Mittwoch, 19. April 2023

Der Europäische Emissionshandel

Im Jahr 2005 einigte sich die EU auf eine gemeinsame Methode, um die Klimaschutzziele zu erreichen: den europäischen Emissionshandel. Damit ist ein internationaler Markt gemeint, an dem mithilfe von sogenannten Klimazertifikaten Kohlendioxid-Verschmutzungsrechte gehandelt werden. Auf Englisch heißt dieses System Emission Trading System (ETS). Wie funktioniert der Europäische Emissionshandel?

Der Grundgedanke ist, dass Fabriken und Kraftwerke der energieintensiven Industrie Verschmutzungsrechte verliehen bekommen. Diese Obergrenze wird Cap genannt und legt fest, wie viele Treibhausgas-Emissionen die Anlagen ausstoßen dürfen. Wenn sie die Obergrenze nicht erreichen, können sie die übrigen Berechtigungen auf dem Markt verkaufen. Somit entsteht ein Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen, und Fabriken und Kraftwerke mit geringen Emissionen werden finanziell belohnt.

Mit der Zeit werden die Zertifikate, die an die Firmen vergeben werden, reduziert, um einen Anreiz zu schaffen, auf Produktionen umzustellen, die geringere Emissionen verursachen. Die EU zählt zu den größten Verursacher von Treibhausgasen und sieht sich als „international treibende Kraft einer globalen Klimapolitik“.

Mit dem Handel von Klimazertifikaten ist eine politische Maßnahme entstanden, die an die kapitalistische Gesellschaftsform angepasst ist und die kapitalistischen Denk- und Verhaltensweisen nutzt, um das Klima zu schützen. Das ETS ist seit 2005 das zentrale Klimaschutzinstrument der EU. 2023 nehmen neben den EU-Mitgliedstaaten auch Norwegen, Island und Lichtenstein am ETS teil und das System ist außerdem mit dem Emmisionshandelsystem der Schweiz verlinkt.

Das ETS soll dadurch wirksam sein, dass der Geltungsbereich sukzessive erweitert und die Anzahl der Berechtigungen reduziert wird. Eine Berechtigung berechtigt zum Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid-Äquivalent (CO2-Äq). Ende 2021 lag der Preis bei etwa 80 Euro pro Berechtigung. Für die dritte Handelsperiode 2013-2020 wurden insgesamt 15,6 Milliarden Emissionsberechtigungen verteilt. Jedes Jahr wurde die Menge der vergebenen Berechtigungen um etwa 2,2 %, also ca. 38 Millionen reduziert.

Seit dieser dritten Handeslperiode nimmt nicht nur der Luftverkehr und Energieanlagen am ETS teil. Seitdem müssen auch Anlagen zur Metallverarbeitung, Herstellung von Aluminium, Adipin- und Salpetersäure, Ammoniak und andere Anlagen der chemischen Industrie Emissionsberechtigungen erhalten und abgeben. Weiterhin gilt seit der dritten Handelsperiode die Berichts- und Abgabepflicht nicht mehr nur für Kohlendioxid, sondern es wurde auf weitere Emissionen erweitert. In der vierten Handelsperiode, in welcher wir uns heute befinden, wird die Obergrenze an Zertifikaten noch schneller abgesenkt als in der Periode 2013-2020, um den Emissionsausstoß noch weiter zu reduzieren.

Das ETS ist wirksam, doch der Weg zum Erreichen der Ziele ist noch weit. Seit der Einführung des ETS in der EU lassen sich Erfolge verzeichnen. Von 2005 bis 2021 sind die Emissionen europaweit um ca. 36% gesunken. Es zeigt sich, dass die Emissionen in der EU mit Ausnahme des Jahres 2008 stets deutlich unter der Obergrenze lagen. Da das Klimaschutzziel aber ist, dass die Emissionen bis 2030 um 62 Prozent gesenkt werden, ist noch einiges zu tun.

2024 und 2026 wird deshalb die Vergabe der Berechtigungen um 90 Millionen und 27 Millionen verringert. Außerdem werden jährlich 4,3%, bzw 4,4% weniger Zertifikate vergeben. Damit sinkt die Anzahl der Zertifikate schneller als in den Jahren zuvor. Außerdem wird das ETS auf die Schifffahrt ausgeweitet. Des Weiteren wird bis 2027 oder 2028 ein neues System, das ETS II, eingeführt werden, das die CO2-Emissionen im Straßenverkehr und von Gebäuden reguliert.

Das ETS unterstützt grüne Industrien. Während die Menge an Zertifikaten, die an die energieintensiven Indistrien vergeben werden, Schritt für Schritt verringert wird, werden immer mehr Zertifikate an den Innovationsfond und den Modernisierungsfond vergeben, und EU-Länder mit geringem Einkommen werden ebenfalls mit Zertifikaten unterstützt. Außerdem sollen die Einnahmen aus der Versteigerung von nicht genutzten Zertifikaten für klimarelevante Aktivitäten ausgegeben werden. Für die Verbraucher bedeutet die Verringerung der Menge an Zertifikaten ein Anstieg der Kosten für Heizen, Fliegen und weitere Produkte. Jedoch kann mit relativ geringen Kosten ein großer Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels geleistet werden.

Quellen

Externalisierungsgesellschaft: Postkolonial und verwerflich?

Unter Externalisierungsgesellschaft verstehen wir das Prinzip der kapitalistischen, wachstumsorientierten globalen Wirtschaftsordnung unserer Zeit, Kosten und Lasten unseres ökonomischen Handelns in andere Teile der Welt zu verlagern, anstatt diese unmittelbar an ihrem Entstehungsort zu behandeln. Doch wer externalisiert hier eigentlich und wer bekommt die negativen Folgen davon zu spüren?

Stephan Lessenich sagt: "Uns geht es gut, weil es anderen schlecht geht". Eine These wie ein Vorschlaghammer, die - sollte sie der Wahrheit entsprechen - uns vor Augen führt, dass wir in einer zutiefst ungleichen, unfairen und damit unmoralischen postkolonialen Gesellschaftsform leben, die wir aus ethischen Gründen nicht weiter aufrechterhalten dürften. Doch schauen wir uns die Situation einmal genauer an.

Zunächst springt ins Auge, dass wir bis zu einem gewissen Grad auf Kosten anderer leben. Wir exportieren unseren Müll, wir erlassen so strenge Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen, dass bestimmte Industrien schon vor Jahrzehnten in die Dritte Welt abgewandert sind. Man denke nur an die Gerbereien, die - wie auch weite Teile der Stahlindustrie und nahezu die gesamte Textilindustrie - aus den Industriestaaten nach Asien abgewandert sind. Von dort kommen immer wieder Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung. 

Aber es ist nicht alles düster. Auch andere Aspekte müssen bedacht werden. Zum Beispiel haben wir auch unsere Energiegewinnung weitestgehend externalisiert. Statt Kohle ist Öl und Gas jetzt wichtig. Auch andere Formen der Gewinnung von Rohstoffen fällt unter diese Kategorie. Viele Länder sind dadurch extrem reich geworden, sogar reicher als wir selbst.

Auch haben sich durch Externalisierung viele Länder wie z.B. China in atemberaubendem Tempo zu großen und mächtigen Industrienationen entwickelt. Vor 40 Jahren lebte noch fast die Hälfte der Menschheit in extremer Armut, heute ist das noch jeder Zehnte. Externalisierung hat also auch ihre hellen Seiten, gerade für die ehemaligen Kolonien, die unter europäischer Herrschaft gelitten haben. Sie bekommen so endlich einen Teil vom Kuchen ab. Wir sind auf sie angewiesen, was ihnen endlich ein Gewicht verleiht, das sie vorher nie hatten. 

Trotzdem haben wir großen Schaden in der Dritten Welt angerichtet, wir exportieren immer noch eschreckende Mengen Müll in Länder, in denen er nicht sachgerecht entsorgt werden kann. Wir müssen für faire Arbeitsbedingungen in diesen Ländern sorgen und für Umwelt- und Klimaschutz auf der internationalen Bühne eintreten. Kurz gesagt: die öko-soziale Marktwirtschaft mit anderen teilen.

