Freitag, 25. September 2020

Der Green New Deal - die Rettung vor der globalen Klimakatastrophe?

Wissenschaftler*innen warnen uns: wir befinden uns mitten im sechsten großen Massenaussterben der Erdgeschichte. Der weltweite Zusammenbruch des Klimas stellt keine ferne Bedrohung mehr da, sondern die erlebte Realität (vgl. Klein 2019, S.15).

Diesbezüglich fordert nicht nur Deutschland, sondern auch die USA, Großbritannien und weitere Länder einen Green New Deal, der die Rettung vor der globalen Klimakatastrophe verheißt. Es besteht aber längst noch keine Einigkeit darüber, wie dieser Green New Deal, der den New Deal von US-Präsident Roosevelt zum Vorbild hat, aussehen und umgesetzt werden soll. Es gibt verschiedene Ansätze, wie genau sich ein Green New Deal gestalten könnte und wie er uns vor der globalen Klimakatastrophe schützen soll. Das Herzstück des Green New Deal stellt die Wende auf Basis einer smarten grünen Infrastruktur hin zur kohlenstofffreien Wirtschaft der dritten industriellen Revolution dar (vgl. Rifkin 2019, S.41).

Der New Deal stammt aus den 30er Jahren aus den USA. Damals wurde Franklin D. Roosevelt Präsident zu Zeiten einer schwerwiegenden Weltwirtschaftskrise. Roosevelt sorgte mit seinem erfolgreichen New Deal für eine Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik (vgl. Löhle 2020). 2007 knüpfte Thomas Friedman an das Konzept des New Deal in einem Artikel in der New York Times an und prägte den Begriff des „Green New Deal“ wesentlich. Er beschrieb den Kampf gegen den Klimawandel durch den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energiequellen und entwickelte eine Idee der „Grünen Revolution“:

„Wenn wir das Blatt beim Klimawandel wenden und unsere Ölabhängigkeit beenden wollen, brauchen wir von allem mehr: Sonne, Wind, Wasser, Ethanol, Biodiesel, saubere Kohle- und Kernkraft und Umweltschutz. Es braucht einen Green New Deal, denn all diese Technologien soweit zu fördern, dass sie wirklich groß sind, wäre ein riesiges Industrieprojekt“ (Friedman 2007).

Friedman setzt dabei auf staatliche Vorschriften, die dafür sorgen sollen, dass Unternehmen zu Innovationen und höheren Preisen gezwungen werden (ebd.). Seitdem wird immer wieder vom Green New Deal gesprochen. Mehr als 10 Jahre später, 2018, prägte das Sunrise-Movement in den USA den Begriff neu. Die US-Klimaaktivist*innen forderten bis 2035 100 prozentige erneuerbare Energien, maximale Effizienzsteigerung im Gebäudesektor, ein Nullemissionstransportsystem, Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung für alle Bürger*innen und Weiterbildungsprogramme, wie einst bei Roosevelt (vgl. Löhle 2020).

Montag, 14. September 2020

Nachhaltigkeit bei ADIDAS

In den vergangenen Jahren ist die Thematik der Nachhaltigkeit immer mehr in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Dass die Thematik nun Beachtung findet, ist auch zwingend notwendig, denn die Naturkatastrophen sind in den vergangenen Jahren immer gewaltiger geworden. Auch das Klima wurde wärmer, sodass es vielerorts, wo es früher immer wieder zu Schneefällen kam, heute kaum noch Schnee gibt (vgl. Horx 2014, S. 212ff.).

Konsumenten haben ihr Konsumverhalten in den vergangenen Jahren geändert. So werden immer mehr nachhaltig produzierte Produkte und Lebensmittel gekauft. Manche Konsumenten gehen dabei noch weiter, indem sie sich nur noch vegetarisch oder sogar vegan ernähren, um so zum Erhalt der Erde beizutragen. Insgesamt konnte in Umfragen festgestellt werden, dass die Menschen mittlerweile gesünder und bewusster leben. Staud merkt dazu an, dass es wichtig sei, etwas für das Klima zu tun, „[d]enn das Klima jammert nicht. Es kippt halt irgendwann um“ (Staud, 2009, S. 25).

Der Wunsch der Gesellschaft nach einem bewussteren Umgang mit Rohstoffen führt in den Unternehmen zu einem Umdenken in der Produktion. Sie sind gefragt und müssen investieren, um den Anforderungen der Gesellschaft auch in Zukunft gerecht zu werden. Auch wenn dies zunächst mit höheren Kosten für die Unternehmen verbunden ist, so kann sich diese Investition über die Jahre hinweg lohnen, da es zu gesteigerten Absätzen und einem besseren Image des Unternehmens führt (vgl. Wenzel/Kirig/Rauch 2008, S. 31).

Die vorliegende Arbeit betrachtet zunächst den Begriff der Nachhaltigkeit und dessen Relevanz für Unternehmen und Gesellschaft. Dabei spielt das Corporate Social Responsibility (im Folgenden mit CSR abgekürzt) Konzept und das ökologische Marketing eine wichtige Rolle (vgl. Kleine 2012, S. 3). Dieses Konzept soll als Grundlage dafür dienen, um die Bemühungen von ADIDAS zum Klimaschutz zu beurteilen.

Das darauffolgenden Kapitel handelt von dem Unternehmen ADIDAS. Dabei wird zunächst auf die Ziele des Unternehmens eingegangen. Anschließend wird die Strategie zur Nachhaltigkeit, die ADIDAS verfolgt, und das ökologische Marketing genauer betrachtet. Anschließend soll im Fazit geklärt werden, wie ADIDAS seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit bewirbt und ob dieser Ansatz mit der Theorie des ökologischen Marketings übereinstimmt.

Sonntag, 30. August 2020

Nachhaltiger Konsum in Zeiten von Fast Fashion

Nachhaltigkeitskampagnen, CO2-Kompensationszahlungen für Flugreisen, Recyclingangebote anstatt wegzuwerfen und die Aufforderung zum umweltbewussteren Leben und nachhaltigeren Kaufen findet man heutzutage überall. In sozialen Netzwerken, in Printmedien und im Fernsehen werben Unternehmen mit ihrem „Sustainability“-Management. Und auch Verbraucher selbst betonen oftmals gerne, auf möglichst viele Plastikverpackungen zu verzichten, öffentliche Verkehrsmittel anstelle des eigenen Autos zu nutzen oder sich vegetarisch bis vegan zu ernähren, da dies insgesamt die Umwelt schone. Das Thema Nachhaltigkeit und der bewusste Konsum scheinen in der Gesellschaft angekommen zu sein.

