Sonntag, 26. Juli 2020
Doku: "So zerstören unsere Klamotten die Umwelt"
Jeder kennt heutzutage den Begriff Nachhaltigkeit, und viele versuchen auch schon, nachhaltiger zu leben, indem sie weniger Plastikverpackungen kaufen oder nicht mehr so viel Auto fahren. Da sich jeder mit dem Thema beschäftigt, gehen viele davon aus, dass die Klamottenfabriken sich daran auch beteiligen. Im nachfolgenden Video wird allerdings aufgezeigt, wie sehr unsere Umwelt noch heute unter den Bedingungen der Fabriken leidet: https://www.youtube.com/watch?v=pXGr8qX4eNE
Freitag, 24. Juli 2020
Weekday Vegetarian
Hier ist ein kurzes Video über Fleischkonsum und seine Auswirkungen auf die Umwelt. Der sinkende Fleischkonsum in unserem Alltag trägt dazu bei, eine nachhaltige Ernährungsweise aufzubauen. Vielleicht können Sie auch Wochentagvegetarier werden?
Samstag, 18. Juli 2020
Nachtrag: Gemeinwohl-Ökonomie in der Praxis
Der Artikel "Den Menschen soll es gut gehen" von Donato Nicolaidi (Süddeutsche Zeitung, 06.07.2020) zeigt anhand eines konkreten Beispiels aus Freising, was Gemeinwohl-Ökonomie heißt und wie die Sache mit der Gemeinwohl-Bilanz in der Praxis funktioniert - zur Abrundung der Beschäftigung mit diesem Ansatz unbedingt lesenswert...
Freitag, 10. Juli 2020
Lösungsansätze: Nachhaltigkeit, Postwachstum und Gemeinwohl-Ökonomie
Bislang haben wir uns drei Lösungsansätze für die grundlegenden Probleme unserer Gesellschaften angeschaut, die auf vielfältige Weise zusammenhängen und Überschneidungen aufweisen:
Nachhaltigkeit / nachhaltige Entwicklung
Die am häufigsten gebrauchte Definition von "nachhaltiger Entwicklung" stammt von Lester Brown, dem Gründer des Worldwatch Institute. Sie wurde in dem Bericht "Our Common Future" der Brundtland-Kommission aufgegriffen:
Ursprünglich war Nachhaltigkeit das neue Leitbild, das Ziel, die regulative Idee. Unmerklich hat sich die Terminologie (und nicht nur sie) verschoben. Wenn nicht gleich von green economy die Rede ist, dann spricht man von "nachhaltiger Entwicklung".
"Nachhaltigkeit ja - nachhaltige Entwicklung nein", so lautet die Kritik an der mittlerweile allgegenwärtigen Kombination der beiden Konzepte Nachhaltigkeit und Entwicklung. Grund für die Ablehnung der Kombination sind Vorbehalte gegenüber dem Konzept "Entwicklung". Es mit Nachhaltigkeit kombinieren zu wollen, bedeute einen Widerspruch in sich. Während Nachhaltigkeit zur neuen ökologischen Weltsicht gehöre, entstamme der Entwicklungsbegriff der überholten mechanistischen Weltsicht (eine Gegenüberstellung der beiden Weltsichten findet sich hier).
"Darüber hinaus", so Wolfgang Sachs, Wissenschaftler am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie (www.wupperinst.org), "wurde mit der Verknüpfung von 'nachhaltig' und 'Entwicklung' ein Terrain sprachlicher Ambivalenz geschaffen. Das neue Konzept verschob auf subtile Weise den geometrischen Ort der Nachhaltigkeit von der Natur auf Entwicklung; während sich zuvor 'nachhaltig' auf erneuerbare Ressourcen bezogen hatte, bezieht es sich jetzt auf Entwicklung. Mit dieser Verschiebung änderte sich die Wahrnehmung; die Bedeutung von Nachhaltigkeit verlagerte sich von Naturschutz auf Entwicklungsschutz. Angesichts der Tatsache, dass Entwicklung konzeptionell zu einer leeren Hülse geworden war, war das, was nachhaltig bleiben sollte, unklar und strittig. Daher sind in den folgenden Jahren alle Arten von politischen Akteuren, selbst glühende Verfechter des Wirtschaftswachstums in der Lage gewesen, ihre Absichten in den Begriff 'nachhaltige Entwicklung' zu kleiden. Der Begriff wurde somit bald selbst-referentiell, wie eine von der Weltbank angebotene Definition treffend bestätigt: 'Was ist nachhaltig? Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die anhält.'"
[aus: Wolfgang Sachs, Nach uns die Zukunft. Der globale Konflikt um Gerechtigkeit und Ökologie, Frankfurt/Main 2002, S. 65]
Will man trotz dieser Kritik auf die etablierte Kombination "nachhaltige Entwicklung" nicht verzichten, kann man nicht umhin, den Entwicklungsbegriff näher zu bestimmen und vom überholten Entwicklungsbegriff der Modernisierungstheorie abzugrenzen. Anregungen hierzu gibt das folgende Schaubild:

Postwachstumsökonomie
In der APuZ-Ausgabe 19-20/2017 zu Karl Marx und "Das Kapital" findet sich ein lesenswerter Beitrag von Niko Paech zur Postwachstumsökonomik, die er auf Seite 44 so definiert:
Gemeinwohl-Ökonomie
Zu den Grundinformationen zur Gemeinwohl-Ökonomie hatten wir folgende Materialien genutzt:
- Das Konzept der Nachhaltigkeit bzw. der nachhaltigen Entwicklung,
- die Postwachstumsökonomie bzw. -gesellschaft und
- die Gemeinwohl-Ökonomie.
Nachhaltigkeit / nachhaltige Entwicklung
Die am häufigsten gebrauchte Definition von "nachhaltiger Entwicklung" stammt von Lester Brown, dem Gründer des Worldwatch Institute. Sie wurde in dem Bericht "Our Common Future" der Brundtland-Kommission aufgegriffen:
"Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs."Diese Definition von "nachhaltiger Entwicklung" wird zwar allgemein akzeptiert, aber sie sagt nicht viel aus. Fritjof Capra schlägt deshalb folgende Operationalisierung vor:
[World Commission on Environment and Development (WCED), Our Common Future, Oxford 1987, p. 43]
"Der Schlüssel zu einer funktionsfähigen Definition von ökologischer Nachhaltigkeit ist die Einsicht, dass wir nachhaltige menschliche Gemeinschaften nicht von Grund auf erfinden müssen, sondern sie nach dem Vorbild der Ökosysteme der Natur nachbilden können, die ja nachhaltige Gemeinschaften von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen sind. Wie wir gesehen haben, ist die herausragendste Eigenschaft des Erdhaushalts seine immanente Fähigkeit, Leben zu erhalten. Daher ist eine nachhaltige menschliche Gemeinschaft so beschaffen, dass ihre Lebensweisen ebenso wie ihre unternehmerischen, wirtschaftlichen und physikalischen Strukturen und Technologien die immanente Fähigkeit der Natur, Leben zu erhalten, nicht stören. Nachhaltige Gemeinschaften entwickeln ihre Lebensmuster im Laufe der Zeit in ständiger Interaktion mit anderen menschlichen und nichtmenschlichen lebenden Systemen. Nachhaltigkeit bedeutet somit nicht, dass die Dinge sich nicht verändern. Sie ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess der Koevolution.""Nachhaltige Entwicklung" als Widerspruch in sich
[aus: Fritjof Capra, Verborgene Zusammenhänge. Vernetzt denken und handeln - in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, Bern u.a. 2002, S. 298]
Ursprünglich war Nachhaltigkeit das neue Leitbild, das Ziel, die regulative Idee. Unmerklich hat sich die Terminologie (und nicht nur sie) verschoben. Wenn nicht gleich von green economy die Rede ist, dann spricht man von "nachhaltiger Entwicklung".
"Nachhaltigkeit ja - nachhaltige Entwicklung nein", so lautet die Kritik an der mittlerweile allgegenwärtigen Kombination der beiden Konzepte Nachhaltigkeit und Entwicklung. Grund für die Ablehnung der Kombination sind Vorbehalte gegenüber dem Konzept "Entwicklung". Es mit Nachhaltigkeit kombinieren zu wollen, bedeute einen Widerspruch in sich. Während Nachhaltigkeit zur neuen ökologischen Weltsicht gehöre, entstamme der Entwicklungsbegriff der überholten mechanistischen Weltsicht (eine Gegenüberstellung der beiden Weltsichten findet sich hier).
"Darüber hinaus", so Wolfgang Sachs, Wissenschaftler am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie (www.wupperinst.org), "wurde mit der Verknüpfung von 'nachhaltig' und 'Entwicklung' ein Terrain sprachlicher Ambivalenz geschaffen. Das neue Konzept verschob auf subtile Weise den geometrischen Ort der Nachhaltigkeit von der Natur auf Entwicklung; während sich zuvor 'nachhaltig' auf erneuerbare Ressourcen bezogen hatte, bezieht es sich jetzt auf Entwicklung. Mit dieser Verschiebung änderte sich die Wahrnehmung; die Bedeutung von Nachhaltigkeit verlagerte sich von Naturschutz auf Entwicklungsschutz. Angesichts der Tatsache, dass Entwicklung konzeptionell zu einer leeren Hülse geworden war, war das, was nachhaltig bleiben sollte, unklar und strittig. Daher sind in den folgenden Jahren alle Arten von politischen Akteuren, selbst glühende Verfechter des Wirtschaftswachstums in der Lage gewesen, ihre Absichten in den Begriff 'nachhaltige Entwicklung' zu kleiden. Der Begriff wurde somit bald selbst-referentiell, wie eine von der Weltbank angebotene Definition treffend bestätigt: 'Was ist nachhaltig? Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die anhält.'"
[aus: Wolfgang Sachs, Nach uns die Zukunft. Der globale Konflikt um Gerechtigkeit und Ökologie, Frankfurt/Main 2002, S. 65]
Will man trotz dieser Kritik auf die etablierte Kombination "nachhaltige Entwicklung" nicht verzichten, kann man nicht umhin, den Entwicklungsbegriff näher zu bestimmen und vom überholten Entwicklungsbegriff der Modernisierungstheorie abzugrenzen. Anregungen hierzu gibt das folgende Schaubild:

Postwachstumsökonomie
In der APuZ-Ausgabe 19-20/2017 zu Karl Marx und "Das Kapital" findet sich ein lesenswerter Beitrag von Niko Paech zur Postwachstumsökonomik, die er auf Seite 44 so definiert:
"Die Postwachstumsökonomik kann als ökologisch orientierte Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften bezeichnet werden. Als Lehr- und Forschungsprogramm richtet sie den Blick auf drei basale Fragestellungen. Erstens: Welche Begründungszusammenhänge lassen erkennen, dass ein weiteres Wachstum des Bruttoinlandsproduktes keine Option für die Gestaltung moderner Industriegesellschaften sein kann? Zweitens: Was sind die Ursachen dafür, dass moderne, auf industrieller Fremdversorgung basierende Volkswirtschaften einem Wachstumszwang unterliegen? Drittens: Was sind die Merkmale einer Ökonomie, deren industrieller Output mit der Einhaltung ökologischer Grenzen harmoniert und insbesondere nicht mehr wächst (Postwachstumsökonomie)?"Diese reduktive Ökonomie ist das Resultat einer fünffachen Selbstbegrenzung (S. 45-46), die sich mit den folgenden Begriffen verbindet:
- Suffizienz
- Subsistenz
- Regionalökonomie
- Umbau der restlichen Industrie
- Institutionelle Maßnahmen
Gemeinwohl-Ökonomie
Zu den Grundinformationen zur Gemeinwohl-Ökonomie hatten wir folgende Materialien genutzt:
- Die laufend aktualisierte Selbstbeschreibung von Christian Felber : Gemeinwohl-Ökonomie
- Einen aktuellen Text angesichts der Corona-Pandemie: Grundkonturen einer Post-Corona-Ökonomie
- Einen SWR2 Podcast (09.06.2020): Gemeinwohl-Ökonomie
Donnerstag, 18. Juni 2020
Unverpackt-Läden – Einkaufen ohne Plastikmüll
Wer wissen möchte, wie genau das funktioniert, kann sich einen Film über einen neueröffneten Unverpackt-Laden in meiner Heimatstadt Herrenberg anschauen, den eine Freundin von mir zum Abschluss ihrer Ausbildung als Mediengestalterin gedreht hat.
Um für euch das Einkaufen in einem Unverpackt-Laden noch attraktiver zu machen und um euch die Recherche zu ersparen, sind hier die Websites von Läden in PH-Nähe: Ludwigsburg, Backnang und Stuttgart. Für die, die anderswo zuhause sind gibt es auch eine bundesweite Liste.
Um auch die letzten Zweifel noch auszuräumen, hier ein Artikel über Folgen von Plastikmüll wie giftige Dämpfe, das Sterben von Tieren und die Rückwirkungen auf uns Menschen.
Mittwoch, 17. Juni 2020
Mit "gutem Konsum" die Welt besser machen
Von A wie Accessoires bis Z wie Zahnputztabs - auf der Seite goodbuy.eu werden zahlreiche "Produkte mit Sinn" angeboten. Eine Filiale gibt es in Berlin, versendet werden die Produkte, die einen Mehrwert für Mensch und Umwelt bieten, sogar klimapositiv. Für jedes Paket kauft goodbuy abgeholzte Regenwaldfläche in Panama, die wieder aufgeforstet wird. Auch bei der Verpackung bemüht sich goodbuy um Nachhaltigkeit. So kommt beispielsweise kein Plastik zum Einsatz. Das Magazin für gesellschaftlichen Wandel und Nachhaltigkeit, enorm, ist ebenfalls auf der Webseite verlinkt.
