Mittwoch, 28. Juni 2023

Potenzial der Geothermie für die Energie- und Wärmewende in Deutschland am Beispiel der Stadt München

Ohne eine günstige und üppige Energieversorgung, die an Verlässlichkeit nichts vermissen lässt, ist der Wohlstand unserer Gesellschaft undenkbar. Seit der Zeit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ist die Frage der Energieversorgung zunehmend in den Mittelpunkt unserer ökonomischen Interessen gerückt. Damit wurde das Thema Energieversorgung auch zum Gegenstand der Politik. Seit dieser Zeit haben alle deutschen Regierungen sich mit Priorität darum bemüht, dass Energie in Deutschland in ausreichendem Maße zur Verfügung steht und für breite Schichten der Gesellschaft und für möglichst alle Industrieanwendungen zu einem akzeptablen Preis angeboten werden kann.

Hat es sich dabei zu Beginn dieses Prozesses vor allem darum gedreht, wie man möglichst günstig und in großen Mengen an primäre Energieträger kam, vornehmlich Kohle, später Öl und Gas, so hat sich in den letzten zwanzig Jahren vieles in Deutschland verändert. Seit die Naturwissenschaften uns immer eindrucksvoller vor Augen führen, dass fossile Energieträger durch den Ausstoß von Treibhausgasen den Klimawandel herbeigeführt haben und in zunehmendem Maße verschärfen, ist der Menschheit und damit auch Deutschland in großem Stil daran gelegen, Energiequellen zu erschließen, die der Umwelt keinen Schaden zufügen, uns gleichzeitig aber nicht in die Vormoderne zurückfallen lassen.

Eine breite gesellschaftliche Debatte ist seitdem entstanden, mit welchen Methoden man am besten dieses Ziel erreichen kann und welche sich eher nicht eignen, um dem Klimawandel zu begegnen und gleichzeitig den Industriestandort Deutschland nicht zu gefährden. Insbesondere die Partei Bündnis90/Die Grünen und die ihr nachgeordneten Lobbyorganisationen hatten einen entscheidenden politischen Einfluss auf die deutsche Gesellschaft und Politik, sodass in den letzten zwei Dekaden ein Transformationsprozess in Gang gesetzt wurde, der es sich zum Ziel setzt, die deutsche Volkswirtschaft mit sauberen und erneuerbaren Energien zu versorgen. Dieser Prozess, der gemeinhin als Energiewende bezeichnet wird, ist extrem vielgestaltig und umfasst einen radikalen und durchgehenden Umbau unserer Art, Energie zu erzeugen und zu nutzen, und ist ein international einmaliges und vielbeachtetes Projekt.

Smart-City – die Stadt der Zukunft?

Der demografische Wandel, soziale Spaltungen, Umweltverschmutzung und der Klimawandel bringen für Städte in Deutschland und auf der ganzen Welt zunehmend Probleme mit sich. „Smart City“ ist ein Konzept, bei dem verschiedene Entwicklungsstrategien zu einer höheren Lebensqualität der Einwohner führen und Probleme gelöst werden sollen. Durch den vermehrten Einsatz vernetzter Technologien sollen knappe Ressourcen wie Strom, das Personal der Stadtverwaltung oder die Kapazität des öffentlichen Nahverkehrs effizienter eingesetzt werden (vgl. Landeszentrale für politische Bildung BW). Das Hauptziel hierbei ist Nachhaltigkeit, die Digitalisierung ist nur Mittel zum Zweck (vgl. Balleis 2022, S. 46). Eine „Smart-City“ sollte folgendes leisten können:

  • geringer Ressourcenverbrauch
  • Klimaschutz
  • Mobilität sicherstellen
  • verbesserte Lebensqualität durch vernetzte Technologie
  • nachhaltige Stadtentwicklung
  • kommunale Infrastrukturen wie beispielsweise Energie, Gebäude, Verkehr, Wasser und Abwasser sollen besser vernetzt werden bei weniger Verwaltungsaufwand
  • Probleme mittels Informations- und Kommunikationstechnik lösen
  • Transparenz der Verwaltung, Open Data, digitales Bürgerbüro

Einige gute Ideen, wie z.B. Carsharing, werden bereits in vielen Städten umgesetzt. So gewannen vier Städte aus Baden-Württemberg 2020 beim Bundeswettbewerb „Smart Cities made in Germany“. Freiburg, Mannheim, Aalen und Heidenheim erhielten damit eine Förderung für digitale Zukunftsprojekte in ihren Städten. Einen weiteren Überblick über die „smarten“ Vorreiterstädte in Deutschland gibt der Smart-City-Atlas, der vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. gemeinsam mit zahlreichen Partnern veröffentlicht wird.

In Zukunft ist noch vieles weitere denkbar; z.B. könnten Gebäude mit digitalen Mess- und Steuerungssystemen ausgestattet werden, um die Energieversorgung oder Innenraumklimatisierung effizienter abzustimmen sowie Verluste bei der Wasserversorgung schneller aufzuspüren (vgl. Landeszentrale für politische Bildung BW/ Balleis 2022, S. 47). Durch ein digitales Waste Management-System können Füllstände von Mülltonnen kontrolliert werden und zu einer gezielten Leerung führen. Wärme und Strom werden in einer modularen Energiezentrale erzeugt und über ein quartiereigenes Nahwärmenetz und Niederspannungsnetz verteilt. Der durch Photovoltaik-Anlagen erzeugte Strom kann nun zu großen Teilen den Energiebedarf des eigenen Quartiers decken (vgl. Balleis 2022, S. 48).

Seit 2017 wächst der Anteil der Kommunen, die eine digitale Agenda erarbeiten und sich zur Smart City entwickeln möchten. Hier setzen die einzelnen Kommunen jedoch individuelle Schwerpunkte, einen allgemeingültigen Umsetzungsplan gibt es bisher nicht. So entstehen momentan vor allem noch Einzelprojekte in Metropolen. Besonders in kleinen bis mittelgroßen Städten gibt es noch wenige „Smart City-Konzepte“. Durch Wettbewerbe und Förderprogramme soll dies jedoch geändert werden. So hat beispielsweise die Bitkom gemeinsam mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund und Sponsoren den Wettbewerb »Digitale Stadt« ins Leben gerufen (vgl. Bitkom 2017, S. 9).

Ein Problem des Konzepts der „Smart City“ ist, dass es bisher noch keine einheitliche Definition einer „Smart City“ gibt. Dadurch bleibt es zunächst bei kommunaler Umsetzung, und eine flächendeckende Ausbreitung wird erschwert. Auch muss darauf geachtet werden, dass durch die großflächige Digitalisierung weniger technikaffine Menschen keine Nachteile bekommen (vgl. Landeszentrale für politische Bildung BW). Zudem ist wie immer bei Digitalisierung die Frage nach der Datensicherheit von großer Bedeutung (vgl. Balleis 2022, S. 46). Zur Zeit weisen die Konzepte von Smart Citys im Bereich Mobilität noch große Defizite auf und konnten bisher nicht helfen, den CO2-Ausstoß des Mobilitätssektors zu verringern. Dazu würde es einen großflächigen Ausbau des ÖPNV-Netzes bedürfen, was durch die Privatisierung allerdings erschwert wird (vgl. ebd., S. 48).

Quellen:

Sonntag, 25. Juni 2023

KAS-Online-Diskussion zum Thema Geothermie

In den aktuellen Debatten zur Energie- und Klimapolitik bleibt Geothermie unterbelichtet. Dabei deckt diese schon heute etwa 1,5% des deutschen Wärmebedarfs und könnte dies in Zukunft zu etwa 50% leisten. Zudem handelt es sich um eine erneuerbare Energie, die die Unabhängigkeit der deutschen Energieversorgung vom Ausland deutlich erhöhen könnte. Die Konrad-Adenauer-Stiftung führt eine Online-Diskussion zu diesem Thema durch, um die Potenziale der Technologie zu besprechen. Im Zentrum stehen die Fragen:
  • Wie funktioniert Geothermie und welche Varianten gibt es?
  • Wo kann die Geothermie eingesetzt werden und wo liegen die Nachteile zu anderen Energieträgern?
  • Welche Potentiale hat Geothermie in Deutschland und wie ist die politische Lage?

Diese Fragen werden mit Florian Stanko diskutiert. Er ist Leiter der Politikabteilung des Bundesverbands Geothermie e.V. Weiterhin ist Mark Helfrich zu Gast, der aus dem Bundestagsausschuss für Klimaschutz und Energie berichten und die politischen Aspekte der Geothermie erläutern wird.

Die Diskussion findet am Mittwoch 12. Juli 2023 ab 18.00 Uhr statt

Donnerstag, 22. Juni 2023

Klimacamp an der PH Ludwigsburg

Kommende Woche (26.06. - 30.06.2023) findet ein Klimacamp an der PH statt. Campus for Future Ludwigsburg hat in Zusammenarbeit mit anderen Studierenden, Dozierenden und externen Expert*innen ein interessantes und abwechslungsreiches Programm rund um die Themen Klima, Klimakrise und Klimagerechtigkeit zusammengestellt:

  • Lesungen von Autor*innen des Sammelbands zu Ableismus und Klimagerechtigkeit
  • Planungstreffen für einen Färbergarten an der PH
  • Open Air Treppenkino mit dem Film „2040 – wir retten die Welt"
  • Konzert des Musikers Erik Stenzel
  • Exkursion in die Klimaarena Sinsheim
  • Seminare und Vorlesungen 
  • etc.

