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Samstag, 4. April 2026

Das europäische Lieferkettengesetz CSDDD und Fast Fashion

Wie verändert das europäische Lieferkettengesetz CSDDD die Verantwortung von Unternehmen im Fast‑Fashion‑Sektor? Die globale Textilindustrie steht seit Jahren im Zentrum menschenrechtlicher und ökologischer Kritik. Der Einsturz des Rana‑Plaza‑Gebäudes am 24. April 2013, bei dem 1.130 Beschäftigte starben und über 2.000 verletzt wurden, markierte einen Einschnitt in der globalen Textilindustrie. Das Ereignis machte weltweit deutlich, wie gefährlich und prekär die Arbeits- und Sicherheitsbedingungen in vielen Zulieferbetrieben waren und unter welchen Bedingungen Kleidung für westliche Märkte produziert wird. Rana Plaza wurde zu einem „focusing event“, also einem plötzlich auftretenden, stark medial präsenten Ereignis, das politische Aufmerksamkeit bündelt und Handlungsdruck erzeugt (Schuessler et al. 2018, S.552-556).

Im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung hat sich Fast Fashion zu einem der prägendsten Geschäftsmodelle der Bekleidungsindustrie entwickelt. Bereits seit den späten 1980er‑Jahren entstanden Produktions- und Distributionsmodelle, die auf extrem beschleunigten Fertigungsprozessen, kontinuierlicher Sortimentserneuerung sowie drastisch reduzierten Preisen beruhen. Dieser Wandel formte eine strukturelle „Revolution“, bei der Fast Fashion die Rhythmik der gesamten Branche neu definierte und in wenigen Jahrzehnten aus einem überwiegend nationalen Produktionssystem ein milliardenschweres globales Geschäft formte (Thomas 2019, S.22–23).

Parallel dazu verstärkten digitale Geschäftsmodelle die Beschleunigung des Konsums erheblich. Ultra‑Fast‑Fashion‑Plattformen wie SHEIN oder Temu arbeiten mit Echtzeit‑Trendbeobachtung, algorithmischer Nachfrageprognose und vollständig digitalisierten Lieferketten. Dadurch können täglich Tausende neuer Produkte erscheinen, oft innerhalb weniger Tage von der Trendidentifikation bis zur Markteinführung, was die Dynamik der Branche weiter intensiviert (Koep‑Andrieu & Del Valle 2025).

Fast Fashion verlagert seine sozialen und ökologischen Kosten systematisch in Länder, in denen Arbeits- und Umweltstandards schwach ausgeprägt sind oder nicht durchgesetzt werden. Marken lagern ihre Produktion gezielt in externe Fabriken in Entwicklungs- und Schwellenländern aus, in denen geringe Löhne, fehlende Regulierung und mangelnde Aufsicht die Norm sind (Thomas 2019, S. 17–18). Ultra‑Fast‑Fashion‑Lieferketten sind stark fragmentiert und intransparent. Risiken konzentrieren sich besonders dort, wo staatliche Kontrollstrukturen nur unzureichend vorhanden sind (Koep‑Andrieu & Del Valle 2025, S. 4–6).

Vor diesem Hintergrund gewinnen regulatorische Ansätze zunehmend an Bedeutung. Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) stellt den bislang umfassendsten Versuch der Europäischen Union dar, Unternehmen verbindlich zur Einhaltung menschenrechtlicher und ökologischer Sorgfaltspflichten entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette zu verpflichten. Damit geht sie über freiwillige CSR-Maßnahmen und nationale Regelungen hinaus und schafft einen einheitlichen europäischen Rechtsrahmen (Vovolinis 2025, S.10–13).

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die CSDDD die Verantwortung von Unternehmen im Fast-Fashion-Sektor verändert. Im Zentrum steht die Frage, ob die Richtlinie geeignet ist, strukturelle Verantwortungslücken in einer Branche zu adressieren, deren Geschäftsmodell auf Geschwindigkeit, Preisdruck und global fragmentierten Lieferketten beruht.

Donnerstag, 7. November 2019

Klimawandel und Nationalismus

In einem TED-Dialog nach der Veröffentlichung von "Homo Deus" spricht Yuval Noah Harari über die Herausforderungen der modernen globalen Gesellschaft. Hierbei erklärt er diverse Zusammenhänge und Verknüpfungen zwischen diesen großen Herausforderungen.

Er beschreibt, dass eine sehr enge Korrelation zwischen Nationalismus und Klimawandel besteht. Klimawandelleugner stehen oft für nationalistische Werte. Diese Korrelation wirkt zunächst überraschend. Die Antwort ist jedoch offensichtlich: Nationalismus kennt keine Antwort auf die Klimakatastrophe.

Wer also nationalistische Ideologien im 21. Jahrhundert vertreten will, muss sich diesem Problem völlig verweigern. Wer den Klimawandel als Problem anerkennt, der muss multiple Loyalitäten akzeptieren, also neben der Loyalität zur Familie und Nation, welche von Nationalisten vertreten wird, ebenso die Loyalität zur Weltgesellschaft, welche weltweite Probleme auf einer globalen Ebene effizient bearbeiten kann.