Dienstag, 18. April 2023

Leben über die Verhältnisse anderer: Die Externalisierungsgesellschaft

„Die internationale Arbeitsteilung besteht darin, dass einige Länder sich im Gewinnen und andere im Verlieren spezialisieren.“ (Eduardo Galeano, 1973)

Stephan Lessenich (2016) bezeichnet Externalisieren als Vorgang der Verlagerung. Im politischen Kontext bedeutet dies konkret: hochindustrialisierte, wohlhabende Gesellschaften lagern unangenehme negative Effekte in weniger wohlhabende Regionen der Welt aus (ebd., S. 24). Dabei ist diese Auslagerung kein willkürliches Nebenprodukt politischer Maßnahmen hochentwickelter Nationen: sie wird viel mehr willentlich und systematisch in Folge der Konsumgesellschaft einkalkuliert, um kostengünstiges und massenhaftes Produzieren weiterhin zu ermöglichen.

Konkret: Externalisierung geht auf Kosten und zu Lasten anderer. So kann insbesondere der Globale Norden als große Externalisierungsgesellschaft bezeichnet werden. Von Niedriglohnarbeit über Müllentsorgung bis hin zur Landnutzung und Luftverschmutzung – die Auslagerung in weniger wohlhabende Regionen der Erde ist keineswegs neu, sondern geht auf die lange Historie des Wohlstandskapitalismus im Globalen Norden zurück.

Der von Lessenich als „ungleicher ökologischer Tausch“ bezeichnete Umstand regt zum Nachdenken an: All die positiven, mit vielen Annehmlichkeiten verbundenen Effekte der kapitalistischen Kolonialisierung hängen damit zusammen, dass anderen Menschen diese Annehmlichkeiten systematisch und bewusst vorenthalten werden: seinen landwirtschaftlichen Flächenbedarf exportiert Deutschland, beispielsweise zum Anbau von Soja, in Agrargesellschaften, die ihre eigenen Flächen so maßgeblich für Exportprodukte statt den Eigenbedarf nutzen (Lessenich, 2016, S. 83).

So zeigt Lessenich auf, dass „drei Viertel der jährlich 200 Millionen Tonnen weltweit geernteter Sojabohen“ als Futter für Massentierhaltung in Europa, Nordamerika und China genutzt werden (Lessenich, 2016, S. 85). Diese Zahl verdeutlicht einmal mehr, dass das „ecological footprint/ environmental degradation paradox“, also der ökologische Fußabdruck der Industrienationen, darauf aufbaut, die eigene Umweltbilanz nur augenscheinlich sauber zu halten.

Aktuelle klimapolitischen Herausforderungen zeigen, dass die Externalisierung nicht vor Effekten der Rückkoppelung schützen wird: der Trugschluss, durch Abwälzung negative, unliebsame Effekte bewusst aus dem Globalen Norden auslagern und somit „wegdenken“ zu können, wird brüchig mit der Erkenntnis: die Klimakrise wird kein Nullsummenspiel sein. Die Frage ist wohl vielmehr, wie der politischen Herausforderung begegnet werden kann, während die Externalisierungsgesellschaft längst mit selbstzerstörerischen Tendenzen begonnen hat? 

Quelle

Lessenich, S. (2016). Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

Kernelemente der Postwachstumsgesellschaft

Die Postwachstumsgesellschaft konzentriert sich auf das Schaffen einer gerechten und nachhaltigen Gesellschaft. Kernelemente der Postwachstumsgesellschaft sind folgende:

  • Degrowth: Ressourcen effizienter nutzen und gerecht verteilen, um den materiellen Konsum zu reduzieren.
  • Gemeinwohlorientierung: Die Wirtschaft soll auf dem Prinzip des Gemeinwohls basiert. Es geht darum, nicht auf Gewinnmaximierung abzuzielen. In den Mittelpunkt sollen die Bedürfnisse der Umwelt und der Menschen gestellt werden.
  • Ökologische Nachhaltigkeit: Der Schutz der natürlichen Ressourcen der Erde ist das oberste Ziel. Eine Wirtschaft soll geschaffen werden, die die Belastungen für die Umwelt minimiert.
  • Solidarität und soziale Gerechtigkeit: Die Postwachstumsgesellschaft setzt auf Zusammenarbeit. Es geht darum, eine gerechtere Verteilung von Ressourcen und Chancen zu erzielen.
  • Partizipation und Demokratie: Die Kontrolle über Ressourcen und die Wirtschaft soll wieder in die Hände der Menschen gelegt werden. Außerdem soll die Beteiligung der Menschen an politischen Entscheidungen gefördert werden.

EU-Klimaschutzpaket "Fit für 55"

Eine politische Maßnahme, die sich für den Klima- und Umweltschutz einsetzt, ist das EU-Klimaschutzpaket „Fit für 55“. Der Pakt bezieht sich grundsätzlich „auf das Ziel der EU, die Netto-Treibhausgasemission bis 2030 um mindestens 55% zu senken“ (Die Bundesregierung 2023). Es umfasst unter anderem eine Reihe von Vorschlägen, die zur Überarbeitung und Aktualisierung der EU-Rechtsvorschriften dienen soll. Des weiteren enthält es neue Anregungen für Initiativen, mit deren Hilfe sichergestellt werden soll, dass die Maßnahmen der EU im Einklang mit den Klimazielen stehen (vgl. ebd.).

Welche Maßnahmen beinhaltet das Klimaschutzpaket konkret?

Im Folgenden werde ich die wichtigsten Maßnahmen des Paketes näher vorstellen. Eine ausführliche Auflistung aller Maßnahmen ist auf der offiziellen Website des Rates der EU und des Europäischen Rates zu finden.

Energieeffizienz

Im Rahmen des Paketes „Fit für 55“ schlägt die EU-Kommission die Überarbeitung der bereits geltenden Energieeffizienz-Richtlinie vor. Hierzu ist es von Nöten, höhere Effizienzvorgaben weiterzugeben, um die EU als Ganzes zu verpflichten, ihren Endenergieverbrauch zu reduzieren. Demnach müssen die Mitgliedstaaten ihre Einsparungen von 2024 bis 2030 kontinuierlich steigern. 

„Die Einsparungen des Endenergieverbrauchs werden durchschnittlich 1,49% des jährlichen Gesamtenergieverbrauchs ausmachen und nach und nach bis Ende 2030 1,9% erreichen“ (Europäischer Rat/Rat der Europäischen Union 2023, online).

CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM)

Diese Maßnahme ist eine neue Regelung, mit welcher Anreize für Erzeuger außerhalb der EU geschaffen werden sollen, ihre Emission zu verringern. Was bedeutet das konkret? Es soll verhindert werden, dass Unternehmen mit hohen Treibhausgasemissionen ihre Produktion in Nicht-EU-Länder verlagern, deren Standards niedriger sind als in der EU. Künftig müssen Unternehmen demnach sogenannte CBAM-Zertifikate kaufen, um den Preisunterschied der günstigen Produktionskosten in einem Land außerhalb der EU auszugleichen (vgl. ebd.)

Erneuerbare Energien

Die derzeit geltende Erneuerbare-Energien-Richtline der EU muss aktualisiert werden, um das Ziel der Reduktion der Treibhausgasemission um mindestens 55% bis 2030 erreichen zu können. Erneuerbare Energien haben grundsätzlich weniger Umweltbelastungen, da sie weniger Kohlenstoff produzieren als fossile Brennstoffe. Mittels der neuen EU-Zielvorgabe wird der derzeitige Anteil an erneuerbaren Energien (22,1%) verdoppelt und erreicht demnach 40% des Gesamtenergiebedarfs. Jeder Mitgliedstaat muss zur Erreichung dieses Ziels einen Beitrag leisten (vgl. ebd.)

