Sonntag, 9. Juli 2023

Initiative: Zu gut für die Tonne!

Wer die Lebensmittelverschwendung reduziert, der betreibt aktiven Ressourcen- und Klimaschutz. In Deutschland fallen jährlich rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle an (Stand 2020). Die Nationale Strategie zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen, die im Februar 2019 vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorgestellt wurde, zielt darauf ab, die Menge der Lebensmittelabfälle entlang der gesamten Lebensmittelversorgungskette zu reduzieren. Ziel ist die Halbierung der Lebensmittelabfälle pro Kopf in Deutschland auf der Ebene des Einzelhandels und der Verbraucherinnen und Verbraucher bis 2030 sowie die Reduzierung der Lebensmittelabfälle entlang der Produktions- und Lieferkette.

Um die Lebensmittelverschwendung in Deutschland zu reduzieren, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im März 2012 die Initiative „Zu gut für die Tonne!“ ins Leben gerufen (https://www.zugutfuerdietonne.de). Ziel der Initiative ist es, Verbraucher, Unternehmen und andere Akteure für das Thema zu sensibilisieren und zum Handeln zu motivieren.

Um die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung voranzutreiben, setzt die Initiative „Zu gut für die Tonne!“ auf verschiedene Maßnahmen. Auf der einen Seite steht die Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Informationskampagnen, Veranstaltungen und Medienpräsenz sensibilisieren für die Problematik der Lebensmittelverschwendung. Ziel ist es, das Bewusstsein der Verbraucher für das eigene Konsumverhalten zu schärfen und sie zu motivieren, aktiv Maßnahmen zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung zu treffen. Darüber hinaus unterstützt die Initiative Verbraucherinnen und Verbraucher mit umfassenden Informationen, praktischen Tipps und Rezeptideen bei der Reduzierung von Lebensmittelabfällen.

Um dies zu erreichen, arbeitet die Initiative mit verschiedenen Partnern zusammen, unter anderem mit Handelsunternehmen, Herstellern, Verbänden und gemeinnützigen Organisationen. Gemeinsam werden Projekte entwickelt und Aktionen durchgeführt, um Food Waste zu reduzieren. So werden beispielsweise Logistikprozesse optimiert, überschüssige Lebensmittel an Bedürftige verschenkt und Lebensmittelreste besser verwertet. Um das Ausmaß des Problems besser zu verstehen und die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen zu überprüfen, erhebt die Initiative zudem Daten zur Lebensmittelverschwendung. Auf diese Weise werden gezielte Handlungsempfehlungen und eine Messung der Fortschritte bei der Reduzierung der Lebensmittelverschwendung möglich sein.

Mit der Initiative „Zu gut für die Tonne!“ wird ein positiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Sie trägt zur Verringerung der Treibhausgasemissionen und zur Verbesserung der Ressourceneffizienz bei, was wiederum Auswirkungen auf den Klimawandel hat, indem sie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung beiträgt. Im Folgenden sind einige Möglichkeiten aufgeführt, wie die Initiative dazu beitragen kann. 

Die Produktion von Lebensmitteln ist mit erheblichen Treibhausgasemissionen verbunden. Durch die Verringerung der Lebensmittelverschwendung werden weniger Ressourcen wie Land, Wasser und Energie für die Produktion von nicht verzehrten Lebensmitteln benötigt. Dies führt zu einer Verringerung der Treibhausgasemissionen, die mit der Produktion und Entsorgung von Lebensmitteln verbunden sind. Außerdem werden für die Produktion, Verarbeitung, Lagerung und den Transport von Lebensmitteln erhebliche Mengen an Energie benötigt. Wenn weniger Lebensmittel verschwendet werden, sinkt auch der damit verbundene Energieaufwand. Dadurch werden klimaschädliche Emissionen reduziert.

Für die Produktion von Lebensmitteln werden Agrarflächen, Wasser und andere natürliche Ressourcen benötigt. Weniger Lebensmittelverschwendung bedeutet auch weniger Ressourcenverbrauch für die Produktion ungenutzter Lebensmittel. Dies trägt zur Schonung natürlicher Ressourcen bei und verringert den Druck auf empfindliche Ökosysteme, die für den Klimaschutz wichtig sind. Des Weiteren produzieren Lebensmittelabfälle, die auf Deponien landen, Methan, ein starkes Treibhausgas. Die Umsetzung von Maßnahmen zur Lebensmittelrettung und -umverteilung, wie z.B. die Weitergabe von überschüssigen Lebensmitteln an Bedürftige reduziert die Menge an Lebensmittelabfällen, die auf Deponien landen und Methan ausstoßen.

Mit diesen Maßnahmen leistet die Initiative „Zu gut für die Tonne!“ einen Beitrag zum Klimaschutz durch die Reduzierung von Treibhausgasemissionen, die Einsparung von Energie, den schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und die Förderung von Verhaltensänderungen.

Intakte Moore schützen das Klima

Intakte Sümpfe und Moore bieten einen unschätzbaren Wert als Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Sie spielen eine wichtige Rolle für verschiedene Artengruppen wie Insekten und Vögel. Insbesondere Hoch- und Niedermoore dienen als Rückzugsgebiete für bedrohte Arten wie die Sumpfohreule und den Brachvogel.

Darüber hinaus erfüllen Feuchtgebiete eine entscheidende Funktion im Klimaschutz. Moore dienen als langfristiger Speicher für Kohlenstoff. Wenn sie jedoch trockengelegt werden, beispielsweise für land- und forstwirtschaftliche Nutzung, gelangt der gespeicherte Kohlenstoff in Form von Treibhausgasen in die Atmosphäre. In Deutschland sind mehr als 90% der Moorflächen entwässert. Obwohl sie lediglich etwa vier Prozent der Bundesfläche ausmachen, trugen sie im Jahr 2019 mit rund 53 Millionen Tonnen CO2-Emmissionen nahezu sieben Prozent aller CO2-Emmissionen in Deutschland bei (vgl. Bundesregierung 2022).

Im Vergleich könnte eine Person dafür über 17 Mal mit dem Flugzeug auf die Malediven und wieder zurück fliegen (vgl. Umweltbundesamt 2022). Dies hat negative Auswirkungen auf das Klima. Daher ist es von großer Bedeutung, den Moorboden zu erhalten und eine nachhaltige Bewirtschaftung sicherzustellen. Tatsächlich können Moore sogar mehr Kohlenstoff speichern als Wälder.

Der Schutz von Moorböden und die Reduzierung der Verwendung von Torf sind wichtige Bestandteile des Klimaschutzprogramms 2030. Das Bundesumweltministerium plant die Umsetzung eines Aktionsprogramms „Natürlicher Klimaschutz“, das sowohl der Arten- als auch der Klimakrise entgegenwirken soll. Durch Maßnahmen wie die Wiedervernässung von Moorflächen sowie die Wiederherstellung und Renaturierung von Auen, Wäldern und Böden sollen ihre natürlichen Funktionen im Klimaschutz gestärkt und ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Klimakrise erhöht werden. Die Freisetzung von Treibhausgasen aus trockengelegten Mooren kann nur gestoppt werden, indem der Wasserstand in den Mooren wieder angehoben wird.

Als eine der ersten Maßnahmen fördert das Bundesumweltministerium über einen Zeitraum von 10 Jahren vier Pilotprojekte zum Schutz von Moorböden mit einem Budget von 48 Millionen Euro. Dabei werden Moorflächen in den größten Moorregionen Deutschlands wieder vernässt und alternative Bewirtschaftsungsformen erprobt und angewendet. Im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) werden außerdem Projekte zum Schutz von Feuchtgebieten in anderen Ländern unterstützt (vgl. Bundesregierung 2022).

Quellen

Warum man als Liberaler jegliche Klimapolitik ablehnen sollte

Ich bin prinzipiell gegen Klimapolitik. Ich lehne also jeglichen staatlichen Einfluss auf den Ausstoß von CO₂ und anderen Treibhausgasen ab. Das ist natürlich eine Position, die stark im Widerspruch zum herrschenden Zeitgeist steht. Auch werden sich viele fragen: „Leugnet er etwa den anthropogenen Klimawandel?“, oder diese Position intuitiv als unmoralisch einstufen und sie in eine fragliche politische Ecke stellen. Diese Bedenken können bereits zu Beginn zerstreut werden: Sämtliche Daten, auf die hier Bezug genommen wird, stammen aus Quellen wie dem IPCC und anderen renommierten Stellen. Zuerst wird allerdings die moralische Grundlage erläutert, auf der mein Urteil zur Klimapolitik basiert.

Das moralische Fundament, welches als Grundlage der Bewertung dient, baut auf der Prämisse des klassisch-liberalen Minimalstaats auf. Dieser kümmert sich um innere, äußere sowie rechtliche Sicherheit. Sämtliche anderen Aspekte sind auf freiwilliger Basis durchgeführten zwischenmenschlichen Aktionen überlassen. Nur ein solches System kann meiner Meinung nach moralisch sein, weil es dem Menschen maximale Selbstbestimmung und Raum zur persönlichen Entfaltung ermöglicht und die Freiheits- und Eigentumsrechte des Individuums schützt. Auch reduziert es die politische Macht, die Gruppen und Individuen über andere gegen ihren Willen haben, auf ein Minimum und schafft damit tatsächliche rechtliche Gleichheit.

Hat man dies als Ideal, so leitet sich aus diesem Staatsverständnis ab, dass der Staat nicht das Recht hat, in Freiheits- und Eigentumsrechte einzugreifen, auch nicht zum Zwecke der Erreichung der CO₂-Neutralität. Damit ein Schadensersatzanspruch besteht, den ein solcher Staat im Rahmen der Rechtssicherheit durchsetzen darf, muss eine klar nachvollziehbare kausale Kette zwischen Schädiger und Geschädigtem ersichtlich sein. Dies ist bei CO₂-Ausstoß nicht der Fall. Anders als in einem Szenario, in welchem jemand giftige Stoffe in die Luft lässt, die andere gesundheitlich schädigen, oder durch das Kippen von Giftmüll in den Fluss fremdes Eigentum beschädigt wird, lässt sich eine direkte Kausalkette zwischen Geschädigtem und Schädiger beim CO₂-Ausstoß nicht feststellen.

CO₂ mag in seiner Summe zwar dafür sorgen, dass weniger Sonnenwärme zurück ins Weltall abgestrahlt wird und sich die Erde dadurch erhitzt, was zu Schaden führen kann, allerdings liegt das Verhalten des einzelnen Individuums unterhalb der Schwelle einer direkten Schädigung, weshalb das Verhalten in einem klassisch liberalen System nicht rechtlich belangbar wäre. Es kann also von einer Externalität gesprochen werden.

Eine Regulation derartiger Externalitäten kann sehr schnell totalitäre Züge annehmen. Jedes Verhalten hat über ein paar Ecken irgendeinen Einfluss auf das Leben und Eigentum anderer. Daher kann dies nicht der Maßstab sein, nach welchem der Staat legitim eingreifen darf. Sonst dürfte kein Flughafen oder Windrad mehr gebaut werden, weil sich immer jemand findet, dem dies zu nah an seinem Eigentum ist und es daher als Schädigung empfindet.