Doch ist dem tatsächlich so? Ein Blick auf die Textil- und Bekleidungsindustrie (TBI) zeigt, dass hier weiterhin nach alten Maßstäben konsumiert und produziert wird. Viel mehr noch scheinen die großen Modeketten den Eindruck zu machen, als fluten sie im monatlichen Rhythmus die Läden mit neuen Kollektionen, immer mit der Hoffnung verbunden, die Verbraucher zum Kaufen anregen zu können. Und so wird weiterhin unter schlechten Arbeitsbedingungen in fernöstlichen Ländern billige Massenware hergestellt, die weder nachhaltig noch fair produziert wird.

In Zeiten von Fridays-for-Future (FFF), in denen ein nachhaltigeres Leben gefordert wird, kann sich die TBI offenbar diesen Erwartungen nach wie vor entziehen und steht nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Die Automobilindustrie, die Flugzeugbranche sowie Kreuzfahrtschiffe sind dagegen stark in Verruf geraten, zu wenig für den Klimawandel zu tun bzw. zu viele schädliche Abgase auszustoßen.

Das Ziel der Arbeit ist es, einen Leitfaden für den Leser zu geben, wo und wie fair gehandelte Mode gekauft werden kann. Auf welche Merkmale beim Kauf von Kleidung geachtet werden sollte. Denn ist ein teures T-Shirt automatisch auch ein hochwertiges sowie fair und nachhaltig? Diesen Fragen gilt es auf den Grund zu gehen und Antworten dafür zu finden, wie ein umweltfreundliches Konsumverhalten aussehen kann. Doch natürlich soll in diesem Zusammenhang auch die Frage erläutert werden, wie es sich die TBI leisten kann, in immer kürzeren Abständen neue Kollektionen zu produzieren und diese als Massenware in den Einkaufsläden anzubieten.

Montag, 3. August 2020

Uni Kassel: Studierende erstellen Gemeinwohl-Bilanz

Im Rahmen von Projekten im Bereich Service Learning haben Studierende in einem Seminar Unternehmen aus der Region Kassel bei der Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz unterstützt: "Bilanz ziehen fürs Gemeinwohl". Die Leiterin des Bereichs Service Learning, Imke-Marie Badur, wird auf der Uni-Website mit folgendem Satz zitiert:
„Die Unternehmen waren dankbar, Unterstützung bei diesem recht komplexen Prozess zu bekommen, während die Studierenden ihr theoretisches Wissen direkt in der Praxis umsetzen konnten und zudem Einblicke in ein mögliches Berufsfeld bekamen, als potentielle Nachhaltigkeitsberater. Den Mitgliedern der GWÖ-Gruppe in Kassel hat das Seminar geholfen, die Idee der GWÖ weiter zu verbreiten und ihr Netzwerk auszubauen.“

Sonntag, 26. Juli 2020

Doku: "So zerstören unsere Klamotten die Umwelt"

Jeder kennt heutzutage den Begriff Nachhaltigkeit, und viele versuchen auch schon, nachhaltiger zu leben, indem sie weniger Plastikverpackungen kaufen oder nicht mehr so viel Auto fahren. Da sich jeder mit dem Thema beschäftigt, gehen viele davon aus, dass die Klamottenfabriken sich daran auch beteiligen. Im nachfolgenden Video wird allerdings aufgezeigt, wie sehr unsere Umwelt noch heute unter den Bedingungen der Fabriken leidet: https://www.youtube.com/watch?v=pXGr8qX4eNE

Freitag, 24. Juli 2020

Weekday Vegetarian


Hier ist ein kurzes Video über Fleischkonsum und seine Auswirkungen auf die Umwelt. Der sinkende Fleischkonsum in unserem Alltag trägt dazu bei, eine nachhaltige Ernährungsweise aufzubauen. Vielleicht können Sie auch Wochentagvegetarier werden?

Samstag, 18. Juli 2020

Nachtrag: Gemeinwohl-Ökonomie in der Praxis

Der Artikel "Den Menschen soll es gut gehen" von Donato Nicolaidi (Süddeutsche Zeitung, 06.07.2020) zeigt anhand eines konkreten Beispiels aus Freising, was Gemeinwohl-Ökonomie heißt und wie die Sache mit der Gemeinwohl-Bilanz in der Praxis funktioniert - zur Abrundung der Beschäftigung mit diesem Ansatz unbedingt lesenswert...

Freitag, 10. Juli 2020

Lösungsansätze: Nachhaltigkeit, Postwachstum und Gemeinwohl-Ökonomie

Bislang haben wir uns drei Lösungsansätze für die grundlegenden Probleme unserer Gesellschaften angeschaut, die auf vielfältige Weise zusammenhängen und Überschneidungen aufweisen:
  • Das Konzept der Nachhaltigkeit bzw. der nachhaltigen Entwicklung,
  • die Postwachstumsökonomie bzw. -gesellschaft und
  • die Gemeinwohl-Ökonomie.
In diesem Text versuche ich eine kleine Zwischenbilanz zu den drei Konzepten:

Nachhaltigkeit / nachhaltige Entwicklung

Die am häufigsten gebrauchte Definition von "nachhaltiger Entwicklung" stammt von Lester Brown, dem Gründer des Worldwatch Institute. Sie wurde in dem Bericht "Our Common Future" der Brundtland-Kommission aufgegriffen:
"Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs."
[World Commission on Environment and Development (WCED), Our Common Future, Oxford 1987, p. 43]
Diese Definition von "nachhaltiger Entwicklung" wird zwar allgemein akzeptiert, aber sie sagt nicht viel aus. Fritjof Capra schlägt deshalb folgende Operationalisierung vor:
"Der Schlüssel zu einer funktionsfähigen Definition von ökologischer Nachhaltigkeit ist die Einsicht, dass wir nachhaltige menschliche Gemeinschaften nicht von Grund auf erfinden müssen, sondern sie nach dem Vorbild der Ökosysteme der Natur nachbilden können, die ja nachhaltige Gemeinschaften von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen sind. Wie wir gesehen haben, ist die herausragendste Eigenschaft des Erdhaushalts seine immanente Fähigkeit, Leben zu erhalten. Daher ist eine nachhaltige menschliche Gemeinschaft so beschaffen, dass ihre Lebensweisen ebenso wie ihre unternehmerischen, wirtschaftlichen und physikalischen Strukturen und Technologien die immanente Fähigkeit der Natur, Leben zu erhalten, nicht stören. Nachhaltige Gemeinschaften entwickeln ihre Lebensmuster im Laufe der Zeit in ständiger Interaktion mit anderen menschlichen und nichtmenschlichen lebenden Systemen. Nachhaltigkeit bedeutet somit nicht, dass die Dinge sich nicht verändern. Sie ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess der Koevolution."
[aus: Fritjof Capra, Verborgene Zusammenhänge. Vernetzt denken und handeln - in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, Bern u.a. 2002, S. 298]
"Nachhaltige Entwicklung" als Widerspruch in sich

Ursprünglich war Nachhaltigkeit das neue Leitbild, das Ziel, die regulative Idee. Unmerklich hat sich die Terminologie (und nicht nur sie) verschoben. Wenn nicht gleich von green economy die Rede ist, dann spricht man von "nachhaltiger Entwicklung".