Sonntag, 27. Oktober 2019

Buchempfehlung zum Thema "Digitalisierung"

In dem Buch "Globales Lernen im digitalen Zeitalter" geht es vor allem um die zunehmende Digitalisierung der Schule und des Unterrichts. Auf der Verlagswebsite wird der Inhalt so zusammengefasst:
Digitale Medien und virtuelle Lernumgebungen verändern zunehmend fachdidaktische Zugänge, Inhalte und Methoden. In diesem Zusammenhang werden derzeit Strategien zur „Bildung in der digitalen Welt“ und der „Digitalen Grundbildung“ bildungspolitisch diskutiert. Wie wird „gestaltbare“ Globalisierung in sozialen Netzwerken erfahrbar und wie können partizipative Bildungsprozesse in Schulen, Hochschulen, in der außerschulischen Bildungsarbeit und für Lebenslanges Lernen entwickelt werden? Können digitale Reflexionsmedien beim Globalen Lernen, zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung und bei Global Citizenship Education besonders unterstützend wirken? Diesen Fragen wird mit vielfältigen Beiträgen zur Theorie und Praxis von Globalem Lernen und Digitalisierung nachgegangen.
Das Buch versucht praktische Tipps zu geben, wie digitale Medien (Apps, Smartphone, Tablettes, etc.) sinnvoll in den Unterricht eingebracht werden können und somit zum Lernfortschritt beitragen können. Auch werden Tipps gegeben, wie fächerübergreifend und vernetzt gelernt werden kann, beispielsweise durch den Einsatz von Foren oder Blogs, auf denen verschiedene Projekte, Lernfortschritte etc. festgehalten werden.
Besonders wird auch auf das kooperative Lernen eingegangen, bei dem die Schülerinnen und Schüler durch den Einsatz von Medien voneinander profitieren sollen und sich gegenseitig ergänzen beziehungsweise unterstützen können.

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Kulturelle Globalisierung, Freiwilligendienste und BtE

Der Begriff kulturelle Globalisierung und der zugehörige Diskurs sorgt für reichlich Diskussionsstoff. Vor allem, da dabei vor einer "Homogenisierung im Sinne einer Verwestlichung gewarnt wird." (Belwe) In der westlichen Welt wird kulturelle Globalisierung häufig als etwas Positives empfunden. In Ländern des sogenannten globalen Südens hingegen wird dies in der Regel als Angriff auf die eigene kulturelle Identität verstanden. (vgl. Belwe) Im folgenden Beitrag der Tagesschau wird an dem Beispiel eines ägyptischen Weihnachtsmarkts die positive Seite der Globalisierung beleuchtet. Der Titel stellt jedoch dennoch die Frage nach der "[…] positiv[en] Seite der Globalisierung?"


Im Gegensatz dazu steht die negative Seite, die sehr häufig als Kritik an der sogenannten McDonaldisierung firmiert:


Auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung existiert eine ausführliche Sammlung an Texten, die den Begriff kulturelle Globalisierung beleuchten.

Entwicklungspolitische Auslandsfreiwilligendienste

Entwicklungspolitische Auslandsfreiwilligendienste, wie zum Beispiel das Programm weltwärts, das 2008 eingeführt wurde, sollen den interkulturellen Austausch fördern. Solche Programme werden jedoch in ihrer Wirkungsmöglichkeit kritisch hinterfragt. Auch hierzu gibt es auf der Seite der bpb einen interessanten Artikel von Jörn Fischer.

Das zugrundeliegende Wirkungsmodell von entwicklungspolitischen Auslandsfreiwilligendiensten wird in dem Artikel wie folgt beschrieben und anschließend wird jede Stufe nochmals einzeln und ausführlich betrachtet.

Die Freiwilligen wirken durch ihre Tätigkeit in der Einsatzstelle und veranlassen durch ihre pure Anwesenheit informelle Lernprozesse in ihrem gesellschaftlichen Mikroumfeld (Stufe 1). "Gleichzeitig durchlaufen sie selbst Lernerfahrungen, die zurückzuführen sind auf ihre Tätigkeit und auf die Interaktion mit ihrem Mikroumfeld (Stufe 2). Die Gesamtheit der während des Dienstes gemachten Erfahrungen wiederum wirkt als Motivator und Katalysator für ein Engagement auch nach dem Dienst (Stufe 3)."(Fischer) Die Problematik hierbei ist, dass die Wirkungsforschung bisher nur schemenhaft das Wirkungspotential erkennen lässt. (vgl. Fischer) 

Das Programm BtE

Das Programm Bildung trifft Entwicklung, kurz BtE, bietet Personen mit Migrantionsbiografie aus dem sogenannten globalen Süden, Personen, die längere Zeit im Ausland verbracht haben und dort entwicklungspolitisch tätig waren, oder Personen, die durch ein Programm wie weltwärts für 1 Jahr einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst absloviert haben, die Möglichkeit im Bereich des Globalen Lernens und der Bildung für nachhaltige Entwicklung tätig zu werden. "BtE vermittelt diese Referentinnen für Bildungsveranstaltungen des Globalen Lernens an Kindergärten, Schulen, Hochschulen, Einrichtungen der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung sowie an weitere interessierte Gruppen.". Ziel des Programms ist es die persönlichen Erfahrungen ihrer Referent*innen zu nutzen, um "authentische Einblicke in weltweite Zusammenhänge" zu bieten und "einen Perspektivenwechsel auf die Themen und Probleme der Globalisierung" zu ermöglichen.