Der Mensch hätte faktisch keine Möglichkeit mehr, sich persönlich und technisch zu entfalten. Die Schwelle, ab wann von einem Eigentumsschaden gesprochen werden kann, und damit Schadenersatzanspruch besteht, muss sehr klar definiert und kausal nachvollziehbar sein. Handlungen, die unterhalb dieser Schwelle liegen, sollten daher rechtlich nicht belangbar sein und damit von dem Einfluss des Staates unberührt bleiben. Dies gilt auch dann, wenn dieser Staat eine demokratische Legitimation hat. Keine Mehrheit sollte in Freiheits- und Eigentumsrechte eingreifen dürfen, denn es handelt sich um Menschenrechte, die von einer liberalen Verfassung geschützt sein sollten. Derartige abstrakte moralische Begründungen und liberale Rechtsphilosophie werden vielen jedoch nicht als Argumente reichen.

„Aber was ist mit den schwerwiegenden Folgen des Klimawandels? Was ist mit dem steigenden Meeresspiegel, den Hitzewellen, Extremwetterereignissen, den Klimaflüchtlingen und den Kipppunkten?“, werden sich viele an dieser Stelle fragen. Einige dieser Fragen lassen sich bereits mit heutigen technischen Möglichkeiten beantworten. So liegt bereits heute ein beachtlicher Teil der Niederlande unterhalb des Meeresspiegels. Die Lösung: Dämme. Für flache Pazifikinseln gibt es neben Dämmen auch die Möglichkeit des Aufschüttens. Auch dies wird bereits getätigt. Entsprechende Inseln sind aktuell sogar am Wachsen[1][2].

Auch gibt es bereits heute technische Möglichkeiten, um mit steigender Hitze umzugehen. Schon heute leben Menschen in sehr heißen Regionen in gut klimatisierten Städten wie Abu Dhabi. Das mag energieintensiv sein, aber gerade deshalb ist günstige Energie, die durch Klimapolitik verhindert wird, so essenziell.

Nichts erhöht den Wohlstand so sehr wie günstige Energie. Bestimmte Energieträger künstlich zu verknappen, verteuert Energie und damit im Grunde genommen alles Weitere und senkt den Lebensstandard. Daher sind fossile Energieträger aktuell unverzichtbar und sollten weder sanktioniert noch sollen andere Energieträger subventioniert werden. Gerade in Entwicklungsländern ist günstige Energie unverzichtbar. Weder können wir von den Entwicklungsländern verlangen, sich industriell einzuschränken, noch sollen wir aus eigenem Interesse, aber auch im Interesse der Dritten Welt auf billige Energie verzichten. Da wir in einer globalisierten Wirtschaft leben, leidet nämlich auch die Dritte Welt darunter, wenn der Traktor bei uns teurer in der Herstellung und damit höher im Preis ist.

Es ist klar, dass das Öl endlich ist. Dadurch wird es immer teurer, je weniger es davon gibt. Erneuerbare Energieträger werden sich über die Zeit entsprechend automatisch als dominante Form der Energiegewinnung durchsetzen. Dies ist jedoch ein natürlicher Prozess, der sich aus den Gesetzmäßigkeiten des Marktgeschehens ergibt und daher nicht politisch forciert werden muss, um möglichst schnell vonstatten zu gehen. Des Weiteren wird der technische Fortschritt ebenfalls zu einer Vergünstigung der Energie führen. Gerade die Kernfusion ist eine sehr aussichtsreiche Zukunftstechnologie[3]. Ebenfalls schreitet der technische Fortschritt im Bereich Carbon Capture weiter voran[4].

Zurück zur Hitze: Natürlich leidet der Mensch nicht nur direkt durch die Hitze, sondern auch dadurch, dass landwirtschaftliche Nutzflächen zur Nahrungsmittelproduktion verloren gehen. Aber auch hierfür gibt es technische Möglichkeiten: Mit der Hilfe von Gentechnik gibt es deutlich resistentere Pflanzen und höhere Erträge. Auch gibt es beispielsweise neuartige Formen der Landwirtschaft, wie das Vertical Farming[5]. Des Weiteren werden die Meere noch kaum als Agrarfläche benutzt, weil es sich aktuell noch nicht lohnt. Dies kann sich allerdings mit zunehmender Hitze ändern. Es mag sein, dass sich unsere Essgewohnheiten durch den Klimawandel verändern werden. Von Hungersnöten ist jedoch nicht auszugehen.

Bei den sich häufenden Extremwetterereignissen, die durch den Klimawandel begünstigt werden, muss man ebenfalls anmerken, dass die Menschheit immer besser auf diese vorbereitet ist. So ist beispielsweise in dem verhältnismäßig freien Land USA die Anzahl an Toten durch Klimaereignisse auf einem historischen Tiefpunkt[6]. Technischer Fortschritt und die ihn begünstigenden Faktoren kommen dabei zum Tragen.

In der wissenschaftlichen Diskussion um das Thema Klimaflucht gibt es zwei Lager: die Alarmisten, die hauptsächlich aus Naturwissenschaftlern bestehen, und die Skeptiker, die hauptsächlich aus der Migrationsforschung und den Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften stammen. Aus Reihen der Alarmisten stammt die wissenschaftlich fragwürdige Prognose, dass es bis zum Ende des 21. Jahrhundert angeblich 200 Millionen Klimaflüchtlinge geben würde[7]. Die Gruppe, die man als „Skeptiker“ zusammenfasst, beschäftigt sich mit dem tatsächlichen Verhalten von Menschen. Auch wenn man alle Aspekte des wissenschaftlichen Diskurses im Auge haben sollte, so scheinen die Skeptiker deutlich verlässlichere Prognosen zu liefern.

Unter den Kipppunkten versteht man kritische Grenzen von Treibhausgasmengen in der Atmosphäre, bei deren Überschreiten Mechanismen in Gang gesetzt werden, die zu weiterer signifikanter Erwärmung führen. Ein Beispiel hierfür wären die Permafrostböden, deren Auftauen weiteres CO₂ in die Atmosphäre entlässt[8]. Bereits bei 1,5°C könnte ein solcher Kipppunkt überschritten sein[9]. Es gelte also zu verhindern, dass die Kipppunkte erreicht werden, indem das 1,5°-Ziel eingehalten wird – um jeden Preis.

Wirklich um jeden Preis? Schließlich wäre eine Abkehr von der liberalen Demokratie ein notwendiger Schritt, um dieses Ziel zu erreichen. Selbst zu Zeiten des Corona-Lockdowns, in der es zu einer enormen Verringerung des CO₂-Ausstoßes kam, hätte dies, wenn man es fortgeführt hätte, nicht gereicht, um das 1,5°-Ziel zu erreichen. Und die wirtschaftlichen Schäden und gesellschaftlichen Verwerfungen waren bereits extrem. Die Maßnahmen, die notwendig wären, um das 1,5°-Ziel zu erreichen, sind im Rahmen des jetzigen Systems entsprechend (glücklicherweise) nicht durchsetzbar.

Das „liberale“ in der liberalen Demokratie sollte nämlich vor gravierenden Freiheitseinschränkungen schützen, die zur Erreichung des Klimaziels notwendig wären. Die „Demokratie“ hat vermutlich zum Ergebnis, dass ein Großteil der Menschen nicht bereit sein werden, ihren Wohlstand für die Klimaziele aufzugeben, wie auch die kürzliche „Klimawahl“ in Berlin eindrücklich demonstriert hat[10].

Und selbst wenn all diese Faktoren nicht wären und es uns mit Hilfe autoritärer Maßnahmen und gesenktem Lebensstandard gelingen würde, das 1,5°-Ziel zu erreichen – das Land und wie es sich darin leben würde, wären für andere Länder ein mahnendes Beispiel, es uns niemals gleichzutun. Auch aktuell ist es bereits so, dass Klimapolitik zu Verwerfungen führt. Viele Länder ziehen nicht mit.

Es ist also davon auszugehen, dass die Kipppunkte in jedem Fall erreicht werden. Wir haben die Wahl, ob wir bis dahin unsere Freiheit und unseren Wohlstand opfern, oder einen besseren und sinnvolleren Weg einschlagen: Einen konsequenten Kapitalismus. Nur ein freier Markt begünstigt billige Energie und technischen Fortschritt, die uns für die Folgen des Klimawandels wappnen. Nur in Freiheit kann der Mensch ein glückliches Leben führen und sein schöpferisches Potenzial entfalten.

Quellen

  • [1] Low-lying Pacific islands 'growing not sinking', aufgerufen am 09.07.2023 von https://www.bbc.com/news/10222679
  • [2] The Ever-Shifting—Not Necessarily Shrinking—Pacific Island Nations, aufgerufen am 09.07.2023 von https://hakaimagazine.com/news/the-ever-shifting-not-necessarily-shrinking-pacific-island-nations/
  • [3]Wissenschaftlicher Durchbruch bei Kernfusion, aufgerufen am 09.07.2023 von https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/durchbruch-kernfusion-100.html
  • [4]Carbon Capture and Storage, aufgerufen am 09.07.2023 von https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/gewaesser/grundwasser/nutzung-belastungen/carbon-capture-storage
  • [5] Vertical Farming – Landwirtschaft in der Senkrechten, aufgerufen am 09.07.2023 von https://www.landwirtschaft.de/landwirtschaft-erleben/landwirtschaft-hautnah/in-der-stadt/vertical-farming-landwirtschaft-in-der-senkrechten
  • [6]Fatality rates in the US due to weather events, aufgerufen am 09.07.2023 von https://ourworldindata.org/grapher/fatality-rates-in-the-us-due-to-weather-events
  • [7]Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Migration, aufgerufen am 09.07.2023 von https://www.bpb.de/themen/migration-integration/kurzdossiers/282320/der-zusammenhang-zwischen-klimawandel-und-migration/
  • [8]Mechanisms and Impacts of Earth System Tipping Elements, aufgerufen am 09.07.2023 von https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/2021RG000757
  • [9] IPCC (Hrsg.): Synthesis Report of the IPCC Sixth Assessment Report (AR 6) – Longer Version. März 2023, S. 42, aufgerufen am 09.07.2023 von https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2023/03/Doc5_Adopted_AR6_SYR_Longer_Report.pdf
  • [10]Klima-Volksentscheid gescheitert - Initiative verfehlt Quorum deutlich, aufgerufen am 09.07.2023 von https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2023/03/volksentscheid-berlin-klimaneutral-2030-wahlsonntag.html

Samstag, 8. Juli 2023

Die Stadt Wien sagt Hitzeinseln den Kampf an

Aufgrund der Tatsache, dass auch in Wien die Folgen des Klimawandels deutlich spürbar sind, sind Eindämmungsmaßnahmen unumgänglich. Problematisch sind immer wiederkehrende Hitzewellen, die tagsüber die Stadt extrem aufheizen und abends nicht abkühlen lassen – und das oft mehrere Tage hintereinander. Dies belastet hauptsächlich vulnerable Stadtgebiete und Personen, die zu Risikogruppen zählen.

