Donnerstag, 11. November 2021

More of Coffee, Nachhaltigkeit und das gute Leben

Auf einer Reise durch Nepal erlebten Oli und Markus Keppeler einen Resonanzmoment und wurden von der Armut und Not der Menschen – besonders in den ländlichen Regionen des Landes – berührt. Bereits einige Jahre zuvor hatten sie angefangen, Projekte zu unterstützen, welche verstoßenen und verwaisten Kindern eine neue Heimat bieten. Es stellte sich ihnen jedoch die Frage: Wie können sie den Menschen sinnvoll helfen, die erwachsen sind, hart arbeiten und trotzdem in Armut leben müssen?

2006 traf dann die Kaffeeleidenschaft der Brüder aus Metzingen auf die Not der Menschen: Sie lernten Dipak, einen Visionär mit vielen Kontakten, aus Kathmandu kennen und über ihn auch einige Kleinfarmer aus sehr abgelegenen Gegenden. Nepal hat eigentlich eine Teekultur mit langer Tradition – doch diese Farmer hatten begonnen, kleine Mengen an Kaffee anzubauen. So eröffnete sich die Möglichkeit, Rohkaffee mit nach Deutschland zu nehmen.

Angefangen hat alles mit 58 kg Rohkaffee in den Koffern von Oli und Markus, mit stundenlanger Verzollung am Frankfurter Flughafen und spannenden ersten Röstversuchen. Das Ergebnis begeisterte nicht nur die Familien Keppeler, sondern auch Freunde und Verwandte. Heute importieren sie mit ihrer Firma MoC (More of Coffee GbR) ca. 6 Tonnen Rohkaffee pro Jahr. Der Nepalkaffee ist inzwischen zu einer echten Kaffeerarität auf dem Weltmarkt geworden. Außerdem haben sie auf ähnliche Art und Weise Kaffeefarmer in Uganda gefunden.

MoC zahlt den Kaffeefarmern gerechte Löhne, die weit über dem Weltmarktpreis liegen. Somit ermöglichen sie ihren Farmern und ihren Familien ein menschenwürdiges Leben. Außerdem haben die Farmer dadurch die Möglichkeit, ihren Kindern Schulbildung zu ermöglichen. Hinzu kommt, dass der Kaffee auf bestehenden Multikultur-Plantagen zwischen Nutzpflanzen wie Vanillebäumen und im Schatten von Bananenstauden ohne die Verwendung von Pestiziden erfolgt. Die grünen Kaffeebohnen werden dann „im Ländle“ von Handwerksröstereien im schonenden Trommelröstverfahren von Hand geröstet. So wird die maximale Qualität in der gesamten Kaffeeproduktion gewährleistet und der einzigartige, hochwertige Geschmack ermöglicht - „Genießen und Gutes tun“.

Dienstag, 9. November 2021

So begrünst du dein Zuhause nachhaltig

Pflanzen = grün = nachhaltig? Viele Zimmerpflanzen sind alles andere als das.

Hohe Pestizid- / Herbizidwerte, wenig Bio, Torf

Bereits in den vergangenen Jahren haben viele Studien belegt, dass die (Zimmer-)Pflanzen aus Supermärkten, Baumärkten und Gartencentern mit hohen Pestizidwerten belastet sind. Um perfekte Wachstumsbedingungen zu schaffen, werden diese Pflanzen häufig in Gewächshäusern mit diversen Pestiziden, Herbiziden und Düngern versorgt.

Im Gegensatz zum Lebensmittelbereich ist Bio bei Zimmerpflanzen kaum ein Thema (das Biosortiment von Zierpflanzen liegt momentan bei 1,7%), was zum Teil an der nicht vorhandenen Nachfrage liegt. Biolabels wie Bioland, Demeter oder Naturland versprechen niedrige Pestizidwerte und eine organische Düngung. Ob die Pflanzenerde jedoch torffrei ist, wird nicht angegeben. In den meisten Pflanzenerden ist Torf enthalten. Die Problematik liegt hierbei im Abbau der Moore, welcher den Lebensraum für bestimmte Pflanzen- und Tierarten zerstört. Darüber hinaus sind Moore wichtige CO2 Speicher, weshalb beim Abbau CO2 in die Atmosphäre entweicht. Nachhaltig ist somit torffreie Pflanzenerde (Achtung: torfreduzierte Erde bedeutet häufig, dass immer noch 45% Torf enthalten ist).

Übertöpfe aus Plastik - doch nicht die beste Wahl?