Energiebesteuerung

Mittels einer Energiebesteuerung ist es möglich, die genannten Klima- und Umweltziele zu erreichen. Hierbei wird sichergestellt, dass die umweltschädlichsten Kraftstoffe in Zukunft am höchsten besteuert werden. Hierzu zählen derzeit Kohle, Öl und Gas. Des weiteren würden die Steuern auf Flug- und Schiffskraftstoffe schrittweise angehoben werden (vgl. ebd.).

Quellen:

Europäischer Rat / Rat der Europäischen Union (2023): "Fit für 55", fit-for-55-the-eu-plan-for-a-green-transition (zuletzt abgerufen am 18.04.2023).

Die Bundesregierung (2023): EU-Klimaschutzpaket: Fit For 55, https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/europa/fit-for-55-eu-1942402 (zuletzt abgerufen am 18.04.2023).

Welcome to Sodom


Rund 250.000 Tonnen Elektroschrott werden Jahr für Jahr illegal nach Ghana verschifft. Klimaanlagen, Drucker, Kabel, Computer aus einer weit entfernten, digitalisierten Welt. Unser Elektrozeug, das nicht mehr funktioniert und weggeschmissen wird. Oder vielleicht doch. Aber veraltet ist es. Reparieren lohnt sich nicht. Neues muss her, Neues muss verkauft werden. Die Elektrogeräte, die wir heute kaufen, landen irgendwann vielleicht auf einer Müllhalde in Ghana. Auf Deponien für Elektroschrott ohne jegliche Struktur, geschweige denn Sicherheits- oder Gesundheitsrichtlinien, ohne einen Ansatz zum Recycling.

Eine der größten dieser Deponien weltweit befindet sich in der ghanaischen Hauptstadt Accra - die Elektroschrottmüllhalde Agbogbloshie. Rund 6000 Frauen, Kinder und Männer leben in diesem, vom Müll überfluteten Stadtteil. Vor nicht allzu langer Zeit war hier noch unberührtes Sumpfland. Heute gilt es als eines der giftigsten Gebiete der Welt.

"Sodom" nennen sie das Areal. Wie die Stadt, die nach  Erzählungen aus der Bibel und dem Koran, von Gott wegen ihrer Sündhaftigkeit zerstört wurde. Der Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“ bietet einen erschütternden Einblick in das Leben der Menschen, die versuchen, aus unserem Schrott ein bisschen Geld zum Überleben zu machen.

„Für die Europäer ist es nur Müll, aber ich kann noch ein paar Dollar damit verdienen“, sagt ein Mann in dem Film, der auf der Deponie lebt und arbeitet. Amerigo heißt er. Seine Mutter hat ihn nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten benannt. „Je mehr Müll sie uns bringen, umso besser ist das für mein Geschäft“, sagt er. „Sie sollten noch viel mehr schicken“. Was für mich zynisch klingt und mir beim Hören richtig weh tut, meint er ernst. Im giftigen Rauch verbrennenden Elektroschrotts, zwischen Ziegen, Rindern und abgemagerten Kindern im Müll nach Kupfer und Zink zu suchen, stellt für ihn die einzige Möglichkeit dar, ein bisschen Geld zu verdienen.

Jeden Morgen leiht er sich einen Wagen, den er durch die Müllberge und Rauchschwaden zieht, um neuen Elektroschrott aus Europa zu suchen. Er bezahlt für kaputte Monitore und Kabel, um an die verbauten Edelmetalle zu kommen und sie weiterzuverkaufen. Er setzt sich auf einen alten Röhrenbildschirm, bindet die Kabel zu einem großen Knoten zusammen und zündet ihn an. Indem er alles Überflüssige verbrennt, kommt er an das wertvolle Kupfer.

Von pechschwarzem Rauch umhüllt, schlägt er mit einer Metallstange auf den brennenden Kabelhaufen ein. Für ihn sei das Feuer eine gute Sache. Es helfe ihm, die Metalle vom Plastik zu trennen. „Aber das Feuer lässt meinen Körper heiß werden. Es gelangt in deinen Körper und macht dich verrückt – macht dich krank“, sagt Amerigo.

Ist alles Plastik drumherum verbrannt, gehen die Metalle die übrig bleiben wieder zurück nach Europa oder wo auch immer. Dort werden sie dann in neue Handys und Computer verbaut, die bald wieder weggeschmissen werden können. Ist das nicht Recycling? „Von dort kommt es und dorthin geht es auch wieder zurück. Und eines Tages landet es wieder bei uns“, weiß Amerigo.

Montag, 17. April 2023

Verbot von Verbrennermotoren in der EU ab 2035

Als eine Maßnahme zur Stärkung des Umweltschutzes und zur Förderung der Nachhaltigkeit im Verkehrssektor hat das Europäische Parlament am 14.03.2023 mit 340 Ja-Stimmen zu 279 Nein-Stimmen für ein Verbot von Verbrennermotoren bei Neuwagen ab dem Jahr 2035 gestimmt (Tagesschau 2023). Dabei wurden aber nicht sämtliche Verbrennermotoren aus dem Straßenverkehr verbannt. Motoren, die beim Fahren CO₂-emissionsfrei sind, können weiterhin zugelassen werden (Bundesregierung 2023). Ziel ist es, den Verkehr mit Personenkraftwagen klimaneutral zu gestalten. Sekundäres Ziel, das es zu erreichen gilt, ist die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und damit die Unabhängigkeit von vorwiegend autoritär regierter Staaten wie Saudi-Arabien oder Russland.

Diese Entscheidung basiert auf der Erkenntnis der negativen Auswirkungen von Treibhausgasemissionen auf das Klima und die Umwelt. Laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) ist der Verkehrssektor für etwa 29 % der CO₂-Emissionen in der EU verantwortlich, wobei der größte Teil, genauer gesagt ca. 60,6 Prozent, durch den Personenstraßenverkehr verursacht wird (Europäisches Parlament 2020). Im Jahr 2020 betrug der CO₂-Ausstoß im Straßenverkehr der EU insgesamt etwa 628 Millionen Tonnen CO₂ (Statistisches Bundesamt 2022).

Mit dem neuen Gesetz soll zudem die Innovationsbereitschaft der Automobilhersteller vorangetrieben werden, indem verbindliche Vorgaben beschlossen wurden, die Planungssicherheit gewährleisten. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund, dass immer mehr chinesische E-Autos auf den europäischen Markt drängen und der daraus resultierenden drohenden Verdrängung europäischer Technologien vom Markt (Tagesschau 2023). Das EU-Parlament erhofft sich durch die Entscheidung insbesondere einen Innovationsschub in der europäischen Automobilindustrie. Entsprechend hat die Entscheidung des EU-Parlaments weitreichende Auswirkungen auf die Autoindustrie und erfordert eine Umstellung auf die Produktion von Elektrofahrzeugen. Einige Autohersteller haben bereits angekündigt, ihre Produktion auf Elektroautos umzustellen, wie beispielsweise der Volkswagenkonzern, der sich das Ziel gesetzt hat, dass bis 2030 acht von zehn verkauften Autos in Europa vollelektrisch angetrieben werden (Volkswagen 2023). 

Quellen

Postwachstumsgesellschaft (Tim Jackson)

Tim Jackson ist ein britischer Wirtschaftswissenschaftler und Autor, der sich in seinem Artikel „Die Postwachstumsgesellschaft“ intensiv mit dieser beschäftigt hat. Er beschreibt in dem Artikel unter anderem die Notwendigkeit eines Wirtschaftssystem, das nicht auf ständigem Wachstum basiert. Im gleichen Zuge argumentiert er jedoch, dass innerhalb der Bevölkerung eine große Gleichgültigkeit darüber herrscht, „wie eine solche Volkswirtschaft aussehen könnte, und dass derzeit alle Institutionen und Anreize beständig in die falsche Richtung weisen“ (Jackson 2017: 181).

Jackson schlägt in diesem Zusammenhang eine „Aschenputtel-Ökonomie“ vor, die seiner Meinung nach Keime für ein ressourcenschonendes und umweltverträgliches Wirtschaftssystem beinhaltet (vgl. ebd.: 186). Lokale Unternehmen, kommunale Energieprojekte, öffentlicher Verkehr, Bauernmärkte und vieles mehr – all diese Dinge sind Teil seiner Vision und können zu einer niedrigeren CO2-Bilanz beitragen. In einer konventionellen, wachstumsbasierten Wirtschaft wäre ein solches System katastrophal, da dieses kaum zum Wachstum der Produktivität beiträgt.

„In einer Wirtschaft hingegen, die darauf ausgerichtet ist, den Menschen die Fähigkeit und die Möglichkeit zu geben, eine angemessene Arbeit zu verrichten und zu gedeihen, ist dies ein ausgesprochener Pluspunkt“ (ebd.).

Um den Weg in ein nachhaltiges Wirtschaftssystem bestreiten zu können, erarbeitete Jackson drei Maßnahmen: Zu Beginn müssen Grenzen festgesetzt werden. Die Materialverschwendung unserer Konsumgesellschaft zehrt an den natürlichen Ressourcen, weshalb es unabdingbar ist, für den Ressourcenverbrauch klare Grenzen zu setzen (vgl. ebd.: 189). Des weiteren muss das aktuelle Wirtschaftsmodell repariert werden. Hierzu ist eine neue Makroökonomie für Nachhaltigkeit von Nöten – „ein Motor der Wirtschaft, dessen Zuwachs nicht auf unerbittlich wachsendem Konsum und expandierendem Verbrauch beruht“ (vgl. ebd.). Zuletzt muss die gesellschaftliche Logik verändert werden. Hierzu müssen den Menschen Alternativen angeboten werden, die diese weg vom Lebensstil als Konsument bringen (vgl. ebd.: 189f).

Insgesamt fordert Jackson demnach eine grundlegende Umgestaltung der Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur, um eine nachhaltige Gesellschaft zu schaffen. Er betont in seinem Fazit, dass es an der Zeit ist, sich von der Idee des Wirtschaftswachstums zu verabschieden, und stattdessen eine neue Vision für die Zukunft zu schaffen (vgl. ebd.: 190).

Quelle

Jackson, T. (2017): Die Postwachstumsgesellschaft, In: Blätter für deutsche und internationale Politik (Hg.): Mehr geht nicht! Der Postwachstums-Reader. Berlin: Blätter Verlagsgesellschaft mbH, S. 181-190.

Sonntag, 16. April 2023

Eine Kritik an „Sharing Economy: Gutes Teilen, schlechtes Teilen?“ von Reinhard Loske

In „Sharing Economy: Gutes Teilen, schlechtes Teilen?“ beschreibt Loske die „Ökonomie des Teilens“ und welche Aspekte daran er befürwortet und welche er ablehnt. Unter der Ökonomie des Teilens bzw. der Sharing Economy fallen Dienste wie beispielweise „Car, Bike oder Ride Sharing, Couchsurfing oder Kleidertausch, Urban Gardening oder Food Sharing, Crowdfunding oder Office Sharing, Coworking oder freie Software“[1]. Für die Prognose der zukünftigen Entwicklung der Sharing Economy stellt er eine pessimistische und eine optimistische Perspektive dar. Dabei stellt er meiner Meinung nach eine falsche Dichotomie auf, da beide Perspektiven, so wie er sie beschreibt, eine negative Grundeinstellung zu freien Märkten haben und er damit die Selbstverständlichkeit dieser Annahme impliziert. So heißt es bei der positiven Perspektive:

„Hier wird dem Sharing-Modus, der im gesellschaftlichen Alltag an die Stelle kompetitiver Grundorientierungen treten soll, eine transformative und letztlich systemsprengende Kraft zugeschrieben. Am Horizont erscheint nichts Geringeres als das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen.“[2] 

Der Charakter der kompetitiven Grundorientierung, welcher umfangreiche gesellschaftliche und wirtschaftliche Fortschritte mit sich brachte, wird hierbei als etwas Negatives gesehen. Dabei ist diesem Prinzip zu verdanken, dass der Wohlstand ein Level erreicht hat, welches Menschen dazu bewegt, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und sich Gedanken über Klima und Umwelt zu machen. Jene wären im Bewusstsein lediglich Sekundärerscheinungen, wenn sich das Lebensniveau auf einem niedrigeren Level befände, da dabei gänzlich andere Problematiken für die Menschen von Relevanz wären. In der negativen Perspektive heißt es:

„Im sogenannten Plattformkapitalismus drohe die Erosion sozialstaatlicher Errungenschaften und eine allumfassende Entsolidarisierung der Gesellschaft – also das exakte Gegenteil dessen, was die Sharing-Optimisten voraussehen. Was wir ehedem aus Empathie und ohne ökonomisches Kalkül taten, so die Befürchtung, machen wir in Zukunft nur noch aus Berechnung und gegen Geld.“[3] 

Auch hier wird ein falscher Dualismus aus Marktwirtschaft und ökonomisch sinnvollem Denken auf einer Seite und Aspekten wie Solidarität und Empathie auf der anderen Seite erstellt. Dies suggeriert, dass die Aspekte Solidarität und Empathie in einem freiheitlichen System verschwinden würden, sofern sie nicht staatlich erzwungen werden. Loske stellt seine eigene Position daraufhin als eine Art „vernünftige Mitte“ dar, auch wenn er ebenfalls auf der markwirtschaftskritischen Grundprämisse aufbaut:

„Die politische Gestaltungsaufgabe ist meines Erachtens eine dreifache: Wo Sharing gemeinwohlorientiert organisiert ist, hat Politik die Aufgabe, es zu fördern, zu stabilisieren und auch vor feindlichen Übernahmen zu schützen. Wo Sharing eine gewinnorientierte Wirtschaftsaktivität wie jede andere ist oder wird, sind durch adäquate Regulierung Wettbewerbsfairness, Steuergerechtigkeit und die Einhaltung von Sozial-, Sicherheits- und Umweltstandards zu gewährleisten. Wo wirtschafts- und sozialpolitische Grundsatzentscheidungen getroffen werden, sollte in Zukunft systematisch mitgedacht werden, ob sie eher zur Bildung von sozialem Kapital beitragen oder eher zu dessen Erosion.“[4]

Sein Lösungsansatz hat also meiner Meinung nach eher einen ideologischen Charakter, da sich seine Kritik weniger daran orientiert, was gut für die Umwelt ist, sondern sich direkt gegen kapitalistische Mechanismen richtet. Die sich aus dem Markt heraus gebildete Sharing Economy hat durchaus positive Aspekte für die Umwelt. Dies geht dem Autor jedoch nicht weit genug und so fordert er umfangreiche politische Interventionen in den Markt. Auch stellt er Marktwirtschaft in direkte Verbindung mit umweltschädlichem Verhalten, ohne dies kausal in einem zufriedenstellenden Maße zu begründen. 

Loske reiht sich damit unter jene ein, die das Narrativ vertreten, dass der Klimaschutz eine Legitimation dafür sei, in Freiheits- und Eigentumsrechte einzugreifen bzw. den Kapitalismus einzudämmen. Jeder, dem der Liberalismus und die Freiheit des Menschen etwas bedeuten, sollte sich diesem Narrativ konsequent entgegenstellen. 


[1] Loske, Reinhard (2015): Sharing Economy: Gutes Teilen, schlechtes Teilen?; in: Blätter für deutsche und internationale Politik (Hg.), Mehr geht nicht! Der Postwachstums-Reader, Blätter, S. 295.
[2] Ebenda S. 296
[3] Ebenda S. 296
[4] Ebenda S. 299

Donnerstag, 13. April 2023

Klimaschutz in München: STEP2040

München ist eine Großstadt mit mehr als 1,4 Millionen Einwohner*innen. Vor einiger Zeit hat die Stadt erkannt, dass Klimaschutzmaßnahmen in naher Zukunft zwingend ergriffen werden müssen. Daher rief die Stadt 2019 den Klimanotstand aus. München hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen, unter anderem die „Perspektive München“, das „Bündnis München für Klimaschutz“ und die „Münchner Wirtschaft“. An letzterem beteiligen sich Großbetriebe in München und haben das Ziel, ihre eigenen Emissionen zu verringern.

Die Maßnahme, die ich nun näher beleuchten möchte, ist der Stadtentwicklungsplan 2040 (STEP2040). Dieser wurde im Rahmen der Konzeption zur Stadtentwicklung „Perspektive München“ ins Leben gerufen. Auf der kommunalen Ebene bietet ein Stadtentwicklungsplan die Möglichkeit, notwendige Klimaschutzmaßnahmen beziehungsweise -anpassungen voranzutreiben und eine nachhaltige Stadtentwicklung zu ermöglichen. Der STEP2040 hat das Ziel, verschiedenste Maßnahmen für einen ökologischen Stadtumbau und ökologisch akzeptable Lösungen zu bündeln und diese zu konkretisieren, um so die zentralen räumlichen Zukunftsfragen für die nächsten zwei Jahrzehnte zu diskutieren („Wie soll München in 20 Jahren aussehen?“). Ziele und Strategien zur räumlichen Entwicklung sollen visualisiert werden. Mögliche Handlungsfelder sind Mobilität, Freiräume, Quartiere, Klimaanpassung, Klimaschutz und Region.

Der STEP2040 ist in verschiedene Phasen eingeteilt. Ende 2021 wurden in der ersten Phase Ziele, Strategien und Maßnahmen des Stadtentwicklungsplans diskutiert. Phase zwei war die Öffentlichkeitsphase. Diese fand im Frühjahr 2022 statt und erlaubte den Münchner*innen, ihre konkreten Ideen und Vorschläge einzubringen, die zum Erreichen der Ziele beitragen können. Ebenso wurden unterschiedliche Akteure der Stadtentwicklung und der Region München miteinbezogen. Gerade aufgrund der aktuellen Ereignisse ist es besonders erwähnenswert, dass im Zuge des STEP40 auch ein Jugenddialog zustande kam. Somit werden auch die Anliegen, Anregungen und Forderungen der jungen Generation gehört und berücksichtigt. Das Miteinbeziehen dieser verschiedenen Akteure ermöglicht die Berücksichtigung der verschiedensten Bereiche und die Betrachtung der Stadt in ihrer Gesamtheit. Maßnahmen können unter anderem Wohnen, Bauen, Grünräume, Öffentliche Orte/Flächen oder den Öffentlichen Nahverkehr betreffen.

Beispiele liefern die Ergebnisberichte. Der Jugenddialog ergab unter anderem, dass Jugendliche den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs als relevant betrachten. Konkret forderten sie unter anderem Expressbusse für Schüler*innen, die auf direktem Wege die Schule(n) anfahren. Im Bereich Klima zeigt der Ergebnisbericht des Jugenddialogs, dass eine intensivere Nutzung von Solar, Wasser- und Windkraft gewünscht ist. Konkret vorgeschlagen wurde eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Einkaufszentrums.

Demnächst greift der nächste Schritt des STEP2040. Nachdem die Erkenntnisse ausgewertet wurden, wird der Entwurf des Stadtentwicklungsplans überarbeitet und in einer Finalfassung dem Stadtrat vorgelegt. Detaillierte Informationen lassen sich den Webseiten und der Infobroschüre entnehmen:

Energie durch Kernfusion

Unter Sonnenenergie verstehen wir landläufig die sogenannte Solarenergie, also die Panels, die überall auf den Dächern unserer Gebäude zu finden sind. Was wäre aber, wenn wir uns die Kraft der Sonne in einer deutlich unmittelbareren Art und Weise zunutze machen könnten?

Ein Ansatz in diese Richtung ist die Kernfusion. An ihr wird bereits seit Jahrzehnten geforscht. Sie gilt als einer der großen Menschheitsträume, da sie saubere und billige Energie unbegrenzt zur Verfügung stellen soll. Dass Kernfusion funktioniert, ist heute unbestritten. Sie wird in den kommenden Jahrzehnten die Grundlage unserer Energieversorgung revolutionieren. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, der viel Forschung und viele Mittel in Anspruch nehmen wird. Darüber hinaus gibt es verschiedene Ansätze, die zum Erfolg führen sollen und die gleichzeitig an verschiedenen Standorten überall auf der Welt erforscht werden. Welcher sich davon durchsetzt, ist bisher noch völlig offen.

In Europa und in Deutschland wird Kernfusion an verschiedenen Stellen mit hohem Aufwand an öffentlichen Geldern erforscht. Viele Politiker setzen große Hoffnung in diese Technologie, da sie dem Problem des steigenden Energiebedarfs und den damit bisher einhergehenden negativen ökologischen Konsequenzen ein Ende setzen würde. Das größte Forschungsprojekt ist der ITER, eine international geförderte Versuchsanlage in Südfrankreich. 35 Staaten sind an diesem Projekt beteiligt. ITER (lat. "Weg", "Marsch", "Reise") muss aber noch viele Hürden überwinden, um uns in der Zukunft Strom liefern zu können. Dennoch wird dieses Projekt verfolgt, weil die zugrundeliegende Technologie skalierbar bis in den Gigawattbereich sein soll und damit für den Bau klassischer Kraftwerke geeignet.

Die Vorteile der Kernfusion liegen nämlich klar auf der Hand. Es entsteht kein langfristig strahlender Atommüll und es kann keine gefährlichen Havarien geben wie bei der Kernspaltung. Damit soll diese Technologie sicher, sauber und grundlastfähig sein und so im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien oder auch alleine unsere Energieversorung auf eine ökonomische und ökologische Grundlage stellen, die den Prinzipien der Nachhaltigkeit Rechnung trägt.

Zum Abschluss noch einige weiterführende Links und Quellen, die auch in die Funktionsweise der Kernfusion einführen sollen:

Dienstag, 28. März 2023

Fridays for Future in Weil der Stadt

Ironischerweise ist es der 3. März 2023, ein Freitag, an dem ich beginne, diese Arbeit zu schreiben. Fridays for Future hat zum globalen Klimastreik aufgerufen. Wieder einmal gehen in ganz Deutschland und auf der ganzen Welt Menschen für gerechte Klimapolitik auf die Straße. Bundesweit kamen an mehr als 250 Orten über 220.000 Menschen zusammen (vgl. Tagesschau 2023). Mit dem Beginn der Fridays for Future-Bewegung brach sowohl in Deutschland als auch auf der ganzen Welt eine neue Ära der Klimabewegung an. Die von Schüler:innen ausgehende Bewegung traf und trifft auf breite gesellschaftliche Akzeptanz. In kürzester Zeit entstanden nicht nur in Ballungszentren Ortsgruppen von Fridays for Future.

Allgemein ist es üblich, groß angelegte Demonstrationen und Proteste auf Landeshauptstädte und andere große Städte zu bündeln. Dies hat mehrere Vorteile. Es kommen mehr Menschen zusammen aufgrund der Tatsache, dass große Städte viele Einwohner*innen haben. Diese Städte sind aus den umliegenden Regionen gut erreichbar, sie bieten den nötigen Platz, die Infrastruktur und der Protest wird stärker wahrgenommen. Doch schon lange wird nicht mehr nur in den großen Städten demonstriert, mittlerweile gibt es deutschlandweit über 500 Ortsgruppen von Fridays for Future (Fridays for Future o.J. a), viele davon auch in kleineren Gemeinden. Klimaprotest hat also seinen Weg in ländliche Regionen gefunden. Hiermit stellt sich nun die Frage, welche Chancen diese neue Form des Protests bietet und vor welchen Herausforderung die Fridays for Future-Ortsgruppen in ländlichen Regionen stehen?

Freitag, 24. März 2023

"Tourist go home": Regulierung des Städtetourismus am Beispiel Barcelonas

1. Einleitung

Städtereisen stehen derzeit hoch im Kurs. Dies wird unter anderem durch das schnelle Wachstum dieser Tourismusform deutlich. So verzeichneten die 33 wichtigsten städtetouristischen Destinationen zwischen den Jahren 2008 und 2017 in Bezug auf die Übernachtungsaufenthalte ein Wachstum von durchschnittlich 57 Prozent. Die große Beliebtheit spiegelt sich darüber hinaus in der Tatsache wider, dass gegenwärtig mehr als 45 Prozent der internationalen Reisen in Städte führen (vgl. Neumair/Schlesinger 2021: 210f.).

Obwohl der Tourismus vielerorts ein willkommener Wachstumsmotor ist (vgl. Vogel 2020: 97f.), werden besonders große städtische Destinationen mit der Kehrseite des Tourismus, dem sogenannten Overtourism, konfrontiert (vgl. Neumair/Schlesinger 2021: 210). Die Folgen: Eine von Instagram-Touristen überschwemmte Wohnstraße in Paris, vermüllte Gassen in Florenz, picknickende Besucher in Rom, nächtlicher Partylärm in Barcelona, immer mehr Kreuzfahrtschiffe in Dubrovnik, lärmende Rollkoffer in Venedig, kiffende Touristen in Amsterdam, steigende Mieten in Lissabon, von Reisebussen verstopfte Plätze in Salzburg, Gefühle der touristischen Überfremdung auf Mallorca (Neumair/Schlesinger 2021: 201).

Besonders deutlich werden die negativen Effekte des Besucherandrangs in der katalanischen Hauptstadt Barcelona, die neben Venedig als Aushängeschild des Overtourism gilt (vgl. ebd.: 211). So wendet sich die lokale Bevölkerung Barcelonas zunehmend gegen die Tourismusentwicklung und fordert im Rahmen von diversen Protestaktionen eine Regulierung und Begrenzung des Tourismus in der Stadt (vgl. Freytag/Glatter 2017: 165).

Inwiefern eine solche Regulierung des Städtetourismus unvermeidbar ist, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden. Hierfür wird im Anschluss an eine begriffliche Einführung (Kapitel 2) zunächst die Entwicklung Barcelonas zu einer führenden städtetouristischen Destination skizziert (Kapitel 3.1 und 3.2). Daraufhin werden die aus der starken touristischen Prägung Barcelonas resultierenden Effekte (Kapitel 3.3) und die damit einhergehende Kritik der Bewohner*innen (Kapitel 3.4) beschrieben. Inwieweit die Stadtverwaltung die von der Lokalbevölkerung geforderte Begrenzung des Tourismus realisiert und welche Herausforderungen hierbei bestehen, ist Thema des vierten Kapitels. Abschließend soll aufgezeigt werden, welche Problematik eine Begrenzung des Tourismus mit sich bringt (Kapitel 5).

Freitag, 17. März 2023

Jung & Naiv: Gemeinwohl-Ökonomie

Christian Felber scheint unermüdlich zu sein, wenn es darum geht, das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie zu erklären und bekannt zu machen. Im März 2020 war er bei "Jung & naiv" zu Gast (https://www.youtube.com/watch?v=7mRe1ntgbj8):


Sonntag, 26. Februar 2023

Das zweite Leben der Dinge - SWR Produktion

Link: https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE0ODE5MDA

Der SWR hat zum Thema Nachhaltigkeit und Upcycling eine Sendung mit dem Namen "Nicht wegwerfen! Das zweite Leben der Dinge" gemacht. Da sind einige sehr kreative Ansätze vertreten, wie man aus altem Zeug wieder Gebrauchsgegenstände oder Kunst machen kann.

Mittwoch, 8. Februar 2023

Bürger & Staat: Nachhaltigkeit

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Bürger & Staat" (Heft 4/2022), die von der Landeszentrale für politische Bildung Baden Württemberg herausgegeben wird, widmet sich dem Thema Nachhaltigkeit und ist damit unmittelbar einschlägig für diesen Blog und die dazugehörigen Lehrveranstaltungen. Die Zeitschrift kann kostenlos bestellt werden, steht aber auch online zur Verfügung: https://www.buergerundstaat.de/4_22/nachhaltigkeit.pdf

Montag, 23. Januar 2023

Nachhaltigkeitsprojekte an der PH

Foto: Ragnar Müller
Das Veranstaltungsteam des Seminars „Klima : Nachhaltigkeit : Bildung“ lädt zur Ausstellung der Nachhaltigkeitsprojekte, die in diesem Wintersemester stattgefunden haben. Die Ausstellung findet am Dienstag, den 31. Januar 2023, von 14.15 Uhr bis 15.45 Uhr in der Aula statt. Zu sehen sind verschiedene Projekte rund um Campus, Mensa, Studidorf und die Stadt Ludwigsburg, die von Studierenden erarbeitet und umgesetzt wurden, um das studentische Leben nachhaltiger gestalten zu können:

  • Umfrage zur Automobilität
  • Aktionen rund um Weihnachten
  • Infostand zu Fairer Mode
  • Fahrradreparaturen
  • nachhaltiger Filmeabend uvm.

Die Ausstellung findet als offenes Angebot statt. Man kann also jederzeit dazukommen und sich auch wieder verabschieden.

Konsumgesellschaft und Handys

Können Sie sich denn noch ein Leben ohne Handy vorstellen? Wenn nicht, sind Sie in guter Gesellschaft. Aus unserem modernen Leben sind Handys nicht mehr wegzudenken. Und es wird nicht mehr lange dauern, bis wirklich jeder auf diesem Planeten ein Handy besitzt. Im Jahr 2021 gab es Statistiken zufolge ca. 3,5 Milliarden Smartphone-User weltweit. Jedoch ist die Anzahl der kursierenden Handys mit über sechs Milliarden fast doppelt so hoch, was bedeutet, dass viele Menschen nicht nur ein Handy besitzen, sondern zwei oder sogar mehr. Allein in Deutschland werden derzeit 60,7 Millionen internetfähige Mobiltelefone benutzt. In den USA sind es ca. 298 Millionen und in China sogar 1,6 Milliarden. Und die Tendenz ist überall gleich: Sie ist steigend (vgl. Otto, S. 2).

Ein Blick in die Zukunft: Im Jahr 2050 werden knapp neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, die alle ein Recht auf ein gutes Leben mit ausreichend Nahrung, Sicherheit und Bildung haben. Jedoch wird dieser Zuwachs den Druck auf die natürlichen Rohstoffvorkommen, die biologische Vielfalt und das ökologische Gleichgewicht auf der Erde enorm verschärfen. Es ist uns heute noch unklar, wie die Erde bis dahin aussehen wird. Eines ist jedoch klar: Notwendig sind ein ressourcenschonender Konsum sowie effiziente Produkte. Denn nur so kann den Menschen eine gerechte Teilhabe am Wohlstand ermöglicht werden, ohne den Planeten zu zerstören (vgl. Nordmann et al., S. 1).

Schon heute gibt es den Kampf um seltene und wertvolle Rohstoffe. Besonders für die Herstellung von technischen Geräten, wie zum Beispiel dem Handy, spielen Rohstoffe wie seltene Erden eine wichtige Rolle. Das Problem liegt darin, dass diese meist nur in jeweils kleinen Mengen in weit verstreut lagernden Mineralien vorkommen. Für die Aufbereitung dieser Metalle benötigt man Energie und Chemikalien, welche immense Umweltschäden verursachen (vgl. Nordmann et al., S. 1).

"Die naturwissenschaftlichen Grundlagen unseres Rohstoffverbrauchs und dessen Folgen für Menschen und Umwelt lassen sich besonders gut an dem heute fast wichtigsten Alltagsbegleiter Handy deutlich machen" (Nordmann et al., S. 1).

Samstag, 17. Dezember 2022

Hartmut Rosa bei der ADK in Ludwigsburg

Im Rahmen der Reihe "Montags an der ADK" spricht am 19. Dezember 2022 um 20:00 Uhr Hartmut Rosa zum Thema "Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung". Anlass ist eine Installation des Stuttgarter Kammerorchesters mit dem Titel: "#resonanz – Eine multidimensionale Musikerfahrung im öffentlichen Raum". Es ist keine Anmeldung erforderlich, der Eintritt ist frei, Einlass 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung. Laden Sie sich im Vorfeld des Abends die App des SKO herunter, um #resonanz, den Klangteppich, direkt im ADK-Foyer zu erleben: Link 

Veranstalter / Ort: Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, Akademiehof 1, 71638 Ludwigsburg

Mittwoch, 7. Dezember 2022

Ember - Elektrobusse im Fernverkehr

Über 18% des weltweit emittierten CO2 aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe wurde im Jahr 2018 von Straßenfahrzeugen produziert. Der Anteil der Luftfahrt liegt im selben Jahr bei rund 3%. Etwa 8,26 Milliarden Tonnen CO2 stammten 2018 aus dem Verkehrssektor (1). Personen und Güter ohne Emissionen zu transportieren, muss also ein wichtiges Ziel sein, um der Erderwärmung entgegenwirken zu können.

Um diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen, gründeten Pierce Glennie und Keith Bradbury im Sommer 2019 das erste rein elektrisch betriebene Reisebusunternehmen Großbritanniens. Die Idee dazu kam Glennie auf einer Busreise von Namibia nach Südafrika. Auf der 24-stündigen Reise fragte er sich, wie viel so ein durchschnittlicher Reisebus in seiner Lebensdauer wohl an Kraftstoff verbraucht. Er kam dabei auf ca. 700.000 Liter Diesel, die einem CO2-Ausstoß von 2.000 Tonnen entsprechen (2). Zurück in London konnte er Co-Founder Bradbury von seiner Idee zur Unternehmensgründung überzeugen. „Ember“ soll das Reisebusunternehmen heißen. Die Glut, das Ende des Feuers.

Die erste Route zwischen Dundee und Edinburgh sollte im März 2020 mit einem Bus starten. Durch die Corona-Pandemie verspätete sich die Lieferung des ersten Busses des chinesischen Herstellers Yutong. Infolgedessen bekam das Start-Up durch Coronahilfen der britischen Regierung ein Darlehen von knapp 500.000 Pounds. Das ermöglichte ihnen einige Monate später mit zwei, statt nur einem, voll elektrisch betriebenen Fernbussen in Schottland an den Start zu gehen.

Beide Busse sind ausgestattet mit je einer 281 kWh Batterie. Zum Vergleich: Der neue EQC von Mercedes-Benz ist mit einer 80 kWh Batterie ausgestattet (3). Das erlaubt den Yutong-Bussen, 250 km mit einer Ladung zurückzulegen. Die Busse werden über Nacht oder bei einer 60-minütigen Schnellladepause in Dundee geladen. Die knapp hundert Kilometer lange Strecke von Edinburgh nach Dundee kostet 7.50 Pounds und dauert rund 90 Minuten. Das Start-Up will das Reisen mit dem Bus nicht nur klimaeffizienter, sondern auch komfortabler machen. Deshalb bieten sie neben Komfortsesseln mit extra Beinfreiheit und W-Lan auch ein Live-Tracking System ihrer Busse an. Die Tickets sind bis 10 Minuten vor Abfahrt buchbar und eine Stornierung ist jederzeit ohne Kosten möglich.

Ember will sein Netzwerk weiter ausbauen. Mittlerweile zählt die Flotte acht Elektrobusse und Glasgow wurde an das Netz angeschlossen. Mittelfristiges Ziel ist es, alle schottischen Großstädte abzudecken, um dann langfristig nach England und den Rest Europas zu expandieren. Bei diesen Plänen hilft die großzügige Unterstützung der schottischen Regierung. Diese will den CO2-Ausstoß im Transportsektor bis 2035 um 75% gesenkt haben. Über die Behörde „Transport Schottland“, die der Regierung helfen soll, ihre Ziele zur Klimaneutralität zu erfüllen, hat Ember Anfang dieses Jahres 5,5 Millionen Pounds für 26 Busse und die nötige Infrastruktur zugesichert bekommen (5).

Quellen:

Dienstag, 6. Dezember 2022

Motatos - Where Revolution Begins

Ob Verpackungsfehler, Überproduktion oder saisonale Produkte - sobald mit einem Produkt etwas nicht stimmt oder das Mindesthaltbarkeitsdatum näher kommt, wird es von den Herstellern oft ausgemustert. 12 Millionen Tonnen Lebensmittel werden pro Jahr unter anderem darum weggeworfen. Natürliche Ressourcen werden dadurch grundlos verschwendet. Dies hat unter anderem starke Auswirkungen auf unseren CO2-Abdruck. Auf dieses Problem haben sich die Gründer von „Motatos“ fokussiert.

Motatos ist ein 2014 gegründetes Unternehmen, welches einwandfreies Essen von Herstellern rettet und verbilligt in ihrem Online-Shop verkauft. Dieses Geschäftsmodell ist möglich, da sie ihren Zulieferern die entsprechenden Produkte preiswert abkaufen und die Unternehmen dabei unterstützen, nachhaltiger zu werden. Es wird damit auch für private Verbraucher möglich, einfach und preisgünstig und doch nachhaltig einzukaufen und zu leben. Dadurch entsteht eine Win-Win Situation. Das Unternehmen bietet neben Lebensmitteln unter anderem auch Drogerie- und Haushaltsprodukte (z.B. Waschmittel und Reinigungsmittel) an.

Ein schwedisches Umwelt-Forschungsinstitut hat berechnet, dass Motatos pro Bestellung ca. 6,6 Kilo CO2 einspart. Dies entspricht in etwa der Emission, die erzeugt wird, wenn ein Handy 800-mal geladen wird. Food waste macht 10% unserer globalen Emissionen aus. Wenn wir diese einsparen könnten, wären wir unserem Klimaziel schon etwas näher. Mit Motatos kann man einen ersten Schritt einfach probieren und dabei sogar noch Geld sparen. Falls ihr jetzt Interesse habt, geht es hier zum Online-Shop: https://www.motatos.de

Wie nachhaltig ist eine Bäckerei?

Foto: Panagiota Christodoulou

Seit fünf Jahren arbeite ich neben meinem Studium in einer Bäckerei bei mir im Ort. Diese hat sich mit den Jahren, wie andere Betriebe auch, beim Thema Nachhaltigkeit weiterentwickelt. Neben der Nachhaltigkeit in der Produktion der Ware, im Büro und beim Energiesparen ist die Bäckerei für ihre nachhaltigen Produkte bekannt.

Jeder von uns hat schon einmal bei einem Bäcker einen Kaffee zum Mitnehmen bestellt. Sind die Pappbecher recyclebar? Ja, sind sie. Laut Angaben sind die To-Go Becher 100% biologisch abbaubar, kompostierbar und recyclingfähig und zersetzen sich innerhalb von 50 Tagen. Die Papiertüten, in denen das belegte Brötchen, die Brezel oder der Muffin zum Mitnehmen verpackt ist, stammen aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und kontrollierten Quellen. Hier ist der Aufdruck auf dem Papier relevant, denn die Tüten werden mit wasserlöslicher Farbe bedruckt. Diese recyclebaren Tüten werden in Baden-Württemberg hergestellt, sie haben demnach einen kurzen Transportweg und stärken die lokalen Lieferanten.