Das vollständige Programm findet man hier: https://fff-ludwigsburg.de/klimacamp/

Montag, 19. Juni 2023

Online-Seminar zum Thema Klimakommunikation

Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg veranstaltet ein Online-Seminar zum Thema „Klima und Kommunikation – K2. Wie reden wir nicht bloß über Klimaschutz, sondern bewirken etwas?“.

Über die Klimakrise sprechen und zugleich so viele Menschen wie möglich zum Handeln zu bewegen, darauf zielen wir ab mit Veranstaltungen, Texten oder wenn wir mit Freunden plaudern. Unsere Wirksamkeit erhöhen wir, wenn wir neben Fakten zur Klimakrise auch Geschichten des Gelingens erzählen, Menschen in ihrer Lebenswelt abholen und Brücken aus Möglichkeiten und Chancen bauen. Wie das konkret aussehen kann, werden wir in einem Input zum Thema Klimakommunikation hören und anhand konkreter Beispiele lernen und selbst ausprobieren. Vermittelt wird ein praktischer Instrumenten-Baukasten, mit dem sich wirkungsvoll über Klimaschutz reden lässt, um ins Handeln zu kommen.

  • Termin: Mittwoch, 5. Juli 2023, 17-20 Uhr
  • Zielgruppe: alle im Klima- und Naturschutz Engagierten sowie daran Interessierten
  • Ort: Online via Webex – der Zugangslink wird nach Anmeldung und rechtzeitig vor der Veranstaltung verschickt
  • Referent*innen: Marianne Dobner, Gründerin von Hallo Klima! und Michael Danner, Geschäftsführer des Beratungsbüros „Kommunikation für Mensch & Umwelt“
  • Leitung: Claudia Möller, Fachreferentin „Nachhaltigkeit“, LpB BW und Konstanze Stein, Akademie für Natur- und Umweltschutz BW
  • Kosten: Die Veranstaltung ist kostenlos

Anmeldung: per E-Mail an Christine.Kuntzsch@lpb.bwl.de oder über die Website der LpB BW – Klicken Sie hier...

Donnerstag, 8. Juni 2023

Exkursion zur Klimaarena Sinsheim

Die Abteilung Geographie bietet im Rahmen des Klimacamps an der PH Ludwigsburg am Freitag 30.06.2023 eine Exkursion zur Klimaarena Sinsheim an, an der auch Politikstudierende teilnehmen können.

Die Klimaarena ist ein außerschulischer Lernort rund um das Thema Klimawandel, der im Jahre 2019 seine Tore geöffnet hat. Dort werden unter anderem Rallyes für Schulklassen, Workshops für SchülerInnen (Grundschule, Sek 1 und 2) und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte angeboten. Im Rahmen der Exkursion stellt die Klimaarena in einem Vortrag ihr Bildungsprogramm vor. Anschließend werden wir konkrete Bildungsangebote für unterschiedliche Jahrgangsstufen kennenlernen. Zudem steht Zeit zur freien Erkundung der Ausstellung zur Verfügung.

Eckdaten 

  • Wann: Freitag, 30.06.2023, 9:20 - 14:30 Uhr
  • Anmeldung: bis spätestens 18.06.2023
  • An- und Abreise sind eigenständig zu organisieren - eine klimafreundliche Anreise kann per Bahn zum Bahnhof Sinsheim (Elsenz) erfolgen, von dort läuft man ca. 25 Minuten zur Klimaarena
  • Treffpunkt: 9:20 Uhr am Haupteingang der Klimaarena Sinsheim, Ende vor Ort: ca. 14:30 Uhr - wer möchte, kann gerne länger bleiben
  • Kosten: 5 Euro pro Person
  • Maximale TeilnehmerInnenanzahl: bis zu 80 Teilnehmende möglich

Anmeldung

  1. Selbsteinschreibung in den Moodlekurs „Exkursion Klimaarena" - Einschreibeschlüssel: Klimaarena
  2. Bis 18.06.2023: verbindliche Anmeldung über das Befragungstool im Moodlekurs Klimaarena: https://moodle.ph-ludwigsburg.de/mod/feedback/view.php?id=924532
  3. Bis 18.06.2023: Überweisung der Kosten von 5 Euro an die PH (Kontoinformationen finden sich im Moodlekurs)
  4. Bis 25.06.2023: Erhalt der Anmeldebestätigung
Bei Fragen wenden Sie sich an dominik.conrad@ph-ludwigsburg.de

Montag, 5. Juni 2023

Nachhaltigkeit und Demokratie - Vortrag in Stuttgart

Am Donnerstag, den 29. Juni 2023, von 16:30 - 18:00 Uhr stellt Felix Heidenreich wichtige Aspekte seines aktuellen Buches im Rahmen eines Vortrags vor: "Nachhaltigkeit und Demokratie. Eine politische Theorie". Die Veranstaltung findet im Hospitalhof in Stuttgart statt (Büchsenstr. 33, 70174 Stuttgart). Mehr Informationen und kostenlose Reservierung unter https://www.hospitalhof.de/programm/290623-nachhaltigkeit-und-demokratie/

Freitag, 2. Juni 2023

Effizienter Klimaschutz durch Spenden

Die Ausgabe 15-16/2023 der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" widmet sich dem (wenig spezifischen) Thema "Träume" und umfasst einen höchst lesenswerten Beitrag (17 min Lesezeit) zur Thematik dieses Blogs und des laufenden Seminars "Nachhaltigkeit (II): In der Klimakrise":

Bernward Gesang: Klimaschutz neu geträumt. Was der Staat und der Einzelne tun können, um effizient zu sein – Essay

"Wenn Deutschland klimaneutral ist, die Welt aber nicht, nutzt das wenig. Stattdessen sollten wir uns zu Paten des Regenwaldes machen und weniger auf individuelle Verhaltensänderungen achten als auf die Verbesserung der Welt durch gezieltes Spenden."

Montag, 22. Mai 2023

Straßenbeleuchtung gegen Insektensterben

Die Anzahl der Insekten ist seit den 1980er Jahren um 75 bis 80 Prozent zurückgegangen. Belegt wurde dies durch die im Oktober 2017 veröffentlichte „Krefelder Studie“, bei der ehrenamtliche Insektenkundler*innen von 1989 bis 2016 die Insektenbestände in 63 deutschen Schutzgebieten mit Flugfallen auswerteten.

Doch nicht nur die „Krefelder Studie“ weist den Rückgang der Insektenvielfalt nach. Ein weiteres Beispiel sind die Roten Listen der gefährdeten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten Deutschlands. Insgesamt stehen von den bisher bewerteten Insektenarten 42 Prozent als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben oder verschollen auf der Roten Liste (vgl. bmuv 2023).

Gründe für das Insektensterben gibt es viele. Neben der Verarmung der Landschaft, Agrargiften, Überdüngung, versiegelten Böden, intensiver Landwirtschaft oder naturfeindlichen Privatgärten spielt die nächtliche Lichtverschmutzung eine zentrale Rolle. Aber warum? Die Mehrheit der Insekten ist nachtaktiv und die meisten Arten werden von Licht angezogen. In einer einzigen Sommernacht lassen allein in Deutschland eine Milliarde Insekten ihr Leben. Sie verbrennen oder sterben an Erschöpfung.

Das künstliche Licht stört den Tag-Nacht-Rhythmus der Insekten und auch ihr Jagd- und Fortpflanzungsverhalten (vgl. BUND 2023). Auf diese Weise werden die Insekten ihrer ökologischen Aufgabe entzogen – als Futter für andere Tiere zu dienen. Über die Konsequenzen und Probleme, die dies mit sich bringt, kann bisher nur spekuliert werden (vgl. Kassel 2021). Die Lichtverschmutzung nimmt weltweit zu. In Deutschland kommen immer mehr LED-Straßenlampen zum Einsatz, diese sind zwar relativ insektenverträglich, doch durch ihren günstigen Betrieb weiten viele Kommunen ihre Beleuchtung und damit auch die Lichtverschmutzung aus (vgl. BUND 2023).

Doch was sind Lösungen? Die Umsetzung und Etablierung eines insektenfreundlichen Straßenbeleuchtungsdesigns. Dies ermöglicht die Abschirmung der Leuchtmittel und Ausleger, so dass eine Abstrahlung und Reflektion des Lichtes im Bereich der Flughöhe von Insekten sowie auf angrenzende Biotope, wie Gewässer und Uferzonen, reduziert wird (vgl. IGB 2023).

In Baden-Württemberg muss, mit Blick auf den geänderten Paragrafen 21 des Landesnaturschutzgesetzes, die Straßenbeleuchtung bis 2030 insektenfreundlich um- und nachgerüstet werden. Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit „mitlaufendem Licht“. Dabei kann durch eine intelligente Steuerung Energie gespart und insektenfreundlich beleuchtet werden. Die Beleuchtung kann stark gedimmt oder abgeschaltet werden. Nähert sich eine Person, geht die erste Laterne an und gibt ein Signal an die nachfolgenden, wodurch der Weg beleuchtet wird. Diese Beleuchtungskonzepte dienen nicht nur dem Insektenschutz, sondern sorgen beim Einsatz in Wohngebieten auch für besseren Schlaf der Anwohner*innen (vgl. Schlüter 2021).

Literatur

Samstag, 13. Mai 2023

Klein, aber oho! – der Tiny Forest

Etwa 80% der Menschen in Deutschland wohnen in Städten. Prognosen zeigen, dass dieser Trend weiter zunimmt. Das Problem dabei ist, dass sich der Mensch in der Stadt von der Natur entfremdet. Die Menschen verlieren, umgeben von einer Betonwüste, den Bezug dazu, woher ihre Lebensgrundlagen wie Wasser oder Nahrungsmittel stammen. Gleichzeitig trifft der Mensch genau aus diesem Lebensstil heraus Entscheidungen, die die Natur zutiefst beeinflussen und die Biosphäre destabilisieren (vgl. Scharfe, 2022, S. 2 f.).