Die Folge der aufgeheizten Gebiete ohne Abkühlung sind sogenannte Hitzeinseln, die hauptsächlich in wolkenlosen und windstillen Nächten entstehen. Baumaterialien fungieren hierbei als Wärmespeicher, die nach dem Sonnenuntergang Wärme in die Umgebung abstrahlen. Hier sind also keine prophylaktischen, sondern eher intervenierende Maßnahmen gefragt, die die Stadt Wien nun mit ihrem Hitzeaktionsplan umsetzen möchte.

Zu den Maßnahmen des Hitzeaktionsplans zählen kurzfristige Akutmaßnahmen, saisonal vorbereitende Maßnahmen sowie langfristige stadtplanerische Maßnahmen, wobei der Fokus des Hitzeaktionsplans der Stadt Wien eher auf den kurzfristigen und den saisonal vorbereitenden Maßnahmen liegt.

Zu den Sofortmaßnahmen bei akuter Hitzegefahr zählen beispielsweise die Anbringung verschiedener Nebelduschen und auf Hydranten montierte mobile Trinkbrunnen mit Sprühnebelfunktion, die im gesamten Stadtgebiet verteilt werden, oder die Errichtung sogenannter „Erholungsinseln“. Dazu zählen Einrichtungen, in denen Menschen einige Stunden im Kühlen verbringen können, wenn ihre eigenen Wohnräume nicht mehr ausreichend gekühlt werden können. Außerdem werden bei akuter Hitzegefahr manche Hydrantenbauarten zu Trinkhydranten umfunktioniert, die optional mit einer Schale für Hunde ausgelegt werden. Eine weitere Akutmaßnahme des Hitzeaktionsplans der Stadt Wien ist der flächendeckende Einsatz von klimatisierten Fahrzeugen im öffentlichen Nahverkehr.

Zu den saisonal vorbereitenden Maßnahmen zählen beispielsweise das Verteilen von Informationsmaterial mit Empfehlungen für heiße Tage. In diesen Flyern, Karten oder Videos lassen sich Tipps und Vorschläge für Unternehmungen an Tagen mit hoher Außentemperatur finden. Ebenso zu den vorbereitenden Maßnahmen können die Festlegungen der Hitzestandards für Wohn- und Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und Seniorenheime zählen. Hier wird beispielsweise dafür gesorgt, dass Abläufe zur Kühlung der Raum- und Körpertemperatur koordiniert werden, der Speiseplan auf leichte Kost umgestellt und die Flüssigkeitsversorgung sichergestellt wird. Beim Hitzeaktionsplan handelt sich um ein Dokument, das fortlaufend ergänzt und modifiziert wird.

Literatur 

Stadt Wien (2023): Wiener Hitzeaktionsplan, https://www.wien.gv.at/umwelt/cooleswien/hitzeaktionsplan.html

Freitag, 7. Juli 2023

Zu schade zum Wegwerfen!

Die App „Too Good To Go“ (https://toogoodtogo.de/de/) ist eine bemerkenswerte Initiative, die dazu beiträgt, die Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren und den Klimawandel zu bekämpfen. In einer Welt, in der jährlich Millionen Tonnen von Nahrungsmitteln weggeworfen werden, trägt diese innovative App dazu bei, den Verbrauch von Ressourcen und den Ausstoß von Treibhausgasen einzudämmen.

Den Konsum und die Produktion von Lebensmitteln nachhaltiger zu gestalten, ist eine der größten Herausforderungen im Kampf gegen den Klimawandel. Die App "Too Good To Go" ist ein praktischer Ansatz zur Revolutionierung des Lebensmittelsektors und zur Durchbrechung des gesamten Kreislaufs der Lebensmittelverschwendung. Die App ermöglicht es Konsumentinnen und Konsumenten, überzählige Lebensmittel aus Restaurants, Supermärkten, Bäckereien und anderen Geschäften für einen vergünstigten Preis einzukaufen. Das Ergebnis ist die "Rettung" von Lebensmitteln, die sonst auf dem Müll gelandet wären. Diese Methode, Lebensmittel zu „retten“, trägt dazu bei, dass Ressourcen wie Wasser, Energie und Land, die verwendet wurden, um diese Lebensmittel zu produzieren, nicht sinnlos verschwendet werden.

Die App „Too Good To Go“ ist weltweit in verschiedenen Ländern verfügbar. Sie wurde in Europa ins Leben gerufen und hat sich seitdem auch auf andere Regionen, wie zum Beispiel Nordamerika und Asien, ausgeweitet. Die App verfügt über eine wachsende Nutzerbasis, die sich aus Verbrauchern zusammensetzt, die daran interessiert sind, überschüssige Lebensmittel zu einem günstigen Preis zu erwerben und die Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren.

Die Verbindung zwischen „Too Good To Go“ und dem Klimawandel ist offensichtlich. Die Produktion von Lebensmitteln ist ein energieintensiver Prozess, der mit erheblichen Emissionen von Treibhausgasen verbunden ist. Durch die Reduzierung von Lebensmittelabfällen werden sowohl die Emissionen bei der Produktion als auch die Emissionen von Treibhausgasen beim Transport und bei der Entsorgung von Lebensmittelabfällen verringert. Dieser doppelte Effekt ist ein wichtiger Beitrag zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks des Lebensmittelsektors. Die App trägt auch zur Steigerung des Bewusstseins für nachhaltige Ernährung und die Auswirkungen der Verschwendung von Lebensmitteln auf den Klimawandel bei. Menschen werden zu aktiven Teilnehmern, indem sie gerettete Lebensmittel kaufen und konsumieren können.

Mittwoch, 5. Juli 2023

Eine Skipiste mitten in der Stadt - Wie kann das nachhaltig sein?

Kopenhagen gilt als eine der Vorreiterstädte für nachhaltige Stadtentwicklung, dennoch wurde 2017 CopenHill eröffnet. CopenHill stellt ein Naherholungsgebiet dar, in dem neben einer künstlichen Skipiste auch ein Wandergebiet und die weltweit höchste Kletterwand mit inbegriffen sind (Vgl. Bjarke Ingels Group o. D.).

Das ganze Jahr über Skifahren, in einem Land, dessen höchste Erhebung auf 170 Metern liegt. Wie kann das mit dem nachhaltigen Konzept der Stadt Kopenhagen einhergehen? Der Clou an dem Naherholungsgebiet: Das Gelände befindet sich auf dem geneigten Dach des Abfallwirtschaftszentrums der Stadt. Die Müllverbrennungsanlage hat die vorrangige Aufgabe, aus jährlich 440.000 Tonnen Müll über 150.000 Haushalte mit Fernwärme und elektrischer Energie zu versorgen. Mittels neuster Technologien wird Abfall in dem Amager Ressource Center in saubere Energie umgewandelt (vgl. ebd.).

Neben der Energiegewinnung wurde bei dem Gebäudebau auf weitere nachhaltige Funktionen geachtet. So besteht beispielsweise die Fassade des Abfallwirtschaftszentrums aus gestapelten Aluminiumsteinen, die begrünbar sind. Als Naherholung bietet die Fassade die Möglichkeit, sie über die weltweit höchste Kletterwand zu erklimmen (vgl. Copenhill 2019).

Auf dem Dach der Müllverbrennungsanlage befindet sich eine 500 Meter lange Kunstrasen-Skipiste, die mit klassischen Wintersportgeräten genutzt werden kann und verschiedene Schwierigkeitsstufen beinhaltet. Durch den Kunstrasen hindurch wächst Gras, das automatisch durch die scharfen Kanten von Ski und Snowboards gekürzt wird. Entlang der Skipiste kann das Dach zudem erwandert werden. Der Wanderweg führt am Rand des Daches an Grünflächen entlang. Diese dienen als Lebensraum für Vögel und Insekten, absorbieren Wärme sowie schädliche Luftpartikel und minimieren den Regenwasserabfluss des Daches (vgl. Bjarke Ingels Group o. D.).

Der Architekt selbst bezeichnet das Bauwerk als „ein kristallklares Beispiel für hedonistische Nachhaltigkeit – dass eine nachhaltige Stadt nicht nur besser für die Umwelt ist – sie ist auch angenehmer für das Leben ihrer Bürger“ (Bjarke Ingels Group o. D.).

Sowohl der Architekt, die Stadt Kopenhagen als auch das Gebäude sprechen für sich. Es zeigt sich, dass Neubauten und bestehende Gebäude hinsichtlich ihres generellen Potenzials geprüft werden sollten. So bietet sich beispielsweise die Wärme in Tunneln für die Beheizung anderer Gebäude an, Dächer können begrünt oder zu weiteren Zwecken (zum Beispiel Spielplätze, Photovoltaik) genutzt werden (vgl. Baier/ Friedmann 2016).

Die Stadtplanung der dänischen Hauptstadt zielt genau darauf ab. Sie denkt den Klimawandel mit und versucht gleichzeitig, die Lebensqualität der Stadt maximal zu erhöhen. Das zeigt unter anderem auch das Regenwassermanagement der Stadt. Der steigende Meeresspiegel und häufigere starke Niederschläge sind eine große Herausforderung für die Stadt. 2011 fielen innerhalb von zwei Stunden fast 150 mm Niederschlag und überfluteten Kopenhagen. Daraus zog man die Konsequenz, Flächen zu schaffen, die große Mengen an Wasser aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben können. Für die Verwirklichung der sogenannten Schwammstadt wurden neue Grünflächen geschaffen, Parkanlagen erneuert und Straßen in ihrem Neigungswinkel verändert. Dabei sind die Parkanlagen so konstruiert, dass sie im Katastrophenfall ein Rückhaltebecken bilden können (vgl. Klöck 2022).

Es wird deutlich, dass Kopenhagen multifunktional denkt. Sicherheit, Klimaschutz und Lebensqualität sind Faktoren, die bei der Stadtplanung berücksichtigt werden. Daran können wir uns ein Beispiel nehmen.

Literatur

Montag, 3. Juli 2023

Anmerkungen zum Geoengineering

In der letzten Seminarsitzung haben wir uns intensiv mit dem Thema Geoengineering auseinandergesetzt und haben Vor- und Nachteile verschiedener Methoden und Ansätze diskutiert. Diese Sitzung ist mir in guter Erinnerung geblieben, da sie zeigt, wozu Menschen in der Lage sind und wozu sie bereit sind, um den Planeten zu schützen, auch vor sich selbst.

Geoengineering wird eine große Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen. Einige der Technologien hierzu sind auch schon recht weit erforscht. Norwegen z.B. setzt die Speicherung von CO2 aus der Luft in der Erde unter der Nordsee bereits um. In Deutschland ist die Speicherung von Kohlenstoff aktuell noch verboten, aber auch wir exportieren ihn bereits, damit er in anderen Ländern gespeichert werden kann, bis wir unsere Gesetze geändert haben. Die Mühlen der Politik mahlen nun mal sehr langsam. Auch andere Formen der CO2-Speicherung sind im Kommen. Algen im Meer oder Präparierung von Gestein, damit dieser verwittert und so Treibhausgase speichert, sind nur einige davon.