Auch beim Pflanzenzubehör sollte man zu nachhaltigen Produkten greifen. Übertöpfe aus Terrakotta sind beispielweise am nachhaltigsten. Wem hierbei jedoch die Optik nicht gefällt, kann auch Töpfe aus Keramik wählen.

Ursprung der Pflanzen

Zudem legen die Pflanzen meist weite Strecken zurück. Neben den Angaben des Pflanzenpasses über den Ort, an dem die Pflanze zuletzt gewachsen ist, erhält der Verbraucher keinerlei Informationen über mögliche weitere Kultivierungsorte. Der tatsächliche Ursprung bleibt somit unklar. Vor allem bei exotischen Pflanzen raten Experten daher vom Kauf ab. Diese werden vermehrt aus (sub-)tropischen Ländern, zum Teil auch aus Naturschutzwäldern, importiert. Daher wird eher zum Kauf einheimischer Pflanzen geraten. Doch auch bei Pflanzen, die man im deutschen Klima aufziehen könnte, ist der Ursprung häufig nicht durch Regionalität gekennzeichnet.

Auf was soll ich also achten?

  • richtige Biolabels
  • einheimische Pflanzenarten
  • torffreie Erde
  • beste und nachhaltigste Alternative: Pflanzenableger (z.B. Ableger-Tausch)

Quelle: PULS Reportage (BR), 2020, So begrünst du dein Zuhause nachhaltig

Nachhaltige Alternativen im Badezimmer

Egal wo man hinsieht, nahezu alles ist in Plastik verpackt. Die Konsequenz sehen wir vor allem in den Ozeanen: sie sind voller Plastikmüll. Das Mikroplastik wird von den Fischen aufgenommen und so landet es auch in unserem Organismus.

Nachhaltiges Leben ist vor allem im Badezimmer ziemlich leicht umzusetzen. Man kann die meisten alltäglich verwendeten Produkte schnell in langlebigere und nachhaltigere Produkte umwandeln. Beispielsweise kann man seine Zahnbürste, die in den meisten Fällen aus Plastik besteht, durch eine Holzzahnbürste ersetzen. Auch das Shampoo, welches in Plastikflaschen abgefüllt ist, kann man durch festes Shampoo in Form von Stückseife ersetzen. Genauso verhält es sich auch mit Duschgel.

  • Plastikzahnbürste > Holzzahnbürste aus Bambus
  • Einwegrasierer > Rasierhobel aus Metall
  • Shampoo / Duschgel in Plastikflaschen > Feste Stückseife, Produkte in Glasflaschen
  • Wegwerftampons / Binden > Menstruationstassen
  • Abschminktücher aus Plastikpackungen > Waschbare Waschlappen

Eine tolle Alternative zu Kosmetikprodukten habe ich mit der Firma „Junglück“ gefunden. Das junge Unternehmen setzt auf nachhaltigen Konsum in Bezug auf Kosmetik. Verpackungen werden durch Glasflaschen ersetzt und dabei wird beim Braunglas auf Produktionsstandorte in Deutschland geachtet. Beim Papier, das in den Versandpäckchen eingesetzt wird, wird ebenso auf recyceltes Material mit dem Blauen Engel-Siegel geachtet. Um die Treibhausgasemissionen zu kompensieren, unterstützt das Unternehmen das Klimaschutzprojekt "Meeresschutz" in Haiti, Indonesien, Brasilien und auf den Philippinen. Alle Inhaltsstoffe sind vegan und aus kontrolliert biologischem Anbau.

So wird weniger Plastik verbraucht, die Produkte halten länger, müssen nicht ständig neu gekauft werden und außerdem werden Firmen so auch darauf aufmerksam gemacht, dass die Nachfrage nach nachhaltigeren Produkten höher ist als die nach Einwegprodukten und Plastikverpackungen. Die neuen nachhaltigeren Verpackungen sind recyclebar und kompostierbar.

Montag, 8. November 2021

Fleischkonsum in Deutschland

https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/fleisch-fleischkonsum-umweltbundesamt-gesundheit-100.html (veröffentlicht am 28.03.2021)

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/grillfleisch-fleischersatz-preisunterschied-studie-umwelt-billigfleisch-101.html (veröffentlicht am 18.06.2021)

Wie problematisch ist der Fleischkonsum der Deutschen? Es ist allgemein bekannt, dass die Deutschen Spitzenreiter:innen im Fleischkonsum sind. Im folgenden Blogbeitrag werde ich mich besonders auf die oben genannten Artikel der Tagesschau und des ZDF beziehen und empfehle, diese vorab gelesen zu haben.