Folgen unseres (Nicht-)Handelns

Die Folgen davon sehen wir in den Auswirkungen des Klimawandels. Arten sterben, weil sie mit den veränderten klimatischen Bedingungen nicht mehr zurechtkommen oder weil der Mensch ihnen ihre Lebensgrundlage entzogen hat, um Lebensmittel anzubauen (vgl. Steingässer & Scharfe, 2020, S. 1). In Deutschland gibt es nur noch 0,6 % Fläche, die naturbelassen ist (vgl. Scharfe, 2022, S. 2). Gleichzeitig staut sich im Sommer die Hitze zwischen Asphalt und Beton und lässt das Leben in den Städten unerträglich werden (vgl. Enwadlt & Mende, 2023, S. 1). Die Auswirkungen zeigen sich auch in der menschlichen Gesundheit, so nehmen z.B. Lungenentzündungen oder Krebs zu. Der Mensch hat vergessen, was für einen positiven Effekt die Natur auf ihn hat. Nicht umsonst wird psychisch sowie physisch kranken Menschen der Kontakt zur Natur empfohlen. Die Natur stärkt unser Immunsystem und wirkt sich positiv auf unser Wohlbefinden aus (vgl. Scharfe, 2022, S. 3).

Was braucht es, um den negativen Auswirkungen unserer Entfremdung von der Natur entgegenzuwirken?

Der japanische Pflanzensoziologe Akira Miyawaki entwickelte genau hierfür eine Idee. Die sogenannten Tiny Forests. Seine Idee ist nicht so neu, wie sie vielleicht klingt. Bereits vor ca. 50 Jahren erkannte er mit seinen Kollegen den Wert der kleinen Wälder (vgl. Enwadlt & Mende, 2023, S. 1). Was genau muss man sich unter einem Tiny Forest vorstellen? Das offensichtlichste Merkmal eines Tiny Forest ist wohl seine Größe. Ein Tiny Forest entsteht bereits auf gerade einmal 100 - 200 Quadratmetern Fläche. Der Boden auf dieser Fläche wird genaustens untersucht. Anhand der Untersuchungsergebnisse wird versucht, den Boden hinsichtlich seiner „Korngrößenverteilung, [seines] ph-Wert[s] und Humusanteil[s]“ (Steingässer & Scharfe, 2020, S. 1) zu optimieren, um somit die perfekten Bedingungen für den kleinen Wald zu schaffen. Die Bepflanzung erfolgt schließlich mit heimischen Bäumen und Sträuchern, die eine möglichst große Diversität mit sich bringen. Auf einem Quadratmeter finden sich so etwa drei Pflanzen (vgl. Steingässer & Scharfe, 2020, S. 1).

Die haben ja gar keinen Platz?

Richtig und das ist auch gut so. Denn in diesem Fall gilt: „Konkurrenz belebt das Pflanzenwachstum“. Ein Tiny Forest wächst etwa 10-mal so schnell wie ein klassischer Wald und benötigt so gerade einmal drei Jahre, bis er sich in ein beständiges Ökosystem verwandelt hat (vgl. Steingässer & Scharfe, 2020, S. 1). Dieses beständige Ökosystem kann schließlich ein Zuhause für zahlreiche Vögel und Insekten sein. Es filtert die vielen Schadstoffe in den Städten und saugt bei Überschwemmungen eine große Menge Wasser auf (vgl. Enwadlt & Mende, 2023, S. 2). Gleichzeitig steigern Tiny Forests das Wohlbefinden der Menschen in den Städten, senken den CO2-Gehalt und sind durch ihre Größe flexibel einsetzbar. Sie sind „Temperatur- und Lärmpuffer“ (Steingässer & Scharfe, 2020, S. 2). Ein Tiny Forest dient keinen ökonomischen Zwecken. Die Natur soll an diesen Flecken einfach nur existieren dürfen (vgl. Steingässer & Scharfe, 2020, S. 2).

Tiny Forest als pädagogisches Projekt

Neben den zahlreichen positiven Effekten, die der Tiny Forest auf die menschliche Gesundheit hat, ist er eine Methode, um dem Menschen die Natur wieder näherzubringen. So wird er derzeit für Bildung für nachhaltige Entwicklung eingesetzt. Kinder haben die Möglichkeit, die Entstehung eines Waldes hautnah mitzuerleben sowie die Vielfalt an Tieren und Insekten, die dort wohnen, kennenzulernen (vgl. Scharfe, 2022, S. 3).

Wo findet man Tiny Forests?

2020 entstand einer der ersten Tiny Forests in der Uckermark auf einer Fläche von ca. 800 Quadratmetern. Mittlerweile findet man Tiny Forests aber auch in Herford oder im niederländischen Utrecht (vgl. Scharfe, 2022, S. 3). Auch die Tiny Group aus Waiblingen hat sich zum Ziel gesetzt, die kleinen Wälder populärer zu machen. Sie zeigen u.a. Firmen auf, welchen Nutzen Tiny Forests haben. Gleichzeitig sieht sich die Tiny Group auch als Vermittler zwischen Wirtschaft und Kommunen, wenn es beispielsweise um die Umsetzung von Tiny Forests an Flächen wie dem Marienplatz in Stuttgart geht, der im Sommer extrem heiß wird (vgl. Kölbl, 2023, S. 1).

Fazit

Natürlich muss man realistisch bleiben. Tiny Forests retten uns nicht vor dem Klimawandel. Denn sie setzen lediglich an einem der vielen Probleme an, die der Klimawandel mit sich bringt. Kritiker befürchten zudem, dass die kleinen Wälder womöglich keine lange Lebensdauer aufweisen (vgl. Kölbl, 2023, S. 1). Dennoch setzt der Ansatz an einer wichtigen Stelle an: Er bringt Mensch und Natur einander wieder näher. Denn ohne das Verständnis, wie wichtig die Natur für den Menschen ist, wird es schwer sein, die Menschheit davon zu überzeugen, dass diese schützenwert ist.

Quellen:

Montag, 8. Mai 2023

Gemeinwohl-Ökonomie

Das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist "ein innovatives, nachhaltiges Wirtschaftsmodell mit dem Ziel einer ethischen Wirtschaftskultur" (GWÖ Deutschland). Es soll eine "Alternative zum gegenwärtigen Wirtschaftsverständnis" darstellen (vgl. ebd.). Das Konzept beinhaltet zwei zentrale Pfeiler: Zum einen die Gemeinwohlbilanz, welche in Form einer Graswurzelbewegung funktioniert, und zum anderen Ideen und Ziele eines gesamtgesellschaftlichen Umbaus.

Graswurzelbewegung: Jede Firma, Gemeinde etc. kann eine Gemeinwohlbilanz erstellen. Es handelt sich um ein niederschwelliges Angebot, bei dem jeder leicht mitmachen kann. In einem Gemeinwohl-Bericht werden die Werte Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung in Bezug auf Mitarbeitende, Zulieferer, Kund*innen und Eigentümer*innen bewertet (vgl. Matrix-Entwicklungsteam Hg. 2017: 8). Die Gemeinwohlbilanz wird kostenpflichtig von unabhängigen Prüfern zertifiziert. Anschließend wird die Firma im Ranking gelistet und kann sich in den folgenden Jahren darum bemühen, aufzusteigen. Ein aktuelles Beispiel einer Gemeinwohl-Bilanzierung anhand des Forsts Baden-Württemberg: https://germany.ecogood.org/forst-baden-wuerttemberg-als-oeffentliches-pionier-unternehmen-der-gwoe-erneut-bilanziert/ 

Ideen und Ziele des gesamtgesellschaftlichen Umbaus: Die Gemeinwohlbilanz wird in das Grundgesetz übernommen. Finanziell riskante Projekte mit potentiell hohem Mehrwert für die Gesellschaft werden leichter umsetzbar. Der Finanzgewinn ist nur Mittel zum Zweck. Die Schaffung einer neuen Bürgerbank, die Kredite vergibt, wird angestrebt. Natur kann nicht zum Privateigentum werden. Land kann nicht gekauft, nur gepachtet werden. Ein Freijahr jedes 10. Berufsjahr steht jedem Arbeitnehmer zur Verfügung. Eine Vollerwerbszeit von 20-30 Stunden pro Woche wird angestrebt. Der Mindestlohn soll deutlich erhöht werden. Es werden empathische, soziale Führungspersönlichkeiten benötigt und ausgebildet. Förderung von mehr direkter und partizipativer Demokratie. Zusätzliche Fächer in der schulischen Bildung: Gefühlskunde, Wertekunde Naturerfahrungskunde, Demokratiekunde, Kommunikationskunde.

Quellen:

Dienstag, 2. Mai 2023

STADTRADELN - Nimm das Rad und lass dein Auto stehen!

An sich handelt es sich hierbei nicht um neue Erkenntnisse. Wer mit dem Fahrrad fährt und sein Auto stehen lässt, tut der Umwelt (und sich selbst) etwas Gutes. Trotzdem sind die Straßen in den Städten regelmäßig verstopft und es dauert oft lange, um im Dschungel der roten Ampeln ans Ziel zu kommen. Wissen über die Vorteile des Radfahrens besteht bereits seit langer Zeit, allerdings lassen die Rahmenbedingungen oft zu wünschen übrig. Damit ist gemeint, dass Radwege teilweise im Nichts enden oder gar nicht vorhanden sind. Oft sind Übergänge unübersichtlich gestaltet und die Radwege voller Schlaglöcher und anderer Gefahren. Vorbeirauschende Autos und LKW sorgen regelmäßig für gefährliche Situationen, genauso wie Radwege, die gleichermaßen als Fußgängerwege ausgeschrieben sind. Nicht selten kommt es zu Konflikten zwischen Radfahrenden, Fußgängerinnen und Fußgängern und den Autofahrenden.

