Montag, 21. Dezember 2020

Aus alt mach "neu"

Aus alt mach "neu" - diesen Grundsatz haben sich die Gründer von backmarket auf die Fahnen geschrieben. Der Plan dahinter ist, den extremen Mengen an Elektroschrott, der jährlich anfällt, und dem Abbau von seltenen Erden den Kampf anzusagen. Jeder Deutsche hat 2019 19,4 kg Schrott verursacht. Aber nicht nur aufbereitete Smartphones werden bei backmarket billiger verkauft, sondern man kann da beinahe jedes Haushaltsgerät finden. Wenn man nicht nur auf die Umwelt achten möchte, sondern auch noch sein Portemonnaie schonen will, dann führt kein Weg daran vorbei, bei backmarket einzukaufen. Pluspunkt für das Unternehmen ist, dass man 36 Monate Garantie auf die Geräte bekommt, und es gibt dann auch noch 30 Tage Widerrufsrecht mit Geld-zurück-Garantie.

Inwieweit ist "nachhaltiger Konsum" möglich?

https://www.smarticular.net/nachhaltig-leben-und-konsumieren-einkaufen-pyramide-tipps-fuer-den-alltag/

Ich möchte ihnen in diesem Beitrag eine Seite ans Herz legen. Unter diesem Link finden Sie einen sehr interessanten Beitrag zum Thema „nachhaltiger Konsum“. Mir hat dieser Beitrag sehr gut gefallen, da hier der Fokus gezielt auf weniger Konsum gelegt wird. Die meisten Tipps, die hier gegeben werden, handeln nicht von „besserem Konsum“, sondern von „längerem und nachhaltigerem Konsum“. Zwar sind die hier genannten Vorschläge für die meisten nichts neues, allerdings gefällt mir die Art und Weise, wie diese präsentiert werden, sehr gut. Dazu ist das Schaubild der Pyramide meiner Meinung nach eine geeignete Vorlage, an der sich jeder ein Bild des eigenen Konsumverhaltens machen kann.

Interessant ist es beispielsweise, sich verschiedene Kategorien an Gütern auszudenken (z.B. Lebensmittel, Klamotten, Elektrogeräte) und diese Begriffe in die jeweils zutreffende Stufe einer solchen Pyramide einzufügen. Dies kann im besten Fall als Augenöffner vor dem nächsten Einkauf dienen und so das eigene Konsumverhalten positiv beeinflussen.

Auch sehr interessant: Wer Lust hat, gerne die Kommentare unter diesem Beitrag durchlesen. Wie ich finde, sind dort sehr interessante Gedanken und Meinungen von verschiedenen Menschen vertreten. Auch Rezepte und ähnliches werden Sie dort wiederfinden.

Samstag, 19. Dezember 2020

Nachhaltigkeit bei der Deutschen Bahn

Ich möchte Ihnen den Artikel "Mit Ökostrom ans Reiseziel" der Deutschen Bahn ans Herz legen. In diesem Artikel wird der Zukunftsplan der Deutschen Bahn erläutert. Sie finden in diesem Text Beispiele für Bahnstrecken, die bereits ausschließlich mit Ökostrom befahren werden. Außerdem finden Sie hier die aktuellen prozentualen Anteile von Ökostrom im Bahnstrommix.

Ein weiterer Artikel, der mit diesem einhergeht, thematisiert die geplante Kooperation der Deutschen Bahn mit dem Unternehmen Siemens: "Deutsche Bahn und Siemens starten ins Wasserstoff-Zeitalter". Ziel dieser Kooperation ist die Inbetriebnahme eines Zuges, der mit Wasserstoff angetrieben wird. Dieses Konzept soll maßgeblich zur klimafreundlichen Mobilität beitragen.

Ich möchte mit diesem Beitrag auf die steigende Umweltfreundlichkeit der Deutschen Bahn hinweisen, die eine echte Alternative zum Autofahren ist. Wichtig zu erwähnen ist mir dabei, dass damit nicht nur der Gebrauch des Autos eingestellt werden kann, sondern dies auch auf eine sehr umweltfreundliche Weise geschieht. Zwar sind die Projekte nicht sofort umsetzbar, jedoch ist dies meiner Meinung nach ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Nachhaltige E-Mails

Nur wenige schreiben heutzutage noch regelmäßig Briefe. E-Mails sind längst das gängige (formale) Kommunikationsmittel. Weltweit werden täglich über 300 Milliarden E-Mails versendet. Dabei sind grüne E-Mail-Anbieter ein Aspekt, der in der Thematik des nachhaltigen Lebens selten auf der Titelseite zu sehen ist.