Kurz vor dem Beginn der Grillsaison veröffentlichte das Umweltbundesamt die Meldung, dass der Fleischkonsum in Deutschland halbiert werden sollte, um die umweltschädliche Massentierhaltung in Deutschland zu reduzieren. Diese Reduzierung hätte einen positiven Einfluss sowohl auf die eigene Gesundheit als auch auf die Umwelt. Das ist jedoch einfacher gesagt als getan. Innerhalb des Verbraucherzentralen-Bundesverbands sind die Meinungen gespalten. Einerseits sollen die Preise nicht steigen, um Fleisch zu keinem Luxusgut zu machen. Andererseits darf artgerechtes Fleisch nicht die Ausnahme bleiben.

Kurz nach Bekanntgabe des Umweltbundesamts lockten Supermärkte mit reduzierten Fleischpreisen und Sparangeboten die Kundschaft, um den Beginn der Grillsaison auszunutzen. Obwohl der Fleischkonsum der Deutschen tendenziell sinkend ist, geschieht das eher langsam. Der Fleischkonsum lag im Jahr 2000 bei 61 kg pro Person und im Jahr 2020 bei 57 kg pro Person.

Eine Lösung für dieses Problem zu finden ist nicht leicht. Der einfachste Weg ist es, den Bürger:innen zu sagen, dass diese ihren Fleischkonsum stark reduzieren sollen, was allerdings in die Persönlichkeitsrechte eingreifen könnte. Ein anderer Ansatz ist es, dass der Preis tierischer Produkte stiegen sollte und die damit einhergehenden Umweltschäden widerzuspiegeln. Zusätzlich müssten Ersatzprodukte billiger werden, um die Kundschaft von Billigfleisch wegzulocken. Außerdem müssten Ersatzprodukte attraktiver gemacht werden, indem diese durch Werbung, Rezepte und einfache Verfügbarkeit in den Alltag von allen eingeführt werden. Die bereits genannten Preisanpassungen müssten durch das Eingreifen des Staates in die Wirtschaft geschehen. Inwiefern ist es allerdings vertretbar, wenn der Staat Billigfleisch durch Steuererhöhung verteuern würde, während Fleisch mit niedrig einhergehenden Umweltschäden durch Steuererleichterung günstiger angeboten werden würden.

Freitag, 5. November 2021

Nachhaltig leben - Tipps von der Bundesregierung

Nachhaltigkeit ist lange kein Thema mehr, über das sich nur Einzelne Gedanken machen. Das Thema wird immer wichtiger und ist nun auch seit einigen Jahren in der Politik angekommen. Auch die Bundesregierung kann sich nicht davor verstecken. Seit 2016 orientiert sich die deutsche Nachhaltigkeitspolitik an der UN-Agenda 2030 und deren 17 globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung.

Dies ist jedoch nicht alles, was man zu diesem Thema auf der Website der Bundesregierung findet. Die Bundesregierung richtet sich direkt an die Bürger*innen und gibt Tipps, wie man das eigene Leben nachhaltiger gestalten kann. → NACHHALTIG LEBEN - TIPPS FÜR DEN ALLTAG. Die Tipps sind in 7 Themenfelder aufgeteilt:

  • Wo Nachhaltigkeit im Alltag beginnt;
  • Elektrogeräte im Haushalt;
  • Nachhaltig wohnen;
  • Wärme und Strom;
  • Sanieren und Renovieren;
  • Nachhaltig unterwegs und
  • Einander helfen.

Unter diesen Punkten verstecken sich weitere Unterpunkte, zu denen man sowohl Informationen zu den Ursachen, den Problemen aber eben auch spezielle Tipps für eine nachhaltigere Lebensweise findet. Beispielweise werden zum Thema Stromverbrauch die Elektrogeräte aufgezeigt, welche den größten Energieverbrauch in einem Haushalt ausmachen, und Tipps dazu gegeben, wie man den Verbrauch verringern kann.

Dienstag, 2. November 2021

Sneakerwahnsinn und Sneakerjagd

Der "Verbrauch" an Turnschuhen spottet jeder Beschreibung. Beeindruckende Zahlen hierzu finden sich in dem Auftaktartikel zu einer neuen Recherche-Serie in der ZEIT: "Turnschuhe: Die Sneakerjagd". Was steckt hinter dieser Recherche? Ein Reporterteam von ZEIT, NDR und FLIP (ein Recherche-Start-up) hat es sich zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, was mit den alten Turnschuhen passiert, nachdem sie entsorgt wurden. Das Team hat GPS-Sender in den Sohlen der Sneaker von elf Prominenten versteckt, die Schuhe in verschiedene Entsorgungskanäle eingespeist und verfolgt deren Reise nun. Das kann man auf einer Karte unter https://sneakerjagd.letsflip.de/ mitverfolgen...