Sehr interessant finde ich die wiederverwendbaren Strohhalme, die die Bäckerei für To-Go Getränke anbietet. Diese sind zu 60% biobasiert, vollständig biologisch abbaubar und industriell kompostierbar. Sie sind hitzebeständig (bis zu 95 Grad) und können nach dem Gebrauch Zuhause gespült und wiederverwendet werden. Im Angebot sind auch Baumwollbeutel: Wer Interesse an plastikfreier und papierfreier Verpackung hat, kann zu jedem Einkauf seinen Beutel oder die Tasche mit der Ware befüllen lassen.

Das Sortiment der Bäckerei erweitert sich, so erweitert sich auch die Vielfalt an Verpackungen. Es wird darauf geachtet, dass Salate und Bowls zum Mitnehmen, klimafreundlich und nachhaltig verpackt werden. Bei den Salaten zum Beispiel handelt es sich beim Material des Bechers um einem Biokunststoff, der auf Industriestärke basiert. Der Becher ist biologisch abbaubar und vollständig kompostierbar. Die Bowls sind aus einem Pappbehälter gemacht, der nicht einweicht und ebenfalls biologisch abbaubar ist. Nach Anfrage bekommen die Kunden zur To Go-Ware Pappbesteck, dieses erfüllt ebenfalls die nachhaltigen Bedingungen. 

https://www.baeckerei-raisch.de/nachhaltigkeit

Raupe Immersatt in Stuttgart

931 Millionen Tonnen Nahrungsmittel landen Jahr für Jahr auf dem Müll und gleichzeitig hungern weltweit bis zu 828 Millionen Menschen. Allein in der Bundesrepublik werden jedes Jahr rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet.

Raupe Immersatt ist ein Start-up Unternehmen aus Stuttgart. Es ist ein Café, in dem Foodsharing betrieben wird. Beim Prinzip Foodsharing werden übriggebliebene Lebensmittel von registrierten Unternehmen kostenlos für den Verzehr zur Verfügung gestellt. Im Juni 2019 startete bundesweit das erste Foodsharing-Café.

Lisandro Behrens, Maike Lambarth, Jana Pfeiffer, Maximilian Kraft und Simon Kostelecky, alle fünf schon lange aktiv in der Foodsharing-Community, sind die Gründer des Cafés Raupe Immersatt. Essen wird verschenkt und die Getränke verkauft, wobei es keine festen Preise gibt. Man zahlt so viel man möchte oder kann. Es gibt rund 80 Kooperationspartner, die Essen vorbeibringen oder abholen lassen. Von Catering-Services, die nach Veranstaltungen noch Lebensmittel übrig haben, bis zu Privatleuten, die vor dem Urlaub den Kühlschrank leeren möchten, bevor Sie den Inhalt wegschmeißen.

Neben dem Retten von Lebensmitteln hat das Café auch noch eine andere Aufgabe. Im Café findet man die verschiedensten Menschen, manche haben ein hohes Einkommen, manche ein geringes, aber in der Raupe Immersatt finden sich diese Menschen zusammen bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wein. Mittlerweile gibt es auch Veranstaltungen im Café, die für das Thema Lebensmittel sensibilisieren. In Vorträgen und Kursen lernt man zum Beispiel, wie man Lebensmittel konservieren kann oder was bei Lagerung von Lebensmitteln zu beachten ist. Das Café Raupe Immersatt befindet sich in der Johannesstrasse 97 in Stuttgart und ist vom Hölderinplatz nur ein paar Minuten zu Fuß entfernt.

Quellen

Montag, 5. Dezember 2022

Nachhaltig knabbern mit den Crackern von "Holiroots"

Aufgrund von Aussehen, Größe oder Überproduktion hat längst nicht jedes Gemüse die Chance, auch beim Endverbraucher zu landen. Dieses verbleibt nämlich massenhaft und ungenutzt auf den Bauernhöfen – sehr zum Leidwesen der Konsumenten, aber ebenfalls der Landwirte, da sie damit teilweise über 50% ihrer Produktion nicht verkaufen können.

Das internationale Unternehmenstrio bestehend aus Paola Varela, Duyen Do und Janna Beck versteht es als Herzensangelegenheit, diese Problematik zu beseitigen und das Gleichgewicht zwischen Ökonomie und Ökologie herzustellen. In Sachen Unternehmenskultur setzen die Gründerinnen auf Vielfalt, Interdisziplinarität und Frauen-Power und gründeten zusammen das Startup „Holiroots“, das sich zur Aufgabe macht, eben dieses Gemüse, das dem Endverbraucher verwehrt bleibt, in gesunde und schmackhafte Cracker zu verwandeln. Somit bringen sie die Kreislaufwirtschaft in das Lebensmittelsystem zurück, genauso wie den wirtschaftlichen Wert und die Wertschätzung des Gemüses. Der Name leitet sich hierbei vom englischen Begriff „holistic“ ab, der eine ganzheitliche Ernährung beschreibt.

Die nötigen Erfahrungen als Voraussetzung für die Gründung ihres Startups besitzen sie allemal: Zusammen studierten sie Bioökonomie an der Universität Hohenheim und schlossen dies unlängst mit dem Master ab. Inspiration fanden die Gründerinnen im Rahmen eines Unternehmerwettbewerbs des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie, bei dem sie den zweiten Platz belegten.

Insgesamt haben die Gründerinnen vier verschiedene Sorten ihrer Cracker entwickelt: Rote Beete, Lauch, Karotte und Pastinake. Damit wollen sie sich Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres zunächst auf dem belgischen Markt etablieren, ehe sie ihre Produkte 2023 auch auf dem deutschen Markt anbieten wollen.

Mit ihrer Idee konnte das Trio nicht nur Sponsoren überzeugen, sondern ebenfalls den Wettbewerb „Weiblich, Nachhaltig und Erfolgreich“ des Forums Frauennetzwerke Region Stuttgart 2022 gewinnen. Künftig möchten die drei Frauen eine Plattform einrichten, damit Landwirte auf sie zukommen können, wenn sie einen Überschuss ihrer Produkte haben.

Aber nicht nur mit ihren Crackern wollen sie dazu beitragen, übrig gebliebenes Gemüse zu verwerten, auch andere Produkte möchten sie in naher Zukunft anbieten. Geplant sind beispielsweise Milch Müsli oder gar eine Pizza, deren Teig aus nicht verwertetem Gemüse hergestellt wird.

Weitere Informationen gibt es im Startup-Steckbrief: https://entrepreneurship.uni-hohenheim.de/start-up-portraet?tx_ttnews%5Btt_news%5D=55428&cHash=d90559330fafdc8bbd6d5a7a19fda544

Nachhaltige Kosmetik: Ben & Anna

Die Firma Ben & Anna beschäftigt sich mit Hygienemittel. Sie produzieren Mundhygieneartikel (z.B. Zahnbürsten, Zahnpasta usw.), Haarhygienemittel (z.B. Shampoo), Körperpflege (z.B. Duschgel, Handcreme usw.) und Deo (z.B. Deocreme usw.). Bei den Produkten sind folgende Punkte gegeben:

  • Die Produkte sind PETA APPROVED
  • Die Produkte sind mit NATÜRLICHEN DUFTSTOFFEN
  • Die Produkte enthalten KEIN MIKROPLASTIK
  • Die Produkte sind 100% ZERTIFIZIERTE NATURKOSMETIK
  • Die Produkte enthalten KEINE PARABENE & PHTHALATEN
  • Die Produkte sind VEGAN

Außerdem wird beim Verpackungsmaterial darauf geachtet, dass das Material nachhaltig produziert wird. Die Verpackung ist mit so wenig Plastik wie möglich aus recyclebarem Material und biologisch abbaubar produziert. Hier geht es zum Online Shop.

Die Firma unterstützt nachhaltige Konzepte und Projekte. Ein Projekt ist das „Project Wings“. Bei diesem Projekt wird in Indonesien das erste recycelte Dorf der Welt gebaut. In dem unten eingebetteten Video wird erklärt, was in diesem Dorf passiert und was die Firma Ben & Anna damit zu tun hat.