Dies sind nur einige Beispiele, die mir selbst als regelmäßiger Radfahrer eingefallen sind. Da ich selbst betroffen bin, möchte ich heute ein Projekt vorstellen, welches genau diesen Problemen (und mehr) auf den Grund gehen will. Dabei steht die vom Klimawandel bedrohte Umwelt im Vordergrund. Nur wenn Radfahren für alle Menschen attraktiver wird, kann damit ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

STADTRADELN – radeln für ein gutes Klima „ist ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, 21 Tage lang möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückzulegen. Dabei ist es egal, ob man bereits jeden Tag fährt oder bisher eher selten mit dem Rad unterwegs ist. Jeder Kilometer zählt – erst recht wenn man ihn sonst mit dem Auto zurückgelegt hätte“ (STADTRADELN - Darum geht es!).

Aber worum geht es genau? Anstatt die Menschen über die Vorteile des Radfahrens aufzuklären, sollen diese am eigenen Körper erfahrbar gemacht werden. Deshalb sollen so viele Personen wie möglich für 21 Tage auf das Fahrrad umsteigen. Die Ergebnisse der Aktion sollen aufzeigen, wie viele Menschen bereits mit dem Fahrrad unterwegs sind und dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Damit aber noch mehr Menschen dauerhaft vom Auto aufs Rad umsteigen, braucht es eine angemessene Radinfrastruktur, auf der sie schnell und sicher ans Ziel kommen. Um dieses Ziel erreichen zu können, werden Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker einbezogen. Diese sind die Befähigten und Entscheidungstragenden, wenn es um die passende Radinfrastruktur und damit verbunden den praktischen Klimaschutz vor Ort geht.

Die Aktion lädt dazu ein, selbst die Perspektive der Radfahrenden einzunehmen und Vorteile sowie Probleme am eigenen Leib zu erfahren. So lernen die Verantwortlichen, wo die Kommune bereits fahrradfreundlich ist und an welchen Stellen Nachbesserungsbedarf besteht. Um die Arbeit der Kommunalverwaltung zusätzlich verbessern zu können, wurde eine Bürgerbeteiligungsplattform (RADar!) ins Leben gerufen, um auf das Wissen und die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger zurückgreifen zu können.

Die Radfahrenden melden der Verwaltung Schlaglöcher, plötzlich endende Radwege oder unübersichtliche Verkehrsführungen und können diese direkt in einen digitalen Stadtplan eintragen. Durch die „STADTRADELN-App“ kann die Radverkehrsplanung vor Ort zusätzlich profitieren. Die anonym getrackten Strecken werden an der Technischen Universität in Dresden ausgewertet, aufbereitet und anschließend den betroffenen Kommunen und deren Verantwortlichen zur Verfügung gestellt, wie beispielsweise Geschwindigkeit, Radverkehrsfluss, Nadelöhr (vgl. ebd.).

Hintergrund der Aktion ist, dass das Auto lange Zeit die dominierende Kategorie im Bereich Mobilität war. Um Abgase zu vermeiden und damit verkehrsbedingte Umweltschäden zu reduzieren, muss sich dieses Verständnis schnell ändern. Eine willkommene Alternative ist dabei das Fahrrad. Die Verkehrswende muss zunächst im Kopf beginnen, um das Thema Radverkehr im öffentlichen Diskurs präsenter zu machen. STADTRADELN nimmt die Kommunen dabei in die Verantwortung und sorgt für überregionale und lokale Kommunikationsanlässe (vgl. ebd.).

Die zentralen Ziele sind die Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen sowie die Förderung des Radverkehrs. Laut dem Umweltbundesamt entstehen über 20% der klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland im Verkehr (vgl. Umweltbundesamt, 2021).

„Im Jahr 2020 verursachten PKW und Motorräder 61% der Kohlendioxid-Emissionen im EU-weiten Straßenverkehr“ (Statistisches Bundesamt 2022).

Nach Hochrechnungen des Umweltbundesamt können durch Radverkehr und Fußverkehr rund 140g Treibhaus-Emissionen pro Personenkilometer im Vergleich zum PKW eingespart werden. Ein zusätzlicher Vorteil entsteht dadurch, dass gesundheitsschädigende Luftschadstoffe durch mehr Radverkehr verringert werden können (vgl. Umweltbundesamt 2021). Somit profitiert die Gesundheit der Bevölkerung gleich doppelt – mehr Bewegung und bessere Luft.

Dazu kommt, dass „in deutschen Großstädten 40-50% der Autofahrten über Strecken von weniger als fünf Kilometer Länge führen. Entfernungen, die auch gut mit dem Fahrrad zu bewältigen sind. Insgesamt könnten Schätzungen zufolge rund 30% der PKW-Fahrten in Ballungsgebieten durch Radverkehr ersetzt werden“ (Umweltbundesamt, 2021). 

Das „Bundesministerium für Digitales und Verkehr“ hat in einer Umfrage 2021 herausgefunden, dass zwischen 53% und 62% der Befragten der Meinung sind, dass die Politik im Ausbau von Fahrradwegen Nachholbedarf habe. Eine weitere Mehrheit spricht sich zudem für eine bessere Trennung von Radverkehr und PKW-Verkehr aus (vgl. BMDV, 2021). So kann nicht zuletzt Verkehrsfläche eingespart werden, womit weniger Böden versiegelt werden müssen.

Quellen:

Montag, 1. Mai 2023

Wie Krisen das Konsumverhalten beeinflussen

Man kann davon ausgehen, dass seit 2020 vieles anders geworden ist. Die Bevölkerung musste sich erstmals mit Themen beschäftigen, die vor allem für die jüngere Generation fremd waren. Wie beispielsweise eine Pandemie, welche die ganze Welt beängstigte und viele neue Regelungen zur Folge hatte. Dann gewann der Begriff „Inflation“ an Aktualität. Für viele war dieser Begriff schon in Vergessenheit geraten. Schließlich begann im Februar 2022 der Ukraine-Russland Krieg, der ganz Europa in Angst versetzte. Wie belastend diese Herausforderungen sind, kann man nicht nur an psychischen Beschwerden sehen, sondern beispielsweise auch am Konsumverhalten der Bevölkerung.[1] 

Bei der Corona-Pandemie haben vor allem Faktoren wie die Inzidenzzahl, die „Wellen“ der Krankheit, aber auch die verschiedenen Regelungen ihren Abdruck hinterlassen. Eine hohe Inzidenzzahl schreckte den Konsumenten, einkaufen zu gehen. Bestärkt mit beispielsweise der 2G-Regel, die für einen Zeitraum gültig war, resultierte daraus ein eher zurückhaltendes Konsumverhalten.[2] 

Zusätzlich kam es zu einem allgemeinen Preisanstieg von Waren und Dienstleistungen, also Inflation. Dies färbt ebenfalls auf das Kaufverhalten des Konsumenten ab. Denn dieser zögert logischerweise, Geld auszugeben. Dadurch spart der Konsument und verzichtet eher auf spontane Einkäufe bzw. auf das Konsumieren.[3] 

Schließlich herrscht in der Ukraine seit Februar 2022 Krieg. Der Angriff durch Russland beeinflusste ebenfalls das alltägliche Leben in Deutschland. Viele Bürger fürchteten sich vor einem militärischen Angriff durch Putin. Zudem verursachte der Krieg Lieferkettenprobleme und Preissteigerungen in Deutschland, sodass die Konsumenten ebenfalls einen Verzicht bei Konsumgütern vornahmen.[4] 

Zusammenfassend sieht man, wie verschiedene Krisen, die aufeinanderfolgend über mehrere Jahre den Menschen in großem Maße beeinflussen, Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Solche Krisen erzeugen eine pessimistische und depressive Stimmung bei den Konsumenten und bremsen das Kaufverhalten. Die Unternehmen spüren diese negative Stimmung durch ein zurückhaltendes Konsumverhalten. Denn eine Konsumgesellschaft ist davon gekennzeichnet, dass der Verbrauch von Dienstleistungen und Produkten durch den Konsumenten stattfindet.

Fußnoten

  • [1] Vgl. Radvilas, Heidi (2023): Die Stimmung bleibt gedämpft (Tagesschau vom 29.03.2023), siehe unter: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/gfk-konsumklimaindex-127.html
  • [2] Vgl. Anonym (2021): Pandemie und Inflation schwächen Konsumklima (Growth from Knowledge), siehe unter: https://www.gfk.com/de/presse/Pandemie-und-Inflation-schwaechen-Konsumklima
  • [3] Vgl. Wiederwald, Rupert (2022): Privater Konsum: Fehlanzeige (Tagesschau vom 04.08.2022), siehe unter: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/konsumlaune-verbraucher-101.html
  • [4] Vgl. Anonym (2022): Ukraine-Krieg wirkt sich auf das Konsumverhalten aus (Markenartikel vom 30.03.2023), https://www.markenartikel-magazin.de/_rubric/detail.php?rubric=handel-e-commerce&nr=47562

Sonntag, 30. April 2023

Biomethan: Eine Alternative zu Erdgas

Erneuerbare Energien wie beispielsweise Wind- und Sonnenenergie sowie Wasserkraft können einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch wie sieht es mit Biomasse aus? Welche Rolle die Nutzung von Biomasse bei der Produktion von erneuerbarer Energie spielt, soll im Folgenden erläutert werden.