Es gibt aber auch Ideen, bei denen es einem eiskalt den Rücken runterläuft. Die Idee, die Sonne abzuschatten, ist dabei bestimmt eine der verrücktesten. Auch das Erzeugen von Wetterlagen klingt für mich eher wie ein Rezept für einen Klimakrieg. Die Folgen solcher Technologien sind für uns Menschen überhaupt nicht abzusehen, und wir wären gut beraten, sie nicht umzusetzen.  Bei aller Eile und bei allen Möglichkeiten, die uns Technik liefern wird, sollten wir nicht den Kopf verlieren bei der Bekämpfung des Klimawandels. Nicht alles, was möglich ist, ist auch in Ordnung. Die große Chance des Geoengineering liegt darin, dass der Mensch einen Fehler, den er an der Natur begangen hat, wiedergutmachen kann. Wir dürfen uns nicht erneut am Planeten versündigen.

Mittwoch, 28. Juni 2023

Potenzial der Geothermie für die Energie- und Wärmewende in Deutschland am Beispiel der Stadt München

Ohne eine günstige und üppige Energieversorgung, die an Verlässlichkeit nichts vermissen lässt, ist der Wohlstand unserer Gesellschaft undenkbar. Seit der Zeit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert ist die Frage der Energieversorgung zunehmend in den Mittelpunkt unserer ökonomischen Interessen gerückt. Damit wurde das Thema Energieversorgung auch zum Gegenstand der Politik. Seit dieser Zeit haben alle deutschen Regierungen sich mit Priorität darum bemüht, dass Energie in Deutschland in ausreichendem Maße zur Verfügung steht und für breite Schichten der Gesellschaft und für möglichst alle Industrieanwendungen zu einem akzeptablen Preis angeboten werden kann.

Hat es sich dabei zu Beginn dieses Prozesses vor allem darum gedreht, wie man möglichst günstig und in großen Mengen an primäre Energieträger kam, vornehmlich Kohle, später Öl und Gas, so hat sich in den letzten zwanzig Jahren vieles in Deutschland verändert. Seit die Naturwissenschaften uns immer eindrucksvoller vor Augen führen, dass fossile Energieträger durch den Ausstoß von Treibhausgasen den Klimawandel herbeigeführt haben und in zunehmendem Maße verschärfen, ist der Menschheit und damit auch Deutschland in großem Stil daran gelegen, Energiequellen zu erschließen, die der Umwelt keinen Schaden zufügen, uns gleichzeitig aber nicht in die Vormoderne zurückfallen lassen.

Eine breite gesellschaftliche Debatte ist seitdem entstanden, mit welchen Methoden man am besten dieses Ziel erreichen kann und welche sich eher nicht eignen, um dem Klimawandel zu begegnen und gleichzeitig den Industriestandort Deutschland nicht zu gefährden. Insbesondere die Partei Bündnis90/Die Grünen und die ihr nachgeordneten Lobbyorganisationen hatten einen entscheidenden politischen Einfluss auf die deutsche Gesellschaft und Politik, sodass in den letzten zwei Dekaden ein Transformationsprozess in Gang gesetzt wurde, der es sich zum Ziel setzt, die deutsche Volkswirtschaft mit sauberen und erneuerbaren Energien zu versorgen. Dieser Prozess, der gemeinhin als Energiewende bezeichnet wird, ist extrem vielgestaltig und umfasst einen radikalen und durchgehenden Umbau unserer Art, Energie zu erzeugen und zu nutzen, und ist ein international einmaliges und vielbeachtetes Projekt.

Smart-City – die Stadt der Zukunft?

Der demografische Wandel, soziale Spaltungen, Umweltverschmutzung und der Klimawandel bringen für Städte in Deutschland und auf der ganzen Welt zunehmend Probleme mit sich. „Smart City“ ist ein Konzept, bei dem verschiedene Entwicklungsstrategien zu einer höheren Lebensqualität der Einwohner führen und Probleme gelöst werden sollen. Durch den vermehrten Einsatz vernetzter Technologien sollen knappe Ressourcen wie Strom, das Personal der Stadtverwaltung oder die Kapazität des öffentlichen Nahverkehrs effizienter eingesetzt werden (vgl. Landeszentrale für politische Bildung BW). Das Hauptziel hierbei ist Nachhaltigkeit, die Digitalisierung ist nur Mittel zum Zweck (vgl. Balleis 2022, S. 46). Eine „Smart-City“ sollte folgendes leisten können:

  • geringer Ressourcenverbrauch
  • Klimaschutz
  • Mobilität sicherstellen
  • verbesserte Lebensqualität durch vernetzte Technologie
  • nachhaltige Stadtentwicklung
  • kommunale Infrastrukturen wie beispielsweise Energie, Gebäude, Verkehr, Wasser und Abwasser sollen besser vernetzt werden bei weniger Verwaltungsaufwand
  • Probleme mittels Informations- und Kommunikationstechnik lösen
  • Transparenz der Verwaltung, Open Data, digitales Bürgerbüro

Einige gute Ideen, wie z.B. Carsharing, werden bereits in vielen Städten umgesetzt. So gewannen vier Städte aus Baden-Württemberg 2020 beim Bundeswettbewerb „Smart Cities made in Germany“. Freiburg, Mannheim, Aalen und Heidenheim erhielten damit eine Förderung für digitale Zukunftsprojekte in ihren Städten. Einen weiteren Überblick über die „smarten“ Vorreiterstädte in Deutschland gibt der Smart-City-Atlas, der vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. gemeinsam mit zahlreichen Partnern veröffentlicht wird.

In Zukunft ist noch vieles weitere denkbar; z.B. könnten Gebäude mit digitalen Mess- und Steuerungssystemen ausgestattet werden, um die Energieversorgung oder Innenraumklimatisierung effizienter abzustimmen sowie Verluste bei der Wasserversorgung schneller aufzuspüren (vgl. Landeszentrale für politische Bildung BW/ Balleis 2022, S. 47). Durch ein digitales Waste Management-System können Füllstände von Mülltonnen kontrolliert werden und zu einer gezielten Leerung führen. Wärme und Strom werden in einer modularen Energiezentrale erzeugt und über ein quartiereigenes Nahwärmenetz und Niederspannungsnetz verteilt. Der durch Photovoltaik-Anlagen erzeugte Strom kann nun zu großen Teilen den Energiebedarf des eigenen Quartiers decken (vgl. Balleis 2022, S. 48).

Seit 2017 wächst der Anteil der Kommunen, die eine digitale Agenda erarbeiten und sich zur Smart City entwickeln möchten. Hier setzen die einzelnen Kommunen jedoch individuelle Schwerpunkte, einen allgemeingültigen Umsetzungsplan gibt es bisher nicht. So entstehen momentan vor allem noch Einzelprojekte in Metropolen. Besonders in kleinen bis mittelgroßen Städten gibt es noch wenige „Smart City-Konzepte“. Durch Wettbewerbe und Förderprogramme soll dies jedoch geändert werden. So hat beispielsweise die Bitkom gemeinsam mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund und Sponsoren den Wettbewerb »Digitale Stadt« ins Leben gerufen (vgl. Bitkom 2017, S. 9).

Ein Problem des Konzepts der „Smart City“ ist, dass es bisher noch keine einheitliche Definition einer „Smart City“ gibt. Dadurch bleibt es zunächst bei kommunaler Umsetzung, und eine flächendeckende Ausbreitung wird erschwert. Auch muss darauf geachtet werden, dass durch die großflächige Digitalisierung weniger technikaffine Menschen keine Nachteile bekommen (vgl. Landeszentrale für politische Bildung BW). Zudem ist wie immer bei Digitalisierung die Frage nach der Datensicherheit von großer Bedeutung (vgl. Balleis 2022, S. 46). Zur Zeit weisen die Konzepte von Smart Citys im Bereich Mobilität noch große Defizite auf und konnten bisher nicht helfen, den CO2-Ausstoß des Mobilitätssektors zu verringern. Dazu würde es einen großflächigen Ausbau des ÖPNV-Netzes bedürfen, was durch die Privatisierung allerdings erschwert wird (vgl. ebd., S. 48).

Quellen:

Sonntag, 25. Juni 2023

KAS-Online-Diskussion zum Thema Geothermie

In den aktuellen Debatten zur Energie- und Klimapolitik bleibt Geothermie unterbelichtet. Dabei deckt diese schon heute etwa 1,5% des deutschen Wärmebedarfs und könnte dies in Zukunft zu etwa 50% leisten. Zudem handelt es sich um eine erneuerbare Energie, die die Unabhängigkeit der deutschen Energieversorgung vom Ausland deutlich erhöhen könnte. Die Konrad-Adenauer-Stiftung führt eine Online-Diskussion zu diesem Thema durch, um die Potenziale der Technologie zu besprechen. Im Zentrum stehen die Fragen:
  • Wie funktioniert Geothermie und welche Varianten gibt es?
  • Wo kann die Geothermie eingesetzt werden und wo liegen die Nachteile zu anderen Energieträgern?
  • Welche Potentiale hat Geothermie in Deutschland und wie ist die politische Lage?

Diese Fragen werden mit Florian Stanko diskutiert. Er ist Leiter der Politikabteilung des Bundesverbands Geothermie e.V. Weiterhin ist Mark Helfrich zu Gast, der aus dem Bundestagsausschuss für Klimaschutz und Energie berichten und die politischen Aspekte der Geothermie erläutern wird.

Die Diskussion findet am Mittwoch 12. Juli 2023 ab 18.00 Uhr statt

Donnerstag, 22. Juni 2023

Klimacamp an der PH Ludwigsburg

Kommende Woche (26.06. - 30.06.2023) findet ein Klimacamp an der PH statt. Campus for Future Ludwigsburg hat in Zusammenarbeit mit anderen Studierenden, Dozierenden und externen Expert*innen ein interessantes und abwechslungsreiches Programm rund um die Themen Klima, Klimakrise und Klimagerechtigkeit zusammengestellt:

  • Lesungen von Autor*innen des Sammelbands zu Ableismus und Klimagerechtigkeit
  • Planungstreffen für einen Färbergarten an der PH
  • Open Air Treppenkino mit dem Film „2040 – wir retten die Welt"
  • Konzert des Musikers Erik Stenzel
  • Exkursion in die Klimaarena Sinsheim
  • Seminare und Vorlesungen 
  • etc.

Das vollständige Programm findet man hier: https://fff-ludwigsburg.de/klimacamp/

Montag, 19. Juni 2023

Online-Seminar zum Thema Klimakommunikation

Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg veranstaltet ein Online-Seminar zum Thema „Klima und Kommunikation – K2. Wie reden wir nicht bloß über Klimaschutz, sondern bewirken etwas?“.

