Dienstag, 17. Februar 2026

Gesundheit und Klima: Health for Future

Ein Beitrag von Judith Beschle 

Was hat eine Hitzewelle mit der Notaufnahme zu tun? Warum betrifft Feinstaub nicht nur Umweltstatistiken, sondern konkrete Patient*innen? Und weshalb ist Klimapolitik längst auch Gesundheitspolitik?

Die Klimakrise wird häufig in Tonnen CO₂, globalen Temperaturkurven oder Kipppunkten diskutiert. Doch jenseits dieser abstrakten Größen hat sie eine sehr konkrete Dimension: Sie betrifft den menschlichen Körper. Sie beeinflusst, wie wir atmen, wie wir schlafen, wie wir essen – und wie krank oder gesund wir sind. Genau hier setzt das Bündnis Health for Future an.

Die Initiative macht deutlich: Klimaschutz ist kein optionales Umweltprojekt, sondern eine zentrale Voraussetzung für den Schutz und die Förderung menschlicher Gesundheit. Wer über Nachhaltigkeit spricht, muss daher auch über Krankenhäuser, Prävention, soziale Gerechtigkeit und planetare Grenzen sprechen.

Klimakrise als Gesundheitskrise

Die wissenschaftliche Evidenz ist eindeutig: Die Klimakrise wirkt sich bereits heute auf die Gesundheit von Menschen aus – global wie lokal.

Hitze: Die unterschätzte Gefahr

Steigende Durchschnittstemperaturen führen zu häufigeren und intensiveren Hitzewellen. Hitze belastet insbesondere ältere Menschen, chronisch Erkrankte, Schwangere und Kinder. Kreislaufprobleme, Dehydrierung, Nierenversagen oder Herzinfarkte nehmen zu. Auch die Zahl hitzebedingter Todesfälle steigt. Hinzu kommt: Städte mit hohem Versiegelungsgrad entwickeln sogenannte „Hitzeinseln“, in denen sich die Temperaturen zusätzlich aufstauen. Klimaanpassung wird damit zur gesundheitlichen Präventionsmaßnahme – etwa durch Begrünung, Verschattung oder intelligente Stadtplanung.

Luftqualität: Fossile Energien machen krank

Die Verbrennung fossiler Energieträger verursacht Feinstaub und Stickoxide. Diese Schadstoffe sind nachweislich mit Atemwegserkrankungen, Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Klimaschutzmaßnahmen wie der Ausbau erneuerbarer Energien oder die Verkehrswende sind daher nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern reduzieren unmittelbar gesundheitliche Risiken. Jede vermiedene Emission bedeutet auch weniger Belastung für Lunge und Herz.

Infektionskrankheiten und Ökosystemveränderungen

Veränderte Temperatur- und Niederschlagsmuster begünstigen die Ausbreitung bestimmter Krankheitserreger und Vektoren. Zecken und Mückenarten, die Infektionskrankheiten übertragen, breiten sich in neue Regionen aus. Auch Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen können hygienische und medizinische Infrastrukturen destabilisieren.

Psychische Gesundheit

Nicht zuletzt hat die Klimakrise eine psychologische Dimension. Zukunftsängste, Ohnmachtsgefühle oder Stress durch Extremwetterereignisse wirken sich auf die mentale Gesundheit aus. Der Begriff „Klimastress“ beschreibt dabei ein wachsendes gesellschaftliches Phänomen – insbesondere bei jungen Menschen.

„Healthy Planet, Healthy People“

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum Health for Future das Leitmotiv „Healthy Planet, Healthy People“ verwendet. Die zentrale Botschaft lautet: Menschliche Gesundheit ist untrennbar mit der Gesundheit der ökologischen Systeme verbunden. Dieses Denken entspricht dem Konzept der „Planetary Health“, das davon ausgeht, dass stabile Klimabedingungen, Biodiversität, sauberes Wasser und gesunde Böden fundamentale Voraussetzungen für gesellschaftliches Wohlergehen sind. Wenn diese Grundlagen destabilisiert werden, gerät auch die öffentliche Gesundheit unter Druck. Klimaschutz ist somit keine Zusatzaufgabe, sondern eine präventive Gesundheitsstrategie. Er schützt nicht nur zukünftige Generationen, sondern verbessert bereits heute Lebensqualität und Lebensbedingungen.

Wer ist Health for Future?

Health for Future ist ein Bündnis von Menschen aus Gesundheitsberufen sowie aus gesundheitsnahen und wissenschaftlichen Bereichen. Entstanden ist es 2019 im Kontext der For-Future-Bewegung. Ziel ist es, die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und politisches Handeln einzufordern. Initiiert wurde das Bündnis von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit, einem Netzwerk aus Akteur*innen des Gesundheitswesens, das sich für eine klimaresiliente und nachhaltige Gesundheitsversorgung einsetzt. Health for Future versteht sich als Teil einer breiteren gesellschaftlichen Bewegung für Klimagerechtigkeit – im Austausch mit Initiativen wie Fridays for Future und anderen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen.