Biogasanlagen sind ein Beispiel für einen biologisch hergestellten Erdgasersatz. Diese wandeln Biomasse in eine Energieform um. Hierbei werden biologische Rohstoffe aus Privathaushalten und Landwirtschaft wie beispielsweise Abfall, Mist oder Gülle in einen versiegelten Behälter, den sogenannten Fermenter, gefüllt. Diese Masse wird von Mikroorganismen und Bakterien zersetzt und erzeugt biologischen Dünger und Biogas.

Dieses Biogas wird auf zwei Wegen verwertet. Zum einen wird Biogas in Blockheizkraftwerken in Strom umgewandelt. Zum anderen wird das in der Fermentation entstandene Rohbiogas veredelt. Biogas enthält Methan, Kohlenstoff, Wasserstoff, Ammoniak, Schwefelwasserstoff sowie andere Gase. Um Schäden an den Anlagen zu verhindern und gereinigtes Methan zu erzeugen, ist das Verfahren der Entschwefelung, Trocknung sowie Ausscheidung von Kohlendioxid notwendig. Nun kann Biomethan in das bestehende Gasnetz eingespeist und als Alternative zu Erdgas genutzt werden.

Die Vorteile von Biomethan sind vielfältig. Es kann unter anderem die Treibhausgasemissionen und Abhängigkeit von ausländischem Öl verringern. Da Biomasse reichlich vorhanden ist, stellt Bioenergie eine zuverlässige, nachhaltige und erneuerbare Energiequelle dar. Die Produktion von Biomethan kann damit zur Abfallvermeidung beitragen, indem organisches Material verwendet wird, das andernfalls weggeworfen werden würde. Es kann zur Stromversorgung, zum Heizen oder im Verkehr eingesetzt werden.

Weiterführende Links und Quellen

Samstag, 29. April 2023

Verfügbare Titel zum Thema Klimakrise bei der bpb

Zum Themenbereich Klima/Ressourcen/Umwelt sind bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) im Moment folgende Bücher bestellbar: 

  • Über Leben und Natur - Es geht nicht ohne sie: Biologische Vielfalt ist entscheidend für das Überleben von Mensch und Natur. Das Buch erklärt, warum das so ist und was für den Erhalt biologischer Vielfalt zu tun ist.
  • Klimaschutz: Wissen und Handeln - Zwischen dem Wissen über Ursachen, Folgen und geeignete Strategien zur Eindämmung der Klimakrise einerseits und der Umsetzung in Handeln andererseits klafft eine große Lücke. 
  • Im Strudel - Unser Verhältnis zur Umwelt ist ambivalent. Frank Uekötter entwirft eine Umweltgeschichte, die die vielen Facetten in den Blick nimmt. 
  • In Zukunft hitzefrei? - Der Klimawandel ist in aller Munde – doch selten wird genauer nachgefragt: Was hat er mit der Sonne, mit Kohlenstoff und der Erdatmosphäre zu tun? Warum erwärmt sich die Erde so stark...
  • Mehr aus weniger - Geht das denn überhaupt? Mehr Wachstum und Wohlstand für alle Menschen, trotz geringeren Ressourceneinsatzes? Der Wirtschaftswissenschaftler Andrew McAfee ist überzeugt, dass eine kluge Kombination...
  • Heißzeit - Kaum eine Erdregion, in der nicht inzwischen die Folgen des menschengemachten Klimawandels zu spüren sind. Mojib Latif erläutert unmissverständlich dessen Ursachen und Folgen und wendet sich gegen...
  • Der Boden - Unter uns: Die meisten Menschen verspüren wenig Anlass, über die Welt unterhalb ihrer Schuhsohlen nachzudenken. Dabei gibt es gute Gründe dafür. Peter Laufmann zeigt, was intakte Böden ausmacht...
  • Zieht euch warm an, es wird heiß! - Der Klimawandel mit seinen vielen bedrohlichen Folgen geht vom Menschen aus. Daher drängt uns die Wissenschaft zum notwendigen Gegensteuern, doch immer noch zu vielen Menschen scheint das...
  • Land unter im Paradies - Der Klimawandel hat viele Auswirkungen - viele davon sind in anderen Weltgegenden noch dramatischer als hierzulande. Wie sehen diese konkret aus? Wie steht es um das Bewusstsein für die Problematik...
  • Plastik - Plastik: unverzichtbar, unvernichtbar oder beides? Ein Stoff, der einst wegen seiner Nützlichkeit und Vielseitigkeit den Siegeszug durch unseren Alltag antrat, bereitet heute weltweit große...
  • Das Klimabuch - Niemand kann mehr ernsthaft den Klimawandel leugnen. Was passiert konkret? Welche Faktoren sind beteiligt? Wie wirken sich die Veränderungen weltweit aus? Was können Einzelne oder viele bewirken?
  • Die Erde rechnet ab - Der Klimawandel ist ein Faktum, dessen Auswirkungen kaum mehr zu übersehen sind: Starkregen und Dürren, Waldschäden, Ernteausfälle, extreme Hitze.
  • Das Tier und der Nutzen - Nutztierhaltung ist zunehmend breiter öffentlicher Kritik ausgesetzt, die sich vor allem auf die damit verbundene ökologische Belastung und das eingeschränkte Wohlbefinden der Tiere bezieht. 
  • Ewigkeitslasten - Kann man radioaktive Abfälle "endlagern"? Gibt es technisch verlässliche, sozial und politisch vermittelbare Lagerstätten für den atomaren Müll, der nach jahrzehntelanger Nutzung der Atomkraft...
  • Das Verstummen der Natur - Es ist weithin still geworden. Insbesondere Vögel und Insekten leiden darunter, dass ihre Lebensgrundlagen und Futterpflanzen Raubbau, Gleichgültigkeit oder Unkenntnis zum Opfer fallen. 
  • Leute machen Kleider - Woher stammen die Kleidungsstücke, die wir tragen? Wer produziert sie und wo? Welchen Arbeitsbedingungen sind die Menschen in der Kleidungsindustrie unterworfen? Und welche ökologischen und sozialen...
  • Wasser - Wasser ist lebenswichtig. Doch während es die einen verschwenden (können), haben andere zu wenig, zu schlechtes oder gar kein Wasser zur Verfügung. Wasserkrisen verschärfen sich zudem durch den...
  • Klimapolitik - Veränderungen des globalen Klimas sind unübersehbar. Doch vielfach wird hoch kontrovers über Ursachen, Ausmaß und Folgen gestritten. Die Autoren bieten einen Problemaufriss, diskutieren…
  • Das Ozeanbuch - Verschmutzung und Überfischung sind nur die offenkundigsten Bedrohungen unserer Weltmeere. Der Klimawandel hat spürbar Einfluss auf Temperaturen, Strömung und Wasserqualität der Meere. 
  • Das Ende der Natur - Artensterben? Vor unserer Haustür? Vögel, Insekten, Amphibien, Wildkräuter und deren Lebensräume sind, so Susanne Dohrn, massiv bedroht durch eine agroindustrielle Landwirtschaft, in der alles dem...
  • Ökoroutine - Gewohnheiten sind erst Spinnweben, dann Drähte, sagt ein Sprichwort. Eingefahrene Verhaltensweisen bremsen die Hinwendung zu einer ressourcenschonenderen (Land)Wirtschaft, Mobilität oder...
  • Magnet Stadt - Die Städte des Globalen Südens ächzen unter dem Zustrom von Menschen, deren Lebensgrundlagen durch Entrechtung, Katastrophen oder Kriege verloren gingen und die ihr Überleben in urbanen Räumen...
  • Global Gardening - Bioökonomie? Klingt gut, aber wie ist das Verhältnis zwischen Bio und Ökonomie dabei? Bedeutet der Begriff Wirtschaften im Einklang mit den Ressourcen der Erde? Oder tarnt sich hier weiterer...
  • Deutschland in Grün - Umwelt und Umweltschutz – zwei viel zitierte Begriffe. Wie steht es um beides in Deutschland? Welche Akteure setzen sich für welche Ziele ein? Welche Initiativen hatten Erfolg und warum?
  • Endspiel - Eine Welt ohne Regenwälder ist dem Untergang geweiht. Doch wie steht es um sie? Rodung, Zerschneidung und viele andere negative Einflüsse setzen ihnen zu. Claude Martin analysiert in seinem ebenso...
  • Schlussbericht der Enquete-Kommission - Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" hat ihren Schlussbericht vorgelegt. Unter anderem schlägt sie einen neuen Begriff von Wohlstand und eine neue... 
  • Wasser - Ohne Wasser ist kein Leben möglich. Im Überfluss ist es ebenso zerstörerisch wie bei Mangel. Und Wasser spaltet: in Arme und Reiche, in Verschwender und Sparsame, in Zerstörer und Bewahrer.

Freitag, 21. April 2023

Sharing Economy - Zwischen Gemeinwohlorientierung und Dumping-Hölle

Geshared werden kann heute so einiges. Seien es Fahrräder, Autos, Kleider oder Wohnungen, es haben sich mittlerweile ganze Märkte entwickelt, in denen Menschen ihre Güter miteinander teilen. Für die große Beliebtheit der Sharing Economy sind nach Reinhard Loske vor allem zwei Entwicklungen verantwortlich. Die Erkenntnis, dass man Dinge nicht unbedingt als Eigentum benötigt, um sie zu nutzen, und die weitreichenden Vorteile des Internets, die den Austausch zwischen Menschen erleichtern.

Doch was auf den ersten Blick wie eine gute Entwicklung aussieht, kann auch zu einem Problem werden. Die Sharing Economy birgt die Gefahr einer Dumping-Hölle, in der es nur noch darauf ankommt, mit möglichst niedrigen Preisen Profit zu machen. Unter anderem Betreiber von mittelständischen Hotels sehen sich durch diese Entwicklung bedroht, da sie mit den Preisen von Home-Sharing-Angeboten nicht mehr mithalten können. Auch für die Nutzer von Sharing-Angeboten können Gefahren entstehen, z.B. durch fehlenden Versicherungsschutz oder Datenmissbrauch (vgl. Loske, 2015, S. 295 f.).

An dieser Stelle ist es wichtig zu differenzieren, und zwar zwischen gemeinwohlorientiertem (Mitfahrzentralen oder Kleidertauschpartys) und gewinnorientiertem Sharing (z.B. kommerzielle Buchungsplattformen für Schlafplätze). Denn das Teilen von Gütern und die Erkenntnis, dass es nicht nötig ist, immer alles neu zu kaufen, kann ein wichtiger Schritt sein, um unserer Konsumgesellschaft entgegenzuwirken. Dazu ist es notwendig, Gestaltungs- und Regulierungsregime zu schaffen, die Gemeinwohlorientierung, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfairness sicherstellen (vgl. Loske, 2015, S. 298) und dennoch nicht zu Tode regulieren.

Literatur

Loske, Reinhard (2015): Sharing Economy: Gutes Teilen, schlechtes Teilen? In: Blätter für deutsche und internationale Politik (Hg.). Mehr geht nicht! Der Postwachstums-Reader, Berlin, Blätter Verlagsgesellschaft mbH, S. 295-304.

Mittwoch, 19. April 2023

Definition des Begriffs "Nachhaltigkeit"

Der Begriff ‚Nachhaltigkeit‘ bezog sich zunächst vornehmlich auf physische Konzepte, bei denen es um den Erhalt und den Schutz eines vorhanden ‚Landschaftsbilds‘ ging (vgl. Schulte-Tickmann 2023, S.11ff). Die Wurzeln des Nachhaltigkeitsbegriffs lassen sich dabei auf Carl von Carlowitz zurückführen, einen Oberberghauptmann aus Freiberg im 17. Jahrhundert. Carlowitz betonte, dass in einem Wald nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie sich innerhalb einer bestimmten Zeit auf natürliche Weise wieder regenerieren konnte. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer „klugen Art der Waldbewirtschaftung" (Hans Carl von Carlowitz & Joachim Hamberger 2013, S. 87) und "einer beständigen und nachhaltigen Nutzung des Waldes" (ebd. S. 105). Das Prinzip der Nachhaltigkeit sollte somit sicherstellen, dass ein regeneratives, natürliches System in seinen wesentlichen Eigenschaften dauerhaft erhalten bleibt (Pufé 2014, S. 3). Auf dieser Grundlage wurde das Verständnis von Nachhaltigkeit als ressourcenökonomisches Prinzip geprägt.

Die heutzutage am weitesten verbreitete Definition von Nachhaltigkeit stammt aus dem Brundtland-Bericht von 1987. In diesem Bericht wurde festgelegt, dass "nachhaltige Entwicklung die Entwicklung ist, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Fähigkeit künftiger Generationen zu beeinträchtigen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen" (zit. nach Pufé 2014, S. 3).

Aus dieser Definition heraus wurden in der Folge Verhaltensregen abgeleitet, die Menschen im Sinne der Nachhaltigkeit berücksichtigen sollen. Diese besagen, dass eine nachhaltige Lebensweise die Bedürfnisse sowohl der heutigen als auch der zukünftigen Generationen berücksichtigt, wodurch intergenerationelle Gerechtigkeit gewährleistet wird (Schulte-Tickmann 2023, S.13). Zudem hat die Priorisierung der Bedürfnisse der ärmsten Bevölkerungsschichten der Welt und die Bekämpfung der Armut einen hohen Stellenwert, um intragenerationelle Gerechtigkeit zu erreichen (ebd.). Der Erhalt der Umwelt und ihrer grundlegenden Funktionen ist zudem ein wichtiger Grundsatz, der die Integration der Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik erfordert. Ziel ist es demnach sicherzustellen, dass kommende Generationen nicht weniger Zugang zu Ressourcen und Nahrung haben als wir heute, und dass sie ein gesundes, sicheres, freies und soziales Leben führen können (bpb 2021, S. 154).

Um zu beschreiben, was nötig ist, damit die Ziele erreicht werden können, hat sich das Drei-Säulen-Modell zur Beschreibung der Nachhaltigkeitsdimensionen entwickelt. Es besagt, dass Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichberechtigt für Nachhaltigkeit stehen (Pufé 2014, S. 6). Die ökologische Dimension bezieht sich auf den Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen, die soziale Dimension auf die Förderung von sozialer Gerechtigkeit und die Wahrung von Menschenrechten und schließlich die ökonomische Dimension auf die Schaffung von Wohlstand und das Management von Ressourcen (vgl. Leipold & Scheumann, 2019). Um dem Geist und Prinzip der Nachhaltigkeit gerecht zu werden, müssen alle drei Dimensionen zusammengeführt, verbunden und integriert werden. Dies ist auch das Ziel aller Nachhaltigkeitsmodelle, um wiederherzustellen, was in der Natur immer verbunden war, aber in der Wirtschaft getrennt betrachtet wird.

Literatur

  • Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (2021). Einfach Politik: Lexikon A-Z. bpb.
  • Carlowitz, H. C. von / Hamberger, J. (Hrsg.). (2013). Sylvicultura oeconomica oder Haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht. München: Bayerischer Landwirtschaftsverlag. (Originalarbeit veröffentlicht 1713).
  • Pufé, I. (2014). Was ist Nachhaltigkeit? Dimensionen und Chancen. Aus Politik und Zeitgeschichte, 64(29-30), 3-9.
  • Schulte-Tickmann, D. (2023). Was ist Nachhaltigkeit? Naturphilosophische Reflexion auf einen vielfältig verwendeten Begriff. Marburg: Tectum Wissenschaftsverlag.

Der Europäische Emissionshandel

Im Jahr 2005 einigte sich die EU auf eine gemeinsame Methode, um die Klimaschutzziele zu erreichen: den europäischen Emissionshandel. Damit ist ein internationaler Markt gemeint, an dem mithilfe von sogenannten Klimazertifikaten Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte gehandelt werden. Auf Englisch heißt dieses System Emission Trading System (ETS). Wie funktioniert der Europäische Emissionshandel?

Der Grundgedanke ist, dass Fabriken und Kraftwerke der energieintensiven Industrie Verschmutzungsrechte verliehen bekommen. Diese Obergrenze wird Cap genannt und legt fest, wie viele Treibhausgas-Emissionen die Anlagen ausstoßen dürfen. Wenn sie die Obergrenze nicht erreichen, können sie die übrigen Berechtigungen auf dem Markt verkaufen. Somit entsteht ein Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen, und Fabriken und Kraftwerke mit geringen Emissionen werden finanziell belohnt.

Mit der Zeit werden die Zertifikate, die an die Firmen vergeben werden, reduziert, um einen Anreiz zu schaffen, auf Produktionen umzustellen, die geringere Emissionen verursachen. Die EU zählt zu den größten Verursacher von Treibhausgasen und sieht sich als „international treibende Kraft einer globalen Klimapolitik“.

Mit dem Handel von Klimazertifikaten ist eine politische Maßnahme entstanden, die an die kapitalistische Gesellschaftsform angepasst ist und die kapitalistischen Denk- und Verhaltensweisen nutzt, um das Klima zu schützen. Das ETS ist seit 2005 das zentrale Klimaschutzinstrument der EU. 2023 nehmen neben den EU-Mitgliedstaaten auch Norwegen, Island und Lichtenstein am ETS teil und das System ist außerdem mit dem Emmisionshandelsystem der Schweiz verlinkt.

Das ETS soll dadurch wirksam sein, dass der Geltungsbereich sukzessive erweitert und die Anzahl der Berechtigungen reduziert wird. Eine Berechtigung berechtigt zum Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid-Äquivalent (CO2-Äq). Ende 2021 lag der Preis bei etwa 80 Euro pro Berechtigung. Für die dritte Handelsperiode 2013-2020 wurden insgesamt 15,6 Milliarden Emissionsberechtigungen verteilt. Jedes Jahr wurde die Menge der vergebenen Berechtigungen um etwa 2,2 %, also ca. 38 Millionen reduziert.

Seit dieser dritten Handeslperiode nimmt nicht nur der Luftverkehr und Energieanlagen am ETS teil. Seitdem müssen auch Anlagen zur Metallverarbeitung, Herstellung von Aluminium, Adipin- und Salpetersäure, Ammoniak und andere Anlagen der chemischen Industrie Emissionsberechtigungen erhalten und abgeben. Weiterhin gilt seit der dritten Handelsperiode die Berichts- und Abgabepflicht nicht mehr nur für Kohlendioxid, sondern es wurde auf weitere Emissionen erweitert. In der vierten Handelsperiode, in welcher wir uns heute befinden, wird die Obergrenze an Zertifikaten noch schneller abgesenkt als in der Periode 2013-2020, um den Emissionsausstoß noch weiter zu reduzieren.

Das ETS ist wirksam, doch der Weg zum Erreichen der Ziele ist noch weit. Seit der Einführung des ETS in der EU lassen sich Erfolge verzeichnen. Von 2005 bis 2021 sind die Emissionen europaweit um ca. 36% gesunken. Es zeigt sich, dass die Emissionen in der EU mit Ausnahme des Jahres 2008 stets deutlich unter der Obergrenze lagen. Da das Klimaschutzziel aber ist, dass die Emissionen bis 2030 um 62 Prozent gesenkt werden, ist noch einiges zu tun.