Über die Klimakrise sprechen und zugleich so viele Menschen wie möglich zum Handeln zu bewegen, darauf zielen wir ab mit Veranstaltungen, Texten oder wenn wir mit Freunden plaudern. Unsere Wirksamkeit erhöhen wir, wenn wir neben Fakten zur Klimakrise auch Geschichten des Gelingens erzählen, Menschen in ihrer Lebenswelt abholen und Brücken aus Möglichkeiten und Chancen bauen. Wie das konkret aussehen kann, werden wir in einem Input zum Thema Klimakommunikation hören und anhand konkreter Beispiele lernen und selbst ausprobieren. Vermittelt wird ein praktischer Instrumenten-Baukasten, mit dem sich wirkungsvoll über Klimaschutz reden lässt, um ins Handeln zu kommen.

  • Termin: Mittwoch, 5. Juli 2023, 17-20 Uhr
  • Zielgruppe: alle im Klima- und Naturschutz Engagierten sowie daran Interessierten
  • Ort: Online via Webex – der Zugangslink wird nach Anmeldung und rechtzeitig vor der Veranstaltung verschickt
  • Referent*innen: Marianne Dobner, Gründerin von Hallo Klima! und Michael Danner, Geschäftsführer des Beratungsbüros „Kommunikation für Mensch & Umwelt“
  • Leitung: Claudia Möller, Fachreferentin „Nachhaltigkeit“, LpB BW und Konstanze Stein, Akademie für Natur- und Umweltschutz BW
  • Kosten: Die Veranstaltung ist kostenlos

Anmeldung: per E-Mail an Christine.Kuntzsch@lpb.bwl.de oder über die Website der LpB BW – Klicken Sie hier...

Donnerstag, 8. Juni 2023

Exkursion zur Klimaarena Sinsheim

Die Abteilung Geographie bietet im Rahmen des Klimacamps an der PH Ludwigsburg am Freitag 30.06.2023 eine Exkursion zur Klimaarena Sinsheim an, an der auch Politikstudierende teilnehmen können.

Die Klimaarena ist ein außerschulischer Lernort rund um das Thema Klimawandel, der im Jahre 2019 seine Tore geöffnet hat. Dort werden unter anderem Rallyes für Schulklassen, Workshops für SchülerInnen (Grundschule, Sek 1 und 2) und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte angeboten. Im Rahmen der Exkursion stellt die Klimaarena in einem Vortrag ihr Bildungsprogramm vor. Anschließend werden wir konkrete Bildungsangebote für unterschiedliche Jahrgangsstufen kennenlernen. Zudem steht Zeit zur freien Erkundung der Ausstellung zur Verfügung.

Eckdaten 

  • Wann: Freitag, 30.06.2023, 9:20 - 14:30 Uhr
  • Anmeldung: bis spätestens 18.06.2023
  • An- und Abreise sind eigenständig zu organisieren - eine klimafreundliche Anreise kann per Bahn zum Bahnhof Sinsheim (Elsenz) erfolgen, von dort läuft man ca. 25 Minuten zur Klimaarena
  • Treffpunkt: 9:20 Uhr am Haupteingang der Klimaarena Sinsheim, Ende vor Ort: ca. 14:30 Uhr - wer möchte, kann gerne länger bleiben
  • Kosten: 5 Euro pro Person
  • Maximale TeilnehmerInnenanzahl: bis zu 80 Teilnehmende möglich

Anmeldung

  1. Selbsteinschreibung in den Moodlekurs „Exkursion Klimaarena" - Einschreibeschlüssel: Klimaarena
  2. Bis 18.06.2023: verbindliche Anmeldung über das Befragungstool im Moodlekurs Klimaarena: https://moodle.ph-ludwigsburg.de/mod/feedback/view.php?id=924532
  3. Bis 18.06.2023: Überweisung der Kosten von 5 Euro an die PH (Kontoinformationen finden sich im Moodlekurs)
  4. Bis 25.06.2023: Erhalt der Anmeldebestätigung
Bei Fragen wenden Sie sich an dominik.conrad@ph-ludwigsburg.de

Montag, 5. Juni 2023

Nachhaltigkeit und Demokratie - Vortrag in Stuttgart

Am Donnerstag, den 29. Juni 2023, von 16:30 - 18:00 Uhr stellt Felix Heidenreich wichtige Aspekte seines aktuellen Buches im Rahmen eines Vortrags vor: "Nachhaltigkeit und Demokratie. Eine politische Theorie". Die Veranstaltung findet im Hospitalhof in Stuttgart statt (Büchsenstr. 33, 70174 Stuttgart). Mehr Informationen und kostenlose Reservierung unter https://www.hospitalhof.de/programm/290623-nachhaltigkeit-und-demokratie/

Freitag, 2. Juni 2023

Effizienter Klimaschutz durch Spenden

Die Ausgabe 15-16/2023 der Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" widmet sich dem (wenig spezifischen) Thema "Träume" und umfasst einen höchst lesenswerten Beitrag (17 min Lesezeit) zur Thematik dieses Blogs und des laufenden Seminars "Nachhaltigkeit (II): In der Klimakrise":

Bernward Gesang: Klimaschutz neu geträumt. Was der Staat und der Einzelne tun können, um effizient zu sein – Essay

"Wenn Deutschland klimaneutral ist, die Welt aber nicht, nutzt das wenig. Stattdessen sollten wir uns zu Paten des Regenwaldes machen und weniger auf individuelle Verhaltensänderungen achten als auf die Verbesserung der Welt durch gezieltes Spenden."

Montag, 22. Mai 2023

Straßenbeleuchtung gegen Insektensterben

Die Anzahl der Insekten ist seit den 1980er Jahren um 75 bis 80 Prozent zurückgegangen. Belegt wurde dies durch die im Oktober 2017 veröffentlichte „Krefelder Studie“, bei der ehrenamtliche Insektenkundler*innen von 1989 bis 2016 die Insektenbestände in 63 deutschen Schutzgebieten mit Flugfallen auswerteten.

Doch nicht nur die „Krefelder Studie“ weist den Rückgang der Insektenvielfalt nach. Ein weiteres Beispiel sind die Roten Listen der gefährdeten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten Deutschlands. Insgesamt stehen von den bisher bewerteten Insektenarten 42 Prozent als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben oder verschollen auf der Roten Liste (vgl. bmuv 2023).

Gründe für das Insektensterben gibt es viele. Neben der Verarmung der Landschaft, Agrargiften, Überdüngung, versiegelten Böden, intensiver Landwirtschaft oder naturfeindlichen Privatgärten spielt die nächtliche Lichtverschmutzung eine zentrale Rolle. Aber warum? Die Mehrheit der Insekten ist nachtaktiv und die meisten Arten werden von Licht angezogen. In einer einzigen Sommernacht lassen allein in Deutschland eine Milliarde Insekten ihr Leben. Sie verbrennen oder sterben an Erschöpfung.

Das künstliche Licht stört den Tag-Nacht-Rhythmus der Insekten und auch ihr Jagd- und Fortpflanzungsverhalten (vgl. BUND 2023). Auf diese Weise werden die Insekten ihrer ökologischen Aufgabe entzogen – als Futter für andere Tiere zu dienen. Über die Konsequenzen und Probleme, die dies mit sich bringt, kann bisher nur spekuliert werden (vgl. Kassel 2021). Die Lichtverschmutzung nimmt weltweit zu. In Deutschland kommen immer mehr LED-Straßenlampen zum Einsatz, diese sind zwar relativ insektenverträglich, doch durch ihren günstigen Betrieb weiten viele Kommunen ihre Beleuchtung und damit auch die Lichtverschmutzung aus (vgl. BUND 2023).

Doch was sind Lösungen? Die Umsetzung und Etablierung eines insektenfreundlichen Straßenbeleuchtungsdesigns. Dies ermöglicht die Abschirmung der Leuchtmittel und Ausleger, so dass eine Abstrahlung und Reflektion des Lichtes im Bereich der Flughöhe von Insekten sowie auf angrenzende Biotope, wie Gewässer und Uferzonen, reduziert wird (vgl. IGB 2023).

In Baden-Württemberg muss, mit Blick auf den geänderten Paragrafen 21 des Landesnaturschutzgesetzes, die Straßenbeleuchtung bis 2030 insektenfreundlich um- und nachgerüstet werden. Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit „mitlaufendem Licht“. Dabei kann durch eine intelligente Steuerung Energie gespart und insektenfreundlich beleuchtet werden. Die Beleuchtung kann stark gedimmt oder abgeschaltet werden. Nähert sich eine Person, geht die erste Laterne an und gibt ein Signal an die nachfolgenden, wodurch der Weg beleuchtet wird. Diese Beleuchtungskonzepte dienen nicht nur dem Insektenschutz, sondern sorgen beim Einsatz in Wohngebieten auch für besseren Schlaf der Anwohner*innen (vgl. Schlüter 2021).

Literatur

Samstag, 13. Mai 2023

Klein, aber oho! – der Tiny Forest

Etwa 80% der Menschen in Deutschland wohnen in Städten. Prognosen zeigen, dass dieser Trend weiter zunimmt. Das Problem dabei ist, dass sich der Mensch in der Stadt von der Natur entfremdet. Die Menschen verlieren, umgeben von einer Betonwüste, den Bezug dazu, woher ihre Lebensgrundlagen wie Wasser oder Nahrungsmittel stammen. Gleichzeitig trifft der Mensch genau aus diesem Lebensstil heraus Entscheidungen, die die Natur zutiefst beeinflussen und die Biosphäre destabilisieren (vgl. Scharfe, 2022, S. 2 f.).

Folgen unseres (Nicht-)Handelns

Die Folgen davon sehen wir in den Auswirkungen des Klimawandels. Arten sterben, weil sie mit den veränderten klimatischen Bedingungen nicht mehr zurechtkommen oder weil der Mensch ihnen ihre Lebensgrundlage entzogen hat, um Lebensmittel anzubauen (vgl. Steingässer & Scharfe, 2020, S. 1). In Deutschland gibt es nur noch 0,6 % Fläche, die naturbelassen ist (vgl. Scharfe, 2022, S. 2). Gleichzeitig staut sich im Sommer die Hitze zwischen Asphalt und Beton und lässt das Leben in den Städten unerträglich werden (vgl. Enwadlt & Mende, 2023, S. 1). Die Auswirkungen zeigen sich auch in der menschlichen Gesundheit, so nehmen z.B. Lungenentzündungen oder Krebs zu. Der Mensch hat vergessen, was für einen positiven Effekt die Natur auf ihn hat. Nicht umsonst wird psychisch sowie physisch kranken Menschen der Kontakt zur Natur empfohlen. Die Natur stärkt unser Immunsystem und wirkt sich positiv auf unser Wohlbefinden aus (vgl. Scharfe, 2022, S. 3).

Was braucht es, um den negativen Auswirkungen unserer Entfremdung von der Natur entgegenzuwirken?