Der Artikel „Grüne E-Mail-Anbieter“ von der Website der WWF-Jugend beschäftigt sich mit verschiedenen Alternativen. Portale wie Posteo oder Mailbox.org unterscheiden sich von den Marktführern GMX und Web.de vor allem in der Nutzung von grünem Strom für den Betrieb der Server. Auch werden die Geldgeschäfte und Angebote für ihre Mitarbeiter unter dem Leitgedanken der Nachhaltigkeit umgesetzt. Sie nutzen beispielsweise „Öko“-Banken und gestalten Büroräume nachhaltig.

Hier können Sie selbst nachlesen, welcher bzw. ob einer dieser Anbieter für Sie der richtige ist: https://www.wwf-jugend.de/blogs/230/7952/tipp-der-woche-grune-email-anbieter

Donnerstag, 17. Dezember 2020

Verpackungsmüll im Online-Handel

Im Jahr 2018 entstanden allein in Deutschland 863.000 Tonnen Müll aus Versandverpackungen. Während der Weihnachtszeit wird besonders viel online bestellt. Dieses Jahr wird aufgrund der Corona-Pandemie wohl noch mehr Müll anfallen. Ein Forschungsprojekt der Hamburger Umweltberatung Ökopol untersucht nun, wie mit Hilfe von Mehrwegverpackungen Müll eingespart werden könnte. Unterstützt werden sie hierbei von dem finnischen Unternehmen Repack, das schon seit 2013 Mehrwegversandtaschen anbietet. Jedoch scheint es noch einige Probleme zu geben, und es ist nicht klar, ob dieses Verpackungssystem tatsächlich praktikabel ist und für Unternehmen nicht zum wirtschaftlichen Nachteil werden könnte...

Verpackungsmüll im Online-Handel: Kartons mit Pfand | ZEIT ONLINE

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Heizen im Winter: Wie heizt man klimafreundlicher?

Jetzt, wenn es immer kälter wird, beginnt die Zeit des Heizens wieder. Heizen verbraucht mit die meiste Energie in einem Haushalt, deshalb ist es umso wichtiger, dass wir auch in unseren eigenen vier Wänden die Umweltsituation immer im Hinterkopf haben. Es sind nämlich ganze 38% der CO2-Emissionen, die durch den privaten Konsum im Bereich Wohnen anfallen. Von diesen 38% entfallen 72% auf Raumwärme und Warmwasser. Zum Vergleich: die Beleuchtung ist im Bereich Wohnen nur für 3% der CO2-Emission verantwortlich.

Wie heizt man denn nun aber klimafreundlich? Anfangen kann man damit, dass man im Wohnbereich die Temperatur bei ca. 20 Grad lässt. In den anderen Bereichen der Wohnung kann die Temperatur zum Wohlbefinden sogar noch gesenkt werden. Ein weiteres großes Thema ist das Lüften im Winter, da dort die warme Luft nach außen getrieben wird. Man sollte lieber mehrmals am Tag Stoßlüften, anstatt eine Stunde am Stück zu lüften.

Link: https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/heizen-bauen/heizen-raumtemperatur#gewusst-wie

Dienstag, 15. Dezember 2020

Sind Marken wie „Got Bag“ und "Zirkeltraining" bereits als nachhaltiger Konsum zu verstehen?

Das Mainzer Start-Up „Got Bag“ vertreibt auf der Internetseite Rucksäcke, Taschen und einige Accessoires. Die Mission der Marke ist es, „aktiv gegen die voranschreitende Plastik-Vermüllung unserer Meere vorzugehen und ein kollektives Bewusstsein zu schaffen“. Das Start-Up hat sich ein Netz aus 1500 Fischern aufgebaut, welche das Plastik aus ihren Netzen birgt, trennt und reinigt. Für jeden Got Bag werden bis zu vier Kilo Plastik geborgen. Der PET-Anteil fließt dann in die Produktionskette und aus dem Meeresplastik entsteht ein Garn. Zudem erfolgt jeder Arbeitsschritt unter den höchsten Anforderungen an fairen und sozialen Bedingungen mit Arbeitsplatzsicherheit und Zertifizierung.

Zu der Entmüllung des Meeresplastiks organsiert das Unternehmen auch Trainingssessions zur Mülltrennung und unterstützt in Indonesien den Aufbau einer Abfallstruktur. Die Beschichtung der Rucksäcke besteht aus einer 100% biologisch abbaubaren Beschichtung. Dazu kommt ein Reparaturservice der Rucksäcke, sodass diese lange verwendet werden können. Die Firma beruft sich bei ihrer Mission auf die UN-Ziele zur nachhaltigen Entwicklung.

Das deutsche Unternehmen „Zirkeltraining“ aus Müllheim/Ruhr vertreibt ebenfalls Taschen, Rucksäcke und Accessoires. Hier geht es vor allem um Recycling und Upcycling. Die Taschen werden aus gebrauchten Sportgeräten und recycelten Turnmatten gefertigt, sodass keine neuen Materialien produziert und verwendet werden müssen. Die Taschen werden vorrangig in ausgewählten Läden verkauft, so auch in Ludwigsburg im Cha Cha Store.

Bei beiden Unternehmen habe ich mir die Frage gestellt, ob solche Firmen zu einem nachhaltigen Konsum beitragen? Kann man sowas schon nachhaltigen Konsum nennen? Ich würde hier gerne Eure Meinung dazu hören😊

Montag, 14. Dezember 2020

Nachhaltiges Reisen

Der „Lifeverde Podcast“ thematisiert verschiedene Themen rund um Nachhaltigkeit und Wirtschaft. Die Gründer sagen, dass mittlerweile viele Menschen die Themen Wirtschaft und Karriere nicht mehr getrennt vom Thema Nachhaltigkeit betrachten möchten, weshalb es das Ziel war, einen Podcast ins Leben zu rufen, der eine „zukunftsfähige, verantwortungsbewusste und innovative Wirtschaft beschreibt“ (https://www.lifeverde.de/nachhaltigkeitsmagazin/gruene-wirtschaft/der-lifeverde-podcast-zu-den-themen-wirtschaft-und-nachhaltigkeit).

In der 18. Folge des Podcasts (Dauer: 37:09 Minuten) steht das Thema „nachhaltig reisen“ im Fokus. Zu Gast ist die Autorin Claudia Endrich, die vor nicht allzu langer Zeit ein Buch mit dem Titel „Das nächste Mal bleib ich daheim – Umweltbewusstsein im Gepäck“ veröffentlicht hat, in dem sie ihre Ansichten, Gedanken und Erfahrungen im Bezug auf nachhaltiges Reisen teilt.

Zu Anfang des Podcasts beschreibt Claudia Endrich, wie sie damit angefangen hat, sich mit nachhaltigem Reisen auseinanderzusetzen und welche ihre ersten Gedanken bezüglich dieses Themas waren. Weiterführend gibt sie Tipps, vor allem adressiert an junge Leute, wie sie ihre zukünftigen Reisen nachhaltiger gestalten könnten.

„Wenn das nötige Kleingeld da ist, machen sich die Leute wenig Gedanken über ihren Fußabdruck.“ Dieser im Podcast vorkommende Satz bezieht sich auf die Unterhaltungsbranche, inkludiert beispielsweise auch die Fußballbranche. Hier wird als Beispiel Jürgen Klinsmann genannt, der, als er Trainer von Hertha BSC war, angeblich einmal die Woche zu seiner Familie nach Kalifornien geflogen sei. Dieser Sachverhalt wird im Podcast kritisiert.

Desweiteren wird der sogenannte „Gruppenzwang“ zum Thema. Es herrscht die allgemeine Auffassung, dass man, insbesondere als junger Mensch, die Welt sehen will, sollte und muss. Das Reisen in verschiedene Länder und die Anzahl der Länder und Kontinente, die man bereist hat, gelten als eine Art Statussymbol. Auch hier scheint in gewisser Weise zu gelten: immer höher und weiter und am besten schnell alles gesehen haben, um mitreden zu können.

Im weiteren Verlauf des Podcasts werden die Flugpreise der Fluggesellschaften als eine Art möglicher Regulierung thematisiert und die Frage gestellt, ob „nachhaltig eingestellte“ Fluggesellschaften, die teurere Flüge anbieten, um eine gewisse Form von Nachhaltigkeit herstellen zu können, überhaupt konkurrenzfähig und erfolgreich auf dem Markt wären. Darüber hinaus wird die Frage offen gelassen, ob hier überhaupt eine Kompensation stattfinden würde und ob das mehr verlangte Geld überhaupt dort ankommen würde, wo es investiert werden sollte. Claudia Endrich äußert, vertiefend dazu, Vorschläge und ein abschließendes Fazit bezüglich der Thematik.

Zum Ende des Podcasts hin werden aktuelle Bezüge hergestellt. Als Beispiele werden die Corona-Krise und „Fridays For Future“ im Hinblick auf nachhaltiges Reisen und den Tourismus thematisiert. Hier werden spannende Gedanken ausgetauscht!

Der Tourismusbranche kommt eine große Bedeutung hinsichtlich des Erreichens der nationalen Klimaschutzziele zu. Claudia Endrich erwähnt das Projekt „Katzensprung“. Es wurde 2017 ins Leben gerufen mit der Intention, die zahlreichen Angebote im nachhaltigen und klimaschonenden Tourismus in Deutschland bekannter zu machen. Auf der Website des Projekts ist zu lesen:

„Ob Abenteuer in der Natur oder luxuriöse Schlafmöglichkeiten - bei unseren Katzensprüngen ist für jeden etwas dabei. Und das Beste daran? Es erspart dem Klima jede Menge CO2, wenn ihr Urlaub vor der Haustür macht, statt in den Flieger zu springen“.

Vielleicht wäre dies nach der Corona-Krise für jemanden eine mögliche Art, seinen nächsten Urlaub zu verbringen?

Eine wichtige Erkenntnis, die sich aus dem Podcast und dem Thema „nachhaltiges Reisen“ ableiten lässt, ist, dass Reisen ein Privileg darstellt. Gerade in der aktuellen Situation der Corona-Pandemie, in der das Reisen nur sehr eingeschränkt möglich ist, regt es doch zum Nachdenken über dieses unglaubliche Privileg und unsere größtenteils uneingeschränkte Freiheit an, die wir haben. Dies ist etwas, was wir uns öfter, auch im Bezug auf unsere nächsten Reisen, ins Gedächtnis rufen sollten.

Freitag, 11. Dezember 2020

Vortrag von Niko Paech an der PH

Kommenden Dienstag, am 15.12.2020 findet der Vortrag zur Postwachstumsökonomie von Niko Paech im Rahmen der Vortragsreihe "Klima:Nachhaltigkeit:Bildung" von 14.15 bis 15.45 Uhr online statt. Diesen für unser Seminarthema höchst relevanten Vortrag dürfen Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen. Die Verantwortlichen für die Vortragsreihe schreiben folgendes:

"Wir freuen uns sehr, in diesem Semester Prof. Dr. Niko Paech in unserer Veranstaltung begrüßen zu können. Herr Paech zählt zu den bekanntesten Wachstumskritikern und wird uns in seinem Vortrag die Grundzüge der Postwachstumsökonomie darstellen. Auch durch sein Buch „Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“ ist dieses Konzept längst nicht mehr unbekannt. Niko Paech forscht und lehrt unter anderem in den Bereichen Nachhaltigkeitsforschung, Umweltökonomik, Klimaschutz und Konsumforschung."

Die Vorträge finden ausschließlich online statt. Zur Teilnahme klicken Sie auf diesen Link: https://ph-ludwigsburg.webex.com/ph-ludwigsburg/j.php?MTID=mb00fd8a3adbbb4525b1bbfece65d361b

Nachhaltiger Konsum durch ein alternatives Geldsystem?

Unser jetziges Geldsystem hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt, da es systematisch exzessiven Konsum fördert. Der Grund dafür liegt in der Inflation und in dem sich negativ auswirkenden Anreizsystem, welches durch staatliche Intervention geschaffen wird. Dadurch, dass die Kaufkraft des Geldes im Lauf der Zeit abnimmt, wird der Anreiz erzeugt, dieses auszugeben. Dies kann sowohl zu übermäßigem Konsum als auch zu Fehlinvestitionen und übermäßigem Verbrauch von Ressourcen führen.