"Nachhaltigkeit ja - nachhaltige Entwicklung nein", so lautet die Kritik an der mittlerweile allgegenwärtigen Kombination der beiden Konzepte Nachhaltigkeit und Entwicklung. Grund für die Ablehnung der Kombination sind Vorbehalte gegenüber dem Konzept "Entwicklung". Es mit Nachhaltigkeit kombinieren zu wollen, bedeute einen Widerspruch in sich. Während Nachhaltigkeit zur neuen ökologischen Weltsicht gehöre, entstamme der Entwicklungsbegriff der überholten mechanistischen Weltsicht (eine Gegenüberstellung der beiden Weltsichten findet sich hier).

"Darüber hinaus", so Wolfgang Sachs, Wissenschaftler am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie (www.wupperinst.org), "wurde mit der Verknüpfung von 'nachhaltig' und 'Entwicklung' ein Terrain sprachlicher Ambivalenz geschaffen. Das neue Konzept verschob auf subtile Weise den geometrischen Ort der Nachhaltigkeit von der Natur auf Entwicklung; während sich zuvor 'nachhaltig' auf erneuerbare Ressourcen bezogen hatte, bezieht es sich jetzt auf Entwicklung. Mit dieser Verschiebung änderte sich die Wahrnehmung; die Bedeutung von Nachhaltigkeit verlagerte sich von Naturschutz auf Entwicklungsschutz. Angesichts der Tatsache, dass Entwicklung konzeptionell zu einer leeren Hülse geworden war, war das, was nachhaltig bleiben sollte, unklar und strittig. Daher sind in den folgenden Jahren alle Arten von politischen Akteuren, selbst glühende Verfechter des Wirtschaftswachstums in der Lage gewesen, ihre Absichten in den Begriff 'nachhaltige Entwicklung' zu kleiden. Der Begriff wurde somit bald selbst-referentiell, wie eine von der Weltbank angebotene Definition treffend bestätigt: 'Was ist nachhaltig? Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die anhält.'"
[aus: Wolfgang Sachs, Nach uns die Zukunft. Der globale Konflikt um Gerechtigkeit und Ökologie, Frankfurt/Main 2002, S. 65]

Will man trotz dieser Kritik auf die etablierte Kombination "nachhaltige Entwicklung" nicht verzichten, kann man nicht umhin, den Entwicklungsbegriff näher zu bestimmen und vom überholten Entwicklungsbegriff der Modernisierungstheorie abzugrenzen. Anregungen hierzu gibt das folgende Schaubild:



Postwachstumsökonomie

In der APuZ-Ausgabe 19-20/2017 zu Karl Marx und "Das Kapital" findet sich ein lesenswerter Beitrag von Niko Paech zur Postwachstumsökonomik, die er auf Seite 44 so definiert:
"Die Postwachstumsökonomik kann als ökologisch orientierte Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften bezeichnet werden. Als Lehr- und Forschungsprogramm richtet sie den Blick auf drei basale Fragestellungen. Erstens: Welche Begründungszusammenhänge lassen erkennen, dass ein weiteres Wachstum des Bruttoinlandsproduktes keine Option für die Gestaltung moderner Industriegesellschaften sein kann? Zweitens: Was sind die Ursachen dafür, dass moderne, auf industrieller Fremdversorgung basierende Volkswirtschaften einem Wachstumszwang unterliegen? Drittens: Was sind die Merkmale einer Ökonomie, deren industrieller Output mit der Einhaltung ökologischer Grenzen harmoniert und insbesondere nicht mehr wächst (Postwachstumsökonomie)?"
Diese reduktive Ökonomie ist das Resultat einer fünffachen Selbstbegrenzung (S. 45-46), die sich mit den folgenden Begriffen verbindet:
  • Suffizienz
  • Subsistenz
  • Regionalökonomie
  • Umbau der restlichen Industrie
  • Institutionelle Maßnahmen
Deutschlandfunk Nova hat in der Reihe "Hörsaal" einen Vortrag von Niko Paech vom September 2019 als Podcast veröffentlicht, der vieles von dem aufgreift, um was es in unserem Seminar zu Nachhaltigkeit und Postwachstum geht. Titel des Vortrags ist "Nachhaltigkeit, Wachstum und globale Gerechtigkeit". Anhören lohnt sich...

Gemeinwohl-Ökonomie

Zu den Grundinformationen zur Gemeinwohl-Ökonomie hatten wir folgende Materialien genutzt:
Zusammengenommen erhält man damit einen sehr guten Einblick, worum es der Gemeinwohl-Ökonomie geht und wo sie die wichtigsten Stellschrauben verortet. Es wäre schön, wenn der eine oder die andere von Ihnen zu diesem hochinteressanten und erfolgreichen Ansatz noch etwas im Blog ergänzen würde...

Donnerstag, 18. Juni 2020

Unverpackt-Läden – Einkaufen ohne Plastikmüll

Massenweise Plastikmüll nach einem Einkauf im Supermarkt ist alles andere als nachhaltig. Daher der Trend der Unverpackt-Läden: Geschäfte, deren gesamtes Sortiment lose angeboten wird. Auf Einwegverpackungen wird hier komplett verzichtet. Egal ob Nudeln, Reis, Mehl, Süßwaren, Shampoo oder Waschmittel: Alles wird lose angeboten und kann so problemlos auf die persönlich benötigte Menge abgewogen werden.

Wer wissen möchte, wie genau das funktioniert, kann sich einen Film über einen neueröffneten Unverpackt-Laden in meiner Heimatstadt Herrenberg anschauen, den eine Freundin von mir zum Abschluss ihrer Ausbildung als Mediengestalterin gedreht hat.


Um für euch das Einkaufen in einem Unverpackt-Laden noch attraktiver zu machen und um euch die Recherche zu ersparen, sind hier die Websites von Läden in PH-Nähe: Ludwigsburg, Backnang und Stuttgart. Für die, die anderswo zuhause sind gibt es auch eine bundesweite Liste.

Um auch die letzten Zweifel noch auszuräumen, hier ein Artikel über Folgen von Plastikmüll wie giftige Dämpfe, das Sterben von Tieren und die Rückwirkungen auf uns Menschen.

Mittwoch, 17. Juni 2020

Mit "gutem Konsum" die Welt besser machen

Von A wie Accessoires bis Z wie Zahnputztabs - auf der Seite goodbuy.eu werden zahlreiche "Produkte mit Sinn" angeboten. Eine Filiale gibt es in Berlin, versendet werden die Produkte, die einen Mehrwert für Mensch und Umwelt bieten, sogar klimapositiv. Für jedes Paket kauft goodbuy abgeholzte Regenwaldfläche in Panama, die wieder aufgeforstet wird. Auch bei der Verpackung bemüht sich goodbuy um Nachhaltigkeit. So kommt beispielsweise kein Plastik zum Einsatz. Das Magazin für gesellschaftlichen Wandel und Nachhaltigkeit, enorm, ist ebenfalls auf der Webseite verlinkt.

Sonntag, 14. Juni 2020

Eine neue Wertschätzung von Lebensmitteln

Unsere Gesellschaft ist mittlerweile so sehr darauf konditioniert, günstige Lebensmittel zur Verfügung gestellt zu bekommen, dass sich die Wertschätzung im Preis kaum mehr widerspiegelt. Ganz nach dem Motto "Immer viel und immer günstig" werden die Regale und Theken der Discounter leergefegt.

Doch wie so oft, wenn Menschen sich ihrer blinden Gier hingeben, entstehen auch Gegenbewegungen, die uns einen Ausweg bieten. Dieser Blog-Beitrag soll nun drei Projekte aufzeigen, die sich in unserer unmittelbaren Nähe für einen nachhaltigen, fairen und wertschätzenden Konsum einsetzen und somit den Realitätsverlust in Bezug auf Lebensmittel mildern helfen.

Solidarische Landwirtschaft (kurz: SoLaWi)

Viele Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, müssen aufgrund niedriger Preise um das Überleben ihrer Höfe kämpfen, da der ökologische Anbau unter hohem Marktdruck steht. Zudem sehen sie sich oft vor die Wahl gestellt, entweder sich oder die Natur auszubeuten.

Die Solidarische Landwirtschaft ist ein Beispiel dafür, wie nachhaltig, wertschätzend und vor allem solidarisch gewirtschaftet und konsumiert werden kann, und bietet somit eine regionale, saisonale und gerechtere Alternative zum gewohnten Gang in den Supermarkt. Bei SoLaWi geht es jedoch nicht nur darum, dass frische Nahrungsmittel erzeugt werden, sondern auch eine vielfältige, bäuerliche Landwirtschaft erhalten bleibt. Dabei steht, wie schon im Namen mit inbegriffen, vor allem die Solidarität im Vordergrund.

Ein großer Unterschied zur herkömmlichen Landwirtschaft stellt die Finanzierung dar, denn die Lebensmittel werden nicht über den Markt vertrieben. Bei SoLaWi schließen sich Erzeuger*innen und Verbraucher*innen zusammen, wobei letztere mitfinanzieren und auch mitorganisieren.

Auf der einen Seite erhalten die Verbraucher*innen frische Nahrungsmittel, gewinnen Transparenz über Kosten und Anbau und fördern zugleich die regionale Nachhaltigkeit. Auf der anderen Seite erhalten die Erzeuger*innen ein gesichertes Einkommen und somit die Möglichkeit, in finanzieller Sicherheit zu produzieren und dabei rücksichtsvoll und nachhaltig mit der Umwelt, den genutzten Flächen und ihren Beschäftigten umzugehen.

Wer gerne noch mehr über SoLaWi erfahren möchte, findet dazu weitere Informationen auf deren Homepage und zahlreiche interessante Berichte auf YouTube. Anlaufstellen in der Umgebung befinden sich z.B. in Stuttgart, Schwäbisch Hall, Esslingen oder bei Lauffen a.N.

Raupe Immersatt

Die Zahl 313 verdeutlicht, wie weit es mittlerweile durch unseren gnadenlosen Konsum gekommen ist: denn 313 Kilo genießbare Nahrungsmittel landen laut einer Studie des WWF pro Sekunde in deutschen Mülltonnen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass derzeit jährlich 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche völlig umsonst bewirtschaftet wird. Das erschreckendste daran ist, dass diese Lebensmittelverschwendung durch die einfachsten Mittel vermeidbar wären. Korrekte Nahrungsmittellagerung oder ein bewussterer Einkauf könnten hier schon eine Menge bewegen.

Aus diesem Grund haben sich fünf Menschen ein Herz gefasst und das erste Food-Sharing-Café Deutschlands in Stuttgart eröffnet, um einen Teil dieser Lebensmittel zu retten. Viel Herzblut haben die fünf Gründer*innen in ihr Projekt „Raupe Immersatt“ gesteckt. Doch nicht nur sie, auch zahlreiche Unterstützer*innen spendeten Geld, Mobiliar oder technische Ausstattung.

Doch wie funktioniert das Food-Sharing-Café? Rund 1500 ehrenamtliche Helfer*innen trommeln jeden Tag den Großteil des Essens für das Café zusammen. So findet sich schließlich eine vielseitige Auswahl an Backwaren, Süßigkeiten, Müsli, Obst und Gemüse wieder. Die Lebensmittel stammen aus über 90 Bäckereien, Kantinen oder Supermärkten und wären hier sonst auf dem Müll gelandet. Die „Raupe Immersatt“ ist dann eine von acht Stationen in Stuttgart, die einen Teil der geretteten Lebensmittel erhält. Bevor die Lebensmittel in die Regale und auf den Tellern landen, wandern sie erstmal in die Küche und werden dort auf ihren Zustand überprüft.

Da die Lebensmittel im Café kostenlos sein sollen, finanziert sich die „Raupe Immersatt“ über den Verkauf von biologischen, nachhaltigen und regionalen Getränken. Da die Kund*innen hier selbst entscheiden sollen, was ihnen der Besuch wert ist, gibt es keinen Festpreis für die Getränke. Die einen zahlen einen Euro für ihren Kaffee und die anderen 50. So kann jeder/jede einen ganz individuellen Beitrag für die Wertschätzung von Lebensmitteln beisteuern.

Die "Raupe Immersatt" steht für einen gemeinsamen, wertschätzenden und bewussten Umgang mit Nahrung. Auch hier gibt es für Interessierte ein passendes Video mit den wichtigsten Informationen.

Marktschwärmer

Der klassische Wochenmarkt weckt in vielerlei Hinsicht bei so manch einem romantische Gefühle. Man denkt vielleicht an Altstadt-Flair, Sonnenschein und reges Treiben. Das rege Treiben bleibt in diesen Tag jedoch häufig aus. Die Zahl der klassischen Wochenmärkte nimmt in Deutschland von Jahr zu Jahr ab und stetig sinkende Umsätze sowie preiswertere Angebote der Discounter führen zu einem drastischen Rückgang von Händlern (vgl. Handelsblatt). Aus Frankreich hat sich jedoch ein Trend auf den Weg gemacht, der mittlerweile auch unsere Kreise erreicht hat.