Der japanische Pflanzensoziologe Akira Miyawaki entwickelte genau hierfür eine Idee. Die sogenannten Tiny Forests. Seine Idee ist nicht so neu, wie sie vielleicht klingt. Bereits vor ca. 50 Jahren erkannte er mit seinen Kollegen den Wert der kleinen Wälder (vgl. Enwadlt & Mende, 2023, S. 1). Was genau muss man sich unter einem Tiny Forest vorstellen? Das offensichtlichste Merkmal eines Tiny Forest ist wohl seine Größe. Ein Tiny Forest entsteht bereits auf gerade einmal 100 - 200 Quadratmetern Fläche. Der Boden auf dieser Fläche wird genaustens untersucht. Anhand der Untersuchungsergebnisse wird versucht, den Boden hinsichtlich seiner „Korngrößenverteilung, [seines] ph-Wert[s] und Humusanteil[s]“ (Steingässer & Scharfe, 2020, S. 1) zu optimieren, um somit die perfekten Bedingungen für den kleinen Wald zu schaffen. Die Bepflanzung erfolgt schließlich mit heimischen Bäumen und Sträuchern, die eine möglichst große Diversität mit sich bringen. Auf einem Quadratmeter finden sich so etwa drei Pflanzen (vgl. Steingässer & Scharfe, 2020, S. 1).

Die haben ja gar keinen Platz?

Richtig und das ist auch gut so. Denn in diesem Fall gilt: „Konkurrenz belebt das Pflanzenwachstum“. Ein Tiny Forest wächst etwa 10-mal so schnell wie ein klassischer Wald und benötigt so gerade einmal drei Jahre, bis er sich in ein beständiges Ökosystem verwandelt hat (vgl. Steingässer & Scharfe, 2020, S. 1). Dieses beständige Ökosystem kann schließlich ein Zuhause für zahlreiche Vögel und Insekten sein. Es filtert die vielen Schadstoffe in den Städten und saugt bei Überschwemmungen eine große Menge Wasser auf (vgl. Enwadlt & Mende, 2023, S. 2). Gleichzeitig steigern Tiny Forests das Wohlbefinden der Menschen in den Städten, senken den CO2-Gehalt und sind durch ihre Größe flexibel einsetzbar. Sie sind „Temperatur- und Lärmpuffer“ (Steingässer & Scharfe, 2020, S. 2). Ein Tiny Forest dient keinen ökonomischen Zwecken. Die Natur soll an diesen Flecken einfach nur existieren dürfen (vgl. Steingässer & Scharfe, 2020, S. 2).

Tiny Forest als pädagogisches Projekt

Neben den zahlreichen positiven Effekten, die der Tiny Forest auf die menschliche Gesundheit hat, ist er eine Methode, um dem Menschen die Natur wieder näherzubringen. So wird er derzeit für Bildung für nachhaltige Entwicklung eingesetzt. Kinder haben die Möglichkeit, die Entstehung eines Waldes hautnah mitzuerleben sowie die Vielfalt an Tieren und Insekten, die dort wohnen, kennenzulernen (vgl. Scharfe, 2022, S. 3).

Wo findet man Tiny Forests?

2020 entstand einer der ersten Tiny Forests in der Uckermark auf einer Fläche von ca. 800 Quadratmetern. Mittlerweile findet man Tiny Forests aber auch in Herford oder im niederländischen Utrecht (vgl. Scharfe, 2022, S. 3). Auch die Tiny Group aus Waiblingen hat sich zum Ziel gesetzt, die kleinen Wälder populärer zu machen. Sie zeigen u.a. Firmen auf, welchen Nutzen Tiny Forests haben. Gleichzeitig sieht sich die Tiny Group auch als Vermittler zwischen Wirtschaft und Kommunen, wenn es beispielsweise um die Umsetzung von Tiny Forests an Flächen wie dem Marienplatz in Stuttgart geht, der im Sommer extrem heiß wird (vgl. Kölbl, 2023, S. 1).

Fazit

Natürlich muss man realistisch bleiben. Tiny Forests retten uns nicht vor dem Klimawandel. Denn sie setzen lediglich an einem der vielen Probleme an, die der Klimawandel mit sich bringt. Kritiker befürchten zudem, dass die kleinen Wälder womöglich keine lange Lebensdauer aufweisen (vgl. Kölbl, 2023, S. 1). Dennoch setzt der Ansatz an einer wichtigen Stelle an: Er bringt Mensch und Natur einander wieder näher. Denn ohne das Verständnis, wie wichtig die Natur für den Menschen ist, wird es schwer sein, die Menschheit davon zu überzeugen, dass diese schützenwert ist.

Quellen:

Montag, 8. Mai 2023

Gemeinwohl-Ökonomie

Das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) ist "ein innovatives, nachhaltiges Wirtschaftsmodell mit dem Ziel einer ethischen Wirtschaftskultur" (GWÖ Deutschland). Es soll eine "Alternative zum gegenwärtigen Wirtschaftsverständnis" darstellen (vgl. ebd.). Das Konzept beinhaltet zwei zentrale Pfeiler: Zum einen die Gemeinwohlbilanz, welche in Form einer Graswurzelbewegung funktioniert, und zum anderen Ideen und Ziele eines gesamtgesellschaftlichen Umbaus.

Graswurzelbewegung: Jede Firma, Gemeinde etc. kann eine Gemeinwohlbilanz erstellen. Es handelt sich um ein niederschwelliges Angebot, bei dem jeder leicht mitmachen kann. In einem Gemeinwohl-Bericht werden die Werte Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitentscheidung in Bezug auf Mitarbeitende, Zulieferer, Kund*innen und Eigentümer*innen bewertet (vgl. Matrix-Entwicklungsteam Hg. 2017: 8). Die Gemeinwohlbilanz wird kostenpflichtig von unabhängigen Prüfern zertifiziert. Anschließend wird die Firma im Ranking gelistet und kann sich in den folgenden Jahren darum bemühen, aufzusteigen. Ein aktuelles Beispiel einer Gemeinwohl-Bilanzierung anhand des Forsts Baden-Württemberg: https://germany.ecogood.org/forst-baden-wuerttemberg-als-oeffentliches-pionier-unternehmen-der-gwoe-erneut-bilanziert/ 

Ideen und Ziele des gesamtgesellschaftlichen Umbaus: Die Gemeinwohlbilanz wird in das Grundgesetz übernommen. Finanziell riskante Projekte mit potentiell hohem Mehrwert für die Gesellschaft werden leichter umsetzbar. Der Finanzgewinn ist nur Mittel zum Zweck. Die Schaffung einer neuen Bürgerbank, die Kredite vergibt, wird angestrebt. Natur kann nicht zum Privateigentum werden. Land kann nicht gekauft, nur gepachtet werden. Ein Freijahr jedes 10. Berufsjahr steht jedem Arbeitnehmer zur Verfügung. Eine Vollerwerbszeit von 20-30 Stunden pro Woche wird angestrebt. Der Mindestlohn soll deutlich erhöht werden. Es werden empathische, soziale Führungspersönlichkeiten benötigt und ausgebildet. Förderung von mehr direkter und partizipativer Demokratie. Zusätzliche Fächer in der schulischen Bildung: Gefühlskunde, Wertekunde Naturerfahrungskunde, Demokratiekunde, Kommunikationskunde.

Quellen:

Dienstag, 2. Mai 2023

STADTRADELN - Nimm das Rad und lass dein Auto stehen!

An sich handelt es sich hierbei nicht um neue Erkenntnisse. Wer mit dem Fahrrad fährt und sein Auto stehen lässt, tut der Umwelt (und sich selbst) etwas Gutes. Trotzdem sind die Straßen in den Städten regelmäßig verstopft und es dauert oft lange, um im Dschungel der roten Ampeln ans Ziel zu kommen. Wissen über die Vorteile des Radfahrens besteht bereits seit langer Zeit, allerdings lassen die Rahmenbedingungen oft zu wünschen übrig. Damit ist gemeint, dass Radwege teilweise im Nichts enden oder gar nicht vorhanden sind. Oft sind Übergänge unübersichtlich gestaltet und die Radwege voller Schlaglöcher und anderer Gefahren. Vorbeirauschende Autos und LKW sorgen regelmäßig für gefährliche Situationen, genauso wie Radwege, die gleichermaßen als Fußgängerwege ausgeschrieben sind. Nicht selten kommt es zu Konflikten zwischen Radfahrenden, Fußgängerinnen und Fußgängern und den Autofahrenden.

Dies sind nur einige Beispiele, die mir selbst als regelmäßiger Radfahrer eingefallen sind. Da ich selbst betroffen bin, möchte ich heute ein Projekt vorstellen, welches genau diesen Problemen (und mehr) auf den Grund gehen will. Dabei steht die vom Klimawandel bedrohte Umwelt im Vordergrund. Nur wenn Radfahren für alle Menschen attraktiver wird, kann damit ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

STADTRADELN – radeln für ein gutes Klima „ist ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, 21 Tage lang möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückzulegen. Dabei ist es egal, ob man bereits jeden Tag fährt oder bisher eher selten mit dem Rad unterwegs ist. Jeder Kilometer zählt – erst recht wenn man ihn sonst mit dem Auto zurückgelegt hätte“ (STADTRADELN - Darum geht es!).

Aber worum geht es genau? Anstatt die Menschen über die Vorteile des Radfahrens aufzuklären, sollen diese am eigenen Körper erfahrbar gemacht werden. Deshalb sollen so viele Personen wie möglich für 21 Tage auf das Fahrrad umsteigen. Die Ergebnisse der Aktion sollen aufzeigen, wie viele Menschen bereits mit dem Fahrrad unterwegs sind und dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Damit aber noch mehr Menschen dauerhaft vom Auto aufs Rad umsteigen, braucht es eine angemessene Radinfrastruktur, auf der sie schnell und sicher ans Ziel kommen. Um dieses Ziel erreichen zu können, werden Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker einbezogen. Diese sind die Befähigten und Entscheidungstragenden, wenn es um die passende Radinfrastruktur und damit verbunden den praktischen Klimaschutz vor Ort geht.

Die Aktion lädt dazu ein, selbst die Perspektive der Radfahrenden einzunehmen und Vorteile sowie Probleme am eigenen Leib zu erfahren. So lernen die Verantwortlichen, wo die Kommune bereits fahrradfreundlich ist und an welchen Stellen Nachbesserungsbedarf besteht. Um die Arbeit der Kommunalverwaltung zusätzlich verbessern zu können, wurde eine Bürgerbeteiligungsplattform (RADar!) ins Leben gerufen, um auf das Wissen und die Meinungen der Bürgerinnen und Bürger zurückgreifen zu können.

Die Radfahrenden melden der Verwaltung Schlaglöcher, plötzlich endende Radwege oder unübersichtliche Verkehrsführungen und können diese direkt in einen digitalen Stadtplan eintragen. Durch die „STADTRADELN-App“ kann die Radverkehrsplanung vor Ort zusätzlich profitieren. Die anonym getrackten Strecken werden an der Technischen Universität in Dresden ausgewertet, aufbereitet und anschließend den betroffenen Kommunen und deren Verantwortlichen zur Verfügung gestellt, wie beispielsweise Geschwindigkeit, Radverkehrsfluss, Nadelöhr (vgl. ebd.).