Verstärkt wird dieser Effekt bei großen Konzernen dadurch, dass sie auf Rettung durch den Staat hoffen können, sollten sie in Krisenzeiten bankrottgehen. Somit belohnt das jetzige Geldsystem und die staatliche Interventionspolitik nicht den sparsamen und Rücklagen bildenden Konsumenten oder Konzern, sondern jene, die verschwenderisch mit Ressourcen umgehen.

Neben dem Aspekt des Konsums gibt es eine Reihe weiterer Problematiken, die sich aus der Natur des Fiat-Gelds ergeben. Wie ein alternatives Geldsystem aussehen könnte, welches weit weniger Probleme mit sich bringen würde, hat der Ökonom Ludwig von Mises ausgearbeitet. Eine grobe Zusammenfassung seiner Erkenntnisse kann man dem folgenden Artikel entnehmen: https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/ludwig-von-mises-mises-geldtheorie/6504244-3.html

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Vortrag Lambrecht: Nachhaltiger Konsum und SDG

Am 1. Dezember 2020 hielt Justiz- und Verbraucherschutzministerin Lambrecht einen Vortrag im Rahmen des virtuellen Consumer Day zum Thema "Verbraucherpolitik im Dienst der SDG der Agenda 2030". Sie zieht Vergleiche zwischen der Entwicklung der Covid-19-Pandemie und dem Klimawandel und der wachsenden Ungleichheit der Gesellschaften weltweit. Sie appelliert an die Bevölkerung, sich jetzt auf Nachhaltigkeit zu konzentrieren. Besser spät als nie.

Sie spricht die Ziele der Agenda 2030 knapp an und zeigt die Möglichkeiten der Verbraucherpolitik auf, Nachhaltigkeit zu fördern. Es kann gezielt an den unternehmerischen Verhaltenspflichten gegenüber den Verbrauchern, der Ausgestaltung von Verbraucherrechten und der Verbraucherbildung und -beratung angesetzt werden.

Dienstag, 1. Dezember 2020

Zygmunt Baumans zentrales Buch zur Konsumgesellschaft

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich nur durch Steigerung erhalten kann (siehe Vortrag von Hartmut Rosa), die also von Wachstum abhängig ist. Die steigende Produktion muss aber auch Abnehmer finden. Würden wir nur das kaufen und konsumieren, was wir benötigen, wäre das Ende der Fahnenstange schnell erreicht. Und hier kommt die Konsumgesellschaft ins Spiel. Wer diese Gesellschaftsformation, die sich in den USA etwas früher, in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg herausgebildet und in den 1980er Jahren vollständig durchgesetzt hat, verstehen will, dem sei die Lektüre von Zygmunt Baumans 2007 erschienenen Buchs "Consuming Life" empfohlen, das auch in deutscher Übersetzung vorliegt:

  • Zygmunt Bauman (2009), Leben als Konsum, Hamburger Edition.
Dieses Buch und damit eine Analyse zentraler Elemente der Konsumgesellschaft wird im folgenden Text vorgestellt. Alle nicht anderweitig gekennzeichneten Zitate stammen daraus.

Kennzeichen der Konsumgesellschaft

Die in der Gesellschaft der Produzenten aufgewachsenen Älteren unter uns sind an folgendes Szenarium gewöhnt: Es gibt auf der einen Seite Objekte, die gewählt bzw. gekauft und konsumiert werden, und auf der anderen Seite Subjekte, die wählen, kaufen, konsumieren. Oder anders ausgedrückt: Waren und Käufer. Wenn man dieses Modell auf die Konsumgesellschaft überträgt, geht man an der Wirklichkeit vorbei, weil in ihr jeder Käufer (Subjekt) gleichzeitig Ware (Objekt) ist.

Wenn junge Menschen im Internet ihre persönlichen Daten, Merkmale und Gewohnheiten preisgeben, dann deshalb, weil sie (vielleicht unbewusst) verstanden haben, dass sie Ware sind. Wer unsichtbar bleibt, verschwindet als Ladenhüter in den Magazinen. Als Ware ist der Mensch z.B. potentieller Lebensgefährte oder Arbeitnehmer. Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden somit zu Begegnungen zwischen Käufern und Waren. Dabei muss der Einzelne darauf achten, sich so zu präsentieren, dass er als Ware attraktiv ist.