„Food Assembly“ heißt die neue Alternative und verknüpft digitale Lösungen mit dem klassischen Konzept der Wochenmärkte – so sind in Deutschland bisher rund 70 Online-Offline-Märkte entstanden. Die in Deutschland so genannten „Marktschwärmer“ sind Sammelstellen, z.B. bei Gastgebern auf Landhöfen oder auch in Markthallen. Die Verbraucher*innen können hier über eine App die Ware direkt bei ihrem/ihrer regionalen Erzeuger*in bestellen und diese in einem festgelegten Zeitfenster an der Sammelstelle abholen. Der Vorteil für die Erzeuger*innen ist, dass sie selbst entscheiden können, welche Preise für ihre Erzeugnisse fair sind und diese festsetzen. 10 Prozent des Umsatzes geht dann an die Marktschwärmer-Plattform, sowie 8 Prozent an die Gastgeber.

Die Marktschwärmer nutzen hier die komfortablen Möglichkeiten der digitalen Medien, um den Wochenmarkt zukunftssicher zu machen. Wir sehen also moderne Bezahlmöglichkeiten, digitales Netzwerken, aber auch Gedanken der Nachhaltigkeit und Fairness an Beispielen wie der Regionalität und der fairen Bepreisung miteinander vereint. Eine einfache Möglichkeit, um als Privatperson an der Agrarwende mitzuwirken.

Auch im Landkreis Ludwigsburg soll es bald eine Marktschwärmerei geben. In Bietigheim-Bissingen findet zur Zeit ein Aufbau statt. Auch hierzu könnt ihr weitere Informationen auf der Homepage oder passende Berichte auf YouTube finden.

Samstag, 13. Juni 2020

Reise kompensieren

Bei Flugreisen werden eine Menge CO2 ausgestoßen. Mittlerweile gibt es jedoch für Personen, die nicht auf eine Flugreise verzichten wollen oder können, die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß zu kompensieren. Näheres dazu auf dieser Seite. Hier kann man auch seinen CO2-Ausstoß für die Reise berechnen lassen und dann unter folgendem Link diesen Ausstoß durch eine Spende, die in den Umweltschutz fließt, kompensieren. Mit dem Geld werden beispielsweise erneuerbare Energien gefördert oder Bäume gepflanzt.

Dienstag, 9. Juni 2020

Mahlzeiten zum halben Preis

Lebensmittelverschwendung ist ein großes weltweites Problem. Viele Restaurants, Cafés und Lebensmittelgeschäfte schmeißen tagtäglich ihre Speisereste in den Müll. Mit der ResQ-App soll das geändert werden. Das finnische Startup zeigt den Nutzern Restaurants, Cafés usw. an, welche nachhaltig wirtschaften und überschüssige Lebensmittel für einen reduzierten Preis anbieten. Die App zeigt einem also gutes Essen in der Nähe an, welches normalerweise im Müll landen würde. So kann man warme Mahlzeiten oft zum halben Preis bekommen und dabei gleichzeitig was für die Umwelt tun. Jede Portion Essen, die gekauft wird, ist eine weniger, die im Müll landet. In Deutschland kann die App momentan nur in Berlin genutzt werden. Hier helfen bereits mehr als 120 Menschen, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken: https://www.resq-club.com/de/eat

Podcast zum Thema nachhaltige Mode

Fast fashion isn’t free. Someone somewhere is paying. - Lucy Siegel
Buy less, choose well, make it last. - Vivienne Westwood
The first step to slow fashion is asking why before you buy. - unknown
Diese Zitate haben mich in Bezug auf die Thematik unseres Konsumverhaltens sehr beschäftigt. Passend dazu habe ich einen Podcast gefunden. In dem Podcast von Pia und Clara wird die Problematik unseres Konsumverhaltens in der Textilbranche thematisiert. Warum haben wir das Bedürfnis, uns immer wieder neue Klamotten kaufen zu müssen, obwohl unsere Kleiderschränke überfüllt sind und die meisten von uns ganz genau wissen, wie schlecht die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern wie beispielsweise China, Pakistan oder Burma sind.

Podcast: Modeopfer – Fast oder Fair? https://open.spotify.com/episode/3tL2rGC3qVVFcaREX6OXyX?si=Qm9ntOSrRvORFdOqlITLdA

Leitfragen:
  • Was verbinden wir mit unseren Klamotten?
  • Warum haben wir unser Konsumverhalten verändert und was treibt uns an, diese Masse an Klamotten zu kaufen?
  • Warum beeinträchtigt das, was wir täglich auf unserer Haut tragen, das Leben von Millionen von Menschen und bestimmt die Gesundheit unsere Ökosysteme?
  • Welche Alternativen gibt es? Besonders in Bezug auf Unterdrückung und Menschenverachtung?
Viel Spaß beim Zuhören!

"Wir werden verzichten müssen"

"Wir werden verzichten müssen" - So lautet die Überschrift eines Artikels der Zeit. Doch was genau ist damit gemeint? Dies und vor allem worauf es bei nachhaltigem Konsum ankommt, wird einem in diesem Artikel sehr anschaulich erläutert. Zunächst einmal werden grüne Ideen oder Technologien nicht ausreichen, um unseren Planeten zu retten. Denn zu allererst müssen wir Menschen genügsamer werden.

Es wird hauptsächlich von einem intelligenteren Konsum gesprochen. Denn im Grunde müssen wir auf nichts verzichten, wenn wir es nachhaltig herstellen bzw. es unseren Planeten nicht gravierend schädigt. Autos per se sind nicht umweltschädlich, wenn man deren Antrieb aus erneuerbaren Energien generiert. Einweggeschirr oder Strohhalme sind mittlerweile Alltagsgegenstände, die auf Partys nicht fehlen dürfen.

Man sollte sie nicht abschaffen, sondern vielleicht aus Pflanzen herstellen. Es sind in erster Linie Beispiele, was nachhaltiger Konsum überhaupt bedeutet und wie wir ihn anpacken sollten. Denn so einfach ist es dann doch nicht. Umwelt ist nicht gleich Klima, oft fokussiert man sich zu sehr auf ein Thema, anstatt die Auswirkungen auf andere Umweltbereiche zu berücksichtigen.

Es fängt schon mit dem Umweltschutz an sich an. Denn auch dieses Ziel ist keineswegs konfliktfrei, nahezu alles im Leben ist für irgendjemanden unvorteilhaft. Selbst ein „essbares“ Auto kann Menschen verletzten, totfahren oder Flächen vom Ökosystem wegnehmen.

Auf was kommt es also an, wenn man von einem nachhaltigen Konsum spricht? Ganz einfach, auf alle. Es wird viel zu oft eine Debatte geführt, wer denn nun die Schuldigen sind. Die Konzerne, Politiker oder die Kunden? Liegt es an unserer Verdrängung aber auch Bequemlichkeit, etwas zu ändern, oder doch nur an den Konzernen, die profitorientiert ausgerichtet sind?

Fakt ist, die einen gibt es nicht ohne die anderen, und als erstes fängt es mit uns als Konsumenten an. Wir müssen aus unserer bequemen Blase heraustreten und zu allererst genügsamer werden, lernen zu verzichten. Ein kurzer Einblick in einen, wie ich finde, sehr gelungen Artikel.

Ekardt, Felix, Zeit (2017): Wir werden verzichten müssen. https://www.zeit.de/wirtschaft/2017-07/nachhaltiger-konsum-technologie-emissionen-nutzen-klimawandel

OZON - mit Instagram zum Umweltschutz

Mit "OZON" stelle ich einen Instagram-Account vor, der als Angebot von funk von ARD und ZDF ins Leben gerufen wurde. Dieser fungiert einerseits als Informationskanal mit Kurzreportagen, Hintergrundwissen und anregendem Input zum Nachdenken, andererseits mit Tipps und Tricks für verschiedene Do-It-Yourself-Ideen, um zum Selber-aktiv-werden zu ermutigen - und das Ganze zugänglich und leicht verständlich aufbereitet.

Zentrales Thema von OZON ist Umweltschutz und wie dieser in den Alltag integriert werden kann – aber nicht nur, denn es werden die unterschiedlichsten Themen beleuchtet und intensiver behandelt, die in irgendeiner Art und Weise damit in Verbindung stehen: Second Hand, Möbel, Upcycling, Zero Waste, Müll, Plastik, Streaming, Ernährung, Kosmetika, Sharing, …

Es lohnt sich definitiv, dieser Seite mal einen Besuch abzustatten und sich inspirieren zu lassen – folgen kann man ihr natürlich auch, um immer up-to-date zu bleiben. Am 29. Oktober 2019 wurde das Format sogar mit dem "Pädagogischen Medienpreis“ ausgezeichnet, da das Konzept kreativ und unterhaltsam sei und beweise, dass Wissensvermittlung auch bei Instagram funktioniert.

Gütesiegel - Fair und nachhaltig einkaufen

Wenn wir in unserem Alltag Nachhaltigkeit praktizieren möchten, können wir dies durch den Kauf von umwelt- und sozialverträglichen Produkten tun. Um uns Konsumenten dabei zu unterstützen und Orientierung zu geben, sind viele Produkte mit sogenannten Gütesiegeln gekennzeichnet. Sie verfolgen die Entstehung des Produktes und bewerten dabei die Gewinnung der Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen zur Herstellung und die faktische Beschaffenheit des Produktes im Hinblick auf Nachhaltigkeit.

Da Gütesiegel jedoch mehr und mehr auch als Vermarktungsstrategie eingesetzt werden und somit stetig neue Siegel entworfen werden, welche nicht immer für hohe Standards stehen, ist man als Konsument ohne Expertise oft überfordert angesichts der unzähligen vielversprechenden Gütesiegeln. Um hierbei Orientierung zu geben, was wirklich hinter den einzelnen Siegeln steckt und welche Siegel tatsächlich auf gehobene Nachhaltigkeitsanforderungen hinweisen, gibt die Bundeszentrale für politische Bildung im nachfolgend verlinkten Artikel eine Übersicht: https://www.bpb.de/dialog/netzdebatte/283493/welche-guetesiegel-gibt-es

Nachhaltiges Kaugummikauen - der Alpengummi

Auch kleine, alltägliche Dinge, wie beispielsweise das Kaugummikauen, schädigen unsere Umwelt. Wurde früher noch ein Großteil der Kaugummis aus Chicle, dem Milchsaft des Breiapfelbaumes hergestellt, überwiegt heute die Herstellung aus Polymeren auf Erdölbasis. Das sorgt dafür, das Kaugummi nicht biologisch abbaubar und gleichzeitig auch nicht unbedingt förderlich für unsere Gesundheit ist – man kaut schließlich auf Kunststoff herum.

Der „Alpengummi“ stellt eine regionale, nachhaltige und zuckerfreie Alternative dazu dar. Die Kaumasse besteht aus heimischem Föhrenharz und Bienenwachs, zum Süßen wird Birkenzucker (Xylit) verwendet. Zu kaufen gibt es den Alpengummi vorwiegend in regionalen Geschäften in Österreich, vereinzelt auch in Deutschland. Alternativ gibt es auch einen Onlineshop, in dem man die Kaugummis bestellen kann, die Lieferung erfolgt CO2-neutral mit der Post. Die Alpengummis sind mit 2,99 Euro pro 10 Stück etwas teurer als die herkömmlichen Kaugummis auf Erdölbasis, für diejenigen, die auf Kaugummi nicht verzichten können und auf eine gesunde und umweltfreundliche Alternative umsteigen möchten, aber bestimmt einen Versuch wert.

Montag, 8. Juni 2020

Leihen statt kaufen - nachhaltiger Konsumstil

Wie oft nutzen wir die Dinge, die wir kaufen, wirklich und wie lange? Vieles, das wir nicht häufig benötigen oder nicht sofort konsumieren, können wir auch auf andere Weise erhalten, und die meisten tun das bereits: "Dinge gemeinsam nutzen" ist die Leitidee von Leila. Leila ist ein Leihladen in Berlin und wird von dem Verein GeLa e.V. betrieben. Sie funktioniert wie Bibliotheken für Gegenstände, die man nicht so oft oder nur für einen gewissen Zeitraum braucht.

Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum

Unter folgendem Link findet ihr die Homepage des Umweltbundesamtes und einen Artikel zum Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum: https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/kompetenzzentrum-nachhaltiger-konsum

Der Konsum der privaten Haushalte ist für einen großen Teil der Ressourceninanspruchnahme und Umweltbelastungen verantwortlich. Um den notwendigen Strukturwandel in Richtung Nachhaltigkeit voranzutreiben, hat die Bundesregierung das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum verabschiedet. Das Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum im Umweltbundesamt begleitet die Umsetzung des Programms.

Nachhaltiger Konsum bedeutet so zu konsumieren, dass sowohl heutige als auch zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse erfüllen können und dabei die Belastbarkeitsgrenzen der Erde nicht gefährdet werden.

Das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum (NPNK) konkretisiert die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie im Bereich Konsum und stellt einen Weg dar, wie der notwendige Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit in Deutschland weiter vorangetrieben werden soll. Das Programm findet ihr unter folgendem Link: https://k-n-k.de/programm-npnk

Ob Ernährung, Mobilität oder Bekleidung: Konsum umfasst alle Bereiche unseres Alltags. Mit dem Nationalen Programm für nachhaltigen Konsum (NPNK) beschreibt die Bundesregierung, wie der notwendige Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit vorangetrieben werden soll. Man kann auf die verschiedenen Bedürfnisfelder wie z.B. Bildung, Mobilität oder Ernährung klicken, um zu den Informationen und Handlungsansätzen zu gelangen.

Nachhaltige Pannenhilfe fürs Fahrrad

Außer Frage steht, dass Fahrradfahren eine ökologische Form der Fortbewegung darstellt. Doch damit nicht genug. Dieser Aspekt benötigt eine Ergänzung unseres Bewusstseins über die Bedeutung des Gegenstandes an sich und der verarbeiteten Materialien. Schließlich werden auch für die Herstellung von Fahrrädern wertvolle Rohstoffe und Ressourcen genutzt.

Woher die gängigen Materialien wie Aluminium, Stahl, Carbon oder Titan ursprünglich kommen und unter welchen Arbeitsbedingungen die Herstellung von Fahrradrahmen, Bremsen usw. erfolgt, lässt sich schwer nachverfolgen. Meist umrunden die Einzelteile mehrfach den Erdball, um dann in einem Werk fertig montiert zu werden.

Daher stellt sich die Frage: Was tun, wenn der Drahtesel mal nicht mehr in die Gänge kommt? Eine Neuanschaffung will aufgrund der verwendeten Wertstoffe wohl überlegt sein. Die Suche nach einer Fahrradwerkstatt kann sich unter Umständen als problematisch erweisen, da Fahrradgeschäfte zum Teil nur für die je eigenen verkauften Fahrräder den Werkstattservice anbieten oder auf Profit durch Verkauf ausgerichtet sind. Im Folgenden werden alternative Anlaufstellen aufgezeigt, die die Langlebigkeit deines Fahrrads verbessern können:

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten wie ein platter Reifen oder die Einstellung des Sattels, um wieder unbeschwert weiterfahren zu können. Fehlt hierfür das notwendige Werkzeug, so bieten einige Gemeinden Reparatursäulen für Fahrräder an. Im November 2019 startete die Stadt Stuttgart mit diesem Service im öffentlichen Raum an zwei Standorten: Eberhardstraße / Ecke Marktstraße in Stuttgart-Mitte, sowie bei der Unterführung in der Unterländer Straße in Stuttgart-Zuffenhausen.

Wer sein Fahrrad gerne selbst reparieren möchte, aber alleine nicht weiterkommt, kann sich zum Beispiel an ein Repair Café wenden. Diese bieten die Möglichkeit, kaputten Gegenständen gemeinsam auf den Grund zu gehen. Werkzeug zur Behebung kleinerer Mängel ist vorhanden. Ersatzteile müssen selbst besorgt werden.

Der HOBBYHIMMEL Stuttgart möchte mit seinem Konzept der offenen Werkstatt zur Postwachstums-Gesellschaft beitragen. Hier wird Raum geboten, damit eigene kreative Ideen umgesetzt werden können. Werkzeug wird gemeinschaftlich genutzt, um Dinge zu reparieren und somit die Nutzungsdauer zu verlängern.

Die Fahrrad-Service-Stationen des diakonischen Sozialunternehmens NEUE ARBEIT gGmbH bieten an den Bahnhöfen in Stuttgart-Möhringen, -Vaihingen, -Feuerbach und Bad Cannstatt die Nutzung eines bewachten Parkplatzes an. Zudem besteht das Angebot, das Fahrrad während der Parkdauer warten, reinigen oder reparieren zu lassen. Leihfahrräder gibt es gegen Gebühr. Alte und gebrauchte Fahrräder können an die Service-Station gespendet werden. Hier werden sie wieder verkehrstauglich gemacht und preisgünstig verkauft oder an bedürftige Menschen weitergegeben.

Wer sein Fahrrad einem Profi überlassen möchte, findet in der Radtheke eine gute Anlaufstelle. Diese Fahrradwerkstatt repariert Fahrräder aller Hersteller – unabhängig von Baujahr und Typ. Sie wird unter dem Motto „reCycle – upCycle – justCycle“ betrieben. Ersatzteile werden vorrangig aus gebrauchten, ausgeschlachteten Fahrrädern bezogen. Einen Einblick bietet die SWR-Reportage „Mensch Leute: Rückenwind in Stuttgart – Umsteigen aufs Fahrrad“.

Und wenn es doch mal ein neues Fahrrad sein soll, wie wäre es, dieses aus einem nachwachsenden Rohstoff selbst zu bauen? Das Werkstatthaus in Stuttgart bietet hierzu immer wieder Workshops an, bei welchen ein Bambusfahrrad unter fachmännischer Anleitung selbst konstruiert wird. Weitere Tipps können gerne in den Kommentaren hinterlassen werden.

Smarticular – Anleitungen für nachhaltigen Konsum

Auf der Internetseite Smarticular findet ihr zahlreiche Anleitungen und Tipps rund um den nachhaltigen Konsum. Es geht darum, nachhaltiger zu leben, indem man Objekte aus den Bereichen Haushalt, Kosmetik, Ernährung selbst herstellt, anstatt sie zu kaufen. So werden außerdem die Wertschöpfungsketten verkürzt, wofür Niko Paech im Text „Das Ende der Konsumwirtschaft“ ja plädiert. Es ist überraschend einfach und macht Spaß, selbst nachhaltige und funktionale Haushaltsobjekte herzustellen. Lasst euch inspirieren und probiert vielleicht auch das eine oder andere Rezept aus: https://www.smarticular.net/

Sonntag, 7. Juni 2020

Externalisierungsgesellschaft

"Neben uns die Sintflut" ist der eindrückliche Titel (Untertitel: "Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis"), den der Soziologe Stephan Lessenich seiner treffenden Diagnose unserer Gesellschaft gegeben hat. Das Buch ist 2016 im Carl Hanser Verlag erschienen und unbedingt lesenswert.

Zentrale Aussage ist, dass es uns gut geht, weil es anderen schlecht geht. Glück und Unglück müssen in Tateinheit betrachtet werden. So schreibt der Autor hinsichtlich der Ziele, die er mit dem Buch verfolgt:
"Ebendiese Doppelgeschichte soll hier in den Blick genommen werden. Es geht um den Einblick in Zusammenhänge, die Einsicht in Abhängigkeiten, in globale Beziehungsstrukturen und Wechselwirkungen. Es geht um die andere Seite der westlichen Moderne, um ihr 'dunkles Gesicht', um ihre Verankerung in den Strukturen und Mechanismen kolonialer Herrschaft über den Rest der Welt. Es geht um Reichtumsproduktion auf Kosten und um Wohlstandsgenuss zu Lasten anderer, um die Auslagerung der Kosten und Lasten des 'Fortschritts'. Und es geht noch um eine weitere, dritte Geschichte: um die Abwehr des Wissens um ebendiese Doppelgeschichte, um deren Verdrängung aus unserem Bewusstsein, um ihre Tilgung aus den gesellschaftlichen Erzählungen individuellen und kollektiven 'Erfolgs'. Wer von unserem Wohlstand hierzulande redet, dürfte von den damit verbundenen, verwobenen, ja ursächlich zusammenhängenden Nöten anderer Menschen andernorts nicht schweigen. Genau das aber ist es, was ununterbrochen geschieht." (S. 17)
Im weiteren Verlauf des Textes wird Lessenich noch deutlicher, wenn er schreibt: "Gegen ebenjenes Vergessen aber richtet sich dieses Buch" (S. 24). Es geht darum, die Mechanismen und Strukturen darzustellen, die zu der perversen "internationalen Arbeitsteilung" geführt haben, die sich so beschreiben lässt:
"Wir haben uns aufs Gewinnen spezialisiert - und die anderen aufs Verlieren festgelegt." (S. 25)
Die Anzeichen mehren sich, dass Ungleichheit und Ungerechtigkeit im Weltmaßstab immer mehr Menschen Unbehagen bereitet.
"Diesem einstweilen noch unterschwelligen, aber - so die Vermutung - zunehmend um sich greifenden Unbehagen an der Externalisierungsgesellschaft und ihrem Preis will das vorliegende Buch Ausdruck und Auftrieb geben." (S. 29)
Es geht Lessenich also um "eine Gegenwartssoziologie der Externalisierungsgesellschaft" (S. 50), wobei er diesen zentralen Begriff entlang der drei zentralen Kategorien von Macht, Ausbeutung und Habitus folgendermaßen definiert:
"In der Externalisierungsgesellschaft besteht Macht in der Chance, die Kosten der eigenen Lebensführung auf andere abzuwälzen - und diese Chance ist strukturell ungleich verteilt. Sie ist dies, weil es bestimmten sozialen Kollektiven gelungen ist, sich Möglichkeiten zur Externalisierung anzueignen und sie zugleich anderen vorzuenthalten. Diese anderen werden von den machtvollen Positionen aus ausgebeutet, insofern sie vorrangig die Kosten der Externalisierung zu tragen haben, von den Profiten derselben aber dauerhaft ausgeschlossen bleiben. Sozial wirksam und gesellschaftlich stabilisiert werden Machtungleichgewicht und Ausbeutungsdynamik in der Externalisierungsgesellschaft durch einen spezifischen Habitus derjenigen, die aus machtvollen Positionen heraus ausbeuterisch handeln: Externalisierung wird für sie zu einer sozialen Praxis, die sie als möglich, üblich und legitim wahrnehmen und daher wie selbstverständlich vollziehen." (S. 62f., eigene Hervorhebung)
Auf den Seiten 179/180 bilanziert der Autor seine Analyse. In zwei Anläufen habe er zu ergründen versucht, wie es sich mit Wohlstand und "Übelstand" verhält:
"Zunächst wurde gezeigt, wie die gesamte (...) Lebensführung in den reichen Gesellschaften des globalen Nordens auf einem schon seit langem praktizierten, großangelegten System ungleichen Tauschs beruht: In weiter Ferne, an den vielen Peripherien der kapitalistischen Weltökonomie, werden Arbeiten erbracht, Ressourcen gefördert, Giftstoffe freigesetzt, Abfälle gelagert, Landstriche verwüstet, Sozialräume zerstört, Menschen getötet - für uns, für die Menschen in den Zentren des Wohlstands, für die Ermöglichung und Aufrechterhaltung ihres Lebensstandards, ihrer Lebenschancen, ihres Lebensstils." (S. 179f.)
Der zweite Schritt besteht darin, das Mobilitätsregime dieser globalen Formation in den Blick zu nehmen. Hier kommt Lessenich zu folgender Einschätzung:
"Sodann wurde in einem zweiten Schritt nachgezeichnet, wie sich diese Zentren des Wohlstands von der sie nährenden und entlastenden Außenwelt abschließen, oder genauer: wie sie 'fremde' Lebenswelten als ein 'Außen' konstruieren, auf das sie zur Sicherung ihrer Lebensweise zugreifen können, ohne selbst jedoch von diesem in ihrer Integrität berührt zu werden. Die Beziehungen zwischen Zentren und Peripherien sind nach dem Prinzip der Halbdurchlässigkeit gestaltet: Während nach 'außen' viel geht, soll nur wenig nach 'innen' gelangen. Die globale Mobilitätskluft zugunsten des globalen Nordens ist dafür ein treffendes Beispiel: Die eine Hälfte der Welt bereist kollektiv die andere, eröffnet dieser aber nur einen höchst selektiven Zugang zu ihrem eigenen Wirtschafts- und Sozialraum. Wie die Lebens- sind auch die Bewegungschancen offensichtlich global teilbar - und effektiv geteilt. Was den einen möglich ist, bleibt den anderen verwehrt: Das nennt sich dann das Zeitalter der 'Globalisierung'." (S. 180)
In dieser Analyse bestand das Hauptanliegen des Buches. Hinzu kam das Ziel, mit "der Schweigespirale des Wohlstandskapitalismus" (S. 192) zu brechen. Was mögliche Reaktionen auf die dargestellte schreiende Ungerechtigkeit betrifft, beschränkt sich Lessenich auf einige Andeutungen zur "radikalen institutionellen Reform der Externalisierungsgesellschaft" (S. 195):
"...von einer mit den Privilegien der Zentrumsökonomien brechenden Revision des Welthandelsregimes, einer effektiven Besteuerung weltweiter Finanztransaktionen und einem Umbau der reichen Volkswirtschaften in Postwachstumsökonomien bis hin zu einem Sozialvertrag zur Verzögerung des Klimawandels (...) und einer transnationalen Rechtspolitik, die globale soziale Rechte wirkungsvoll verankert. Auf einen gemeinsamen Nenner gebracht, liefe eine solche Reform auf eine konsequente Politik der doppelten Umverteilung hinaus: im nationalgesellschaftlichen wie im weltgesellschaftlichen Maßstab, von oben nach unten und von 'innen' nach 'außen'." (S. 195)

Netzwerk Reparatur-Initiativen

Das Netzwerk Reparatur-Initiativen ist eine Plattform, die es sich zum Ziel gemacht hat, durch gemeinschaftliche Reparatur-Events einen Beitrag zur Müllvermeidung, zur Einsparung von Ressourcen sowie zum Erproben einer nachhaltigen Lebensweise in der Praxis zu leisten.

Die Nutzer*innen und Besucher*innen haben dabei die Möglichkeit, mit bestehenden Initiativen in Kontakt zu treten, selbst eine Reparatur-Initiative ins Leben zu rufen oder ihre Kompetenzen und ihr Wissen auszutauschen. Darüber hinaus hilft das Netzwerk auch, die Kooperation zwischen bestehenden Initiativen und Schulen zu fördern.

In Ludwigsburg gibt es beispielsweise ein Reparier-Café im Mehrgenerationenhaus in Grünbühl-Sonnenberg.