Obwohl die ökologischen und sozialen Folgen der Modeindustrie seit Jahren diskutiert werden, wächst der Konsum von Kleidung weiter. Immer neue Kollektionen, niedrige Preise und ständig wechselnde Trends sorgen dafür, dass Kleidung häufig gekauft und schnell wieder ersetzt wird. Dieses Verhalten ist kein individuelles Versagen einzelner Konsumentinnen und Konsumenten, sondern Ausdruck der Logik einer modernen Konsumgesellschaft. Einer Konsumgesellschaft, deren Dynamik wir als Konsumenten selbst mittragen.
Kleidung ist heute weit mehr als nur ein funktionaler Gegenstand. In der modernen Konsumgesellschaft dient Mode zunehmend der Selbstdarstellung und der sozialen Orientierung. Gleichzeitig wächst in der Gesellschaft das Bewusstsein für ökologische und soziale Probleme, die mit dem Konsum verbunden sind. Besonders die Modeindustrie steht dabei zunehmend in der Kritik, da schnelle Produktionszyklen, niedrige Preise und häufige Kollektionswechsel einen hohen Ressourcenverbrauch sowie problematische Arbeitsbedingungen in globalen Lieferketten begünstigen. Das Phänomen der sogenannten Fast Fashion verdeutlicht exemplarisch, wie eng wirtschaftliche Geschäftsmodelle mit Konsumverhalten und ökologischen Auswirkungen verbunden sind.
Im Seminarblog wurden bereits verschiedene Aspekte dieser Problematik aufgegriffen. So beschäftigt sich der Beitrag „Was hält uns davon ab, nachhaltig(er) zu leben?“ mit der Frage, warum Menschen trotz vorhandenem Wissen über Umweltprobleme häufig weiterhin nicht nachhaltig konsumieren. Der Beitrag zeigt unter anderem psychologische, soziale und strukturelle Gründe für diese Diskrepanz zwischen Wissen und tatsächlichem Handeln auf. Eine breitere gesellschaftliche Perspektive bietet außerdem der Beitrag „Haben Solidarität und soziale Bindungen in der Konsumgesellschaft eine Chance?“, der sich auf die Analyse der Konsumgesellschaft des Soziologen Zygmunt Bauman bezieht. Dort wird beschrieben, wie Konsum zunehmend zu einem zentralen Bestandteil sozialer Identität geworden ist.
Speziell auf die Modebranche richtet sich der Beitrag „Nachhaltiger Konsum in Zeiten von Fast Fashion“, der die Strukturen der globalen Textilindustrie sowie deren ökologische und soziale Folgen darstellt. Ergänzend dazu thematisiert der Beitrag „Second Hand als nachhaltige Mode“ mögliche Alternativen zum klassischen Konsummuster, den Kauf gebrauchter Kleidung oder andere Formen eines ressourcenschonenderen Konsumverhaltens.
Diese Beiträge verdeutlichen bereits verschiedene Facetten der Problematik: Einerseits wächst das gesellschaftliche Bewusstsein für Nachhaltigkeit, andererseits bleibt der tatsächliche Konsum vieler Menschen weiterhin von schnellen Trends, niedrigen Preisen und häufigem Neukauf geprägt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche strukturellen Anreizmechanismen des Geschäftsmodells von Fast Fashion Massenkonsum fördern und welche Grenzen nachhaltiger Konsum in diesem Zusammenhang besitzt.
Die vorliegende Arbeit greift diese Fragestellung auf und untersucht die Zusammenhänge zwischen Konsumgesellschaft, Geschäftsmodellen der Modeindustrie und nachhaltigem Konsum. Zunächst werden theoretische Grundlagen zur Konsumgesellschaft und zu strukturellen Anreizmechanismen des Konsums dargestellt. Anschließend wird das Geschäftsmodell von Fast Fashion sowie dessen Produktionsstrukturen und globale Lieferketten näher analysiert. Abschließend werden Möglichkeiten und Grenzen nachhaltigen Konsums diskutiert.