Ein Arbeitsuchender z.B. ist für einen Personalchef attraktiv, wenn er so ungebunden und flexibel wie möglich ist, anpassungsfähig und immer bereit für neue Aufgaben, und den die Firma entlassen kann, ohne viel Geschrei oder gar Rechtsstreitigkeiten fürchten zu müssen.

Vergleich Produzentengesellschaft – Konsumgesellschaft

Die Gesellschaft von Produzenten ist auf Langfristigkeit, Dauerhaftigkeit und Sicherheit angelegt. Man übt Bedürfnisverzicht in der Gegenwart, um sich in der Zukunft dafür etwas leisten zu können, das einem wichtiger ist. Man spart z.B. auf ein Haus oder ein Auto. In der Konsumgesellschaft ist das sofortige Befriedigen momentaner Bedürfnisse zum Lebensmittelpunkt geworden. Man nimmt z.B. Schulden auf, um mit einem attraktiven neuen Auto losfahren zu können. Damit einher geht ein von Wirtschaft und Werbung gefördertes Hasten zu immer neuen und größeren Wünschen.

In einer solchen Gesellschaft ändert sich die Vorstellung von Zeit. Bisher hat man sich die Zeit als eine ununterbrochene Linie vorgestellt, die aus der Vergangenheit kommt, die Gegenwart durchläuft und sich in die Zukunft hineinbegibt. Für die Zeitvorstellung der Konsumgesellschaft sind die Begriffe „pointillistische Zeit“ und „gebrochene Zeit“ geprägt worden. Man muss sie sich nicht als eine Linie vorstellen, sondern als unverbundene Punkte.
"Pointillistische Zeit ist zersplittert, ja geradezu pulverisiert zu einer Vielzahl von „ewigen Augenblicken“ – Ereignissen, Zwischenfällen, Unfällen, Abenteuern, Episoden." (S. 46)
"(Das Leben ist) eine Abfolge von Gegenwart, eine Verknüpfung von Augenblicken, die mehr oder weniger intensiv erlebt werden." (S. 47)
"Würde man eine Karte des pointillistischen Lebens zeichnen, so hätte sie eine geradezu unheimliche Ähnlichkeit mit einem Friedhof für imaginäre, eingebildete oder fahrlässig vernachlässigte und unerfüllt gebliebene Möglichkeiten." (S. 47)
Für das menschliche Verhalten hat das gravierende Folgen. Man lebt ausschließlich in der Gegenwart, versucht, diese so gut wie möglich zu nutzen (carpe diem), und kümmert sich weder um die Erfahrungen der Vergangenheit, noch um die Konsequenzen seiner Handlungen in der Zukunft, und schon gar nicht um die Ewigkeit (memento mori). Und man empfindet diese Handlungsweise als Ausdruck seiner individuellen Freiheit.

Bei einem Fehlschlag hätte man früher (in der Gesellschaft der Produzenten) einen neuen Anlauf genommen, sich mehr angestrengt oder konzentriert und vielleicht mit einem verbesserten Werkzeug gearbeitet. In der Konsumgesellschaft wird der Plan fallengelassen. Wenn es sich um eine Beziehung handelt, wird diese kurzerhand beendet. Der Ausruf Fausts "Könnt ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön!" stößt in der Konsumgesellschaft auf Unverständnis. Es wäre so, als wolle man einen Punkt der pointillistischen Zeit zu einer Geraden verlängern wollen.

Der Übergang von der Gesellschaft der Produzenten zur Konsumgesellschaft wird als Entwicklung hin zu persönlicher Freiheit verstanden, der den Menschen von vielfältigen Zwängen (Routine, verpflichtende Verhaltensmuster, Bindungen) befreit und ihm endlich die Wahl lässt, sich zu verhalten, wie er will. Diese angeblich freie Wahl aber ist eine Illusion. Der Mensch kommt vom Regen in die Traufe. Er kann moralische Zwänge abwerfen, unterliegt aber neuen Zwängen. Es sind die Zwänge des Konsumgütermarktes, deren Gesetze nun zu Lebensgrundsätzen werden.

Man erwartet von denen, die sich diesen Regeln unterwerfen, "dass sie sich auf dem Markt anbieten und in Konkurrenz zu den übrigen Mitgliedern einen möglichst hohen „Marktwert“ anstreben." (S. 83) Sie müssen unter den angebotenen Waren "jene Werkzeuge und Rohstoffe (…) finden, die sie benutzen können (und müssen), um dafür Sorge zu tragen, dass sie selbst „für den Konsum geeignet“ und damit markttauglich sind." (S .83) Wer sich diesem Spiel verweigert, wird mit Exklusion bestraft.