Das Programm hat verschiedene pädagogische Arbeitsmaterialien für das Globale lernen entwickelt. Hierzu veröffentlichte Publikationen können auf dem zugehörigen Internetauftritt abgerufen werden. Außerdem können Materialien bestellt werden und bei den regionalen Bildungsstellen ausgeliehen werden.

Die regionale Bildungsstelle in Baden-Württemberg ist das entwicklungspädagogische Informationszentrum in Reutlingen, kurz EPiZ. Ausführliche und weiterführende Informationen zu dem Programm BtE lassen sich auf dem Internetauftritt des Programms finden.

Buchtipp zum Thema Globalisierung

Ein Buch, welches mir Grundbegriffe der Globalisierung nähergebracht hat, ist "21.0 - Eine kurze Geschichte der Gegenwart" von dem Historiker Andreas Rödder. In seinem Buch beschreibt Rödder, wie aktuelle Entwicklungen aus einem historischen Kontext entstanden sind. Dabei ist das Buch in verschiedene Teilbereiche, wie politische und wirtschaftliche Strukturen, gesellschaftliche Normen, soziale Verfasstheit und technische Entwicklungen, gegliedert. Über Prozesse, die sich in diesen Teilbereichen in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten entwickelten, erklärt er aktuelle Phänomene und gibt vereinzelt auch Prognosen für die Zukunft.

Im zweiten Kapitel, das er "Global Economy" nennt, teilt er die Globalisierung in zwei Teile auf. Nach Rödder hat die erste Globalisierung zwischen 1850 und 1913 stattgefunden und die zweite Globalisierung ist erst nach Fall des Eisernen Vorhangs entbrannt. Unterbrochen wurde die Globalisierung durch die Stärkung der Nationalstaaten im 20. Jahrhundert und deren kriegerische Auseinandersetzungen. Durch die Nachkriegsordnung war eine Globalisierung nicht möglich, jedoch verbreitete sich in den westlichen Ländern die Marktwirtschaft, die ein wichtiger Faktor für die zweite Globalisierung darstellt. Rödder belegt mit eindrücklichen Statistiken, was für Auswirkungen die Globalisierung auf die gesamte Menschheit hatte, und vergleicht die beiden Globalisierungen auch anhand dieser Statistiken miteinander.

Alles in einem kann ich das Buch nur weiterempfehlen, da Rödder die Entstehung aktueller Prozesse gut verständlich aus historischen Kontexten erklärt und seine Aussagen meistens mit Statistiken unterstützt.

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Infografiken zur Globalisierung

Diagramme und Grafiken können uns helfen, bestimmte Sachverhalte besser zu verstehen und zu analysieren. Leider ist es oftmals ein anstrengender und zeitaufwändiger Weg, eine geeignete und vertrauenswürdige Grafik zu einem bestimmten Thema zu finden ...

'Our World in Data' ist eine Website, in welcher über 3000 Diagramme zu 297 verschiedenen Themen existieren. Die Seite wird von Autoren, welche ihren Sitz an der Universität Oxford haben, überprüft und gestaltet. 'Our World in Data' bietet die Möglichkeit, interessante Daten und Fakten zu den unterschiedlichsten Themen finden. Beispielsweise beinhaltet diese Website einen sogenannter SDG-Tracker, dieser präsentiert alle verfügbaren Daten über die von den Vereinten Nationen verabschiedeten Ziele für nachhaltige Entwicklung.

Unter dem Reiter Globalisierung und Handel lassen sich zu diesem Thema unter einer Vielzahl von Aspekten gesammelte Daten finden. So gibt es Grafiken, welche verdeutlichen, inwieweit globaler Handel die Weltwirtschaft beeinflusst hat. Darunter existiert unter anderem eine Grafik, welche den Umfang der exportierten Waren im zeitlichen Verlauf darstellt. Zusätzlich lässt sich auch eine interaktive Datenvisualisierung finden, welche die Positionen von Frachtschiffen in den Meeren zeigt. Durch diese Visualisierung kann verdeutlicht werden, wie komplex unser heutiges Handelssystem tatsächlich ist. Ein anderer Reiter veranschaulicht sehr schön, welche Art von Gütern und zu welchem prozentualen Anteil diese exportiert worden sind.

Diese Beispiele sollten aufzeigen, wie vielfältig 'Our World in Data' tatsächlich ist und wie man sich auf diese Weise zu den unterschiedlichsten Thematiken einen Überblick verschaffen kann. Ich denke, dass sich ein genauerer Blick auf die besagte Website in jedem Falle lohnt.