2024 und 2026 wird deshalb die Vergabe der Berechtigungen um 90 Millionen und 27 Millionen verringert. Außerdem werden jährlich 4,3%, bzw 4,4% weniger Zertifikate vergeben. Damit sinkt die Anzahl der Zertifikate schneller als in den Jahren zuvor. Außerdem wird das ETS auf die Schifffahrt ausgeweitet. Des Weiteren wird bis 2027 oder 2028 ein neues System, das ETS II, eingeführt werden, das die CO2-Emissionen im Straßenverkehr und von Gebäuden reguliert.

Das ETS unterstützt grüne Industrien. Während die Menge an Zertifikaten, die an die energieintensiven Indistrien vergeben werden, Schritt für Schritt verringert wird, werden immer mehr Zertifikate an den Innovationsfond und den Modernisierungsfond vergeben, und EU-Länder mit geringem Einkommen werden ebenfalls mit Zertifikaten unterstützt. Außerdem sollen die Einnahmen aus der Versteigerung von nicht genutzten Zertifikaten für klimarelevante Aktivitäten ausgegeben werden. Für die Verbraucher bedeutet die Verringerung der Menge an Zertifikaten ein Anstieg der Kosten für Heizen, Fliegen und weitere Produkte. Jedoch kann mit relativ geringen Kosten ein großer Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels geleistet werden.

Quellen

Externalisierungsgesellschaft: Postkolonial und verwerflich?

Unter Externalisierungsgesellschaft verstehen wir das Prinzip der kapitalistischen, wachstumsorientierten globalen Wirtschaftsordnung unserer Zeit, Kosten und Lasten unseres ökonomischen Handelns in andere Teile der Welt zu verlagern, anstatt diese unmittelbar an ihrem Entstehungsort zu behandeln. Doch wer externalisiert hier eigentlich und wer bekommt die negativen Folgen davon zu spüren?

Stephan Lessenich sagt: "Uns geht es gut, weil es anderen schlecht geht". Eine These wie ein Vorschlaghammer, die - sollte sie der Wahrheit entsprechen - uns vor Augen führt, dass wir in einer zutiefst ungleichen, unfairen und damit unmoralischen postkolonialen Gesellschaftsform leben, die wir aus ethischen Gründen nicht weiter aufrechterhalten dürften. Doch schauen wir uns die Situation einmal genauer an.

Zunächst springt ins Auge, dass wir bis zu einem gewissen Grad auf Kosten anderer leben. Wir exportieren unseren Müll, wir erlassen so strenge Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen, dass bestimmte Industrien schon vor Jahrzehnten in die Dritte Welt abgewandert sind. Man denke nur an die Gerbereien, die - wie auch weite Teile der Stahlindustrie und nahezu die gesamte Textilindustrie - aus den Industriestaaten nach Asien abgewandert sind. Von dort kommen immer wieder Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung. 

Aber es ist nicht alles düster. Auch andere Aspekte müssen bedacht werden. Zum Beispiel haben wir auch unsere Energiegewinnung weitestgehend externalisiert. Statt Kohle ist Öl und Gas jetzt wichtig. Auch andere Formen der Gewinnung von Rohstoffen fällt unter diese Kategorie. Viele Länder sind dadurch extrem reich geworden, sogar reicher als wir selbst.

Auch haben sich durch Externalisierung viele Länder wie z.B. China in atemberaubendem Tempo zu großen und mächtigen Industrienationen entwickelt. Vor 40 Jahren lebte noch fast die Hälfte der Menschheit in extremer Armut, heute ist das noch jeder Zehnte. Externalisierung hat also auch ihre hellen Seiten, gerade für die ehemaligen Kolonien, die unter europäischer Herrschaft gelitten haben. Sie bekommen so endlich einen Teil vom Kuchen ab. Wir sind auf sie angewiesen, was ihnen endlich ein Gewicht verleiht, das sie vorher nie hatten. 

Trotzdem haben wir großen Schaden in der Dritten Welt angerichtet, wir exportieren immer noch eschreckende Mengen Müll in Länder, in denen er nicht sachgerecht entsorgt werden kann. Wir müssen für faire Arbeitsbedingungen in diesen Ländern sorgen und für Umwelt- und Klimaschutz auf der internationalen Bühne eintreten. Kurz gesagt: die öko-soziale Marktwirtschaft mit anderen teilen.

Dienstag, 18. April 2023

Leben über die Verhältnisse anderer: Die Externalisierungsgesellschaft

„Die internationale Arbeitsteilung besteht darin, dass einige Länder sich im Gewinnen und andere im Verlieren spezialisieren.“ (Eduardo Galeano, 1973)

Stephan Lessenich (2016) bezeichnet Externalisieren als Vorgang der Verlagerung. Im politischen Kontext bedeutet dies konkret: hochindustrialisierte, wohlhabende Gesellschaften lagern unangenehme negative Effekte in weniger wohlhabende Regionen der Welt aus (ebd., S. 24). Dabei ist diese Auslagerung kein willkürliches Nebenprodukt politischer Maßnahmen hochentwickelter Nationen: sie wird viel mehr willentlich und systematisch in Folge der Konsumgesellschaft einkalkuliert, um kostengünstiges und massenhaftes Produzieren weiterhin zu ermöglichen.

Konkret: Externalisierung geht auf Kosten und zu Lasten anderer. So kann insbesondere der Globale Norden als große Externalisierungsgesellschaft bezeichnet werden. Von Niedriglohnarbeit über Müllentsorgung bis hin zur Landnutzung und Luftverschmutzung – die Auslagerung in weniger wohlhabende Regionen der Erde ist keineswegs neu, sondern geht auf die lange Historie des Wohlstandskapitalismus im Globalen Norden zurück.

Der von Lessenich als „ungleicher ökologischer Tausch“ bezeichnete Umstand regt zum Nachdenken an: All die positiven, mit vielen Annehmlichkeiten verbundenen Effekte der kapitalistischen Kolonialisierung hängen damit zusammen, dass anderen Menschen diese Annehmlichkeiten systematisch und bewusst vorenthalten werden: seinen landwirtschaftlichen Flächenbedarf exportiert Deutschland, beispielsweise zum Anbau von Soja, in Agrargesellschaften, die ihre eigenen Flächen so maßgeblich für Exportprodukte statt den Eigenbedarf nutzen (Lessenich, 2016, S. 83).

So zeigt Lessenich auf, dass „drei Viertel der jährlich 200 Millionen Tonnen weltweit geernteter Sojabohen“ als Futter für Massentierhaltung in Europa, Nordamerika und China genutzt werden (Lessenich, 2016, S. 85). Diese Zahl verdeutlicht einmal mehr, dass das „ecological footprint/ environmental degradation paradox“, also der ökologische Fußabdruck der Industrienationen, darauf aufbaut, die eigene Umweltbilanz nur augenscheinlich sauber zu halten.

Aktuelle klimapolitischen Herausforderungen zeigen, dass die Externalisierung nicht vor Effekten der Rückkoppelung schützen wird: der Trugschluss, durch Abwälzung negative, unliebsame Effekte bewusst aus dem Globalen Norden auslagern und somit „wegdenken“ zu können, wird brüchig mit der Erkenntnis: die Klimakrise wird kein Nullsummenspiel sein. Die Frage ist wohl vielmehr, wie der politischen Herausforderung begegnet werden kann, während die Externalisierungsgesellschaft längst mit selbstzerstörerischen Tendenzen begonnen hat? 

Quelle

Lessenich, S. (2016). Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

Kernelemente der Postwachstumsgesellschaft

Die Postwachstumsgesellschaft konzentriert sich auf das Schaffen einer gerechten und nachhaltigen Gesellschaft. Kernelemente der Postwachstumsgesellschaft sind folgende:

  • Degrowth: Ressourcen effizienter nutzen und gerecht verteilen, um den materiellen Konsum zu reduzieren.
  • Gemeinwohlorientierung: Die Wirtschaft soll auf dem Prinzip des Gemeinwohls basiert. Es geht darum, nicht auf Gewinnmaximierung abzuzielen. In den Mittelpunkt sollen die Bedürfnisse der Umwelt und der Menschen gestellt werden.
  • Ökologische Nachhaltigkeit: Der Schutz der natürlichen Ressourcen der Erde ist das oberste Ziel. Eine Wirtschaft soll geschaffen werden, die die Belastungen für die Umwelt minimiert.
  • Solidarität und soziale Gerechtigkeit: Die Postwachstumsgesellschaft setzt auf Zusammenarbeit. Es geht darum, eine gerechtere Verteilung von Ressourcen und Chancen zu erzielen.
  • Partizipation und Demokratie: Die Kontrolle über Ressourcen und die Wirtschaft soll wieder in die Hände der Menschen gelegt werden. Außerdem soll die Beteiligung der Menschen an politischen Entscheidungen gefördert werden.

EU-Klimaschutzpaket "Fit für 55"

Eine politische Maßnahme, die sich für den Klima- und Umweltschutz einsetzt, ist das EU-Klimaschutzpaket „Fit für 55“. Der Pakt bezieht sich grundsätzlich „auf das Ziel der EU, die Netto-Treibhausgasemission bis 2030 um mindestens 55% zu senken“ (Die Bundesregierung 2023). Es umfasst unter anderem eine Reihe von Vorschlägen, die zur Überarbeitung und Aktualisierung der EU-Rechtsvorschriften dienen soll. Des weiteren enthält es neue Anregungen für Initiativen, mit deren Hilfe sichergestellt werden soll, dass die Maßnahmen der EU im Einklang mit den Klimazielen stehen (vgl. ebd.).