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Vinted

Fast Fashion ist bekanntermaßen ein großes Problem unserer Gesellschaft, da immer mehr Kleidung produziert, aber auch schnell wieder weggeworfen wird. Eine gute Alternative dafür ist es, Second Hand einzukaufen, doch viele Second Hand Läden haben eher alte Klamotten und sind meistens eher in den größeren Städten und somit für Menschen aus kleineren Orten schwerer erreichbar. Und besonders während der Pandemie, als nur Lebensmittelgeschäfte geöffnet hatten, war das schwer.

Möchte man also Second Hand einkaufen, ohne das eigene Haus zu verlassen, dann kann man die Website oder App Vinted (früher Kleiderkreisel) nutzen. Vinted ist eine Plattform, auf der Kleidung, Schuhe und vieles mehr verkauft wird. Mit der Anmeldung hat man nicht nur die Möglichkeit, die Seiten anderer zu durchstöbern, sondern auch die eigenen, noch gut erhaltenen Stücke selbst zu verkaufen.

Um die Suche zu vereinfachen, gibt es eine große Auswahl an Filtern, man kann den Verkäufer anschreiben, Bewertungen hinterlassen und wenn man möchte, über das Bezahlsystem von Vinted (verknüpft mit dem eigenen Bankkonto) ganz einfach bezahlen oder verhandeln.

Kleiner Tipp: hier findet ihr auch viele gut erhaltene Designerstücke, die man Second Hand mit einem besseren Gewissen (und kleinerem Budget) kaufen kann.

Mittwoch, 28. Juli 2021

Freitag, 16. Juli 2021

Wirtschaftswissenschaften vom Kopf auf die Füße stellen

Der Vortrag des Initiators der Gemeinwohl-Ökonomie, Christian Felber, mit dem Titel "Aufruf zur Revolution der Wirtschaftswissenschaft!", der vor wenigen Tagen in Konstanz stattfand, passt sehr gut zum Thema der Donut-Ökonomie, denn auch Kate Raworth argumentiert, dass wir zuallererst die Wirtschaftswissenschaften vom Kopf auf die Füße stellen müssen. Der Vortrag beginnt bei 12:06 min und dauert eine (kurzweilige) Stunde. Es lohnt sich in diesem Fall auch, bei der Fragerunde nach dem Vortrag dabeizubleiben, um u.a. das "Systemische Konsensieren" kennenzulernen:

 

Donnerstag, 1. Juli 2021

Online-Vortrag der LpB zum Thema Nachhaltigkeit

Die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg lädt am Montag, 5. Juli 2021, ab 19 Uhr zu einem Online-Vortrag via Zoom ein. Der Titel lautet: "Nachhaltigkeit und Klimaschutz - Möglichkeiten und Herausforderungen auf dem Weg zum 1,5-Grad-Ziel".

Welche aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es zum Klimawandel und welche zukünftigen Auswirkungen haben wir vor Ort zu erwarten? Unterschiedliche Klimaschutzmaßnahmen werden vorgestellt und nach ihren Wirkungsgraden untersucht. Thematisiert wird auch, was jede:r Einzelne für mehr Nachhaltigkeit im eigenen Umfeld tun kann. Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit für Fragen und eine Diskussion.

Referent: Felix Weber, freier Mitarbeiter der LpB

Anmeldung: https://www.bwerk.de/digitales-bildungszentrum-3/geschichte-politik/detail/termin/id/2682956-nachhaltigkeit-und-klimaschutz/?vt=1&cb-id=12199508

Mittwoch, 30. Juni 2021

Kritik am Glück(sstreben)

Auf Krautreporter wurde heute ein lesenswerter Artikel über das veröffentlicht, mit dem wir uns unter der Überschrift "Das gute Leben" beschäftigt haben:

Sonntag, 27. Juni 2021

Lösungsansätze: Nachhaltigkeit, Postwachstums- und Gemeinwohl-Ökonomie

Bislang haben wir uns drei Lösungsansätze für die grundlegenden Probleme unserer Gesellschaften angeschaut, die auf vielfältige Weise zusammenhängen und Überschneidungen aufweisen:

  • Das Konzept der Nachhaltigkeit bzw. der nachhaltigen Entwicklung,
  • die Postwachstumsökonomie bzw. -gesellschaft und
  • die Gemeinwohl-Ökonomie.
In diesem Text versuche ich eine kleine Zwischenbilanz zu den drei Konzepten:

Nachhaltigkeit / nachhaltige Entwicklung

Die am häufigsten gebrauchte Definition von "nachhaltiger Entwicklung" stammt von Lester Brown, dem Gründer des Worldwatch Institute. Sie wurde in dem Bericht "Our Common Future" der Brundtland-Kommission aufgegriffen:
"Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs."
[World Commission on Environment and Development (WCED), Our Common Future, Oxford 1987, p. 43]
Diese Definition von "nachhaltiger Entwicklung" wird zwar allgemein akzeptiert, aber sie sagt nicht viel aus. Fritjof Capra schlägt deshalb folgende Operationalisierung vor:
"Der Schlüssel zu einer funktionsfähigen Definition von ökologischer Nachhaltigkeit ist die Einsicht, dass wir nachhaltige menschliche Gemeinschaften nicht von Grund auf erfinden müssen, sondern sie nach dem Vorbild der Ökosysteme der Natur nachbilden können, die ja nachhaltige Gemeinschaften von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen sind. Wie wir gesehen haben, ist die herausragendste Eigenschaft des Erdhaushalts seine immanente Fähigkeit, Leben zu erhalten. Daher ist eine nachhaltige menschliche Gemeinschaft so beschaffen, dass ihre Lebensweisen ebenso wie ihre unternehmerischen, wirtschaftlichen und physikalischen Strukturen und Technologien die immanente Fähigkeit der Natur, Leben zu erhalten, nicht stören. Nachhaltige Gemeinschaften entwickeln ihre Lebensmuster im Laufe der Zeit in ständiger Interaktion mit anderen menschlichen und nichtmenschlichen lebenden Systemen. Nachhaltigkeit bedeutet somit nicht, dass die Dinge sich nicht verändern. Sie ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess der Koevolution."
[aus: Fritjof Capra, Verborgene Zusammenhänge. Vernetzt denken und handeln - in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, Bern u.a. 2002, S. 298]
"Nachhaltige Entwicklung" als Widerspruch in sich

Ursprünglich war Nachhaltigkeit das neue Leitbild, das Ziel, die regulative Idee. Unmerklich hat sich die Terminologie (und nicht nur sie) verschoben. Wenn nicht gleich von green economy die Rede ist, dann spricht man von "nachhaltiger Entwicklung".

"Nachhaltigkeit ja - nachhaltige Entwicklung nein", so lautet die Kritik an der mittlerweile allgegenwärtigen Kombination der beiden Konzepte Nachhaltigkeit und Entwicklung. Grund für die Ablehnung der Kombination sind Vorbehalte gegenüber dem Konzept "Entwicklung". Es mit Nachhaltigkeit kombinieren zu wollen, bedeute einen Widerspruch in sich. Während Nachhaltigkeit zur neuen ökologischen Weltsicht gehöre, entstamme der Entwicklungsbegriff der überholten mechanistischen Weltsicht (eine Gegenüberstellung der beiden Weltsichten findet sich hier).

"Darüber hinaus", so Wolfgang Sachs, Wissenschaftler am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie (www.wupperinst.org), "wurde mit der Verknüpfung von 'nachhaltig' und 'Entwicklung' ein Terrain sprachlicher Ambivalenz geschaffen. Das neue Konzept verschob auf subtile Weise den geometrischen Ort der Nachhaltigkeit von der Natur auf Entwicklung; während sich zuvor 'nachhaltig' auf erneuerbare Ressourcen bezogen hatte, bezieht es sich jetzt auf Entwicklung. Mit dieser Verschiebung änderte sich die Wahrnehmung; die Bedeutung von Nachhaltigkeit verlagerte sich von Naturschutz auf Entwicklungsschutz. Angesichts der Tatsache, dass Entwicklung konzeptionell zu einer leeren Hülse geworden war, war das, was nachhaltig bleiben sollte, unklar und strittig. Daher sind in den folgenden Jahren alle Arten von politischen Akteuren, selbst glühende Verfechter des Wirtschaftswachstums in der Lage gewesen, ihre Absichten in den Begriff 'nachhaltige Entwicklung' zu kleiden. Der Begriff wurde somit bald selbst-referentiell, wie eine von der Weltbank angebotene Definition treffend bestätigt: 'Was ist nachhaltig? Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die anhält.'"
[aus: Wolfgang Sachs, Nach uns die Zukunft. Der globale Konflikt um Gerechtigkeit und Ökologie, Frankfurt/Main 2002, S. 65]

Will man trotz dieser Kritik auf die etablierte Kombination "nachhaltige Entwicklung" nicht verzichten, kann man nicht umhin, den Entwicklungsbegriff näher zu bestimmen und vom überholten Entwicklungsbegriff der Modernisierungstheorie abzugrenzen. Anregungen hierzu gibt das folgende Schaubild:



Postwachstumsökonomie

In der APuZ-Ausgabe 19-20/2017 zu Karl Marx und "Das Kapital" findet sich ein lesenswerter Beitrag von Niko Paech zur Postwachstumsökonomik, die er auf Seite 44 so definiert:
"Die Postwachstumsökonomik kann als ökologisch orientierte Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften bezeichnet werden. Als Lehr- und Forschungsprogramm richtet sie den Blick auf drei basale Fragestellungen. Erstens: Welche Begründungszusammenhänge lassen erkennen, dass ein weiteres Wachstum des Bruttoinlandsproduktes keine Option für die Gestaltung moderner Industriegesellschaften sein kann? Zweitens: Was sind die Ursachen dafür, dass moderne, auf industrieller Fremdversorgung basierende Volkswirtschaften einem Wachstumszwang unterliegen? Drittens: Was sind die Merkmale einer Ökonomie, deren industrieller Output mit der Einhaltung ökologischer Grenzen harmoniert und insbesondere nicht mehr wächst (Postwachstumsökonomie)?"
Diese reduktive Ökonomie ist das Resultat einer fünffachen Selbstbegrenzung (S. 45-46), die sich mit den folgenden Begriffen verbindet:
  • Suffizienz
  • Subsistenz
  • Regionalökonomie
  • Umbau der restlichen Industrie
  • Institutionelle Maßnahmen
Deutschlandfunk Nova hat in der Reihe "Hörsaal" einen Vortrag von Niko Paech vom September 2019 als Podcast veröffentlicht, der vieles von dem aufgreift, um was es in unserem Seminar zu Nachhaltigkeit und Postwachstum geht. Titel des Vortrags ist "Nachhaltigkeit, Wachstum und globale Gerechtigkeit". Anhören lohnt sich...

Gemeinwohl-Ökonomie

Zu den Grundinformationen zur Gemeinwohl-Ökonomie hatten wir folgende Materialien genutzt:

Zusammengenommen erhält man damit einen sehr guten Einblick, worum es der Gemeinwohl-Ökonomie geht und wo sie die wichtigsten Stellschrauben verortet. Wie das ganz konkret aussehen kann, beschreibt ein Artikel auf Krautreporter:

  • Janina Martens: Gemeinwohlökonomie: Auf dieser Baustelle könnte die Wirtschaft der Zukunft entstehen, Krautreporter 19.01.2021 (Link)

Es wäre schön, wenn der eine oder die andere von Ihnen zu diesem hochinteressanten und erfolgreichen Ansatz noch etwas im Blog ergänzen würde... 


Mittwoch, 23. Juni 2021

Welche Ursachen hat das Bienensterben?

Bienen sind für uns Menschen nicht nur als Honigproduzenten relevant. Ihre Bestäubungsarbeit beeinflusst maßgeblich den Reifeprozess sämtlicher Pflanzen, so auch der Nutzpflanzen. So bestäubt eine Biene am Tag laut dem Umweltinstitut ca. 2.000 Blüten. Diese Aufgabe ist stark in das komplexe Ökosystem eingebettet, sodass das Sterben der Bienen nicht nur für den Menschen erhebliche Folgen hat. Um über die Ursachen einen Einblick zu verschaffen, werden diese im Folgenden erläutert. Fest steht jedoch, dass die hier aufgelisteten Ursachen durch Menschen entstanden sind und momentan teilweise sogar verstärkt werden. Ziel dieser Arbeit ist es, die menschengemachten Faktoren für das Bienensterben herauszuarbeiten, um anschließend Lösungsansätze finden zu können. Nur durch Menschen können die menschengemachten Ursachen wieder rückgängig gemacht werden!


Foto: privat

Für die Honigproduktion ist ausschließlich die Honigbiene verantwortlich. Diese kommt in Deutschland nur als Nutztier vor. Sie wird von Imker*innen gehalten und entsprechend versorgt und unterstützt, sodass diese Art nicht vom Aussterben bedroht ist (vgl. Umweltinstitut 2021). Zudem gibt es viele Wildbienen, die allerdings den Nektar entweder sofort selbst als Nahrung aufnehmen oder aber an ihre Brut verfüttern, sodass keine honiggefüllten Warben entstehen. Auch leben diese Bienenarten nicht als Volk zusammen. 

Montag, 14. Juni 2021

Lebensmittel retten

Lebensmittelverschwendung bedeutet, dass vor allem in den Industrieländern Lebensmittel weggeworfen werden. Beim Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums werden viele Lebensmittel, die noch längere Zeit essbar wären, weggeworfen. Somit landen weltweit 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel auf dem Müll. Allein in Deutschland sind es laut Studien, die auf dem Blog CareElite angeführt werden, 12 Millionen Tonnen. Das sind circa 75 Kilogramm Nahrung, die pro Kopf auf dem Müll landen.

Neuerdings gibt es die Möglichkeit, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. In Online-Shops können abgelaufene Lebensmittel gekauft werden und somit gerettet. Das Berliner Startup „Sirplus“ bietet online verschiedenste abgelaufene Lebensmittel zu günstigeren Preisen an. Die Lebensmittel werden überprüft und somit wird sichergestellt, dass sie noch genießbar sind. Vereinzelt gibt es sogar schon sogenannte „Rettermärkte“, z.B. am Standort Berlin. Auf der Internetseite von „Sirplus“ gibt es außerdem noch einen Blog und man kann sich zusätzlich über einen bewussten Umgang mit der Umwelt informieren und sich Tipps holen für ein bewussteres, nachhaltigeres Leben.

In der verlinkten Reportage beschäftigt sich der Reporter von PULS mit der Frage, wie man Lebensmittel von zu Hause aus retten kann und was dazu im Hintergrund notwendig ist (https://www.youtube.com/watch?v=4K8MocrAxXU):


Mittwoch, 9. Juni 2021

Nachhaltig einkaufen

Dieser Artikel der Hannoverschen Allgemeinen führt einige sehr hilfreiche Tipps aus, wie unser Kaufverhalten klimafreundlicher werden kann: https://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Deutschland-Welt/Saisonal-ist-besser-als-Bio.

Hier einige Beispiele:

  • Kartoffeln statt Reis - Reis hat eine deutlich schlechtere Ökobilanz
  • Bio, nur nicht aus Übersee (logischerweise höhere Emissionen) - am besten sind heimische Bio-Produkte
  • Freiland-Gemüse wins - ansonsten wird Gemüse in Gewächshäusern angebaut, die enorm viel Energie verbrauchen
  • Produkte sind je nach Saison unterschiedlich klimafreundlich - Äpfel sind z.B. von August - November am klimafreundlichsten
Handys - davon hatten wir es ja im Seminar schon - verbrauchen extrem viele wertvolle Ressourcen. Am besten nutzt man sein Smartphone natürlich auch mit zerkratztem Display (es funktioniert ja trotzdem noch) und einigen Macken. Wenn es gar nicht mehr gehen sollte, sind generalüberholte Geräte top. Kann ich aus eigener Erfahrung nur empfehlen (z.B. https://www.backmarket.de). Ist wahrscheinlich auch da nicht alles Gold, was glänzt, aber mit Sicherheit nachhaltiger als ein Neugerät.

Dienstag, 8. Juni 2021

Grüner Knopf - Siegel für nachhaltige Kleidung

Der grüne Knopf ist ein staatlich zertifiziertes Siegel für nachhaltige Textilien. Das Siegel gilt nicht nur für Textilien und Produkte, sondern für das gesamte Unternehmen. Gerade befindet sich das Siegel in der Einführungsphase. Nach der Etablierung soll von der Produktion bis zum Verkauf alles überprüft und zertifiziert werden - einzelne Produkte reichen nicht aus. Geplant wird schon ein Grüner Knopf 2.0. Die Prüfung umfasst neben ökologischen auch soziale Kriterien, z.B. Arbeitsbedingungen, Löhne, Arbeitszeiten etc.

Es gibt schon einige Unternehmen, die das Siegel tragen dürfen. Eine Übersicht und nähere Informationen (auch zu den Kriterien) findet ihr hier: https://www.gruener-knopf.de. Arbeitsbedingungen sollten auf der ganzen Welt verbessert und bei Textilien auf Nachhaltigkeit geachtet werden - der Grüne Knopf ist ein guter Anfang. Beitrag über den grünen Knopf (https://www.youtube.com/watch?v=kVkYAdFRsRM):


Montag, 7. Juni 2021

Retten von Lebensmitteln durch Foodsharing

Foodsharing ist eine legale Möglichkeit, Lebensmittel von Supermärkten zu retten, die aufgrund ihres Mindesthaltbarkeitsdatums weggeschmissen werden sollten. Dies wird zentral durch die Plattform https://foodsharing.de organisiert. Nach der Teilnahme an einem Quiz, welches sich mit Grundsätzen des Vereins auseinandersetzt, können begleitete Erstabholungen erfolgen. Dies bedeutet, dass man zu einem Geschäft geht, mit dem zuvor ein Termin für die Abholung vereinbart wurde, und die dort abgelaufenen Lebensmittel abholt. Nach drei Erstabholungen kann jede*r sich auch selbstständig zu Abholungen eintragen.

Es gibt sogenannte „Fair-Teiler“. Hier werden die Lebensmittel der Abholungen gesammelt und verteilt. Aber auch Menschen, die nicht in dem Netzwerk aktiv sind, können hier Essen vorbeibringen sowie sich an den Ablageorten bedienen. Foodsharing stellt folglich eine legale Alternative zum Containern dar. Auf einer Karte auf der Website sieht man, welche Betriebe sich am Foodsharing beteiligen und welche möglicherweise an andere Organisationen wie die „Tafeln“ spenden (Ansicht erst nach Bestehen des Quiz möglich). Das Netzwerk lebt von ehrenamtlichen Engagierten, die Abholungen tätigen oder organisieren. Dadurch ist Foodsharing kostenlos.

Erklärvideo: https://youtu.be/dqsVjuK3rTc

Nachhaltiger Konsum: Vegane Ernährung

Es gibt viele Gründe, sich für eine fleischlose Ernährung zu entscheiden. Auch wenn die Mehrheit den moralischen Aspekt als Motivation sieht, entscheiden sich immer mehr Menschen aufgrund des Klimas und der Umwelt dazu, sich vegetarisch oder sogar vegan zu ernähren. Unter den folgenden Links werden die jeweiligen Beweggründe nochmals aufgegriffen und vor allem diejenigen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Klima näher erläutert:

Sonntag, 6. Juni 2021

Bienen retten mit alten Automaten

Richard Bartz, Munich Makro Freak & Beemaster Hubert
Seibring, Munich which gave me advice and a protection
suite ;) My dog cashed 6 bee-sticks on the nose, i cashed 4.,
Apis mellifera carnica worker hive entrance 2, CC BY-SA 2.5

Das Bienensterben zählt zu den besorgniserregendsten Entwicklungen in einer an (ökologischen) Problemen nicht gerade armen Welt und Zeit. Heute berichtet die FAZ über ein Projekt, das mit restaurierten Kaugummi-Automaten zur Bienenrettung beiträgt. Ohne prahlen zu wollen: Hier im Blog wurde das Projekt im Rahmen der Fundgrube-Sitzungen bereits im November 2019 vorgestellt: "Dortmund - Bienenfutter aus dem Automaten"...

Donnerstag, 3. Juni 2021

Nachhaltiger Tourismus (II): Reportage

Ein Hinweis von Youssef El Kassem:

Kathi und Basti, ein Bloggerpärchen, versuchen in ihrem fünfwöchigen Trip durch Europa nachhaltig und umweltbewusst zu reisen. Dazu gehören Beach Clean-ups, Wildcampen und nachhaltiges Essen. Die PULS-Reporterin Ari macht den Realitäts-Check und geht auf die Grundfrage ein, ob umweltbewusstes und nachhaltiges Reisen wirklich funktioniert (https://www.youtube.com/watch?v=z9kindUptcM):


Nachhaltiger Tourismus (I): Erklärfilm

Wer von uns macht nicht gerne Urlaub in fremden Ländern?! Der Tourismus stellt für viele Entwicklungs- und Schwellenländer einen wichtigen Wirtschaftssektor dar. Gleichzeitig bringt er häufig Probleme mit sich wie bspw. Umweltverschmutzung, Abhängigkeit oder kulturelle Verödung. Wie genau lassen sich die Zusammenhänge im Tourismussektor mit ihren Vor- und Nachteilen erklären? Wie könnte ein nachhaltiger Tourismus aussehen? Diesen und weitere Fragen widmet sich das Projekt „WissensWerte“ in seinem 6-minütigen Erklärfilm (https://www.youtube.com/watch?v=BYSkBldlQrY).


Sonntag, 16. Mai 2021

Montag, 3. Mai 2021

Vortrag von Niko Paech zur Postwachstumsökonomie

Am 10. Mai 2021 um 19 Uhr hält Niko Paech einen Online-Vortrag mit dem Titel "All you need is less. Der Weg in die Postwachstumsökonomie", (erstaunlicherweise) veranstaltet von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Anmeldung (bis 7. Mai, 12 Uhr) und weitere Informationen gibt es hier...