So wenig, wie Glück und Freiheit in der Konsumgesellschaft zugenommen haben, so wenig hat das Leid abgenommen, es ist nur anders geworden. Früher galten Moralgesetze mit einer Fülle von Verboten, deren Übertretung zu Schuldgefühlen und im schlimmsten Fall zu Neurosen führten. In der Konsumgesellschaft werden die Neurosen von den Depressionen abgelöst. Sie entstehen dadurch, dass das Übermaß an Möglichkeiten, die die Gesellschaft bietet, zu Angst vor Unzulänglichkeiten (Zeitmangel, Geldknappheit) führt und diese Angst Depressionen auslöst.

Die Konsumgesellschaft wäre nicht, was sie ist, wenn sie nicht auch dagegen ein Heilmittel anböte. Es besteht darin, die Punkte, aus der die Zeit besteht, mit Handlungen zu füllen und von einem Punkt zum nächsten zu eilen.
"Permanente Aktivität, bei der eine dringliche Aufgabe auf die andere folgt, gibt einem die Sicherheit eines erfüllten Lebens oder einer „erfolgreichen Karriere“, die einzigen Beweise der Selbstverwirklichung in einer Welt, aus der alle Bezüge auf ein Jenseits verschwunden sind.(…) Allzu oft ist Handeln nur eine Flucht vor dem Selbst, ein Heilmittel gegen den Schmerz." (S.125/126).

Wie „funktioniert“ die Konsumgesellschaft?

Sie beruht auf einem inneren Widerspruch, den sie mit allen Mitteln kaschieren muss. Auf der einen Seite ist ihr proklamiertes Ziel das glückliche Leben, nicht irgendwann im Jenseits, sondern im Hier und Jetzt. Auf der anderen Seite muss sie danach trachten, dass ihre Mitglieder dieses Ziel nicht erreichen, weil das den Stillstand im Warenumsatz und damit den Verlust des Fundaments bedeuten würde, auf dem sie aufgebaut ist.
"Die Konsumgesellschaft floriert, solange sie erfolgreich dafür sorgt, dass die Nicht-Befriedigung ihrer Mitglieder (und damit in ihren eigenen Begriffen ihr Unglücklichsein) fortwährend ist." (S. 64)
Die Wirtschaft muss um jeden Preis angekurbelt werden. "Schulden zu machen und auf Kredit zu leben, ist in Großbritannien mittlerweile Teil des vom Staat entworfenen, abgesegneten und subventionierten nationalen Lehrplans geworden" (S. 104). Der Wirtschaftskreislauf, der nicht unterbrochen werden darf, besteht darin, Umsatz und Kauflust dadurch anzukurbeln, dass immer neue und (angeblich) bessere Produkte auf den Markt kommen und die Entsorgung der ausgedienten Produkte organisiert wird.

Beispiele für diesen Prozess reichen von den schnurlosen Telefonen, die immer mehr und bessere Funktionen haben müssen, um den Konsumenten davon zu überzeugen, ihre alten Geräte zu ersetzen, bis hin zu Online-Partnervermittlungen, die den Schwerpunkt darauf legen, ihre Kunden dahingehend zu beraten, wie sie unerwünscht gewordene Partner rasch und sicher loswerden können.

Die Folge von alledem ist, dass in einer Gesellschaft mit konsumorientiertem Wirtschaftssystem "Unbehagen und Unglücklichsein, (…) Stress oder Depressionen, lange und sozialunverträgliche Arbeitszeiten, zerfallende Beziehungen, Mangel an Selbstvertrauen" (S. 63) zunehmen. Die Konsumgesellschaft verspricht Glück, macht aber die Menschen unglücklich. Damit ist der "Konsumismus (…) nicht nur eine Ökonomie des Überschusses und des Abfalls, sondern auch eine Ökonomie der Täuschung" (S. 65).

Körperkult in der Konsumgesellschaft

Mit dem Aufkommen der Konsumgesellschaft kann man eine gesteigerte Hinwendung zum Körperlichen beobachten. Sonnenstudios, Fitness-Studios und Schönheitssalons sind wie Pilze aus dem Boden geschossen. Schönheitsoperationen haben in großem Umfang zugenommen. Warum?

In der Konsumgesellschaft ist der Mensch selber zur Ware geworden. Den Vergleich mit der hohen Qualität des hergestellten Dings jedoch muss er scheuen. Der Mensch schämt sich wegen der offensichtlichen Unvollkommenheit seines Körpers (prometheische Scham). Und wähnt sich vor die Aufgabe gestellt, seinen Körper zu vervollkommnen. "Als nackt (…) gilt heute nicht mehr der unbekleidete Leib, sondern der „unbearbeitete“" ( S. 80).

Körperkult auf der einen Seite, eine veränderte Haltung zur Zeit auf der anderen haben zu der Überlegung geführt, die unzusammenhängenden Punkte der Zeit dafür zu nutzen, sich neue Identitäten zu schaffen, um damit das Ärgernis zeitlich begrenzten Lebens wenigstens teilweise dadurch aus der Welt zu schaffen, dass man sich mehrere Leben zulegt. Das Mittel dazu ist die körperliche Veränderung durch Schönheitsoperationen, wobei von Anfang an die Möglichkeit von Folgeoperationen ins Kalkül gezogen wird. Es gibt bereits Firmen, die Kundenkarten für Folgeoperationen anbieten. Eine entsprechende Flatrate wird nicht lange auf sich warten lassen.

Der Siegeszug des Fastfood

Wo keine dauerhaften Bindungen entstehen können und auch nicht erwünscht sind, hat die Familie einen schweren Stand. Eines der Integrationselemente ist das gemeinsame Essen meist selbst zubereiteter und manchmal sogar gemeinsam produzierter Speisen. All das schweißte die Gruppe zusammen und ließ Bindungen entstehen. Die Zunahme der Beliebtheit von Fastfood, die natürlich auch – und vielleicht vor allem – auf mangelnde Zeit und/oder Lust zurückzuführen ist, ein Essen selber zu bereiten, hat als Folge, dass Bindungen schwerer entstehen können, kann aber auch als Folge davon gesehen werden, dass Bindungen nicht gewünscht sind. "Fastfood ist dazu da, die Einsamkeit einsamer Konsumenten zu schützen" (S. 103).

Zwischenmenschliche Beziehungen

Wenn der Mensch zur Ware wird, wirkt sich das auf die zwischenmenschlichen Beziehungen aus. Aus ihnen verschwinden Fürsorge und Verantwortung für den anderen und machen radikalem Egoismus Platz. "Konsum ist alles, was für den „sozialen Wert“ und das Selbstwertgefühl des Individuums von Bedeutung ist" (S. 77). In einem Ratgeber („Der Cinderella Komplex“) warnt Colette Dowling: “Im Impuls, für andere zu sorgen, und in der Sehnsucht, von anderen umsorgt zu werden, lauert die schreckliche Gefahr, abhängig zu werden, die Fähigkeit zu verlieren, die Strömung auszuwählen, die sich derzeit am besten zum Surfen eignet, und leichtfüßig von einer Welle zur anderen zu hüpfen, sobald sie die Richtung ändert.“
"Der Raum, den flüchtig-moderne Konsumenten brauchen, für den sie, so der Rat von allen Seiten, kämpfen und den sie mit Zähnen und Klauen verteidigen sollen, kann nur dadurch errungen werden, dass man andere Menschen aus ihm hinausbefördert – vor allem jene Art von Menschen, die fürsorglich sind und/oder die es nötig haben könnten, dass man für sie sorgt" (S. 69).
Der ideale Konsument

„(Er) lebt von einem Augenblick zum nächsten.(…) Sein Verhalten ist impulsiv, entweder, weil er nicht die Disziplin aufbringen kann, eine gegenwärtige Befriedigung einer zukünftigen zu opfern, oder weil er gar keinen Sinn für Zukunft hat. Vorausschauendes Handeln ist ihm daher völlig fremd; was er nicht sofort konsumieren kann, hat für ihn keinerlei Wert“ (S. 175) (Zitat aus dem Buch von Ken Auletta: The Underclass)

Kürzer und genauer könnte man den typischen Vertreter der Konsumgesellschaft nicht charakterisieren. Bei dem Zitat handelt es sich allerdings um die Charakterisierung des Verhaltens eines typischen Vertreters der sogenannten Unterschicht.