Welche Maßnahmen beinhaltet das Klimaschutzpaket konkret?

Im Folgenden werde ich die wichtigsten Maßnahmen des Paketes näher vorstellen. Eine ausführliche Auflistung aller Maßnahmen ist auf der offiziellen Website des Rates der EU und des Europäischen Rates zu finden.

Energieeffizienz

Im Rahmen des Paketes „Fit für 55“ schlägt die EU-Kommission die Überarbeitung der bereits geltenden Energieeffizienz-Richtlinie vor. Hierzu ist es von Nöten, höhere Effizienzvorgaben weiterzugeben, um die EU als Ganzes zu verpflichten, ihren Endenergieverbrauch zu reduzieren. Demnach müssen die Mitgliedstaaten ihre Einsparungen von 2024 bis 2030 kontinuierlich steigern. 

„Die Einsparungen des Endenergieverbrauchs werden durchschnittlich 1,49% des jährlichen Gesamtenergieverbrauchs ausmachen und nach und nach bis Ende 2030 1,9% erreichen“ (Europäischer Rat/Rat der Europäischen Union 2023, online).

CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM)

Diese Maßnahme ist eine neue Regelung, mit welcher Anreize für Erzeuger außerhalb der EU geschaffen werden sollen, ihre Emission zu verringern. Was bedeutet das konkret? Es soll verhindert werden, dass Unternehmen mit hohen Treibhausgasemissionen ihre Produktion in Nicht-EU-Länder verlagern, deren Standards niedriger sind als in der EU. Künftig müssen Unternehmen demnach sogenannte CBAM-Zertifikate kaufen, um den Preisunterschied der günstigen Produktionskosten in einem Land außerhalb der EU auszugleichen (vgl. ebd.)

Erneuerbare Energien

Die derzeit geltende Erneuerbare-Energien-Richtline der EU muss aktualisiert werden, um das Ziel der Reduktion der Treibhausgasemission um mindestens 55% bis 2030 erreichen zu können. Erneuerbare Energien haben grundsätzlich weniger Umweltbelastungen, da sie weniger Kohlenstoff produzieren als fossile Brennstoffe. Mittels der neuen EU-Zielvorgabe wird der derzeitige Anteil an erneuerbaren Energien (22,1%) verdoppelt und erreicht demnach 40% des Gesamtenergiebedarfs. Jeder Mitgliedstaat muss zur Erreichung dieses Ziels einen Beitrag leisten (vgl. ebd.)

Energiebesteuerung

Mittels einer Energiebesteuerung ist es möglich, die genannten Klima- und Umweltziele zu erreichen. Hierbei wird sichergestellt, dass die umweltschädlichsten Kraftstoffe in Zukunft am höchsten besteuert werden. Hierzu zählen derzeit Kohle, Öl und Gas. Des weiteren würden die Steuern auf Flug- und Schiffskraftstoffe schrittweise angehoben werden (vgl. ebd.).

Quellen:

Europäischer Rat / Rat der Europäischen Union (2023): "Fit für 55", fit-for-55-the-eu-plan-for-a-green-transition (zuletzt abgerufen am 18.04.2023).

Die Bundesregierung (2023): EU-Klimaschutzpaket: Fit For 55, https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/europa/fit-for-55-eu-1942402 (zuletzt abgerufen am 18.04.2023).

Welcome to Sodom


Rund 250.000 Tonnen Elektroschrott werden Jahr für Jahr illegal nach Ghana verschifft. Klimaanlagen, Drucker, Kabel, Computer aus einer weit entfernten, digitalisierten Welt. Unser Elektrozeug, das nicht mehr funktioniert und weggeschmissen wird. Oder vielleicht doch. Aber veraltet ist es. Reparieren lohnt sich nicht. Neues muss her, Neues muss verkauft werden. Die Elektrogeräte, die wir heute kaufen, landen irgendwann vielleicht auf einer Müllhalde in Ghana. Auf Deponien für Elektroschrott ohne jegliche Struktur, geschweige denn Sicherheits- oder Gesundheitsrichtlinien, ohne einen Ansatz zum Recycling.

Eine der größten dieser Deponien weltweit befindet sich in der ghanaischen Hauptstadt Accra - die Elektroschrottmüllhalde Agbogbloshie. Rund 6000 Frauen, Kinder und Männer leben in diesem, vom Müll überfluteten Stadtteil. Vor nicht allzu langer Zeit war hier noch unberührtes Sumpfland. Heute gilt es als eines der giftigsten Gebiete der Welt.

"Sodom" nennen sie das Areal. Wie die Stadt, die nach  Erzählungen aus der Bibel und dem Koran, von Gott wegen ihrer Sündhaftigkeit zerstört wurde. Der Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“ bietet einen erschütternden Einblick in das Leben der Menschen, die versuchen, aus unserem Schrott ein bisschen Geld zum Überleben zu machen.

„Für die Europäer ist es nur Müll, aber ich kann noch ein paar Dollar damit verdienen“, sagt ein Mann in dem Film, der auf der Deponie lebt und arbeitet. Amerigo heißt er. Seine Mutter hat ihn nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten benannt. „Je mehr Müll sie uns bringen, umso besser ist das für mein Geschäft“, sagt er. „Sie sollten noch viel mehr schicken“. Was für mich zynisch klingt und mir beim Hören richtig weh tut, meint er ernst. Im giftigen Rauch verbrennenden Elektroschrotts, zwischen Ziegen, Rindern und abgemagerten Kindern im Müll nach Kupfer und Zink zu suchen, stellt für ihn die einzige Möglichkeit dar, ein bisschen Geld zu verdienen.

Jeden Morgen leiht er sich einen Wagen, den er durch die Müllberge und Rauchschwaden zieht, um neuen Elektroschrott aus Europa zu suchen. Er bezahlt für kaputte Monitore und Kabel, um an die verbauten Edelmetalle zu kommen und sie weiterzuverkaufen. Er setzt sich auf einen alten Röhrenbildschirm, bindet die Kabel zu einem großen Knoten zusammen und zündet ihn an. Indem er alles Überflüssige verbrennt, kommt er an das wertvolle Kupfer.

Von pechschwarzem Rauch umhüllt, schlägt er mit einer Metallstange auf den brennenden Kabelhaufen ein. Für ihn sei das Feuer eine gute Sache. Es helfe ihm, die Metalle vom Plastik zu trennen. „Aber das Feuer lässt meinen Körper heiß werden. Es gelangt in deinen Körper und macht dich verrückt – macht dich krank“, sagt Amerigo.

Ist alles Plastik drumherum verbrannt, gehen die Metalle die übrig bleiben wieder zurück nach Europa oder wo auch immer. Dort werden sie dann in neue Handys und Computer verbaut, die bald wieder weggeschmissen werden können. Ist das nicht Recycling? „Von dort kommt es und dorthin geht es auch wieder zurück. Und eines Tages landet es wieder bei uns“, weiß Amerigo.

Montag, 17. April 2023

Verbot von Verbrennermotoren in der EU ab 2035

Als eine Maßnahme zur Stärkung des Umweltschutzes und zur Förderung der Nachhaltigkeit im Verkehrssektor hat das Europäische Parlament am 14.03.2023 mit 340 Ja-Stimmen zu 279 Nein-Stimmen für ein Verbot von Verbrennermotoren bei Neuwagen ab dem Jahr 2035 gestimmt (Tagesschau 2023). Dabei wurden aber nicht sämtliche Verbrennermotoren aus dem Straßenverkehr verbannt. Motoren, die beim Fahren CO₂-emissionsfrei sind, können weiterhin zugelassen werden (Bundesregierung 2023). Ziel ist es, den Verkehr mit Personenkraftwagen klimaneutral zu gestalten. Sekundäres Ziel, das es zu erreichen gilt, ist die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und damit die Unabhängigkeit von vorwiegend autoritär regierter Staaten wie Saudi-Arabien oder Russland.

Diese Entscheidung basiert auf der Erkenntnis der negativen Auswirkungen von Treibhausgasemissionen auf das Klima und die Umwelt. Laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) ist der Verkehrssektor für etwa 29 % der CO₂-Emissionen in der EU verantwortlich, wobei der größte Teil, genauer gesagt ca. 60,6 Prozent, durch den Personenstraßenverkehr verursacht wird (Europäisches Parlament 2020). Im Jahr 2020 betrug der CO₂-Ausstoß im Straßenverkehr der EU insgesamt etwa 628 Millionen Tonnen CO₂ (Statistisches Bundesamt 2022).

Mit dem neuen Gesetz soll zudem die Innovationsbereitschaft der Automobilhersteller vorangetrieben werden, indem verbindliche Vorgaben beschlossen wurden, die Planungssicherheit gewährleisten. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund, dass immer mehr chinesische E-Autos auf den europäischen Markt drängen und der daraus resultierenden drohenden Verdrängung europäischer Technologien vom Markt (Tagesschau 2023). Das EU-Parlament erhofft sich durch die Entscheidung insbesondere einen Innovationsschub in der europäischen Automobilindustrie. Entsprechend hat die Entscheidung des EU-Parlaments weitreichende Auswirkungen auf die Autoindustrie und erfordert eine Umstellung auf die Produktion von Elektrofahrzeugen. Einige Autohersteller haben bereits angekündigt, ihre Produktion auf Elektroautos umzustellen, wie beispielsweise der Volkswagenkonzern, der sich das Ziel gesetzt hat, dass bis 2030 acht von zehn verkauften Autos in Europa vollelektrisch angetrieben werden (Volkswagen 2023). 

Quellen