Sonntag, 14. Juni 2020
Eine neue Wertschätzung von Lebensmitteln
Unsere Gesellschaft ist mittlerweile so sehr darauf konditioniert, günstige Lebensmittel zur Verfügung gestellt zu bekommen, dass sich die Wertschätzung im Preis kaum mehr widerspiegelt. Ganz nach dem Motto "Immer viel und immer günstig" werden die Regale und Theken der Discounter leergefegt.
Doch wie so oft, wenn Menschen sich ihrer blinden Gier hingeben, entstehen auch Gegenbewegungen, die uns einen Ausweg bieten. Dieser Blog-Beitrag soll nun drei Projekte aufzeigen, die sich in unserer unmittelbaren Nähe für einen nachhaltigen, fairen und wertschätzenden Konsum einsetzen und somit den Realitätsverlust in Bezug auf Lebensmittel mildern helfen.
Solidarische Landwirtschaft (kurz: SoLaWi)
Viele Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, müssen aufgrund niedriger Preise um das Überleben ihrer Höfe kämpfen, da der ökologische Anbau unter hohem Marktdruck steht. Zudem sehen sie sich oft vor die Wahl gestellt, entweder sich oder die Natur auszubeuten.
Die Solidarische Landwirtschaft ist ein Beispiel dafür, wie nachhaltig, wertschätzend und vor allem solidarisch gewirtschaftet und konsumiert werden kann, und bietet somit eine regionale, saisonale und gerechtere Alternative zum gewohnten Gang in den Supermarkt. Bei SoLaWi geht es jedoch nicht nur darum, dass frische Nahrungsmittel erzeugt werden, sondern auch eine vielfältige, bäuerliche Landwirtschaft erhalten bleibt. Dabei steht, wie schon im Namen mit inbegriffen, vor allem die Solidarität im Vordergrund.
Ein großer Unterschied zur herkömmlichen Landwirtschaft stellt die Finanzierung dar, denn die Lebensmittel werden nicht über den Markt vertrieben. Bei SoLaWi schließen sich Erzeuger*innen und Verbraucher*innen zusammen, wobei letztere mitfinanzieren und auch mitorganisieren.
Auf der einen Seite erhalten die Verbraucher*innen frische Nahrungsmittel, gewinnen Transparenz über Kosten und Anbau und fördern zugleich die regionale Nachhaltigkeit. Auf der anderen Seite erhalten die Erzeuger*innen ein gesichertes Einkommen und somit die Möglichkeit, in finanzieller Sicherheit zu produzieren und dabei rücksichtsvoll und nachhaltig mit der Umwelt, den genutzten Flächen und ihren Beschäftigten umzugehen.
Wer gerne noch mehr über SoLaWi erfahren möchte, findet dazu weitere Informationen auf deren Homepage und zahlreiche interessante Berichte auf YouTube. Anlaufstellen in der Umgebung befinden sich z.B. in Stuttgart, Schwäbisch Hall, Esslingen oder bei Lauffen a.N.
Raupe Immersatt
Die Zahl 313 verdeutlicht, wie weit es mittlerweile durch unseren gnadenlosen Konsum gekommen ist: denn 313 Kilo genießbare Nahrungsmittel landen laut einer Studie des WWF pro Sekunde in deutschen Mülltonnen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass derzeit jährlich 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche völlig umsonst bewirtschaftet wird. Das erschreckendste daran ist, dass diese Lebensmittelverschwendung durch die einfachsten Mittel vermeidbar wären. Korrekte Nahrungsmittellagerung oder ein bewussterer Einkauf könnten hier schon eine Menge bewegen.
Aus diesem Grund haben sich fünf Menschen ein Herz gefasst und das erste Food-Sharing-Café Deutschlands in Stuttgart eröffnet, um einen Teil dieser Lebensmittel zu retten. Viel Herzblut haben die fünf Gründer*innen in ihr Projekt „Raupe Immersatt“ gesteckt. Doch nicht nur sie, auch zahlreiche Unterstützer*innen spendeten Geld, Mobiliar oder technische Ausstattung.
Doch wie funktioniert das Food-Sharing-Café? Rund 1500 ehrenamtliche Helfer*innen trommeln jeden Tag den Großteil des Essens für das Café zusammen. So findet sich schließlich eine vielseitige Auswahl an Backwaren, Süßigkeiten, Müsli, Obst und Gemüse wieder. Die Lebensmittel stammen aus über 90 Bäckereien, Kantinen oder Supermärkten und wären hier sonst auf dem Müll gelandet. Die „Raupe Immersatt“ ist dann eine von acht Stationen in Stuttgart, die einen Teil der geretteten Lebensmittel erhält. Bevor die Lebensmittel in die Regale und auf den Tellern landen, wandern sie erstmal in die Küche und werden dort auf ihren Zustand überprüft.
Da die Lebensmittel im Café kostenlos sein sollen, finanziert sich die „Raupe Immersatt“ über den Verkauf von biologischen, nachhaltigen und regionalen Getränken. Da die Kund*innen hier selbst entscheiden sollen, was ihnen der Besuch wert ist, gibt es keinen Festpreis für die Getränke. Die einen zahlen einen Euro für ihren Kaffee und die anderen 50. So kann jeder/jede einen ganz individuellen Beitrag für die Wertschätzung von Lebensmitteln beisteuern.
Die "Raupe Immersatt" steht für einen gemeinsamen, wertschätzenden und bewussten Umgang mit Nahrung. Auch hier gibt es für Interessierte ein passendes Video mit den wichtigsten Informationen.
Marktschwärmer
Der klassische Wochenmarkt weckt in vielerlei Hinsicht bei so manch einem romantische Gefühle. Man denkt vielleicht an Altstadt-Flair, Sonnenschein und reges Treiben. Das rege Treiben bleibt in diesen Tag jedoch häufig aus. Die Zahl der klassischen Wochenmärkte nimmt in Deutschland von Jahr zu Jahr ab und stetig sinkende Umsätze sowie preiswertere Angebote der Discounter führen zu einem drastischen Rückgang von Händlern (vgl. Handelsblatt). Aus Frankreich hat sich jedoch ein Trend auf den Weg gemacht, der mittlerweile auch unsere Kreise erreicht hat.
„Food Assembly“ heißt die neue Alternative und verknüpft digitale Lösungen mit dem klassischen Konzept der Wochenmärkte – so sind in Deutschland bisher rund 70 Online-Offline-Märkte entstanden. Die in Deutschland so genannten „Marktschwärmer“ sind Sammelstellen, z.B. bei Gastgebern auf Landhöfen oder auch in Markthallen. Die Verbraucher*innen können hier über eine App die Ware direkt bei ihrem/ihrer regionalen Erzeuger*in bestellen und diese in einem festgelegten Zeitfenster an der Sammelstelle abholen. Der Vorteil für die Erzeuger*innen ist, dass sie selbst entscheiden können, welche Preise für ihre Erzeugnisse fair sind und diese festsetzen. 10 Prozent des Umsatzes geht dann an die Marktschwärmer-Plattform, sowie 8 Prozent an die Gastgeber.
Die Marktschwärmer nutzen hier die komfortablen Möglichkeiten der digitalen Medien, um den Wochenmarkt zukunftssicher zu machen. Wir sehen also moderne Bezahlmöglichkeiten, digitales Netzwerken, aber auch Gedanken der Nachhaltigkeit und Fairness an Beispielen wie der Regionalität und der fairen Bepreisung miteinander vereint. Eine einfache Möglichkeit, um als Privatperson an der Agrarwende mitzuwirken.
Auch im Landkreis Ludwigsburg soll es bald eine Marktschwärmerei geben. In Bietigheim-Bissingen findet zur Zeit ein Aufbau statt. Auch hierzu könnt ihr weitere Informationen auf der Homepage oder passende Berichte auf YouTube finden.
Doch wie so oft, wenn Menschen sich ihrer blinden Gier hingeben, entstehen auch Gegenbewegungen, die uns einen Ausweg bieten. Dieser Blog-Beitrag soll nun drei Projekte aufzeigen, die sich in unserer unmittelbaren Nähe für einen nachhaltigen, fairen und wertschätzenden Konsum einsetzen und somit den Realitätsverlust in Bezug auf Lebensmittel mildern helfen.
Solidarische Landwirtschaft (kurz: SoLaWi)
Viele Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, müssen aufgrund niedriger Preise um das Überleben ihrer Höfe kämpfen, da der ökologische Anbau unter hohem Marktdruck steht. Zudem sehen sie sich oft vor die Wahl gestellt, entweder sich oder die Natur auszubeuten.
Die Solidarische Landwirtschaft ist ein Beispiel dafür, wie nachhaltig, wertschätzend und vor allem solidarisch gewirtschaftet und konsumiert werden kann, und bietet somit eine regionale, saisonale und gerechtere Alternative zum gewohnten Gang in den Supermarkt. Bei SoLaWi geht es jedoch nicht nur darum, dass frische Nahrungsmittel erzeugt werden, sondern auch eine vielfältige, bäuerliche Landwirtschaft erhalten bleibt. Dabei steht, wie schon im Namen mit inbegriffen, vor allem die Solidarität im Vordergrund.
Ein großer Unterschied zur herkömmlichen Landwirtschaft stellt die Finanzierung dar, denn die Lebensmittel werden nicht über den Markt vertrieben. Bei SoLaWi schließen sich Erzeuger*innen und Verbraucher*innen zusammen, wobei letztere mitfinanzieren und auch mitorganisieren.
Auf der einen Seite erhalten die Verbraucher*innen frische Nahrungsmittel, gewinnen Transparenz über Kosten und Anbau und fördern zugleich die regionale Nachhaltigkeit. Auf der anderen Seite erhalten die Erzeuger*innen ein gesichertes Einkommen und somit die Möglichkeit, in finanzieller Sicherheit zu produzieren und dabei rücksichtsvoll und nachhaltig mit der Umwelt, den genutzten Flächen und ihren Beschäftigten umzugehen.
Wer gerne noch mehr über SoLaWi erfahren möchte, findet dazu weitere Informationen auf deren Homepage und zahlreiche interessante Berichte auf YouTube. Anlaufstellen in der Umgebung befinden sich z.B. in Stuttgart, Schwäbisch Hall, Esslingen oder bei Lauffen a.N.
Raupe Immersatt
Die Zahl 313 verdeutlicht, wie weit es mittlerweile durch unseren gnadenlosen Konsum gekommen ist: denn 313 Kilo genießbare Nahrungsmittel landen laut einer Studie des WWF pro Sekunde in deutschen Mülltonnen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass derzeit jährlich 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche völlig umsonst bewirtschaftet wird. Das erschreckendste daran ist, dass diese Lebensmittelverschwendung durch die einfachsten Mittel vermeidbar wären. Korrekte Nahrungsmittellagerung oder ein bewussterer Einkauf könnten hier schon eine Menge bewegen.
Aus diesem Grund haben sich fünf Menschen ein Herz gefasst und das erste Food-Sharing-Café Deutschlands in Stuttgart eröffnet, um einen Teil dieser Lebensmittel zu retten. Viel Herzblut haben die fünf Gründer*innen in ihr Projekt „Raupe Immersatt“ gesteckt. Doch nicht nur sie, auch zahlreiche Unterstützer*innen spendeten Geld, Mobiliar oder technische Ausstattung.
Doch wie funktioniert das Food-Sharing-Café? Rund 1500 ehrenamtliche Helfer*innen trommeln jeden Tag den Großteil des Essens für das Café zusammen. So findet sich schließlich eine vielseitige Auswahl an Backwaren, Süßigkeiten, Müsli, Obst und Gemüse wieder. Die Lebensmittel stammen aus über 90 Bäckereien, Kantinen oder Supermärkten und wären hier sonst auf dem Müll gelandet. Die „Raupe Immersatt“ ist dann eine von acht Stationen in Stuttgart, die einen Teil der geretteten Lebensmittel erhält. Bevor die Lebensmittel in die Regale und auf den Tellern landen, wandern sie erstmal in die Küche und werden dort auf ihren Zustand überprüft.
Da die Lebensmittel im Café kostenlos sein sollen, finanziert sich die „Raupe Immersatt“ über den Verkauf von biologischen, nachhaltigen und regionalen Getränken. Da die Kund*innen hier selbst entscheiden sollen, was ihnen der Besuch wert ist, gibt es keinen Festpreis für die Getränke. Die einen zahlen einen Euro für ihren Kaffee und die anderen 50. So kann jeder/jede einen ganz individuellen Beitrag für die Wertschätzung von Lebensmitteln beisteuern.
Die "Raupe Immersatt" steht für einen gemeinsamen, wertschätzenden und bewussten Umgang mit Nahrung. Auch hier gibt es für Interessierte ein passendes Video mit den wichtigsten Informationen.
Marktschwärmer
Der klassische Wochenmarkt weckt in vielerlei Hinsicht bei so manch einem romantische Gefühle. Man denkt vielleicht an Altstadt-Flair, Sonnenschein und reges Treiben. Das rege Treiben bleibt in diesen Tag jedoch häufig aus. Die Zahl der klassischen Wochenmärkte nimmt in Deutschland von Jahr zu Jahr ab und stetig sinkende Umsätze sowie preiswertere Angebote der Discounter führen zu einem drastischen Rückgang von Händlern (vgl. Handelsblatt). Aus Frankreich hat sich jedoch ein Trend auf den Weg gemacht, der mittlerweile auch unsere Kreise erreicht hat.
„Food Assembly“ heißt die neue Alternative und verknüpft digitale Lösungen mit dem klassischen Konzept der Wochenmärkte – so sind in Deutschland bisher rund 70 Online-Offline-Märkte entstanden. Die in Deutschland so genannten „Marktschwärmer“ sind Sammelstellen, z.B. bei Gastgebern auf Landhöfen oder auch in Markthallen. Die Verbraucher*innen können hier über eine App die Ware direkt bei ihrem/ihrer regionalen Erzeuger*in bestellen und diese in einem festgelegten Zeitfenster an der Sammelstelle abholen. Der Vorteil für die Erzeuger*innen ist, dass sie selbst entscheiden können, welche Preise für ihre Erzeugnisse fair sind und diese festsetzen. 10 Prozent des Umsatzes geht dann an die Marktschwärmer-Plattform, sowie 8 Prozent an die Gastgeber.
Die Marktschwärmer nutzen hier die komfortablen Möglichkeiten der digitalen Medien, um den Wochenmarkt zukunftssicher zu machen. Wir sehen also moderne Bezahlmöglichkeiten, digitales Netzwerken, aber auch Gedanken der Nachhaltigkeit und Fairness an Beispielen wie der Regionalität und der fairen Bepreisung miteinander vereint. Eine einfache Möglichkeit, um als Privatperson an der Agrarwende mitzuwirken.
Auch im Landkreis Ludwigsburg soll es bald eine Marktschwärmerei geben. In Bietigheim-Bissingen findet zur Zeit ein Aufbau statt. Auch hierzu könnt ihr weitere Informationen auf der Homepage oder passende Berichte auf YouTube finden.
Samstag, 13. Juni 2020
Reise kompensieren
Bei Flugreisen werden eine Menge CO2 ausgestoßen. Mittlerweile gibt es jedoch für Personen, die nicht auf eine Flugreise verzichten wollen oder können, die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß zu kompensieren. Näheres dazu auf dieser Seite. Hier kann man auch seinen CO2-Ausstoß für die Reise berechnen lassen und dann unter folgendem Link diesen Ausstoß durch eine Spende, die in den Umweltschutz fließt, kompensieren. Mit dem Geld werden beispielsweise erneuerbare Energien gefördert oder Bäume gepflanzt.
Dienstag, 9. Juni 2020
Mahlzeiten zum halben Preis
Lebensmittelverschwendung ist ein großes weltweites Problem. Viele Restaurants, Cafés und Lebensmittelgeschäfte schmeißen tagtäglich ihre Speisereste in den Müll. Mit der ResQ-App soll das geändert werden. Das finnische Startup zeigt den Nutzern Restaurants, Cafés usw. an, welche nachhaltig wirtschaften und überschüssige Lebensmittel für einen reduzierten Preis anbieten. Die App zeigt einem also gutes Essen in der Nähe an, welches normalerweise im Müll landen würde. So kann man warme Mahlzeiten oft zum halben Preis bekommen und dabei gleichzeitig was für die Umwelt tun. Jede Portion Essen, die gekauft wird, ist eine weniger, die im Müll landet. In Deutschland kann die App momentan nur in Berlin genutzt werden. Hier helfen bereits mehr als 120 Menschen, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken: https://www.resq-club.com/de/eat
Podcast zum Thema nachhaltige Mode
Fast fashion isn’t free. Someone somewhere is paying. - Lucy SiegelDiese Zitate haben mich in Bezug auf die Thematik unseres Konsumverhaltens sehr beschäftigt. Passend dazu habe ich einen Podcast gefunden. In dem Podcast von Pia und Clara wird die Problematik unseres Konsumverhaltens in der Textilbranche thematisiert. Warum haben wir das Bedürfnis, uns immer wieder neue Klamotten kaufen zu müssen, obwohl unsere Kleiderschränke überfüllt sind und die meisten von uns ganz genau wissen, wie schlecht die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern wie beispielsweise China, Pakistan oder Burma sind.
Buy less, choose well, make it last. - Vivienne Westwood
The first step to slow fashion is asking why before you buy. - unknown
Podcast: Modeopfer – Fast oder Fair? https://open.spotify.com/episode/3tL2rGC3qVVFcaREX6OXyX?si=Qm9ntOSrRvORFdOqlITLdA
Leitfragen:
- Was verbinden wir mit unseren Klamotten?
- Warum haben wir unser Konsumverhalten verändert und was treibt uns an, diese Masse an Klamotten zu kaufen?
- Warum beeinträchtigt das, was wir täglich auf unserer Haut tragen, das Leben von Millionen von Menschen und bestimmt die Gesundheit unsere Ökosysteme?
- Welche Alternativen gibt es? Besonders in Bezug auf Unterdrückung und Menschenverachtung?
"Wir werden verzichten müssen"
"Wir werden verzichten müssen" - So lautet die Überschrift eines Artikels der Zeit. Doch was genau ist damit gemeint? Dies und vor allem worauf es bei nachhaltigem Konsum ankommt, wird einem in diesem Artikel sehr anschaulich erläutert. Zunächst einmal werden grüne Ideen oder Technologien nicht ausreichen, um unseren Planeten zu retten. Denn zu allererst müssen wir Menschen genügsamer werden.
Es wird hauptsächlich von einem intelligenteren Konsum gesprochen. Denn im Grunde müssen wir auf nichts verzichten, wenn wir es nachhaltig herstellen bzw. es unseren Planeten nicht gravierend schädigt. Autos per se sind nicht umweltschädlich, wenn man deren Antrieb aus erneuerbaren Energien generiert. Einweggeschirr oder Strohhalme sind mittlerweile Alltagsgegenstände, die auf Partys nicht fehlen dürfen.
Man sollte sie nicht abschaffen, sondern vielleicht aus Pflanzen herstellen. Es sind in erster Linie Beispiele, was nachhaltiger Konsum überhaupt bedeutet und wie wir ihn anpacken sollten. Denn so einfach ist es dann doch nicht. Umwelt ist nicht gleich Klima, oft fokussiert man sich zu sehr auf ein Thema, anstatt die Auswirkungen auf andere Umweltbereiche zu berücksichtigen.
Es fängt schon mit dem Umweltschutz an sich an. Denn auch dieses Ziel ist keineswegs konfliktfrei, nahezu alles im Leben ist für irgendjemanden unvorteilhaft. Selbst ein „essbares“ Auto kann Menschen verletzten, totfahren oder Flächen vom Ökosystem wegnehmen.
Auf was kommt es also an, wenn man von einem nachhaltigen Konsum spricht? Ganz einfach, auf alle. Es wird viel zu oft eine Debatte geführt, wer denn nun die Schuldigen sind. Die Konzerne, Politiker oder die Kunden? Liegt es an unserer Verdrängung aber auch Bequemlichkeit, etwas zu ändern, oder doch nur an den Konzernen, die profitorientiert ausgerichtet sind?
Fakt ist, die einen gibt es nicht ohne die anderen, und als erstes fängt es mit uns als Konsumenten an. Wir müssen aus unserer bequemen Blase heraustreten und zu allererst genügsamer werden, lernen zu verzichten. Ein kurzer Einblick in einen, wie ich finde, sehr gelungen Artikel.
Ekardt, Felix, Zeit (2017): Wir werden verzichten müssen. https://www.zeit.de/wirtschaft/2017-07/nachhaltiger-konsum-technologie-emissionen-nutzen-klimawandel
Es wird hauptsächlich von einem intelligenteren Konsum gesprochen. Denn im Grunde müssen wir auf nichts verzichten, wenn wir es nachhaltig herstellen bzw. es unseren Planeten nicht gravierend schädigt. Autos per se sind nicht umweltschädlich, wenn man deren Antrieb aus erneuerbaren Energien generiert. Einweggeschirr oder Strohhalme sind mittlerweile Alltagsgegenstände, die auf Partys nicht fehlen dürfen.
Man sollte sie nicht abschaffen, sondern vielleicht aus Pflanzen herstellen. Es sind in erster Linie Beispiele, was nachhaltiger Konsum überhaupt bedeutet und wie wir ihn anpacken sollten. Denn so einfach ist es dann doch nicht. Umwelt ist nicht gleich Klima, oft fokussiert man sich zu sehr auf ein Thema, anstatt die Auswirkungen auf andere Umweltbereiche zu berücksichtigen.
Es fängt schon mit dem Umweltschutz an sich an. Denn auch dieses Ziel ist keineswegs konfliktfrei, nahezu alles im Leben ist für irgendjemanden unvorteilhaft. Selbst ein „essbares“ Auto kann Menschen verletzten, totfahren oder Flächen vom Ökosystem wegnehmen.
Auf was kommt es also an, wenn man von einem nachhaltigen Konsum spricht? Ganz einfach, auf alle. Es wird viel zu oft eine Debatte geführt, wer denn nun die Schuldigen sind. Die Konzerne, Politiker oder die Kunden? Liegt es an unserer Verdrängung aber auch Bequemlichkeit, etwas zu ändern, oder doch nur an den Konzernen, die profitorientiert ausgerichtet sind?
Fakt ist, die einen gibt es nicht ohne die anderen, und als erstes fängt es mit uns als Konsumenten an. Wir müssen aus unserer bequemen Blase heraustreten und zu allererst genügsamer werden, lernen zu verzichten. Ein kurzer Einblick in einen, wie ich finde, sehr gelungen Artikel.
Ekardt, Felix, Zeit (2017): Wir werden verzichten müssen. https://www.zeit.de/wirtschaft/2017-07/nachhaltiger-konsum-technologie-emissionen-nutzen-klimawandel
OZON - mit Instagram zum Umweltschutz
Mit "OZON" stelle ich einen Instagram-Account vor, der als Angebot von funk von ARD und ZDF ins Leben gerufen wurde. Dieser fungiert einerseits als Informationskanal mit Kurzreportagen, Hintergrundwissen und anregendem Input zum Nachdenken, andererseits mit Tipps und Tricks für verschiedene Do-It-Yourself-Ideen, um zum Selber-aktiv-werden zu ermutigen - und das Ganze zugänglich und leicht verständlich aufbereitet.
Zentrales Thema von OZON ist Umweltschutz und wie dieser in den Alltag integriert werden kann – aber nicht nur, denn es werden die unterschiedlichsten Themen beleuchtet und intensiver behandelt, die in irgendeiner Art und Weise damit in Verbindung stehen: Second Hand, Möbel, Upcycling, Zero Waste, Müll, Plastik, Streaming, Ernährung, Kosmetika, Sharing, …
Es lohnt sich definitiv, dieser Seite mal einen Besuch abzustatten und sich inspirieren zu lassen – folgen kann man ihr natürlich auch, um immer up-to-date zu bleiben. Am 29. Oktober 2019 wurde das Format sogar mit dem "Pädagogischen Medienpreis“ ausgezeichnet, da das Konzept kreativ und unterhaltsam sei und beweise, dass Wissensvermittlung auch bei Instagram funktioniert.
Zentrales Thema von OZON ist Umweltschutz und wie dieser in den Alltag integriert werden kann – aber nicht nur, denn es werden die unterschiedlichsten Themen beleuchtet und intensiver behandelt, die in irgendeiner Art und Weise damit in Verbindung stehen: Second Hand, Möbel, Upcycling, Zero Waste, Müll, Plastik, Streaming, Ernährung, Kosmetika, Sharing, …
Es lohnt sich definitiv, dieser Seite mal einen Besuch abzustatten und sich inspirieren zu lassen – folgen kann man ihr natürlich auch, um immer up-to-date zu bleiben. Am 29. Oktober 2019 wurde das Format sogar mit dem "Pädagogischen Medienpreis“ ausgezeichnet, da das Konzept kreativ und unterhaltsam sei und beweise, dass Wissensvermittlung auch bei Instagram funktioniert.
Gütesiegel - Fair und nachhaltig einkaufen
Wenn wir in unserem Alltag Nachhaltigkeit praktizieren möchten, können wir dies durch den Kauf von umwelt- und sozialverträglichen Produkten tun. Um uns Konsumenten dabei zu unterstützen und Orientierung zu geben, sind viele Produkte mit sogenannten Gütesiegeln gekennzeichnet. Sie verfolgen die Entstehung des Produktes und bewerten dabei die Gewinnung der Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen zur Herstellung und die faktische Beschaffenheit des Produktes im Hinblick auf Nachhaltigkeit.
Da Gütesiegel jedoch mehr und mehr auch als Vermarktungsstrategie eingesetzt werden und somit stetig neue Siegel entworfen werden, welche nicht immer für hohe Standards stehen, ist man als Konsument ohne Expertise oft überfordert angesichts der unzähligen vielversprechenden Gütesiegeln. Um hierbei Orientierung zu geben, was wirklich hinter den einzelnen Siegeln steckt und welche Siegel tatsächlich auf gehobene Nachhaltigkeitsanforderungen hinweisen, gibt die Bundeszentrale für politische Bildung im nachfolgend verlinkten Artikel eine Übersicht: https://www.bpb.de/dialog/netzdebatte/283493/welche-guetesiegel-gibt-es
Da Gütesiegel jedoch mehr und mehr auch als Vermarktungsstrategie eingesetzt werden und somit stetig neue Siegel entworfen werden, welche nicht immer für hohe Standards stehen, ist man als Konsument ohne Expertise oft überfordert angesichts der unzähligen vielversprechenden Gütesiegeln. Um hierbei Orientierung zu geben, was wirklich hinter den einzelnen Siegeln steckt und welche Siegel tatsächlich auf gehobene Nachhaltigkeitsanforderungen hinweisen, gibt die Bundeszentrale für politische Bildung im nachfolgend verlinkten Artikel eine Übersicht: https://www.bpb.de/dialog/netzdebatte/283493/welche-guetesiegel-gibt-es
Nachhaltiges Kaugummikauen - der Alpengummi
Auch kleine, alltägliche Dinge, wie beispielsweise das Kaugummikauen, schädigen unsere Umwelt. Wurde früher noch ein Großteil der Kaugummis aus Chicle, dem Milchsaft des Breiapfelbaumes hergestellt, überwiegt heute die Herstellung aus Polymeren auf Erdölbasis. Das sorgt dafür, das Kaugummi nicht biologisch abbaubar und gleichzeitig auch nicht unbedingt förderlich für unsere Gesundheit ist – man kaut schließlich auf Kunststoff herum.
Der „Alpengummi“ stellt eine regionale, nachhaltige und zuckerfreie Alternative dazu dar. Die Kaumasse besteht aus heimischem Föhrenharz und Bienenwachs, zum Süßen wird Birkenzucker (Xylit) verwendet. Zu kaufen gibt es den Alpengummi vorwiegend in regionalen Geschäften in Österreich, vereinzelt auch in Deutschland. Alternativ gibt es auch einen Onlineshop, in dem man die Kaugummis bestellen kann, die Lieferung erfolgt CO2-neutral mit der Post. Die Alpengummis sind mit 2,99 Euro pro 10 Stück etwas teurer als die herkömmlichen Kaugummis auf Erdölbasis, für diejenigen, die auf Kaugummi nicht verzichten können und auf eine gesunde und umweltfreundliche Alternative umsteigen möchten, aber bestimmt einen Versuch wert.
Der „Alpengummi“ stellt eine regionale, nachhaltige und zuckerfreie Alternative dazu dar. Die Kaumasse besteht aus heimischem Föhrenharz und Bienenwachs, zum Süßen wird Birkenzucker (Xylit) verwendet. Zu kaufen gibt es den Alpengummi vorwiegend in regionalen Geschäften in Österreich, vereinzelt auch in Deutschland. Alternativ gibt es auch einen Onlineshop, in dem man die Kaugummis bestellen kann, die Lieferung erfolgt CO2-neutral mit der Post. Die Alpengummis sind mit 2,99 Euro pro 10 Stück etwas teurer als die herkömmlichen Kaugummis auf Erdölbasis, für diejenigen, die auf Kaugummi nicht verzichten können und auf eine gesunde und umweltfreundliche Alternative umsteigen möchten, aber bestimmt einen Versuch wert.
Montag, 8. Juni 2020
Leihen statt kaufen - nachhaltiger Konsumstil
Wie oft nutzen wir die Dinge, die wir kaufen, wirklich und wie lange? Vieles, das wir nicht häufig benötigen oder nicht sofort konsumieren, können wir auch auf andere Weise erhalten, und die meisten tun das bereits: "Dinge gemeinsam nutzen" ist die Leitidee von Leila. Leila ist ein Leihladen in Berlin und wird von dem Verein GeLa e.V. betrieben. Sie funktioniert wie Bibliotheken für Gegenstände, die man nicht so oft oder nur für einen gewissen Zeitraum braucht.
Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum
Unter folgendem Link findet ihr die Homepage des Umweltbundesamtes und einen Artikel zum Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum: https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/kompetenzzentrum-nachhaltiger-konsum
Der Konsum der privaten Haushalte ist für einen großen Teil der Ressourceninanspruchnahme und Umweltbelastungen verantwortlich. Um den notwendigen Strukturwandel in Richtung Nachhaltigkeit voranzutreiben, hat die Bundesregierung das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum verabschiedet. Das Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum im Umweltbundesamt begleitet die Umsetzung des Programms.
Nachhaltiger Konsum bedeutet so zu konsumieren, dass sowohl heutige als auch zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse erfüllen können und dabei die Belastbarkeitsgrenzen der Erde nicht gefährdet werden.
Das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum (NPNK) konkretisiert die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie im Bereich Konsum und stellt einen Weg dar, wie der notwendige Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit in Deutschland weiter vorangetrieben werden soll. Das Programm findet ihr unter folgendem Link: https://k-n-k.de/programm-npnk
Ob Ernährung, Mobilität oder Bekleidung: Konsum umfasst alle Bereiche unseres Alltags. Mit dem Nationalen Programm für nachhaltigen Konsum (NPNK) beschreibt die Bundesregierung, wie der notwendige Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit vorangetrieben werden soll. Man kann auf die verschiedenen Bedürfnisfelder wie z.B. Bildung, Mobilität oder Ernährung klicken, um zu den Informationen und Handlungsansätzen zu gelangen.
Der Konsum der privaten Haushalte ist für einen großen Teil der Ressourceninanspruchnahme und Umweltbelastungen verantwortlich. Um den notwendigen Strukturwandel in Richtung Nachhaltigkeit voranzutreiben, hat die Bundesregierung das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum verabschiedet. Das Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum im Umweltbundesamt begleitet die Umsetzung des Programms.
Nachhaltiger Konsum bedeutet so zu konsumieren, dass sowohl heutige als auch zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse erfüllen können und dabei die Belastbarkeitsgrenzen der Erde nicht gefährdet werden.
Das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum (NPNK) konkretisiert die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie im Bereich Konsum und stellt einen Weg dar, wie der notwendige Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit in Deutschland weiter vorangetrieben werden soll. Das Programm findet ihr unter folgendem Link: https://k-n-k.de/programm-npnk
Ob Ernährung, Mobilität oder Bekleidung: Konsum umfasst alle Bereiche unseres Alltags. Mit dem Nationalen Programm für nachhaltigen Konsum (NPNK) beschreibt die Bundesregierung, wie der notwendige Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit vorangetrieben werden soll. Man kann auf die verschiedenen Bedürfnisfelder wie z.B. Bildung, Mobilität oder Ernährung klicken, um zu den Informationen und Handlungsansätzen zu gelangen.
Nachhaltige Pannenhilfe fürs Fahrrad
Außer Frage steht, dass Fahrradfahren eine ökologische Form der Fortbewegung darstellt. Doch damit nicht genug. Dieser Aspekt benötigt eine Ergänzung unseres Bewusstseins über die Bedeutung des Gegenstandes an sich und der verarbeiteten Materialien. Schließlich werden auch für die Herstellung von Fahrrädern wertvolle Rohstoffe und Ressourcen genutzt.
Woher die gängigen Materialien wie Aluminium, Stahl, Carbon oder Titan ursprünglich kommen und unter welchen Arbeitsbedingungen die Herstellung von Fahrradrahmen, Bremsen usw. erfolgt, lässt sich schwer nachverfolgen. Meist umrunden die Einzelteile mehrfach den Erdball, um dann in einem Werk fertig montiert zu werden.
Daher stellt sich die Frage: Was tun, wenn der Drahtesel mal nicht mehr in die Gänge kommt? Eine Neuanschaffung will aufgrund der verwendeten Wertstoffe wohl überlegt sein. Die Suche nach einer Fahrradwerkstatt kann sich unter Umständen als problematisch erweisen, da Fahrradgeschäfte zum Teil nur für die je eigenen verkauften Fahrräder den Werkstattservice anbieten oder auf Profit durch Verkauf ausgerichtet sind. Im Folgenden werden alternative Anlaufstellen aufgezeigt, die die Langlebigkeit deines Fahrrads verbessern können:
Manchmal sind es nur Kleinigkeiten wie ein platter Reifen oder die Einstellung des Sattels, um wieder unbeschwert weiterfahren zu können. Fehlt hierfür das notwendige Werkzeug, so bieten einige Gemeinden Reparatursäulen für Fahrräder an. Im November 2019 startete die Stadt Stuttgart mit diesem Service im öffentlichen Raum an zwei Standorten: Eberhardstraße / Ecke Marktstraße in Stuttgart-Mitte, sowie bei der Unterführung in der Unterländer Straße in Stuttgart-Zuffenhausen.
Wer sein Fahrrad gerne selbst reparieren möchte, aber alleine nicht weiterkommt, kann sich zum Beispiel an ein Repair Café wenden. Diese bieten die Möglichkeit, kaputten Gegenständen gemeinsam auf den Grund zu gehen. Werkzeug zur Behebung kleinerer Mängel ist vorhanden. Ersatzteile müssen selbst besorgt werden.
Der HOBBYHIMMEL Stuttgart möchte mit seinem Konzept der offenen Werkstatt zur Postwachstums-Gesellschaft beitragen. Hier wird Raum geboten, damit eigene kreative Ideen umgesetzt werden können. Werkzeug wird gemeinschaftlich genutzt, um Dinge zu reparieren und somit die Nutzungsdauer zu verlängern.
Die Fahrrad-Service-Stationen des diakonischen Sozialunternehmens NEUE ARBEIT gGmbH bieten an den Bahnhöfen in Stuttgart-Möhringen, -Vaihingen, -Feuerbach und Bad Cannstatt die Nutzung eines bewachten Parkplatzes an. Zudem besteht das Angebot, das Fahrrad während der Parkdauer warten, reinigen oder reparieren zu lassen. Leihfahrräder gibt es gegen Gebühr. Alte und gebrauchte Fahrräder können an die Service-Station gespendet werden. Hier werden sie wieder verkehrstauglich gemacht und preisgünstig verkauft oder an bedürftige Menschen weitergegeben.
Wer sein Fahrrad einem Profi überlassen möchte, findet in der Radtheke eine gute Anlaufstelle. Diese Fahrradwerkstatt repariert Fahrräder aller Hersteller – unabhängig von Baujahr und Typ. Sie wird unter dem Motto „reCycle – upCycle – justCycle“ betrieben. Ersatzteile werden vorrangig aus gebrauchten, ausgeschlachteten Fahrrädern bezogen. Einen Einblick bietet die SWR-Reportage „Mensch Leute: Rückenwind in Stuttgart – Umsteigen aufs Fahrrad“.
Und wenn es doch mal ein neues Fahrrad sein soll, wie wäre es, dieses aus einem nachwachsenden Rohstoff selbst zu bauen? Das Werkstatthaus in Stuttgart bietet hierzu immer wieder Workshops an, bei welchen ein Bambusfahrrad unter fachmännischer Anleitung selbst konstruiert wird. Weitere Tipps können gerne in den Kommentaren hinterlassen werden.
Woher die gängigen Materialien wie Aluminium, Stahl, Carbon oder Titan ursprünglich kommen und unter welchen Arbeitsbedingungen die Herstellung von Fahrradrahmen, Bremsen usw. erfolgt, lässt sich schwer nachverfolgen. Meist umrunden die Einzelteile mehrfach den Erdball, um dann in einem Werk fertig montiert zu werden.
Daher stellt sich die Frage: Was tun, wenn der Drahtesel mal nicht mehr in die Gänge kommt? Eine Neuanschaffung will aufgrund der verwendeten Wertstoffe wohl überlegt sein. Die Suche nach einer Fahrradwerkstatt kann sich unter Umständen als problematisch erweisen, da Fahrradgeschäfte zum Teil nur für die je eigenen verkauften Fahrräder den Werkstattservice anbieten oder auf Profit durch Verkauf ausgerichtet sind. Im Folgenden werden alternative Anlaufstellen aufgezeigt, die die Langlebigkeit deines Fahrrads verbessern können:
Manchmal sind es nur Kleinigkeiten wie ein platter Reifen oder die Einstellung des Sattels, um wieder unbeschwert weiterfahren zu können. Fehlt hierfür das notwendige Werkzeug, so bieten einige Gemeinden Reparatursäulen für Fahrräder an. Im November 2019 startete die Stadt Stuttgart mit diesem Service im öffentlichen Raum an zwei Standorten: Eberhardstraße / Ecke Marktstraße in Stuttgart-Mitte, sowie bei der Unterführung in der Unterländer Straße in Stuttgart-Zuffenhausen.
Wer sein Fahrrad gerne selbst reparieren möchte, aber alleine nicht weiterkommt, kann sich zum Beispiel an ein Repair Café wenden. Diese bieten die Möglichkeit, kaputten Gegenständen gemeinsam auf den Grund zu gehen. Werkzeug zur Behebung kleinerer Mängel ist vorhanden. Ersatzteile müssen selbst besorgt werden.
Der HOBBYHIMMEL Stuttgart möchte mit seinem Konzept der offenen Werkstatt zur Postwachstums-Gesellschaft beitragen. Hier wird Raum geboten, damit eigene kreative Ideen umgesetzt werden können. Werkzeug wird gemeinschaftlich genutzt, um Dinge zu reparieren und somit die Nutzungsdauer zu verlängern.
Die Fahrrad-Service-Stationen des diakonischen Sozialunternehmens NEUE ARBEIT gGmbH bieten an den Bahnhöfen in Stuttgart-Möhringen, -Vaihingen, -Feuerbach und Bad Cannstatt die Nutzung eines bewachten Parkplatzes an. Zudem besteht das Angebot, das Fahrrad während der Parkdauer warten, reinigen oder reparieren zu lassen. Leihfahrräder gibt es gegen Gebühr. Alte und gebrauchte Fahrräder können an die Service-Station gespendet werden. Hier werden sie wieder verkehrstauglich gemacht und preisgünstig verkauft oder an bedürftige Menschen weitergegeben.
Wer sein Fahrrad einem Profi überlassen möchte, findet in der Radtheke eine gute Anlaufstelle. Diese Fahrradwerkstatt repariert Fahrräder aller Hersteller – unabhängig von Baujahr und Typ. Sie wird unter dem Motto „reCycle – upCycle – justCycle“ betrieben. Ersatzteile werden vorrangig aus gebrauchten, ausgeschlachteten Fahrrädern bezogen. Einen Einblick bietet die SWR-Reportage „Mensch Leute: Rückenwind in Stuttgart – Umsteigen aufs Fahrrad“.
Und wenn es doch mal ein neues Fahrrad sein soll, wie wäre es, dieses aus einem nachwachsenden Rohstoff selbst zu bauen? Das Werkstatthaus in Stuttgart bietet hierzu immer wieder Workshops an, bei welchen ein Bambusfahrrad unter fachmännischer Anleitung selbst konstruiert wird. Weitere Tipps können gerne in den Kommentaren hinterlassen werden.
Smarticular – Anleitungen für nachhaltigen Konsum
Auf der Internetseite Smarticular findet ihr zahlreiche Anleitungen und Tipps rund um den nachhaltigen Konsum. Es geht darum, nachhaltiger zu leben, indem man Objekte aus den Bereichen Haushalt, Kosmetik, Ernährung selbst herstellt, anstatt sie zu kaufen. So werden außerdem die Wertschöpfungsketten verkürzt, wofür Niko Paech im Text „Das Ende der Konsumwirtschaft“ ja plädiert. Es ist überraschend einfach und macht Spaß, selbst nachhaltige und funktionale Haushaltsobjekte herzustellen. Lasst euch inspirieren und probiert vielleicht auch das eine oder andere Rezept aus: https://www.smarticular.net/
Sonntag, 7. Juni 2020
Externalisierungsgesellschaft
"Neben uns die Sintflut" ist der eindrückliche Titel (Untertitel: "Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis"), den der Soziologe Stephan Lessenich seiner treffenden Diagnose unserer Gesellschaft gegeben hat. Das Buch ist 2016 im Carl Hanser Verlag erschienen und unbedingt lesenswert.
Zentrale Aussage ist, dass es uns gut geht, weil es anderen schlecht geht. Glück und Unglück müssen in Tateinheit betrachtet werden. So schreibt der Autor hinsichtlich der Ziele, die er mit dem Buch verfolgt:
Zentrale Aussage ist, dass es uns gut geht, weil es anderen schlecht geht. Glück und Unglück müssen in Tateinheit betrachtet werden. So schreibt der Autor hinsichtlich der Ziele, die er mit dem Buch verfolgt:
"Ebendiese Doppelgeschichte soll hier in den Blick genommen werden. Es geht um den Einblick in Zusammenhänge, die Einsicht in Abhängigkeiten, in globale Beziehungsstrukturen und Wechselwirkungen. Es geht um die andere Seite der westlichen Moderne, um ihr 'dunkles Gesicht', um ihre Verankerung in den Strukturen und Mechanismen kolonialer Herrschaft über den Rest der Welt. Es geht um Reichtumsproduktion auf Kosten und um Wohlstandsgenuss zu Lasten anderer, um die Auslagerung der Kosten und Lasten des 'Fortschritts'. Und es geht noch um eine weitere, dritte Geschichte: um die Abwehr des Wissens um ebendiese Doppelgeschichte, um deren Verdrängung aus unserem Bewusstsein, um ihre Tilgung aus den gesellschaftlichen Erzählungen individuellen und kollektiven 'Erfolgs'. Wer von unserem Wohlstand hierzulande redet, dürfte von den damit verbundenen, verwobenen, ja ursächlich zusammenhängenden Nöten anderer Menschen andernorts nicht schweigen. Genau das aber ist es, was ununterbrochen geschieht." (S. 17)Im weiteren Verlauf des Textes wird Lessenich noch deutlicher, wenn er schreibt: "Gegen ebenjenes Vergessen aber richtet sich dieses Buch" (S. 24). Es geht darum, die Mechanismen und Strukturen darzustellen, die zu der perversen "internationalen Arbeitsteilung" geführt haben, die sich so beschreiben lässt:
"Wir haben uns aufs Gewinnen spezialisiert - und die anderen aufs Verlieren festgelegt." (S. 25)Die Anzeichen mehren sich, dass Ungleichheit und Ungerechtigkeit im Weltmaßstab immer mehr Menschen Unbehagen bereitet.
"Diesem einstweilen noch unterschwelligen, aber - so die Vermutung - zunehmend um sich greifenden Unbehagen an der Externalisierungsgesellschaft und ihrem Preis will das vorliegende Buch Ausdruck und Auftrieb geben." (S. 29)Es geht Lessenich also um "eine Gegenwartssoziologie der Externalisierungsgesellschaft" (S. 50), wobei er diesen zentralen Begriff entlang der drei zentralen Kategorien von Macht, Ausbeutung und Habitus folgendermaßen definiert:
"In der Externalisierungsgesellschaft besteht Macht in der Chance, die Kosten der eigenen Lebensführung auf andere abzuwälzen - und diese Chance ist strukturell ungleich verteilt. Sie ist dies, weil es bestimmten sozialen Kollektiven gelungen ist, sich Möglichkeiten zur Externalisierung anzueignen und sie zugleich anderen vorzuenthalten. Diese anderen werden von den machtvollen Positionen aus ausgebeutet, insofern sie vorrangig die Kosten der Externalisierung zu tragen haben, von den Profiten derselben aber dauerhaft ausgeschlossen bleiben. Sozial wirksam und gesellschaftlich stabilisiert werden Machtungleichgewicht und Ausbeutungsdynamik in der Externalisierungsgesellschaft durch einen spezifischen Habitus derjenigen, die aus machtvollen Positionen heraus ausbeuterisch handeln: Externalisierung wird für sie zu einer sozialen Praxis, die sie als möglich, üblich und legitim wahrnehmen und daher wie selbstverständlich vollziehen." (S. 62f., eigene Hervorhebung)Auf den Seiten 179/180 bilanziert der Autor seine Analyse. In zwei Anläufen habe er zu ergründen versucht, wie es sich mit Wohlstand und "Übelstand" verhält:
"Zunächst wurde gezeigt, wie die gesamte (...) Lebensführung in den reichen Gesellschaften des globalen Nordens auf einem schon seit langem praktizierten, großangelegten System ungleichen Tauschs beruht: In weiter Ferne, an den vielen Peripherien der kapitalistischen Weltökonomie, werden Arbeiten erbracht, Ressourcen gefördert, Giftstoffe freigesetzt, Abfälle gelagert, Landstriche verwüstet, Sozialräume zerstört, Menschen getötet - für uns, für die Menschen in den Zentren des Wohlstands, für die Ermöglichung und Aufrechterhaltung ihres Lebensstandards, ihrer Lebenschancen, ihres Lebensstils." (S. 179f.)Der zweite Schritt besteht darin, das Mobilitätsregime dieser globalen Formation in den Blick zu nehmen. Hier kommt Lessenich zu folgender Einschätzung:
"Sodann wurde in einem zweiten Schritt nachgezeichnet, wie sich diese Zentren des Wohlstands von der sie nährenden und entlastenden Außenwelt abschließen, oder genauer: wie sie 'fremde' Lebenswelten als ein 'Außen' konstruieren, auf das sie zur Sicherung ihrer Lebensweise zugreifen können, ohne selbst jedoch von diesem in ihrer Integrität berührt zu werden. Die Beziehungen zwischen Zentren und Peripherien sind nach dem Prinzip der Halbdurchlässigkeit gestaltet: Während nach 'außen' viel geht, soll nur wenig nach 'innen' gelangen. Die globale Mobilitätskluft zugunsten des globalen Nordens ist dafür ein treffendes Beispiel: Die eine Hälfte der Welt bereist kollektiv die andere, eröffnet dieser aber nur einen höchst selektiven Zugang zu ihrem eigenen Wirtschafts- und Sozialraum. Wie die Lebens- sind auch die Bewegungschancen offensichtlich global teilbar - und effektiv geteilt. Was den einen möglich ist, bleibt den anderen verwehrt: Das nennt sich dann das Zeitalter der 'Globalisierung'." (S. 180)In dieser Analyse bestand das Hauptanliegen des Buches. Hinzu kam das Ziel, mit "der Schweigespirale des Wohlstandskapitalismus" (S. 192) zu brechen. Was mögliche Reaktionen auf die dargestellte schreiende Ungerechtigkeit betrifft, beschränkt sich Lessenich auf einige Andeutungen zur "radikalen institutionellen Reform der Externalisierungsgesellschaft" (S. 195):
"...von einer mit den Privilegien der Zentrumsökonomien brechenden Revision des Welthandelsregimes, einer effektiven Besteuerung weltweiter Finanztransaktionen und einem Umbau der reichen Volkswirtschaften in Postwachstumsökonomien bis hin zu einem Sozialvertrag zur Verzögerung des Klimawandels (...) und einer transnationalen Rechtspolitik, die globale soziale Rechte wirkungsvoll verankert. Auf einen gemeinsamen Nenner gebracht, liefe eine solche Reform auf eine konsequente Politik der doppelten Umverteilung hinaus: im nationalgesellschaftlichen wie im weltgesellschaftlichen Maßstab, von oben nach unten und von 'innen' nach 'außen'." (S. 195)
Netzwerk Reparatur-Initiativen
Das Netzwerk Reparatur-Initiativen ist eine Plattform, die es sich zum Ziel gemacht hat, durch gemeinschaftliche Reparatur-Events einen Beitrag zur Müllvermeidung, zur Einsparung von Ressourcen sowie zum Erproben einer nachhaltigen Lebensweise in der Praxis zu leisten.
Die Nutzer*innen und Besucher*innen haben dabei die Möglichkeit, mit bestehenden Initiativen in Kontakt zu treten, selbst eine Reparatur-Initiative ins Leben zu rufen oder ihre Kompetenzen und ihr Wissen auszutauschen. Darüber hinaus hilft das Netzwerk auch, die Kooperation zwischen bestehenden Initiativen und Schulen zu fördern.
In Ludwigsburg gibt es beispielsweise ein Reparier-Café im Mehrgenerationenhaus in Grünbühl-Sonnenberg.
Die Nutzer*innen und Besucher*innen haben dabei die Möglichkeit, mit bestehenden Initiativen in Kontakt zu treten, selbst eine Reparatur-Initiative ins Leben zu rufen oder ihre Kompetenzen und ihr Wissen auszutauschen. Darüber hinaus hilft das Netzwerk auch, die Kooperation zwischen bestehenden Initiativen und Schulen zu fördern.
In Ludwigsburg gibt es beispielsweise ein Reparier-Café im Mehrgenerationenhaus in Grünbühl-Sonnenberg.
Sonntag, 31. Mai 2020
Massentierhaltung in Deutschland
Mit möglichst vielen Tierprodukten und geringen Kosten möglichst viel Gewinn erzielen. Diese Herangehensweise stößt bei vielen Tier-, Umweltschützern und Food-Aktivisten auf Gegenwehr. Die Massentierhaltung in Deutschland zu beenden, erweist sich als ein kritisches Anliegen, da es als ein essentieller Bestandteil Deutschlands gilt. Sie ist längst Alltag geworden und bringt vor allem Folgen für die Tierwelt mit sich. Die Nutztiere, die es betrifft, verbringen aufgrund der Kostenersparnisse ihr kurzes Leben in Hallen ohne Tageslicht, in Drahtkäfigen und auf beengten Plätzen (vgl. PETA e.V. 2018).
„Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück.“ (Pythagoras, antiker griechischer Philosoph, um 570 v. Chr. – nach 510 v. Chr.). Gemäß diesem Zitat werden die Auswirkungen der Massentierhaltung auf die Umwelt und den Menschen beschrieben. Die Nutztierhaltung sorgt für den Anstieg der Exporte, der ein Teil zur globalen Erderwärmung beiträgt, und es entsteht ein Wettbewerb unter Landwirten, die den Druck des Weltmarktes bewältigen müssen. Deutschland ist europaweit bzgl. der Milch- und Schweinefleischproduktion in führender Position (vgl. Eichner/Schlosser, 2019).
Alleine im Jahr 2019 wurden ca. 59,7 Millionen Nutztiere in Deutschland geschlachtet. Inbegriffen sind Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde. Auch Geflügel zählt mit ca. 8 Millionen Tonnen Fleisch dazu (vgl. ohne Verfasser 2020). Im folgenden Text werden die Fakten der Massentierhaltung beleuchtet. Er soll zur Diskussion und zum Umdenken anregen.
„Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück.“ (Pythagoras, antiker griechischer Philosoph, um 570 v. Chr. – nach 510 v. Chr.). Gemäß diesem Zitat werden die Auswirkungen der Massentierhaltung auf die Umwelt und den Menschen beschrieben. Die Nutztierhaltung sorgt für den Anstieg der Exporte, der ein Teil zur globalen Erderwärmung beiträgt, und es entsteht ein Wettbewerb unter Landwirten, die den Druck des Weltmarktes bewältigen müssen. Deutschland ist europaweit bzgl. der Milch- und Schweinefleischproduktion in führender Position (vgl. Eichner/Schlosser, 2019).
Alleine im Jahr 2019 wurden ca. 59,7 Millionen Nutztiere in Deutschland geschlachtet. Inbegriffen sind Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde. Auch Geflügel zählt mit ca. 8 Millionen Tonnen Fleisch dazu (vgl. ohne Verfasser 2020). Im folgenden Text werden die Fakten der Massentierhaltung beleuchtet. Er soll zur Diskussion und zum Umdenken anregen.
Samstag, 23. Mai 2020
Zygmunt Bauman zur Konsumgesellschaft
Wir leben in einer Gesellschaft, die sich nur durch Steigerung erhalten kann (siehe Vortrag von Hartmut Rosa), die also von Wachstum abhängig ist. Die steigende Produktion muss aber auch Abnehmer finden. Würden wir nur das kaufen und konsumieren, was wir benötigen, wäre das Ende der Fahnenstange schnell erreicht. Und hier kommt die Konsumgesellschaft ins Spiel. Wer diese Gesellschaftsformation, die sich in den USA etwas früher, in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg herausgebildet und in den 1980er Jahren vollständig durchgesetzt hat, verstehen will, dem sei die Lektüre von Zygmunt Baumans 2007 erschienenen Buchs "Consuming Life" empfohlen, das auch in deutscher Übersetzung vorliegt:
Kennzeichen der Konsumgesellschaft
Die in der Gesellschaft der Produzenten aufgewachsenen Älteren unter uns sind an folgendes Szenarium gewöhnt: Es gibt auf der einen Seite Objekte, die gewählt bzw. gekauft und konsumiert werden, und auf der anderen Seite Subjekte, die wählen, kaufen, konsumieren. Oder anders ausgedrückt: Waren und Käufer. Wenn man dieses Modell auf die Konsumgesellschaft überträgt, geht man an der Wirklichkeit vorbei, weil in ihr jeder Käufer (Subjekt) gleichzeitig Ware (Objekt) ist.
Wenn junge Menschen im Internet ihre persönlichen Daten, Merkmale und Gewohnheiten preisgeben, dann deshalb, weil sie (vielleicht unbewusst) verstanden haben, dass sie Ware sind. Wer unsichtbar bleibt, verschwindet als Ladenhüter in den Magazinen. Als Ware ist der Mensch z.B. potentieller Lebensgefährte oder Arbeitnehmer. Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden somit zu Begegnungen zwischen Käufern und Waren. Dabei muss der Einzelne darauf achten, sich so zu präsentieren, dass er als Ware attraktiv ist.
Ein Arbeitsuchender z.B. ist für einen Personalchef attraktiv, wenn er so ungebunden und flexibel wie möglich ist, anpassungsfähig und immer bereit für neue Aufgaben, und den die Firma entlassen kann, ohne viel Geschrei oder gar Rechtsstreitigkeiten fürchten zu müssen.
Vergleich Produzentengesellschaft – Konsumgesellschaft
Die Gesellschaft von Produzenten ist auf Langfristigkeit, Dauerhaftigkeit und Sicherheit angelegt. Man übt Bedürfnisverzicht in der Gegenwart, um sich in der Zukunft dafür etwas leisten zu können, das einem wichtiger ist. Man spart z.B. auf ein Haus oder ein Auto. In der Konsumgesellschaft ist das sofortige Befriedigen momentaner Bedürfnisse zum Lebensmittelpunkt geworden. Man nimmt z.B. Schulden auf, um mit einem attraktiven neuen Auto losfahren zu können. Damit einher geht ein von Wirtschaft und Werbung gefördertes Hasten zu immer neuen und größeren Wünschen.
In einer solchen Gesellschaft ändert sich die Vorstellung von Zeit. Bisher hat man sich die Zeit als eine ununterbrochene Linie vorgestellt, die aus der Vergangenheit kommt, die Gegenwart durchläuft und sich in die Zukunft hineinbegibt. Für die Zeitvorstellung der Konsumgesellschaft sind die Begriffe „pointillistische Zeit“ und „gebrochene Zeit“ geprägt worden. Man muss sie sich nicht als eine Linie vorstellen, sondern als unverbundene Punkte.
Bei einem Fehlschlag hätte man früher (in der Gesellschaft der Produzenten) einen neuen Anlauf genommen, sich mehr angestrengt oder konzentriert und vielleicht mit einem verbesserten Werkzeug gearbeitet. In der Konsumgesellschaft wird der Plan fallengelassen. Wenn es sich um eine Beziehung handelt, wird diese kurzerhand beendet. Der Ausruf Fausts "Könnt ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön!" stößt in der Konsumgesellschaft auf Unverständnis. Es wäre so, als wolle man einen Punkt der pointillistischen Zeit zu einer Geraden verlängern wollen.
Der Übergang von der Gesellschaft der Produzenten zur Konsumgesellschaft wird als Entwicklung hin zu persönlicher Freiheit verstanden, der den Menschen von vielfältigen Zwängen (Routine, verpflichtende Verhaltensmuster, Bindungen) befreit und ihm endlich die Wahl lässt, sich zu verhalten, wie er will. Diese angeblich freie Wahl aber ist eine Illusion. Der Mensch kommt vom Regen in die Traufe. Er kann moralische Zwänge abwerfen, unterliegt aber neuen Zwängen. Es sind die Zwänge des Konsumgütermarktes, deren Gesetze nun zu Lebensgrundsätzen werden.
Man erwartet von denen, die sich diesen Regeln unterwerfen, "dass sie sich auf dem Markt anbieten und in Konkurrenz zu den übrigen Mitgliedern einen möglichst hohen „Marktwert“ anstreben." (S. 83) Sie müssen unter den angebotenen Waren "jene Werkzeuge und Rohstoffe (…) finden, die sie benutzen können (und müssen), um dafür Sorge zu tragen, dass sie selbst „für den Konsum geeignet“ und damit markttauglich sind." (S .83) Wer sich diesem Spiel verweigert, wird mit Exklusion bestraft.
So wenig, wie Glück und Freiheit in der Konsumgesellschaft zugenommen haben, so wenig hat das Leid abgenommen, es ist nur anders geworden. Früher galten Moralgesetze mit einer Fülle von Verboten, deren Übertretung zu Schuldgefühlen und im schlimmsten Fall zu Neurosen führten. In der Konsumgesellschaft werden die Neurosen von den Depressionen abgelöst. Sie entstehen dadurch, dass das Übermaß an Möglichkeiten, die die Gesellschaft bietet, zu Angst vor Unzulänglichkeiten (Zeitmangel, Geldknappheit) führt und diese Angst Depressionen auslöst.
Die Konsumgesellschaft wäre nicht, was sie ist, wenn sie nicht auch dagegen ein Heilmittel anböte. Es besteht darin, die Punkte, aus der die Zeit besteht, mit Handlungen zu füllen und von einem Punkt zum nächsten zu eilen.
Wie „funktioniert“ die Konsumgesellschaft?
Sie beruht auf einem inneren Widerspruch, den sie mit allen Mitteln kaschieren muss. Auf der einen Seite ist ihr proklamiertes Ziel das glückliche Leben, nicht irgendwann im Jenseits, sondern im Hier und Jetzt. Auf der anderen Seite muss sie danach trachten, dass ihre Mitglieder dieses Ziel nicht erreichen, weil das den Stillstand im Warenumsatz und damit den Verlust des Fundaments bedeuten würde, auf dem sie aufgebaut ist.
Beispiele für diesen Prozess reichen von den schnurlosen Telefonen, die immer mehr und bessere Funktionen haben müssen, um den Konsumenten davon zu überzeugen, ihre alten Geräte zu ersetzen, bis hin zu Online-Partnervermittlungen, die den Schwerpunkt darauf legen, ihre Kunden dahingehend zu beraten, wie sie unerwünscht gewordene Partner rasch und sicher loswerden können.
Die Folge von alledem ist, dass in einer Gesellschaft mit konsumorientiertem Wirtschaftssystem "Unbehagen und Unglücklichsein, (…) Stress oder Depressionen, lange und sozialunverträgliche Arbeitszeiten, zerfallende Beziehungen, Mangel an Selbstvertrauen" (S. 63) zunehmen. Die Konsumgesellschaft verspricht Glück, macht aber die Menschen unglücklich. Damit ist der "Konsumismus (…) nicht nur eine Ökonomie des Überschusses und des Abfalls, sondern auch eine Ökonomie der Täuschung" (S. 65).
Körperkult in der Konsumgesellschaft
Mit dem Aufkommen der Konsumgesellschaft kann man eine gesteigerte Hinwendung zum Körperlichen beobachten. Sonnenstudios, Fitness-Studios und Schönheitssalons sind wie Pilze aus dem Boden geschossen. Schönheitsoperationen haben in großem Umfang zugenommen. Warum?
In der Konsumgesellschaft ist der Mensch selber zur Ware geworden. Den Vergleich mit der hohen Qualität des hergestellten Dings jedoch muss er scheuen. Der Mensch schämt sich wegen der offensichtlichen Unvollkommenheit seines Körpers (prometheische Scham). Und wähnt sich vor die Aufgabe gestellt, seinen Körper zu vervollkommnen. "Als nackt (…) gilt heute nicht mehr der unbekleidete Leib, sondern der „unbearbeitete“" ( S. 80).
Körperkult auf der einen Seite, eine veränderte Haltung zur Zeit auf der anderen haben zu der Überlegung geführt, die unzusammenhängenden Punkte der Zeit dafür zu nutzen, sich neue Identitäten zu schaffen, um damit das Ärgernis zeitlich begrenzten Lebens wenigstens teilweise dadurch aus der Welt zu schaffen, dass man sich mehrere Leben zulegt. Das Mittel dazu ist die körperliche Veränderung durch Schönheitsoperationen, wobei von Anfang an die Möglichkeit von Folgeoperationen ins Kalkül gezogen wird. Es gibt bereits Firmen, die Kundenkarten für Folgeoperationen anbieten. Eine entsprechende Flatrate wird nicht lange auf sich warten lassen.
Der Siegeszug des Fastfood
Wo keine dauerhaften Bindungen entstehen können und auch nicht erwünscht sind, hat die Familie einen schweren Stand. Eines der Integrationselemente ist das gemeinsame Essen meist selbst zubereiteter und manchmal sogar gemeinsam produzierter Speisen. All das schweißte die Gruppe zusammen und ließ Bindungen entstehen. Die Zunahme der Beliebtheit von Fastfood, die natürlich auch – und vielleicht vor allem – auf mangelnde Zeit und/oder Lust zurückzuführen ist, ein Essen selber zu bereiten, hat als Folge, dass Bindungen schwerer entstehen können, kann aber auch als Folge davon gesehen werden, dass Bindungen nicht gewünscht sind. "Fastfood ist dazu da, die Einsamkeit einsamer Konsumenten zu schützen" (S. 103).
Zwischenmenschliche Beziehungen
Wenn der Mensch zur Ware wird, wirkt sich das auf die zwischenmenschlichen Beziehungen aus. Aus ihnen verschwinden Fürsorge und Verantwortung für den anderen und machen radikalem Egoismus Platz. "Konsum ist alles, was für den „sozialen Wert“ und das Selbstwertgefühl des Individuums von Bedeutung ist" (S. 77). In einem Ratgeber („Der Cinderella Komplex“) warnt Colette Dowling: “Im Impuls, für andere zu sorgen, und in der Sehnsucht, von anderen umsorgt zu werden, lauert die schreckliche Gefahr, abhängig zu werden, die Fähigkeit zu verlieren, die Strömung auszuwählen, die sich derzeit am besten zum Surfen eignet, und leichtfüßig von einer Welle zur anderen zu hüpfen, sobald sie die Richtung ändert.“
„(Er) lebt von einem Augenblick zum nächsten.(…) Sein Verhalten ist impulsiv, entweder, weil er nicht die Disziplin aufbringen kann, eine gegenwärtige Befriedigung einer zukünftigen zu opfern, oder weil er gar keinen Sinn für Zukunft hat. Vorausschauendes Handeln ist ihm daher völlig fremd; was er nicht sofort konsumieren kann, hat für ihn keinerlei Wert“ (S. 175) (Zitat aus dem Buch von Ken Auletta: The Underclass)
Kürzer und genauer könnte man den typischen Vertreter der Konsumgesellschaft nicht charakterisieren. Bei dem Zitat handelt es sich allerdings um die Charakterisierung des Verhaltens eines typischen Vertreters der sogenannten Unterschicht.
- Zygmunt Bauman (2009), Leben als Konsum, Hamburger Edition.
Kennzeichen der Konsumgesellschaft
Die in der Gesellschaft der Produzenten aufgewachsenen Älteren unter uns sind an folgendes Szenarium gewöhnt: Es gibt auf der einen Seite Objekte, die gewählt bzw. gekauft und konsumiert werden, und auf der anderen Seite Subjekte, die wählen, kaufen, konsumieren. Oder anders ausgedrückt: Waren und Käufer. Wenn man dieses Modell auf die Konsumgesellschaft überträgt, geht man an der Wirklichkeit vorbei, weil in ihr jeder Käufer (Subjekt) gleichzeitig Ware (Objekt) ist.
Wenn junge Menschen im Internet ihre persönlichen Daten, Merkmale und Gewohnheiten preisgeben, dann deshalb, weil sie (vielleicht unbewusst) verstanden haben, dass sie Ware sind. Wer unsichtbar bleibt, verschwindet als Ladenhüter in den Magazinen. Als Ware ist der Mensch z.B. potentieller Lebensgefährte oder Arbeitnehmer. Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden somit zu Begegnungen zwischen Käufern und Waren. Dabei muss der Einzelne darauf achten, sich so zu präsentieren, dass er als Ware attraktiv ist.
Ein Arbeitsuchender z.B. ist für einen Personalchef attraktiv, wenn er so ungebunden und flexibel wie möglich ist, anpassungsfähig und immer bereit für neue Aufgaben, und den die Firma entlassen kann, ohne viel Geschrei oder gar Rechtsstreitigkeiten fürchten zu müssen.
Vergleich Produzentengesellschaft – Konsumgesellschaft
Die Gesellschaft von Produzenten ist auf Langfristigkeit, Dauerhaftigkeit und Sicherheit angelegt. Man übt Bedürfnisverzicht in der Gegenwart, um sich in der Zukunft dafür etwas leisten zu können, das einem wichtiger ist. Man spart z.B. auf ein Haus oder ein Auto. In der Konsumgesellschaft ist das sofortige Befriedigen momentaner Bedürfnisse zum Lebensmittelpunkt geworden. Man nimmt z.B. Schulden auf, um mit einem attraktiven neuen Auto losfahren zu können. Damit einher geht ein von Wirtschaft und Werbung gefördertes Hasten zu immer neuen und größeren Wünschen.
In einer solchen Gesellschaft ändert sich die Vorstellung von Zeit. Bisher hat man sich die Zeit als eine ununterbrochene Linie vorgestellt, die aus der Vergangenheit kommt, die Gegenwart durchläuft und sich in die Zukunft hineinbegibt. Für die Zeitvorstellung der Konsumgesellschaft sind die Begriffe „pointillistische Zeit“ und „gebrochene Zeit“ geprägt worden. Man muss sie sich nicht als eine Linie vorstellen, sondern als unverbundene Punkte.
"Pointillistische Zeit ist zersplittert, ja geradezu pulverisiert zu einer Vielzahl von „ewigen Augenblicken“ – Ereignissen, Zwischenfällen, Unfällen, Abenteuern, Episoden." (S. 46)Für das menschliche Verhalten hat das gravierende Folgen. Man lebt ausschließlich in der Gegenwart, versucht, diese so gut wie möglich zu nutzen (carpe diem), und kümmert sich weder um die Erfahrungen der Vergangenheit, noch um die Konsequenzen seiner Handlungen in der Zukunft, und schon gar nicht um die Ewigkeit (memento mori). Und man empfindet diese Handlungsweise als Ausdruck seiner individuellen Freiheit.
"(Das Leben ist) eine Abfolge von Gegenwart, eine Verknüpfung von Augenblicken, die mehr oder weniger intensiv erlebt werden." (S. 47)
"Würde man eine Karte des pointillistischen Lebens zeichnen, so hätte sie eine geradezu unheimliche Ähnlichkeit mit einem Friedhof für imaginäre, eingebildete oder fahrlässig vernachlässigte und unerfüllt gebliebene Möglichkeiten." (S. 47)
Bei einem Fehlschlag hätte man früher (in der Gesellschaft der Produzenten) einen neuen Anlauf genommen, sich mehr angestrengt oder konzentriert und vielleicht mit einem verbesserten Werkzeug gearbeitet. In der Konsumgesellschaft wird der Plan fallengelassen. Wenn es sich um eine Beziehung handelt, wird diese kurzerhand beendet. Der Ausruf Fausts "Könnt ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön!" stößt in der Konsumgesellschaft auf Unverständnis. Es wäre so, als wolle man einen Punkt der pointillistischen Zeit zu einer Geraden verlängern wollen.
Der Übergang von der Gesellschaft der Produzenten zur Konsumgesellschaft wird als Entwicklung hin zu persönlicher Freiheit verstanden, der den Menschen von vielfältigen Zwängen (Routine, verpflichtende Verhaltensmuster, Bindungen) befreit und ihm endlich die Wahl lässt, sich zu verhalten, wie er will. Diese angeblich freie Wahl aber ist eine Illusion. Der Mensch kommt vom Regen in die Traufe. Er kann moralische Zwänge abwerfen, unterliegt aber neuen Zwängen. Es sind die Zwänge des Konsumgütermarktes, deren Gesetze nun zu Lebensgrundsätzen werden.
Man erwartet von denen, die sich diesen Regeln unterwerfen, "dass sie sich auf dem Markt anbieten und in Konkurrenz zu den übrigen Mitgliedern einen möglichst hohen „Marktwert“ anstreben." (S. 83) Sie müssen unter den angebotenen Waren "jene Werkzeuge und Rohstoffe (…) finden, die sie benutzen können (und müssen), um dafür Sorge zu tragen, dass sie selbst „für den Konsum geeignet“ und damit markttauglich sind." (S .83) Wer sich diesem Spiel verweigert, wird mit Exklusion bestraft.
So wenig, wie Glück und Freiheit in der Konsumgesellschaft zugenommen haben, so wenig hat das Leid abgenommen, es ist nur anders geworden. Früher galten Moralgesetze mit einer Fülle von Verboten, deren Übertretung zu Schuldgefühlen und im schlimmsten Fall zu Neurosen führten. In der Konsumgesellschaft werden die Neurosen von den Depressionen abgelöst. Sie entstehen dadurch, dass das Übermaß an Möglichkeiten, die die Gesellschaft bietet, zu Angst vor Unzulänglichkeiten (Zeitmangel, Geldknappheit) führt und diese Angst Depressionen auslöst.
Die Konsumgesellschaft wäre nicht, was sie ist, wenn sie nicht auch dagegen ein Heilmittel anböte. Es besteht darin, die Punkte, aus der die Zeit besteht, mit Handlungen zu füllen und von einem Punkt zum nächsten zu eilen.
"Permanente Aktivität, bei der eine dringliche Aufgabe auf die andere folgt, gibt einem die Sicherheit eines erfüllten Lebens oder einer „erfolgreichen Karriere“, die einzigen Beweise der Selbstverwirklichung in einer Welt, aus der alle Bezüge auf ein Jenseits verschwunden sind.(…) Allzu oft ist Handeln nur eine Flucht vor dem Selbst, ein Heilmittel gegen den Schmerz." (S.125/126).
Wie „funktioniert“ die Konsumgesellschaft?
Sie beruht auf einem inneren Widerspruch, den sie mit allen Mitteln kaschieren muss. Auf der einen Seite ist ihr proklamiertes Ziel das glückliche Leben, nicht irgendwann im Jenseits, sondern im Hier und Jetzt. Auf der anderen Seite muss sie danach trachten, dass ihre Mitglieder dieses Ziel nicht erreichen, weil das den Stillstand im Warenumsatz und damit den Verlust des Fundaments bedeuten würde, auf dem sie aufgebaut ist.
"Die Konsumgesellschaft floriert, solange sie erfolgreich dafür sorgt, dass die Nicht-Befriedigung ihrer Mitglieder (und damit in ihren eigenen Begriffen ihr Unglücklichsein) fortwährend ist." (S. 64)Die Wirtschaft muss um jeden Preis angekurbelt werden. "Schulden zu machen und auf Kredit zu leben, ist in Großbritannien mittlerweile Teil des vom Staat entworfenen, abgesegneten und subventionierten nationalen Lehrplans geworden" (S. 104). Der Wirtschaftskreislauf, der nicht unterbrochen werden darf, besteht darin, Umsatz und Kauflust dadurch anzukurbeln, dass immer neue und (angeblich) bessere Produkte auf den Markt kommen und die Entsorgung der ausgedienten Produkte organisiert wird.
Beispiele für diesen Prozess reichen von den schnurlosen Telefonen, die immer mehr und bessere Funktionen haben müssen, um den Konsumenten davon zu überzeugen, ihre alten Geräte zu ersetzen, bis hin zu Online-Partnervermittlungen, die den Schwerpunkt darauf legen, ihre Kunden dahingehend zu beraten, wie sie unerwünscht gewordene Partner rasch und sicher loswerden können.
Die Folge von alledem ist, dass in einer Gesellschaft mit konsumorientiertem Wirtschaftssystem "Unbehagen und Unglücklichsein, (…) Stress oder Depressionen, lange und sozialunverträgliche Arbeitszeiten, zerfallende Beziehungen, Mangel an Selbstvertrauen" (S. 63) zunehmen. Die Konsumgesellschaft verspricht Glück, macht aber die Menschen unglücklich. Damit ist der "Konsumismus (…) nicht nur eine Ökonomie des Überschusses und des Abfalls, sondern auch eine Ökonomie der Täuschung" (S. 65).
Körperkult in der Konsumgesellschaft
Mit dem Aufkommen der Konsumgesellschaft kann man eine gesteigerte Hinwendung zum Körperlichen beobachten. Sonnenstudios, Fitness-Studios und Schönheitssalons sind wie Pilze aus dem Boden geschossen. Schönheitsoperationen haben in großem Umfang zugenommen. Warum?
In der Konsumgesellschaft ist der Mensch selber zur Ware geworden. Den Vergleich mit der hohen Qualität des hergestellten Dings jedoch muss er scheuen. Der Mensch schämt sich wegen der offensichtlichen Unvollkommenheit seines Körpers (prometheische Scham). Und wähnt sich vor die Aufgabe gestellt, seinen Körper zu vervollkommnen. "Als nackt (…) gilt heute nicht mehr der unbekleidete Leib, sondern der „unbearbeitete“" ( S. 80).
Körperkult auf der einen Seite, eine veränderte Haltung zur Zeit auf der anderen haben zu der Überlegung geführt, die unzusammenhängenden Punkte der Zeit dafür zu nutzen, sich neue Identitäten zu schaffen, um damit das Ärgernis zeitlich begrenzten Lebens wenigstens teilweise dadurch aus der Welt zu schaffen, dass man sich mehrere Leben zulegt. Das Mittel dazu ist die körperliche Veränderung durch Schönheitsoperationen, wobei von Anfang an die Möglichkeit von Folgeoperationen ins Kalkül gezogen wird. Es gibt bereits Firmen, die Kundenkarten für Folgeoperationen anbieten. Eine entsprechende Flatrate wird nicht lange auf sich warten lassen.
Der Siegeszug des Fastfood
Wo keine dauerhaften Bindungen entstehen können und auch nicht erwünscht sind, hat die Familie einen schweren Stand. Eines der Integrationselemente ist das gemeinsame Essen meist selbst zubereiteter und manchmal sogar gemeinsam produzierter Speisen. All das schweißte die Gruppe zusammen und ließ Bindungen entstehen. Die Zunahme der Beliebtheit von Fastfood, die natürlich auch – und vielleicht vor allem – auf mangelnde Zeit und/oder Lust zurückzuführen ist, ein Essen selber zu bereiten, hat als Folge, dass Bindungen schwerer entstehen können, kann aber auch als Folge davon gesehen werden, dass Bindungen nicht gewünscht sind. "Fastfood ist dazu da, die Einsamkeit einsamer Konsumenten zu schützen" (S. 103).
Zwischenmenschliche Beziehungen
Wenn der Mensch zur Ware wird, wirkt sich das auf die zwischenmenschlichen Beziehungen aus. Aus ihnen verschwinden Fürsorge und Verantwortung für den anderen und machen radikalem Egoismus Platz. "Konsum ist alles, was für den „sozialen Wert“ und das Selbstwertgefühl des Individuums von Bedeutung ist" (S. 77). In einem Ratgeber („Der Cinderella Komplex“) warnt Colette Dowling: “Im Impuls, für andere zu sorgen, und in der Sehnsucht, von anderen umsorgt zu werden, lauert die schreckliche Gefahr, abhängig zu werden, die Fähigkeit zu verlieren, die Strömung auszuwählen, die sich derzeit am besten zum Surfen eignet, und leichtfüßig von einer Welle zur anderen zu hüpfen, sobald sie die Richtung ändert.“
"Der Raum, den flüchtig-moderne Konsumenten brauchen, für den sie, so der Rat von allen Seiten, kämpfen und den sie mit Zähnen und Klauen verteidigen sollen, kann nur dadurch errungen werden, dass man andere Menschen aus ihm hinausbefördert – vor allem jene Art von Menschen, die fürsorglich sind und/oder die es nötig haben könnten, dass man für sie sorgt" (S. 69).Der ideale Konsument
„(Er) lebt von einem Augenblick zum nächsten.(…) Sein Verhalten ist impulsiv, entweder, weil er nicht die Disziplin aufbringen kann, eine gegenwärtige Befriedigung einer zukünftigen zu opfern, oder weil er gar keinen Sinn für Zukunft hat. Vorausschauendes Handeln ist ihm daher völlig fremd; was er nicht sofort konsumieren kann, hat für ihn keinerlei Wert“ (S. 175) (Zitat aus dem Buch von Ken Auletta: The Underclass)
Kürzer und genauer könnte man den typischen Vertreter der Konsumgesellschaft nicht charakterisieren. Bei dem Zitat handelt es sich allerdings um die Charakterisierung des Verhaltens eines typischen Vertreters der sogenannten Unterschicht.
Freitag, 22. Mai 2020
Podcast mit Hartmut Rosa darüber, "was in unserer Gesellschaft wirklich systemrelevant ist"
Im am 20.05.2020 erschienenen Beitrag des Deutschlandfunks in der Rubrik "Tag für Tag" erläutert der Soziologe Hartmut Rosa seine Kernbegriffe Unverfügbarkeit, Entfremdung und Resonanz und bezieht sie auf die Corona-Pandemie. Daneben stellt er in dem 23-minütigen, sehr interessanten und deshalb hörenswerten Podcast die Frage, was für uns ein gutes Leben ausmacht, und setzt sich mit politischen und privaten Lehren der Corona-Krise auseinander. Das Gespräch bietet eine gute Ergänzung zu Hartmut Rosas Vortrag über Resonanz, der auf der Seite "Videos" zu finden ist.
Donnerstag, 21. Mai 2020
Wachstumsdenken - Versuch einer Bilanz
Hinsichtlich der Thematik "Wachstum in den Köpfen - kulturelle Prägungen" (3. Sitzung, 12.05.20) soll nun eine Bilanz zu den Texten von Naomi Klein und Harald Welzer folgen. Dazu ziehen wir (Tahira Schierle, Mareike Gebauer und Felicitas Boneberger) u.a. die gemeinsame Ausarbeitung aus unserem Arbeitsauftrag hinzu.
Harald Welzer: Wie das Wachstum in die Köpfe kam
Welzers Vorstellungen vom grenzenlosen Wachstum: Seit der Industrialisierung leben wir in einem System, in dem unablässig für die Herstellung einer unendlichen Reihe von Produkten gearbeitet wird. Im Fokus der Produktion stehen die Verbesserung und Erweiterung der Produktpalette zur ununterbrochenen Gewinnung von Mehrwert. Hierfür wird die Arbeit als Zweck verstanden, um Produkte als Mittel zum Zweck herzustellen. Aufgrund des unendlichen Wachstums ist der Arbeitsprozess niemals abgeschlossen, wodurch kein Zweck je erreicht wird. Daraus resultiert eine nie endende Produktion von Wachstum bzw. ein nie endendes Wachstum von Produktion.
Auch in Bezug auf das lebenslange Lernen ist der homo oeconomicus niemals fertig. Die Vorstellung, dass der zukünftige Zustand ein „Mehr” gegenüber der Gegenwart bedeuten muss, hat sich während diesem Prozess in unserem Denken und Handeln festgesetzt. Daraus bildete sich eine Mentalität des “Niemals-fertig-seins”. Aus diesen Kategorien konstruiert der Mensch einen individuellen Lebenslauf mit dem Ziel, so viel wie möglich aus der verfügbaren Zeit und den verfügbaren Ressourcen auszuschöpfen und nichts zu verpassen - ein „Immer-besser-weiter-höher-mehr”.
Dieses Wachstumskonzept ist längst fest in der menschlichen (Selbst-)Vorstellung verankert. Der Mensch steckt tief im Selbstzwang, so viel Welt wie nur möglich zu ergreifen. Was dabei aus dem Bewusstsein verschwindet - die Gegenwart.
Naomi Klein: Machen wir Halt: Der Kampf unseres Lebens
Naomi Klein hebt in ihrem Artikel die Inkongruenz des Konsumverhaltens mit dem Klimawandel hervor. Als es in den 1980er Jahren an der Zeit war, den Konsum einzuschränken, bemächtigte sich das Konsumdenken bereits sämtlicher Lebensbereiche. In der modernen Gesellschaft werden Identitäten durch Anschaffungen gebildet. Was zur Folge hat, dass die Menschheit kontinuierlich weiter und mehr konsumiert. Eine Änderung des Konsumverhaltens wird als Angriff auf das Selbst aufgefasst.
Beobachtungsinstrumente, die von der Realität des Klimawandels überzeugen könnten, fehlen. Erlebt werden gefüllte Supermarktregale, obwohl die heimischen Äcker nur noch schwer bewirtschaftet werden können. Dies suggeriert, dass ein Unterlassen unnötig erscheint und weitergemacht werden kann wie gewohnt, da sich die Probleme weit außerhalb der eigenen Reichweite befinden.
Ein „weg” wird dabei vielmehr mit „gut” assoziiert, was sich im Umgang mit Dingen, die nicht mehr benötigt werden, erweist. Im „Weg” scheint es nur einen einzigen Leitgedanken zu geben („Hauptsache in die richtige Tonne”). Weicht das Abfallprodukt aus den Augen, so scheint es ab dem Moment des Wegwerfens auch dem Sinn zu entweichen, obwohl es sich nach wie vor auf dem Planeten befindet.
Mit dem Hinweis auf die drei Rs (reduce, reuse, recycle) hebt Naomi Klein die Veränderungen hervor, die im menschlichen Konsumverhalten umgesetzt werden müssten, um den Klimawandel zu verlangsamen. Die Klimakatastrophe ist ein kollektives Problem, das kollektives Handeln erfordert. Für den einzelnen Menschen bedeutet dies konkret, das Reduzieren und Wiederverwenden von Dingen in den Fokus zu nehmen.
Wie bereits Harald Welzer beschrieb, haben wir die Gegenwart aus unserem Bewusstsein katapultiert. Dabei handelt es sich um etwas sehr Bedeutungsvolles. Wenn wir uns vertraut machen mit den Orten, die wir als Lebensräume nutzen, gewinnen wir an Vertrautheit mit den jeweiligen spezifischen Ökosystemen. In diesen können wir die Veränderungen durch den Klimawandel wahrnehmen und gelangen zu einem Verantwortungsbewusstsein, wodurch ein Überdenken unseres Verhaltens wahrscheinlicher wird.
Harald Welzer: Wie das Wachstum in die Köpfe kam
Welzers Vorstellungen vom grenzenlosen Wachstum: Seit der Industrialisierung leben wir in einem System, in dem unablässig für die Herstellung einer unendlichen Reihe von Produkten gearbeitet wird. Im Fokus der Produktion stehen die Verbesserung und Erweiterung der Produktpalette zur ununterbrochenen Gewinnung von Mehrwert. Hierfür wird die Arbeit als Zweck verstanden, um Produkte als Mittel zum Zweck herzustellen. Aufgrund des unendlichen Wachstums ist der Arbeitsprozess niemals abgeschlossen, wodurch kein Zweck je erreicht wird. Daraus resultiert eine nie endende Produktion von Wachstum bzw. ein nie endendes Wachstum von Produktion.
Auch in Bezug auf das lebenslange Lernen ist der homo oeconomicus niemals fertig. Die Vorstellung, dass der zukünftige Zustand ein „Mehr” gegenüber der Gegenwart bedeuten muss, hat sich während diesem Prozess in unserem Denken und Handeln festgesetzt. Daraus bildete sich eine Mentalität des “Niemals-fertig-seins”. Aus diesen Kategorien konstruiert der Mensch einen individuellen Lebenslauf mit dem Ziel, so viel wie möglich aus der verfügbaren Zeit und den verfügbaren Ressourcen auszuschöpfen und nichts zu verpassen - ein „Immer-besser-weiter-höher-mehr”.
Dieses Wachstumskonzept ist längst fest in der menschlichen (Selbst-)Vorstellung verankert. Der Mensch steckt tief im Selbstzwang, so viel Welt wie nur möglich zu ergreifen. Was dabei aus dem Bewusstsein verschwindet - die Gegenwart.
Naomi Klein: Machen wir Halt: Der Kampf unseres Lebens
Naomi Klein hebt in ihrem Artikel die Inkongruenz des Konsumverhaltens mit dem Klimawandel hervor. Als es in den 1980er Jahren an der Zeit war, den Konsum einzuschränken, bemächtigte sich das Konsumdenken bereits sämtlicher Lebensbereiche. In der modernen Gesellschaft werden Identitäten durch Anschaffungen gebildet. Was zur Folge hat, dass die Menschheit kontinuierlich weiter und mehr konsumiert. Eine Änderung des Konsumverhaltens wird als Angriff auf das Selbst aufgefasst.
Beobachtungsinstrumente, die von der Realität des Klimawandels überzeugen könnten, fehlen. Erlebt werden gefüllte Supermarktregale, obwohl die heimischen Äcker nur noch schwer bewirtschaftet werden können. Dies suggeriert, dass ein Unterlassen unnötig erscheint und weitergemacht werden kann wie gewohnt, da sich die Probleme weit außerhalb der eigenen Reichweite befinden.
Ein „weg” wird dabei vielmehr mit „gut” assoziiert, was sich im Umgang mit Dingen, die nicht mehr benötigt werden, erweist. Im „Weg” scheint es nur einen einzigen Leitgedanken zu geben („Hauptsache in die richtige Tonne”). Weicht das Abfallprodukt aus den Augen, so scheint es ab dem Moment des Wegwerfens auch dem Sinn zu entweichen, obwohl es sich nach wie vor auf dem Planeten befindet.
Mit dem Hinweis auf die drei Rs (reduce, reuse, recycle) hebt Naomi Klein die Veränderungen hervor, die im menschlichen Konsumverhalten umgesetzt werden müssten, um den Klimawandel zu verlangsamen. Die Klimakatastrophe ist ein kollektives Problem, das kollektives Handeln erfordert. Für den einzelnen Menschen bedeutet dies konkret, das Reduzieren und Wiederverwenden von Dingen in den Fokus zu nehmen.
Wie bereits Harald Welzer beschrieb, haben wir die Gegenwart aus unserem Bewusstsein katapultiert. Dabei handelt es sich um etwas sehr Bedeutungsvolles. Wenn wir uns vertraut machen mit den Orten, die wir als Lebensräume nutzen, gewinnen wir an Vertrautheit mit den jeweiligen spezifischen Ökosystemen. In diesen können wir die Veränderungen durch den Klimawandel wahrnehmen und gelangen zu einem Verantwortungsbewusstsein, wodurch ein Überdenken unseres Verhaltens wahrscheinlicher wird.
Dienstag, 12. Mai 2020
Mission: Welt retten! - Dennis Eversberg erforscht das Umdenken
Passend zum Thema des heutigen Seminars, Wachstum in den Köpfen: Kulturelle Prägungen, hat sich unsere Referatsgruppe mit den Texten von Harald Welzer und Naomi Klein beschäftigt.
Harald Welzer spricht in seinem Text „Wie das Wachstum in die Köpfe kam“ unter anderem über grenzenloses Wachstum und dessen Verankerung in unserer Psyche. Passend hierzu spricht Naomi Klein in ihrem Beitrag über unser Konsumdenken und Kaufverhalten und das dazu notwendige Umdenken, wie beispielsweise die Einschränkung des Verbrauchs.
Eine ähnliche Sichtweise lässt sich auch bei dem Soziologen Dr. Dennis Eversberg finden. Bezüglich der Wachstumsthematik geht er der Frage nach, wie wir uns dem Wachstumszwang entziehen können und was den Menschen am besten zum Umdenken bewegt. Der Kurzfilm „Mission: Welt retten! Folge 6: Umdenken“ befasst sich mit den eben genannten Überlegungen und Ansätzen: https://www.mdr.de/wissen/mensch-alltag/mission-welt-retten-dennis-eversberg-degrowth-umdenken-100.html.
Bezüglich des Umdenkens fordert Eversberg mehr Genügsamkeit und glaubt, dass sich das Handeln erst verändern kann, wenn der Kopf mitmacht. Sein Ansatz lautet dabei, mit Hilfe von Degrowth (Postwachstum) das „zerstörerische“ Wachstum in Frage zu stellen, welches durch den Wettbewerb in unserer Gesellschaft vorangetrieben wird.
An dieser Stelle würden wir uns nun über Eure Gedanken, Anregungen und Ideen in Form von Kommentaren unter unserem Blogbeitrag freuen. Welche Lösungsvorschläge gibt es? Wie kann man Menschen für eine genügsame Lebensweise gewinnen? Wie könnte z.B. auch die Politik einen Beitrag zur Unterstützung des Postwachstums leisten?
Vielen Dank für Eure Mitarbeit!
Felicitas Boneberger, Mareike Gebauer & Tahira Schierle
Ein Filmtipp am Rande: Wachstum, was nun? Hier findet Ihr eine passende Dokumentation zum Thema Wachstum, mit Blick auf die Postwachstums-Gesellschaft.
Harald Welzer spricht in seinem Text „Wie das Wachstum in die Köpfe kam“ unter anderem über grenzenloses Wachstum und dessen Verankerung in unserer Psyche. Passend hierzu spricht Naomi Klein in ihrem Beitrag über unser Konsumdenken und Kaufverhalten und das dazu notwendige Umdenken, wie beispielsweise die Einschränkung des Verbrauchs.
Eine ähnliche Sichtweise lässt sich auch bei dem Soziologen Dr. Dennis Eversberg finden. Bezüglich der Wachstumsthematik geht er der Frage nach, wie wir uns dem Wachstumszwang entziehen können und was den Menschen am besten zum Umdenken bewegt. Der Kurzfilm „Mission: Welt retten! Folge 6: Umdenken“ befasst sich mit den eben genannten Überlegungen und Ansätzen: https://www.mdr.de/wissen/mensch-alltag/mission-welt-retten-dennis-eversberg-degrowth-umdenken-100.html.
Bezüglich des Umdenkens fordert Eversberg mehr Genügsamkeit und glaubt, dass sich das Handeln erst verändern kann, wenn der Kopf mitmacht. Sein Ansatz lautet dabei, mit Hilfe von Degrowth (Postwachstum) das „zerstörerische“ Wachstum in Frage zu stellen, welches durch den Wettbewerb in unserer Gesellschaft vorangetrieben wird.
An dieser Stelle würden wir uns nun über Eure Gedanken, Anregungen und Ideen in Form von Kommentaren unter unserem Blogbeitrag freuen. Welche Lösungsvorschläge gibt es? Wie kann man Menschen für eine genügsame Lebensweise gewinnen? Wie könnte z.B. auch die Politik einen Beitrag zur Unterstützung des Postwachstums leisten?
Vielen Dank für Eure Mitarbeit!
Felicitas Boneberger, Mareike Gebauer & Tahira Schierle
Ein Filmtipp am Rande: Wachstum, was nun? Hier findet Ihr eine passende Dokumentation zum Thema Wachstum, mit Blick auf die Postwachstums-Gesellschaft.
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