Hintergrund der Aktion ist, dass das Auto lange Zeit die dominierende Kategorie im Bereich Mobilität war. Um Abgase zu vermeiden und damit verkehrsbedingte Umweltschäden zu reduzieren, muss sich dieses Verständnis schnell ändern. Eine willkommene Alternative ist dabei das Fahrrad. Die Verkehrswende muss zunächst im Kopf beginnen, um das Thema Radverkehr im öffentlichen Diskurs präsenter zu machen. STADTRADELN nimmt die Kommunen dabei in die Verantwortung und sorgt für überregionale und lokale Kommunikationsanlässe (vgl. ebd.).

Die zentralen Ziele sind die Vermeidung von Kohlendioxid-Emissionen sowie die Förderung des Radverkehrs. Laut dem Umweltbundesamt entstehen über 20% der klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland im Verkehr (vgl. Umweltbundesamt, 2021).

„Im Jahr 2020 verursachten PKW und Motorräder 61% der Kohlendioxid-Emissionen im EU-weiten Straßenverkehr“ (Statistisches Bundesamt 2022).

Nach Hochrechnungen des Umweltbundesamt können durch Radverkehr und Fußverkehr rund 140g Treibhaus-Emissionen pro Personenkilometer im Vergleich zum PKW eingespart werden. Ein zusätzlicher Vorteil entsteht dadurch, dass gesundheitsschädigende Luftschadstoffe durch mehr Radverkehr verringert werden können (vgl. Umweltbundesamt 2021). Somit profitiert die Gesundheit der Bevölkerung gleich doppelt – mehr Bewegung und bessere Luft.

Dazu kommt, dass „in deutschen Großstädten 40-50% der Autofahrten über Strecken von weniger als fünf Kilometer Länge führen. Entfernungen, die auch gut mit dem Fahrrad zu bewältigen sind. Insgesamt könnten Schätzungen zufolge rund 30% der PKW-Fahrten in Ballungsgebieten durch Radverkehr ersetzt werden“ (Umweltbundesamt, 2021). 

Das „Bundesministerium für Digitales und Verkehr“ hat in einer Umfrage 2021 herausgefunden, dass zwischen 53% und 62% der Befragten der Meinung sind, dass die Politik im Ausbau von Fahrradwegen Nachholbedarf habe. Eine weitere Mehrheit spricht sich zudem für eine bessere Trennung von Radverkehr und PKW-Verkehr aus (vgl. BMDV, 2021). So kann nicht zuletzt Verkehrsfläche eingespart werden, womit weniger Böden versiegelt werden müssen.

Quellen:

Montag, 1. Mai 2023

Wie Krisen das Konsumverhalten beeinflussen

Man kann davon ausgehen, dass seit 2020 vieles anders geworden ist. Die Bevölkerung musste sich erstmals mit Themen beschäftigen, die vor allem für die jüngere Generation fremd waren. Wie beispielsweise eine Pandemie, welche die ganze Welt beängstigte und viele neue Regelungen zur Folge hatte. Dann gewann der Begriff „Inflation“ an Aktualität. Für viele war dieser Begriff schon in Vergessenheit geraten. Schließlich begann im Februar 2022 der Ukraine-Russland Krieg, der ganz Europa in Angst versetzte. Wie belastend diese Herausforderungen sind, kann man nicht nur an psychischen Beschwerden sehen, sondern beispielsweise auch am Konsumverhalten der Bevölkerung.[1] 

Bei der Corona-Pandemie haben vor allem Faktoren wie die Inzidenzzahl, die „Wellen“ der Krankheit, aber auch die verschiedenen Regelungen ihren Abdruck hinterlassen. Eine hohe Inzidenzzahl schreckte den Konsumenten, einkaufen zu gehen. Bestärkt mit beispielsweise der 2G-Regel, die für einen Zeitraum gültig war, resultierte daraus ein eher zurückhaltendes Konsumverhalten.[2] 

Zusätzlich kam es zu einem allgemeinen Preisanstieg von Waren und Dienstleistungen, also Inflation. Dies färbt ebenfalls auf das Kaufverhalten des Konsumenten ab. Denn dieser zögert logischerweise, Geld auszugeben. Dadurch spart der Konsument und verzichtet eher auf spontane Einkäufe bzw. auf das Konsumieren.[3] 

Schließlich herrscht in der Ukraine seit Februar 2022 Krieg. Der Angriff durch Russland beeinflusste ebenfalls das alltägliche Leben in Deutschland. Viele Bürger fürchteten sich vor einem militärischen Angriff durch Putin. Zudem verursachte der Krieg Lieferkettenprobleme und Preissteigerungen in Deutschland, sodass die Konsumenten ebenfalls einen Verzicht bei Konsumgütern vornahmen.[4] 

Zusammenfassend sieht man, wie verschiedene Krisen, die aufeinanderfolgend über mehrere Jahre den Menschen in großem Maße beeinflussen, Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Solche Krisen erzeugen eine pessimistische und depressive Stimmung bei den Konsumenten und bremsen das Kaufverhalten. Die Unternehmen spüren diese negative Stimmung durch ein zurückhaltendes Konsumverhalten. Denn eine Konsumgesellschaft ist davon gekennzeichnet, dass der Verbrauch von Dienstleistungen und Produkten durch den Konsumenten stattfindet.

Fußnoten

  • [1] Vgl. Radvilas, Heidi (2023): Die Stimmung bleibt gedämpft (Tagesschau vom 29.03.2023), siehe unter: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/gfk-konsumklimaindex-127.html
  • [2] Vgl. Anonym (2021): Pandemie und Inflation schwächen Konsumklima (Growth from Knowledge), siehe unter: https://www.gfk.com/de/presse/Pandemie-und-Inflation-schwaechen-Konsumklima
  • [3] Vgl. Wiederwald, Rupert (2022): Privater Konsum: Fehlanzeige (Tagesschau vom 04.08.2022), siehe unter: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/konsumlaune-verbraucher-101.html
  • [4] Vgl. Anonym (2022): Ukraine-Krieg wirkt sich auf das Konsumverhalten aus (Markenartikel vom 30.03.2023), https://www.markenartikel-magazin.de/_rubric/detail.php?rubric=handel-e-commerce&nr=47562

Sonntag, 30. April 2023

Biomethan: Eine Alternative zu Erdgas

Erneuerbare Energien wie beispielsweise Wind- und Sonnenenergie sowie Wasserkraft können einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. Doch wie sieht es mit Biomasse aus? Welche Rolle die Nutzung von Biomasse bei der Produktion von erneuerbarer Energie spielt, soll im Folgenden erläutert werden.

Biogasanlagen sind ein Beispiel für einen biologisch hergestellten Erdgasersatz. Diese wandeln Biomasse in eine Energieform um. Hierbei werden biologische Rohstoffe aus Privathaushalten und Landwirtschaft wie beispielsweise Abfall, Mist oder Gülle in einen versiegelten Behälter, den sogenannten Fermenter, gefüllt. Diese Masse wird von Mikroorganismen und Bakterien zersetzt und erzeugt biologischen Dünger und Biogas.

Dieses Biogas wird auf zwei Wegen verwertet. Zum einen wird Biogas in Blockheizkraftwerken in Strom umgewandelt. Zum anderen wird das in der Fermentation entstandene Rohbiogas veredelt. Biogas enthält Methan, Kohlenstoff, Wasserstoff, Ammoniak, Schwefelwasserstoff sowie andere Gase. Um Schäden an den Anlagen zu verhindern und gereinigtes Methan zu erzeugen, ist das Verfahren der Entschwefelung, Trocknung sowie Ausscheidung von Kohlendioxid notwendig. Nun kann Biomethan in das bestehende Gasnetz eingespeist und als Alternative zu Erdgas genutzt werden.

Die Vorteile von Biomethan sind vielfältig. Es kann unter anderem die Treibhausgasemissionen und Abhängigkeit von ausländischem Öl verringern. Da Biomasse reichlich vorhanden ist, stellt Bioenergie eine zuverlässige, nachhaltige und erneuerbare Energiequelle dar. Die Produktion von Biomethan kann damit zur Abfallvermeidung beitragen, indem organisches Material verwendet wird, das andernfalls weggeworfen werden würde. Es kann zur Stromversorgung, zum Heizen oder im Verkehr eingesetzt werden.

Weiterführende Links und Quellen

Samstag, 29. April 2023

Verfügbare Titel zum Thema Klimakrise bei der bpb

Zum Themenbereich Klima/Ressourcen/Umwelt sind bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) im Moment folgende Bücher bestellbar: 