Engagement: Kurz und wirkungsvoll

Das Bündnis engagiert sich auf mehreren Ebenen:

  • Aufklärung und Bildung: Durch Vorträge, Workshops und Informationsmaterialien wird vermittelt, wie eng Klima- und Gesundheitsschutz miteinander verbunden sind.
  • Politische Positionierung: Health for Future bringt gesundheitliche Argumente in klimapolitische Debatten ein und fordert evidenzbasierte Maßnahmen.
  • Öffentliche Präsenz: Bei Klimastreiks und Aktionen macht das Bündnis sichtbar, dass Ärzte und Ärztinnen, Pflegekräfte, Therapeut*innen und Studierende Klimaschutz als Teil ihres beruflichen Ethos verstehen.

Dabei geht es nicht nur um Kritik, sondern auch um Lösungen: ein klimaneutrales Gesundheitswesen, nachhaltige Beschaffung, Energieeffizienz in Kliniken und eine stärkere Verankerung von Klimakompetenz in der medizinischen Ausbildung.

Das Gesundheitswesen in der Verantwortung

Ein wichtiger, oft übersehener Aspekt ist die Rolle des Gesundheitssektors selbst. Weltweit verursacht das Gesundheitswesen einen relevanten Anteil an Treibhausgasemissionen – etwa durch Energieverbrauch, Transport, Lieferketten oder Einwegmaterialien. Wenn Krankenhäuser rund um die Uhr betrieben werden, hochkomplexe Technik nutzen und globalisierte Lieferketten benötigen, entsteht ein erheblicher ökologischer Fußabdruck. Health for Future betont daher eine doppelte Verantwortung:

  • Die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise sichtbar zu machen.
  • Das eigene System nachhaltiger zu gestalten.

Ein klimafreundliches Gesundheitswesen ist kein Widerspruch zu guter Versorgung – im Gegenteil: Energieeffizienz, regionale Beschaffung und Präventionsorientierung stärken langfristig die Resilienz des Systems.

Klimaschutz als Co-Benefit-Strategie

Ein besonders überzeugendes Argument in der Verbindung von Gesundheit und Klimaschutz sind sogenannte „Co-Benefits“ – also positive Nebeneffekte. Beispiele:

  • Mehr Rad- und Fußverkehr reduziert Emissionen und fördert gleichzeitig Bewegung.
  • Pflanzenbetonte Ernährung senkt Treibhausgasemissionen und kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen.
  • Grünflächen in Städten verbessern das Mikroklima und stärken psychisches Wohlbefinden.

Klimaschutzmaßnahmen zahlen also direkt auf die öffentliche Gesundheit ein. Sie sind Investitionen in Lebensqualität.

Relevanz für Universitäten

Für Hochschulen ist die Verbindung von Klima und Gesundheit besonders relevant. Forschung, Lehre und institutionelle Praxis können hier ineinandergreifen:

  • Integration von Planetary Health in Curricula
  • Interdisziplinäre Forschungsprojekte
  • Nachhaltige Campusentwicklung
  • Förderung studentischen Engagements

Health for Future zeigt exemplarisch, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in gesellschaftliches Handeln übersetzt werden können. Gerade Universitäten tragen eine Verantwortung, evidenzbasiertes Wissen nicht nur zu produzieren, sondern auch wirksam in die Öffentlichkeit zu tragen.

Fazit: Gesundheit beginnt beim Klima

Die Klimakrise fordert uns nicht nur als Bürger*innen, sondern auch als Patient*innen, Menschen in Gesundheitsberufen, Forschende und politische Entscheidungsträger*innen heraus. Health for Future macht deutlich: Klimaschutz ist ein Akt der Fürsorge. Er schützt besonders vulnerable Gruppen, reduziert bestehende Ungleichheiten und stärkt die Resilienz unserer Gesellschaft. Wenn wir Gesundheit ernst nehmen, müssen wir Klimaschutz als integralen Bestandteil davon begreifen. Denn letztlich gilt: Ohne stabile ökologische Grundlagen gibt es keine stabile öffentliche Gesundheit. Die Frage ist also nicht, ob Klima- und Gesundheitspolitik zusammengehören – sondern wie schnell wir diese Verbindung konsequent umsetzen.

 

Literaturverzeichnis

Primärquellen 

  • Health for Future. (o. D.). Über uns. https://healthforfuture.de/ueber-uns/
  • Health for Future. (2020). Vorstellungsvideo: Health for Future [Video]. YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=HCvpXfE3tEc
  • Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. (KLUG). (o. D.). Über uns. https://www.klimawandel-gesundheit.de

Weiterführende Literatur 

  • Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). (2022). Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability. Contribution of Working Group II to the Sixth Assessment Report. Cambridge University Press. https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg2/
  • Romanello, M., et al. (2023). The 2023 report of the Lancet Countdown on health and climate change: The imperative for a health-centred response in a world facing irreversible harms. The Lancet, 402(10419), 2346–2394. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(23)01859-7
  • Watts, N., et al. (2015). Health and climate change: Policy responses to protect public health. The Lancet, 386(10006), 1861–1914. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(15)60854-6
  • World Health Organization (WHO). (2023). Climate change and health. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/climate-change-and-health

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen