörung der Natur statt ihre “Aneignung”.
Demokratie-Krise: Die Demokratie mit ihren Aushandlungsprozessen ist zu langsam (für die Wirtschaft, aber auch für die Medien).
Wirtschaftskrisen: Im Bereich der Wirtschaft kommt es gleich zu mehreren Desynchronisationen, am augenfälligsten zwischen ultraschnellen Finanzmärkten und der Realökonomie.

b) kulturell: Entfremdung

Psycho-Krise: Burn-Out; Welt wird unlesbar, sie weicht zurück (“Weltverlust”); Überstimulation führt zu Gefühllosigkeit: Vielzahl an Erlebnissen und Erfahrungen, aber sie berühren und verändern den Menschen nicht (mehr); die Welt steht dem Menschen feindlich/gleichgültig gegenüber; Weltverlust als Kollateralschaden der Moderne.
Grundlegende Ambivalenz der Modernisierung: zunehmende Rationalisierung, gleichzeitig “Entzauberung der Welt” (Max Weber).
Der Versuch, sich die Welt verfügbar, erreichbar und zugänglich zu machen und zu halten, bringt die Kehrseite einer schweigenden Welt und deren Entzauberung mit sich.
Alternative Begriffe: "Entfremdung" (Marx), "das Absurde" (Camus), "Verdinglichung" (Lukasz), "Isolation" (Fromm), "Plasiertheit" (Simmel), ...

III. Ein alternatives Weltverhältnis

a) strukturell: Adaptive Stabilisierung

Lösung ist nicht "Entschleunigung" oder irgendwie statisch, es geht vielmehr darum, nur dann zu beschleunigen, wenn etwas geändert werden muss, z.B. um den Hunger zu bekämpfen oder möglichst schnell einen Impfstoff zu finden, aber nicht Beschleunigung, um den status quo zu erhalten.

b) kulturell: Resonanz

Resonanz ist Rosas Gegenbegriff für ein Weltverhältnis, das nicht auf Steigerung und Reichweitenvergrößerung beruht, sondern auf einer anderen Art des In-der-Welt-Seins. Es muss oder sollte nämlich möglich sein, in Kontakt mit Welt und Menschen zu kommen, also ein anderes Weltverhältnis zu entwickeln! Was ist Resonanz? Nach Rosa gilt:
  • Resonanz ist mehr als Anerkennung,
  • Resonanz ist das Andere der Entfremdung,
  • Resonanz ist das Metronombeispiel,
  • Resonanz liegt zwischen Dissonanz und Konsonanz,
  • Resonanz ist nicht dasselbe wie Harmonie oder Gleichklang,
  • letztlich: Resonanz ist das, was ein gutes Leben erst möglich macht.
Kernmerkmale der Resonanz:
  • man wird von etwas berührt, erreicht, affiziert...
    (BERÜHRUNG)
  • man antwortet darauf und man schafft es, die andere Seite (die einen vorher berührt hat) ebenfalls zu erreichen und zu berühren
    (ANTWORT)
  • man verändert sich, man ist, nachdem einen etwas berührt hat, nicht mehr dieselbe Person
    (TRANSFORMATION)
  • das ist nicht planbar oder systematisch herstellbar, es kann nicht erzwungen und nicht gesteigert werden, damit auch immer ein Element der Unsicherheit und des Risikos: man lässt sich auf etwas ein, ohne zu wissen, was am Ende herauskommt
    (UNVERFÜGBARKEIT)
  • Rahmenbedingungen sind wichtig; Resonanz hat Voraussetzungen, ist nur möglich unter bestimmten Bedingungen oder Verhältnissen
    (RESONANZRAUM)

Freitag, 8. Mai 2020

Dienstag, 28. April 2020

TED Talk über das Wissen indigener Völker hinsichtlich der Klimakatastrophe

Vor wenigen Tagen wurde in diesem Blog eine Seminararbeit über indigene Landnutzung als wirksame Maßnahme zum Klimaschutz vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine der zahlreichen Maßnahmen im Rahmen des Projekts Drawdown (zur Seminararbeit). Nun wurde der folgende, thematisch einschlägige TED Talk veröffentlicht:

Sonntag, 10. März 2019

TED Talks zum Klimawandel

Die drohende Klimakatastrophe hat es (endlich und mit knapp 30-jähriger Verspätung) dahin geschafft, wo sie hingehört, nämlich auf die Titelseiten. Auch im TED-Universum bildet der Kampf für Klimagerechtigkeit mittlerweile einen unübersehbaren Schwerpunkt. Ein wichtiger Beitrag wurde hier im Blog bereits vorgestellt (TED Talk zum Projekt Drawdown), einige weitere kamen in den vergangenen Wochen dazu:

Montag, 24. Dezember 2018

Drawdown - Maßnahmen gegen den Klimawandel

Der TED Talk von Chad Frischmann zeigt vernetzte Lösungswege auf, um die Klimakatastrophe abzuwenden:

Montag, 19. November 2018

Zeit für Utopien

„Zeit für Utopien“ ist ein Film von Kurt Langbein, der im April 2018 in deutschen Kinos zu sehen war. In der Dokumentation werden verschiedenen alternative Projekte vorgestellt, die gegen das bestehende Wirtschaftssystem konzipiert wurden.



Hierzu zählt zum Beispiel das Selbstversorgungssystem „Hansalim“ aus Südkorea, das seine Mitglieder stets mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln versorgt. Oder ein effizienter, schadstofffreier Wohnkomplex in Zürich, der Familien ermöglicht, weniger als eine Tonne CO² pro Jahr zu verbrauchen. Auch das Unternehmen „Fairphone“ versucht, durch enge Zusammenarbeit mit ihren Zulieferern ein leicht reparier- und recycelbares Smartphone zu produzieren und somit Menschen zu ermöglichen, ihr Smartphone länger zu erhalten und der Umwelt die Schäden durch die derzeitige Smartphone-Produktion zu ersparen.

Auch äußern sich in der Dokumentation einige Wissenschaftler/innen zu dem Thema Kapitalismus und Nachhaltigkeit. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Ulrike Herrmann beispielsweise weist darauf hin, dass das System des Kapitalismus droht an die Wand zu fahren. Hierbei spielen zwei Parameter eine wichtige Rolle: die Belastbarkeit der Umwelt und die Endlichkeit der Ressourcen.

Joachim Bauer, ein Neurowissenschaftler, ist der Meinung, dass ein wichtiges Bedürfnis des Menschen ist, mit der Welt in Resonanz zu stehen. Die derzeitigen Produktionsbedingungen sollen ihm zufolge diesen Resonanzkreislauf zerstören. Da Menschen aber aus Sicht des Wissenschaftlers soziale Wesen und somit auf Kooperation angewiesen sind, können Projekte, wie die im Film vorgestellten, durchaus einen Fortschritt erzielen.

Die Dokumentation ist sehenswert, da sie Beispiele aufzeigt, wie Menschen es schaffen, durch Kooperation etwas Großes zu erschaffen, was sowohl für die Menschen selbst als auch für die Umwelt vorteilhaft sein kann. Außerdem sind einige in der Dokumentation genannten Fakten durchaus interessant und regen zum Nachdenken an.

Dienstag, 6. November 2018

Hartmut Rosa bei Precht zum Gespräch

Im Gespräch mit Richard David Precht erklärt Hartmut Rosa eindrücklich und leicht verständlich das Prinzip der Beschleunigungsdynamik. Die Sendung findet man noch einige Monate in der ZDF-Mediathek: https://www.zdf.de/gesellschaft/precht/fast-food-speed-dating-power-napping-multitasking-100.html

Mittwoch, 22. August 2018

Video: Die Wachstumsmaschine

Attac und die Heinrich-Böll-Stiftung haben ein stark 2-minütiges Video zum Kern der Problematik von (Post-)Wachstum veröffentlicht: