Freitag, 23. Januar 2026

Die Rolle pflanzlicher Ökosysteme im Klimaschutz

Mit Pflanzen allein können wir die Welt nicht retten, ohne sie aber auch nicht, so Bernhard Kegel, Autor und Biologe. Wie das funktionieren könnte, behandle ich in diesem kurzen Beitrag.

Wälder gelten als ein zentrales Element des globalen Klimaschutzes, da sie durch Photosynthese erhebliche Mengen an Kohlenstoffdioxid (CO₂) aus der Atmosphäre binden. Dennoch beschränkt sich diese klimaregulierende Wirkung der Vegetation nicht ausschließlich auf Wälder. Viele weitere pflanzliche Ökosysteme leisten einen mindestens ebenso bedeutenden Beitrag oder sind in der Lage, einen größeren Beitrag zur Minderung des anthropogenen Klimawandels zu leisten. Jedoch werden sie in der öffentlichen Wahrnehmung häufig unterschätzt oder nicht wahrgenommen.

Klimawandel, Artensterben und der fortschreitende Verlust der biologischen Vielfalt (Biodiversität) sind Begriffe, die den aktuellen Zustand des Planeten wiedergeben und regelmäßig Schlagzeilen machen. Diese Entwicklungen sind überwiegend anthropogenen Ursprungs und stehen in engem Zusammenhang mit dem stark erhöhten Ausstoß von Treibhausgasen, insbesondere CO₂, infolge industrieller Prozesse, fossiler Energienutzung und intensiver Landnutzungsformen.

Vegetation beeinflusst maßgeblich den Kohlenstoffkreislauf der Erde. Der Biologe und Wissenschaftsjournalist Bernhard Kegel weist darauf hin, dass pflanzliche Ökosysteme einen wesentlichen Einfluss auf die CO₂-Konzentration der Atmosphäre besitzen und somit gezielt in Klimaschutzstrategien einbezogen werden könnten. Vor diesem Hintergrund rücken insbesondere Moore in den Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung.

Moore als unterschätzte Kohlenstoffspeicher

Moore zählen zu den effizientesten Kohlenstoffspeichern der Erde. Global bedecken sie lediglich etwa drei Prozent der terrestrischen Landfläche, speichern allerdings schätzungsweise doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder weltweit zusammen. Diese außergewöhnlich hohe Speicherleistung resultiert aus der torfbildenden Vegetation und den dauerhaft wassergesättigten Bedingungen, die den mikrobiellen Abbau organischer Substanz stark verlangsamen.

Trotz ihrer hohen ökologischen Bedeutung wurden Moore in vielen Regionen großflächig entwässert, insbesondere zur landwirtschaftlichen Nutzung. In Deutschland sind über 90 % der ursprünglichen Moorflächen betroffen. Die Entwässerung hat schwerwiegende klimatische Konsequenzen: Durch den Sauerstoffeintrag in den Torf setzt eine mikrobielle Zersetzung ein, bei der große Mengen CO₂ freigesetzt werden. Entwässerte Moore wandeln sich somit von Kohlenstoffsenken zu bedeutenden Emissionsquellen.

Im Gegensatz dazu fungieren intakte Moore als langfristige Kohlenstoffsenken und übertreffen Wälder in ihrer Klimawirksamkeit. Darüber hinaus erfüllen sie zentrale ökologische Funktionen, darunter die Erhaltung der Biodiversität, die Regulation des Wasserhaushalts sowie den Schutz vor Hochwasser- und Dürreereignissen.

Die klimapolitische Relevanz wird durch einen Vergleich verdeutlicht: Die CO₂-Emissionen aus entwässerten Mooren in Deutschland machen rund sieben Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen aus und entsprechen damit in etwa den Emissionen des gesamten deutschen Luftverkehrs.

Durch eine Wiedervernässung der Moorflächen kann die CO₂-Freisetzung nahezu unmittelbar gestoppt werden. Gleichzeitig eröffnen sich durch innovative Nutzungsformen wie die Paludikultur Möglichkeiten, Moore nachhaltig landwirtschaftlich zu nutzen, ohne ihre klimarelevanten Funktionen zu beeinträchtigen.

Paludikulturen und ihre Rolle

Die Wiedervernässung von Mooren stellt einen erheblichen Einschnitt für die Landwirtschaft dar. Entwässerte Moorflächen werden bislang für Ackerbau oder als Grünland genutzt. Steigt der Wasserstand wieder an, sind konventionelle landwirtschaftliche Nutzungsformen – wie der Anbau von Getreide und Mais sowie die intensive Viehhaltung – nicht mehr möglich.

Welche Folgen dies haben kann, lässt sich nur eingeschränkt vorhersagen. Möglich sind kurzfristige Ertragsverluste, Investitionskosten für Umstellungen sowie im Extremfall der Verlust der bisherigen wirtschaftlichen Grundlage. Gleichzeitig entstehen jedoch auch Chancen und Alternativen, die eine klimafreundliche und wirtschaftlich tragfähige Nutzung ermöglichen.

Das Bundesamt für Naturschutz präsentiert auf seiner Website einen solchen Ansatz: die Paludikultur. Dabei handelt es sich um ein Verfahren zur nassen Bewirtschaftung von Mooren mit dem Ziel des Torferhalts oder idealerweise sogar der erneuten Torfbildung. Für den Anbau eignen sich insbesondere nachwachsende Rohstoffe wie Schilf, Röhricht, Torfmoose oder Schwarzerlen, die im Gartenbau sowie als Rohstoffe für die Bau- und Möbelindustrie genutzt werden können.

Zusätzlich profitiert die Biodiversität, da Lebensräume für bedrohte Tierarten der Moore wiederhergestellt werden. Erwähnenswert ist jedoch, dass sich dieses Nutzungskonzept derzeit noch in der Erprobungs- und Entwicklungsphase befindet.

In der praktischen Umsetzung gibt es bereits Fortschritte, die einen positiv stimmen. Ein Beispiel stellt die „Allianz der Pioniere“ dar. Sie wurde von verschiedensten Akteur*innen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft, welche die Etablierung verschiedenster aus der Paludikultur stammenden Produkten als Ziel haben. Diese Initiative wurde im Rahmen der „toMOORow“ Aktionsgruppe ins Leben gerufen und besitzt prominente Akteur*innen wie die Pfleiderer Deutschland GmbH, die Erwin Hymer Group sowie die Gründungsmitglieder Toom und Obi.

Schlussendlich können Paludikulturen als eine Schlüsselstrategie betrachtet werden, um Moore klimawirksam zu schützen und gleichzeitig eine nachhaltige Perspektive für Landwirte zu eröffnen.

Quellen:

  • https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/klimawandel-mit-pflanzen-die-welt-retten
  • https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/neugier-genuegt/redezeit-bernhard-kegel-100.html
  • https://www.bfn.de/paludikultur

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