  • Über Leben und Natur - Es geht nicht ohne sie: Biologische Vielfalt ist entscheidend für das Überleben von Mensch und Natur. Das Buch erklärt, warum das so ist und was für den Erhalt biologischer Vielfalt zu tun ist.
  • Klimaschutz: Wissen und Handeln - Zwischen dem Wissen über Ursachen, Folgen und geeignete Strategien zur Eindämmung der Klimakrise einerseits und der Umsetzung in Handeln andererseits klafft eine große Lücke. 
  • Im Strudel - Unser Verhältnis zur Umwelt ist ambivalent. Frank Uekötter entwirft eine Umweltgeschichte, die die vielen Facetten in den Blick nimmt. 
  • In Zukunft hitzefrei? - Der Klimawandel ist in aller Munde – doch selten wird genauer nachgefragt: Was hat er mit der Sonne, mit Kohlenstoff und der Erdatmosphäre zu tun? Warum erwärmt sich die Erde so stark...
  • Mehr aus weniger - Geht das denn überhaupt? Mehr Wachstum und Wohlstand für alle Menschen, trotz geringeren Ressourceneinsatzes? Der Wirtschaftswissenschaftler Andrew McAfee ist überzeugt, dass eine kluge Kombination...
  • Heißzeit - Kaum eine Erdregion, in der nicht inzwischen die Folgen des menschengemachten Klimawandels zu spüren sind. Mojib Latif erläutert unmissverständlich dessen Ursachen und Folgen und wendet sich gegen...
  • Der Boden - Unter uns: Die meisten Menschen verspüren wenig Anlass, über die Welt unterhalb ihrer Schuhsohlen nachzudenken. Dabei gibt es gute Gründe dafür. Peter Laufmann zeigt, was intakte Böden ausmacht...
  • Zieht euch warm an, es wird heiß! - Der Klimawandel mit seinen vielen bedrohlichen Folgen geht vom Menschen aus. Daher drängt uns die Wissenschaft zum notwendigen Gegensteuern, doch immer noch zu vielen Menschen scheint das...
  • Land unter im Paradies - Der Klimawandel hat viele Auswirkungen - viele davon sind in anderen Weltgegenden noch dramatischer als hierzulande. Wie sehen diese konkret aus? Wie steht es um das Bewusstsein für die Problematik...
  • Plastik - Plastik: unverzichtbar, unvernichtbar oder beides? Ein Stoff, der einst wegen seiner Nützlichkeit und Vielseitigkeit den Siegeszug durch unseren Alltag antrat, bereitet heute weltweit große...
  • Das Klimabuch - Niemand kann mehr ernsthaft den Klimawandel leugnen. Was passiert konkret? Welche Faktoren sind beteiligt? Wie wirken sich die Veränderungen weltweit aus? Was können Einzelne oder viele bewirken?
  • Die Erde rechnet ab - Der Klimawandel ist ein Faktum, dessen Auswirkungen kaum mehr zu übersehen sind: Starkregen und Dürren, Waldschäden, Ernteausfälle, extreme Hitze.
  • Das Tier und der Nutzen - Nutztierhaltung ist zunehmend breiter öffentlicher Kritik ausgesetzt, die sich vor allem auf die damit verbundene ökologische Belastung und das eingeschränkte Wohlbefinden der Tiere bezieht. 
  • Ewigkeitslasten - Kann man radioaktive Abfälle "endlagern"? Gibt es technisch verlässliche, sozial und politisch vermittelbare Lagerstätten für den atomaren Müll, der nach jahrzehntelanger Nutzung der Atomkraft...
  • Das Verstummen der Natur - Es ist weithin still geworden. Insbesondere Vögel und Insekten leiden darunter, dass ihre Lebensgrundlagen und Futterpflanzen Raubbau, Gleichgültigkeit oder Unkenntnis zum Opfer fallen. 
  • Leute machen Kleider - Woher stammen die Kleidungsstücke, die wir tragen? Wer produziert sie und wo? Welchen Arbeitsbedingungen sind die Menschen in der Kleidungsindustrie unterworfen? Und welche ökologischen und sozialen...
  • Wasser - Wasser ist lebenswichtig. Doch während es die einen verschwenden (können), haben andere zu wenig, zu schlechtes oder gar kein Wasser zur Verfügung. Wasserkrisen verschärfen sich zudem durch den...
  • Klimapolitik - Veränderungen des globalen Klimas sind unübersehbar. Doch vielfach wird hoch kontrovers über Ursachen, Ausmaß und Folgen gestritten. Die Autoren bieten einen Problemaufriss, diskutieren…
  • Das Ozeanbuch - Verschmutzung und Überfischung sind nur die offenkundigsten Bedrohungen unserer Weltmeere. Der Klimawandel hat spürbar Einfluss auf Temperaturen, Strömung und Wasserqualität der Meere. 
  • Das Ende der Natur - Artensterben? Vor unserer Haustür? Vögel, Insekten, Amphibien, Wildkräuter und deren Lebensräume sind, so Susanne Dohrn, massiv bedroht durch eine agroindustrielle Landwirtschaft, in der alles dem...
  • Ökoroutine - Gewohnheiten sind erst Spinnweben, dann Drähte, sagt ein Sprichwort. Eingefahrene Verhaltensweisen bremsen die Hinwendung zu einer ressourcenschonenderen (Land)Wirtschaft, Mobilität oder...
  • Magnet Stadt - Die Städte des Globalen Südens ächzen unter dem Zustrom von Menschen, deren Lebensgrundlagen durch Entrechtung, Katastrophen oder Kriege verloren gingen und die ihr Überleben in urbanen Räumen...
  • Global Gardening - Bioökonomie? Klingt gut, aber wie ist das Verhältnis zwischen Bio und Ökonomie dabei? Bedeutet der Begriff Wirtschaften im Einklang mit den Ressourcen der Erde? Oder tarnt sich hier weiterer...
  • Deutschland in Grün - Umwelt und Umweltschutz – zwei viel zitierte Begriffe. Wie steht es um beides in Deutschland? Welche Akteure setzen sich für welche Ziele ein? Welche Initiativen hatten Erfolg und warum?
  • Endspiel - Eine Welt ohne Regenwälder ist dem Untergang geweiht. Doch wie steht es um sie? Rodung, Zerschneidung und viele andere negative Einflüsse setzen ihnen zu. Claude Martin analysiert in seinem ebenso...
  • Schlussbericht der Enquete-Kommission - Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" hat ihren Schlussbericht vorgelegt. Unter anderem schlägt sie einen neuen Begriff von Wohlstand und eine neue... 
  • Wasser - Ohne Wasser ist kein Leben möglich. Im Überfluss ist es ebenso zerstörerisch wie bei Mangel. Und Wasser spaltet: in Arme und Reiche, in Verschwender und Sparsame, in Zerstörer und Bewahrer.

Freitag, 21. April 2023

Sharing Economy - Zwischen Gemeinwohlorientierung und Dumping-Hölle

Geshared werden kann heute so einiges. Seien es Fahrräder, Autos, Kleider oder Wohnungen, es haben sich mittlerweile ganze Märkte entwickelt, in denen Menschen ihre Güter miteinander teilen. Für die große Beliebtheit der Sharing Economy sind nach Reinhard Loske vor allem zwei Entwicklungen verantwortlich. Die Erkenntnis, dass man Dinge nicht unbedingt als Eigentum benötigt, um sie zu nutzen, und die weitreichenden Vorteile des Internets, die den Austausch zwischen Menschen erleichtern.

Doch was auf den ersten Blick wie eine gute Entwicklung aussieht, kann auch zu einem Problem werden. Die Sharing Economy birgt die Gefahr einer Dumping-Hölle, in der es nur noch darauf ankommt, mit möglichst niedrigen Preisen Profit zu machen. Unter anderem Betreiber von mittelständischen Hotels sehen sich durch diese Entwicklung bedroht, da sie mit den Preisen von Home-Sharing-Angeboten nicht mehr mithalten können. Auch für die Nutzer von Sharing-Angeboten können Gefahren entstehen, z.B. durch fehlenden Versicherungsschutz oder Datenmissbrauch (vgl. Loske, 2015, S. 295 f.).

An dieser Stelle ist es wichtig zu differenzieren, und zwar zwischen gemeinwohlorientiertem (Mitfahrzentralen oder Kleidertauschpartys) und gewinnorientiertem Sharing (z.B. kommerzielle Buchungsplattformen für Schlafplätze). Denn das Teilen von Gütern und die Erkenntnis, dass es nicht nötig ist, immer alles neu zu kaufen, kann ein wichtiger Schritt sein, um unserer Konsumgesellschaft entgegenzuwirken. Dazu ist es notwendig, Gestaltungs- und Regulierungsregime zu schaffen, die Gemeinwohlorientierung, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfairness sicherstellen (vgl. Loske, 2015, S. 298) und dennoch nicht zu Tode regulieren.

Literatur

Loske, Reinhard (2015): Sharing Economy: Gutes Teilen, schlechtes Teilen? In: Blätter für deutsche und internationale Politik (Hg.). Mehr geht nicht! Der Postwachstums-Reader, Berlin, Blätter Verlagsgesellschaft mbH, S. 295-304.

Mittwoch, 19. April 2023

Definition des Begriffs "Nachhaltigkeit"

Der Begriff ‚Nachhaltigkeit‘ bezog sich zunächst vornehmlich auf physische Konzepte, bei denen es um den Erhalt und den Schutz eines vorhanden ‚Landschaftsbilds‘ ging (vgl. Schulte-Tickmann 2023, S.11ff). Die Wurzeln des Nachhaltigkeitsbegriffs lassen sich dabei auf Carl von Carlowitz zurückführen, einen Oberberghauptmann aus Freiberg im 17. Jahrhundert. Carlowitz betonte, dass in einem Wald nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie sich innerhalb einer bestimmten Zeit auf natürliche Weise wieder regenerieren konnte. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer „klugen Art der Waldbewirtschaftung" (Hans Carl von Carlowitz & Joachim Hamberger 2013, S. 87) und "einer beständigen und nachhaltigen Nutzung des Waldes" (ebd. S. 105). Das Prinzip der Nachhaltigkeit sollte somit sicherstellen, dass ein regeneratives, natürliches System in seinen wesentlichen Eigenschaften dauerhaft erhalten bleibt (Pufé 2014, S. 3). Auf dieser Grundlage wurde das Verständnis von Nachhaltigkeit als ressourcenökonomisches Prinzip geprägt.

Die heutzutage am weitesten verbreitete Definition von Nachhaltigkeit stammt aus dem Brundtland-Bericht von 1987. In diesem Bericht wurde festgelegt, dass "nachhaltige Entwicklung die Entwicklung ist, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Fähigkeit künftiger Generationen zu beeinträchtigen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen" (zit. nach Pufé 2014, S. 3).

Aus dieser Definition heraus wurden in der Folge Verhaltensregen abgeleitet, die Menschen im Sinne der Nachhaltigkeit berücksichtigen sollen. Diese besagen, dass eine nachhaltige Lebensweise die Bedürfnisse sowohl der heutigen als auch der zukünftigen Generationen berücksichtigt, wodurch intergenerationelle Gerechtigkeit gewährleistet wird (Schulte-Tickmann 2023, S.13). Zudem hat die Priorisierung der Bedürfnisse der ärmsten Bevölkerungsschichten der Welt und die Bekämpfung der Armut einen hohen Stellenwert, um intragenerationelle Gerechtigkeit zu erreichen (ebd.). Der Erhalt der Umwelt und ihrer grundlegenden Funktionen ist zudem ein wichtiger Grundsatz, der die Integration der Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik erfordert. Ziel ist es demnach sicherzustellen, dass kommende Generationen nicht weniger Zugang zu Ressourcen und Nahrung haben als wir heute, und dass sie ein gesundes, sicheres, freies und soziales Leben führen können (bpb 2021, S. 154).

Um zu beschreiben, was nötig ist, damit die Ziele erreicht werden können, hat sich das Drei-Säulen-Modell zur Beschreibung der Nachhaltigkeitsdimensionen entwickelt. Es besagt, dass Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichberechtigt für Nachhaltigkeit stehen (Pufé 2014, S. 6). Die ökologische Dimension bezieht sich auf den Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen, die soziale Dimension auf die Förderung von sozialer Gerechtigkeit und die Wahrung von Menschenrechten und schließlich die ökonomische Dimension auf die Schaffung von Wohlstand und das Management von Ressourcen (vgl. Leipold & Scheumann, 2019). Um dem Geist und Prinzip der Nachhaltigkeit gerecht zu werden, müssen alle drei Dimensionen zusammengeführt, verbunden und integriert werden. Dies ist auch das Ziel aller Nachhaltigkeitsmodelle, um wiederherzustellen, was in der Natur immer verbunden war, aber in der Wirtschaft getrennt betrachtet wird.

Literatur

  • Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (2021). Einfach Politik: Lexikon A-Z. bpb.
  • Carlowitz, H. C. von / Hamberger, J. (Hrsg.). (2013). Sylvicultura oeconomica oder Haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht. München: Bayerischer Landwirtschaftsverlag. (Originalarbeit veröffentlicht 1713).
  • Pufé, I. (2014). Was ist Nachhaltigkeit? Dimensionen und Chancen. Aus Politik und Zeitgeschichte, 64(29-30), 3-9.
  • Schulte-Tickmann, D. (2023). Was ist Nachhaltigkeit? Naturphilosophische Reflexion auf einen vielfältig verwendeten Begriff. Marburg: Tectum Wissenschaftsverlag.